Die Forschungsmethode als Beobachtung

Verdeutlicht am Beispiel der Häufigkeit der Nutzung der Treppe und des Fahrstuhls von Frauen mit Schuhen mit Absatz an der Universität Paderborn


Seminararbeit, 2010

44 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Die Forschungsmethode der Beobachtung

3 Entwicklung des Beobachtungsverfahrens
3.1 Vorüberlegungen
3.1.1 Thema und Fragestellung
3.1.2 Hypothesenbildung
3.1.3 Operationalisierung der Beobachtungskategorien
3.1.4 Quantifizierung der Beobachtungskategorien
3.1.5 Festlegung von Grundgesamtheit und Stichprobe
3.1.6 Festlegung der Beobachtungsform
3.1.7 Erstellung des Beobachtungsbogens
3.2 Pretest
3.2.1 Auswertung des Pretests
3.2.2 Änderungen im Untersuchungsdesign nach Pretest

4 Dokumentation und Auswertung der Untersuchung

5 Methodische Auswertung
5.1 Festlegung der Hypothese
5.2 Festlegung der Operationalisierung
5.3 Festlegung der Quantifizierbarkeit
5.4 Festlegung der Grundgesamtheit und der Stichprobe
5.5 Festlegung der Beobachtungsform
5.6 Beobachtungsbogen
5.7 Fehlerquellen

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht über verschiedene Skalen-Typen zur Quantifizierung von Ergebnissen in wissenschaftlichen Untersuchungen

Tabelle 2: Ergebnisse Pretest Montag

Tabelle 3: Ergebnisse Pretest Dienstag

Tabelle 4: Ergebnisse Pretest Donnerstag

Tabelle 5: Auswertungstabelle Haupttest nach Wochentagen

Tabelle 6: Auswertungstabelle Haupttest nach Wochen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Klassifikation möglicher Beobachtungsformen

1 Vorwort

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlich-empirischen Forschungsmethode der Beobachtung. Dabei wird nicht nur theoretisch über das Verfahren der Beobachtung gesprochen, sondern ein praktisch während des Semesters durchgeführtes Projekt mit in die theoretischen Betrachtungen eingebracht und der Verlauf des konkreten Beobachtungsprojektes in den einzelnen Phasen beschrieben.

Diese Arbeit ist so aufgebaut, dass sie sich systematisch an der Entwicklung und Durchführung eines realen Untersuchungsvorhabens entlang hangelt.

Nachdem im folgenden Kapitel eine klare Verortung der Beobachtung im Rahmen wissenschaftlicher Forschungsmethoden vorgenommen wird und wesentliche Begrifflichkeiten geklärt werden, schließt sich die Entwicklung des Beobachtungsverfahrens mit seinen einzelnen Teilschritten an, welche detailliert beschrieben und erläutert werden.

Im vierten Teil dieser Arbeit erfolgt eine kurze Auswertung der Gesamtuntersuchung und einige vorsichtige Rückschlüsse bezüglich der Untersuchungsergebnisse, bevor im letzten Teil die Vorgehensweise für die einzelnen Teilbereiche aus der Retrospektive heraus kritisch beleuchtet werden. Hier ist die Fragestellung leitend, was mit dem Wissen der nun gemachten Erfahrungen an der Vorgehensweise besser gemacht werden könnte beziehungsweise unbedingt geändert werden müsste.

Zum Schluss erfolgt eine persönliche Bewertung der Beobachtung als Forschungsmethode.

2 Die Forschungsmethode der Beobachtung

Sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze gibt es viele. Die Frage ist jedoch, wie wissenschaftlich fundiert diese Ansätze wirklich sind. Daraus ergibt sich für Forschungsmethoden in der Pädagogik, dass zunächst eine klare Trennung gezogen werden muss zwischen so genanntem Alltagswissen und empirisch abgesicherten Erkenntnissen. Alltagwissen bezeichnet all das, was Menschen aufgrund von ‚gesundem Menschenverstand’ und persönlichen Erfahrungen zur Erklärung ihrer Welt ableiten können. Daraus ergeben sich häufig Wahrheiten für das Individuum, welche jedoch keine allgemeingültigen Aussagen für zum Beispiel alle Bürgerinnen und Bürger[1] der Bundesrepublik Deutschland sein müssen. Für das Verfahren der Beobachtung bedeutet dies, dass eine Alltagsbeobachtung offensichtlich etwas anderes ist, als eine wissenschaftliche Beobachtung. So formuliert Atteslander: „Unter Beobachtung verstehen wir das systematische Erfassen, Festhalten und Deuten sinnlich wahrnehmbaren Verhaltens zum Zeitpunkt seines Geschehens“ (2008, S. 67). Diese Definition zeigt deutlich, dass eine wissenschaftliche Beobachtung weit über eine normale Beobachtung im Alltag hinaus geht. Dies manifestiert sich darin, dass die Ergebnisse der Beobachtung in irgendeiner Form fixiert und im Vorfeld systematisch vorbereitet werden müssen.

Generell können in den Sozial- und damit auch in den Erziehungswissenschaften zwei grundsätzliche Untersuchungsverfahren unterschieden werden, nämlich qualitative und quantitative Verfahren. „Ein erstes Unterscheidungsmerkmal zwischen qualitativer und quantitativer Forschung ist die Art des verwendeten Datenmaterials: Während in der qualitativen Forschung Erfahrungsrealität zunächst verbalisiert wird […], wird sie im quantitativen Ansatz numerisch beschrieben“ (Bortz & Döring, 2003, S. 295). Vereinfacht kann festgehalten werden, dass quantitative Daten zunächst den Zusammenhang zwischen zwei Merkmalen beschreiben jedoch nicht die Ursachen für diesen Zusammenhang. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die beiden Ansätze sich auch verschiedener Forschungsmethoden bedienen und ihnen ein grundlegend unterschiedliches Wissenschaftsverständnis zugrunde liegt (vgl. ibid).

Die Forschungsmethode der Beobachtung kann grundsätzlich für beide Vorgehensweisen eingesetzt werden. Dies bestätigt auch Atteslander indem er schreibt: „Beobachtung kann sowohl im Rahmen qualitativer als auch im Kontext quantitativer Sozialforschung Anwendung finden“ (2008, S. 69).

Jede wissenschaftliche Untersuchung obliegt dabei gewissen Prüfkriterien, die erlauben zu beurteilen, ob die gewonnenen Erkenntnisse nicht nur für einen Spezialfall gelten, sondern verallgemeinert werden können. Diese so genannten Gütekriterien sind bei den beiden Forschungsrichtungen sehr verschieden. Bei allen quantitativen Untersuchungen müssen jeweils die Kriterien Objektivität, Validität, Reliabilität und intersubjektive Überprüfbarkeit angelegt werden (vgl. Atteslander, 2008, S. 70).

Exkurs Gütekriterien

„Die Objektivität eines Test gibt an, in welchem Ausmaß die Testergebnisse vom Testanwender unabhängig sind“ (Bortz & Döring, 2003, S. 194). Dies bedeutet, dass es bei einer quantitativen Beobachtung keinen Unterschied machen darf, welcher Beobachter am jeweiligen Tag die Beobachtung vornimmt. Völlig unabhängig von der Person muss die Untersuchung so aufgebaut sein, dass jeder Beobachter zum gleichen Zeitpunkt zum genau gleichen Ergebnis kommt.

„Die Reliabilität eines Test kennzeichnet den Grad der Genauigkeit, mit dem das geprüfte Merkmal gemessen wird“ (ibid, S. 195). Dies bedeutet, dass das Beobachtungsdesign so gewählt ist, dass beispielsweise der Beobachter auch wirklich all das beobachten kann, was er soll und nicht zum Beispiel durch ‚sich verzählen’ die Daten verfälscht werden.

„Die Validität eines Tests gibt an, wie gut der Test in der Lage ist, genau das zu messen, was er zu messen vorgibt“ (ibid, S. 199). Dies beinhaltet zum Beispiel die Frage, ob ein Intelligenztest wirklich die Intelligenz misst und nicht irgendetwas anderes, wie zum Beispiel logisches Denken.

Im Gegensatz dazu werden bei qualitativen Beobachtungen Prüfkriterien wie die Offenheit bezüglich des Ergebnisses der Untersuchung, der Prozesscharakter von Gegenstand und Forschung, die Reflexivität der Forschung, die Explikation des Vorgehens, eine offene Kommunikation während des Forschungszeitraums sowie die Problemorientierung (vgl. Atteslander, 2008, S. 71 f.) als Messhilfen für ein gelungenes und gutes Forschungsdesign zu Hilfe genommen. Da die qualitative Sozialforschung in der Regel Aussagen von Dritten interpretieren muss wird schnell deutlich, wie viel schwieriger es ist, diese Art der Forschung wiederholbar zu machen.

In der vorliegenden Arbeit geht es um ein quantitatives Forschungsvorhaben.

3 Entwicklung des Beobachtungsverfahrens

3.1 Vorüberlegungen

Je nach Autor können fünf bis acht Phasen bzw. Schritte eines jeglichen Forschungsablaufes ausgemacht werden. Hier werden exemplarisch drei verschiedene Einteilungen vorgestellt. Atteslander (2008, S. 17 f.) nennt für einen guten Forschungsablauf fünf Phasen:

1) Problembenennung
2) Gegenstandsbenennung
3) Durchführung (Anwendung von Forschungsmethoden)
4) Analyse (Auswertungsverfahren)
5) Verwendung von Ergebnissen

Bei Raithel (2008, S. 26 ff.) wird der Forschungsablauf wie folgt dargestellt:

1) Untersuchungsziel; Problemformulierung, Forschungsfrage

2) Theorie- und Hypothesenbildung

3) Konzeptualisierung
- Operationalisierungsvorgang
- Konstruktion des Erhebungsinstrumentes
- Festlegung des Forschungsdesigns
- Festlegung der Stichprobe
- Pretest

4) Erhebungsvorbereitung und Datenerhebung

5) Datenaufbereitung - Erstellung der Datenmatrix
- Dateneingabe
- Datenbereinigung
- Datenmodifikation

6) Datenanalyse
- Häufigkeiten und univariate Maßzahlen
- Bi- und multivatiate Analyseverfahren
- Hypothesentests, Signifikanztests

7) Interpretation und Dissemination

König & Zedler (2002, S. 58 ff.) unterscheiden acht Schritte in der Forschungsmethodik:

1) Hypothesenbildung
2) Operationalisierung unabhängiger und abhängiger Variablen
3) Quantifizierung
4) Festlegung der Verhaltensstichprobe
5) Festlegung des Erhebungsdesigns
6) Durchführung des Vortests
7) Durchführung der Erhebung
8) Auswertung der Daten

Generell kann festgehalten werden, dass alle Autoren zwar in der Zuordnung einzelner Schritte variieren, die Reihenfolge der Teilschritte jedoch immer gleich bleibt. So werden bei König & Zedler beispielsweise Operationalisierung und Vortest als eigene Teilschritte dargestellt, während diese bei Raithel unter dem Punkt Konzeptualisierung mit noch weiteren Teilschritten zusammengefasst sind.

In dieser Ausarbeitung werde ich mich an den acht Schritten von König & Zedler orientieren, wobei ich allerdings den Vorschlag von Raithel mit aufnehme und bei der Formulierung der Forschungsfrage beginnen werde. Erst danach wird der erste Schritt von König & Zedler aufgegriffen und die Hypothese gebildet. Auch in der weiteren Darstellung der einzelnen Schritte werde ich mich nicht durchgehend an die vorgeschlagene Reihenfolge halten.

3.1.1 Thema und Fragestellung

Im Seminar wurde freigestellt, welches Thema die durchgeführte Beobachtung haben soll. Es wurde lediglich festgelegt, dass eine quantitative Fragestellung beobachtet werden soll.

In meiner Kleingruppe entschieden wir uns, eine Beobachtung zur Nutzung der Fahrstühle durchzuführen. Dabei wurden verschiedene Beobachtungsschwerpunkte diskutiert:

- Nutzen mehr Frauen oder mehr Männer den Fahrstuhl?
- Nutzen mehr Personen den Fahrstuhl als die Treppe?
- Nutzen Personen mit flachen Schuhen den Fahrstuhl häufiger als die Treppe?

Diskutiert wurde auch eine Beobachtung darüber, ob Frauen, die den Fahrstuhl nutzen zufriedener sind als Männer, welche den Fahrstuhl nutzen. Bei dieser Fragestellung kamen wir allerdings bereits in dieser Phase der Untersuchung in Schwierigkeiten bei der Bestimmung, wie man zufrieden beobachten kann. Daraus ergibt sich, dass Motive für Verhaltensweisen und Gefühlszustände nur sehr ‚schwer objektiv beobachtbar’ sind. Um bei solchen Fragestellungen zu Aussagen kommen zu können, bedarf es immer klarer Kriterien, welche durch beobachtbare Verhaltensweisen einen Rückschluss auf den Gefühlszustand zulassen (z.B. könnte ein Lächeln als Kriterium für Zufriedenheit definiert werden).

Zunächst verständigte sich die Kleingruppe darauf, dass kein Gender Vergleich durchgeführt werden sollte. Ein einfacher Vergleich der Treppen- im Vergleich zur Fahrstuhlnutzung schien uns zu schlicht zu sein, da wir an einem solchen Untersuchungsdesign einige der wesentlichen Bestandteile der Beobachtung, wie zum Beispiel eine detaillierte Operationalisierung, nicht gut üben konnten. Daher entschieden wir uns für die Untersuchung eines Zusammenhangs zwischen dem Tragen von Absätzen und der Nutzung der Treppe bzw. des Fahrstuhls.

3.1.2 Hypothesenbildung

Allgemein gesprochen ist eine Hypothese „eine Vermutung über einen bestimmten Sachverhalt“ (Raithel,, 2008 S. 14). Konkreter formuliert ist eine Hypothese die „Annahme über den Zusammenhang zwischen verschiedenen Faktoren“ (König & Zedler, 2002, S. 59).

Bortz & Döring geben folgende Definition: „Wissenschaftliche Hypothesen sind Annahmen über reale Sachverhalte (empirischer Gehalt, empirische Untersuchbarkeit) in Form von Konditionalsätzen. Sie weisen über den Einzelfall hinaus (Generalisierbarkeit, Allgemeinheitsgrad) und sind durch Erfahrungsdaten widerlegbar (Falsifizierbarkeit)“ (2003, S.8).

Eine Hypothese muss grundsätzlich überprüfbar sein und sollte eine provokante Aussage machen. Zudem sollte eine gute Hypothese „präzise, zielbezogen und konkret“ (Seminarreader, WS 2009 / 2010, S. 1) sein. Die Hypothese wird in jedem Fall positiv formuliert. Mit ihr soll nicht formuliert werden, was die Beobachtung (oder die Untersuchung allgemein) NICHT zeigen soll, sondern was sie beweisen soll. Darüber hinaus sollte eine Hypothese nie als Frage formuliert werden, sondern eine Aussage treffen, die am Ende der Untersuchung entweder bestätigt wird oder verworfen werden muss. Wichtig bei der Formulierung ist auch, dass die gemachte Aussage überprüfbar ist und nicht durch eine zu unkonkrete Formulierung sich nicht überprüfen lässt (vgl. ibid).

Basierend auf den genannten Kriterien wurde zunächst folgende Hypothese formuliert:

1. Formulierung der Hypothese:

Frauen, die Schuhe mit Absatz tragen, nutzen in der Mittagspause häufiger den Fahrstuhl als die Treppe.

Mit der Formulierung dieser Hypothese gibt es einige Schwierigkeiten. So ist die Forderung von ‚ häufiger … als’ ist nicht konkret genug. Bei dieser Aussage reicht es aus, wenn lediglich eine Frau mehr die Treppe als den Fahrstuhl nutzt, um die Hypothese zu widerlegen. Hinzu kommt, dass eine 50% Hypothese, denn um eine solche handelt es sich hier, in der Regel nicht wirklich ein interessanter Untersuchungsgegenstand ist, da sie bei Widerlegung keine große Aussagekraft besitzt. Besser ist es, eine ‚ verwegene’ Hypothese zu stellen, die einen hohen Zusammenhang zwischen den Variablen verlangt.

Während der Bildung der Hypothese ergaben sich Unsicherheiten bezüglich der klaren Nennung von Ort und Zeit. Es wurde im Seminar deutlich, dass der Ort und die Zeit in die Hypothese aufgenommen werden können, aber nicht müssen. Dabei ist zu beachten, dass es bei der Hypothesenbildung noch nicht darum geht, einen genauen Zeitpunkt und einen genauen Ort zu bestimmen. Es kann aber schon eine grobe Vorauswahl wie zum Beispiel ‚ in der Mittagspause’ oder ‚an der Universität Paderborn’ getroffen werden.

Wichtig bereits bei der Hypothesenbildung ist es, darauf zu achten, dass die genannten Merkmale wirklich beobachtbar sind. So kann zum Beispiel nicht beobachtet werden, ob eine Person Studentin, Dozentin oder Gast ist. Von daher ist es wichtig, dies klar zu formulieren, indem man alle diese Gruppen mit einbezieht. Das ist bereits in der ersten Formulierung der Hypothese gut geglückt, indem die Personengruppe mit ‚Frauen’ bezeichnet wurde. Die Unterscheidung ob Mann oder Frau ist beobachtbar, alle anderen Untergruppierungen wie Studentin, Dozentin oder Gast fallen darunter.

Unter Berücksichtigung der oben genannten Kritikpunkte wurde die Hypothese wie folgt neu formuliert:

2. Formulierung der Hypothese:

Mehr als 70% der Frauen an der Universität Paderborn, die Schuhe mit Absatz tragen, nutzen in der Mittagspause den Fahrstuhl statt der Treppe.

In vielen Veröffentlichungen wird bei der Hypothesenbildung insbesondere im Zusammenhang mit Experimenten auf die Unterscheidung von abhängiger und unabhängiger Variable eingegangen (vgl. Raithel, 2008, S. 14 f.; Bortz & Döring, 2003, S. 9 f., König & Zedler, 2002, S. 59f.). Dabei ist die abhängige Variable diejenige „von der man annimmt, dass sie sich in Abhängigkeit von der anderen Variablen verändert“ (König & Zedler, 2002, S. 60). Die unabhängige Variable ist diejenige, „die sich unabhängig von der abhängigen Variablen ändert“ (ibid). Auch wenn es sich bei unserem Forschungsvorhaben um kein Experiment handelt, so könnte man formulieren, dass die Nutzung der Treppe / des Fahrstuhls die abhängige Variable ist, welche davon abhängt, welches Schuhwerk die beobachteten Personen tragen (unabhängige Variable).

3.1.3 Operationalisierung der Beobachtungskategorien

Wichtig bei einer wissenschaftlichen Untersuchung ist die „systematische Erfassung sozialer Wirklichkeit“ (Atteslander, 2008, S. 33). Da die soziale Wirklichkeit einer Person oder Personengruppe zu umfangreich für eine wissenschaftliche Untersuchung ist, können immer nur Ausschnitte dieser Wirklichkeit betrachtet werden. Dies fordert dafür dann aber eine umso größere Genauigkeit in der Benennung und Begrenzung des untersuchten Gegenstandes. Zu diesem Zweck dient die Operationalisierung. Einfach gesagt prüft die Operationalisierung, ob alle Kriterien, welche beobachtet werden sollen, auch wirklich beobachtbar sind und in welcher Weise dies zu geschehen hat. Hinzu kommt, dass an dieser Stelle geklärt werden muss, wie bestimmte Merkmale einzuordnen sind.

Ob ein Individuum ein Mann oder eine Frau ist, wird in der Regel von allen Beobachtern auch ohne weitere Merkmalsbeschreibung richtig zugeordnet werden können. Andere Kriterien sind in dieser Hinsicht nicht so eindeutig.

Für unsere Forschungsfrage ergeben sich beispielsweise folgende Beobachtungsschwierigkeiten:

- Was ist ein Absatz?

An dieser Stelle muss geklärt werden, ab wann ein Absatz zum Absatz wird. Ist bereits ein Schuh mit einer leichten Erhöhung ein Absatz oder ein Schuh, bei dem man einen Hohlraum zwischen Absatz und Vorfuß sieht? Wie sind Plateauschuhe einzuordnen? Ist eine bestimmte Mindesthöhe, also z.B. 3 cm, erforderlich (und wie soll man diese dann beobachten)? Für unsere Untersuchung wurde entschieden, dass alle Schuhe, welche nicht ganz flach sind (z.B. in der Regel Turnschuhe), als Schuhe mit Absatz gewertet werden.

- Was bedeutet den Fahrstuhl bzw. die Treppe nutzen?

Geht es an dieser Stelle nur um eine Nutzung nach oben oder werden auch die Frauen mitgezählt, welche aus dem Fahrstuhl aussteigen? Was ist mit Personen, welche in den Fahrstuhl einsteigen und ohne hinauf zu fahren wieder aussteigen? Wie weit muss ich die Frau mit den Blicken verfolgen, um behaupten zu können, dass sie die Treppe genutzt hat? Und auch hier: Was ist mit den Frauen, welche die Treppe herunter kommen? Für unsere Untersuchung nutzt eine Frau dann den Fahrstuhl, wenn sie einsteigt und sich die Türen hinter ihr schließen. Die Treppe nutzen bedeutet, dass eine Frau den ersten Absatz der Treppe nach oben nutzt und nicht umkehrt.

3.1.4 Quantifizierung der Beobachtungskategorien

Nach König & Zedler bedeutet Quantifizierung „die Zuordnung von Messgrößen zu einzelnen Beobachtungen“ (2002, S. 64). Während bei König & Zedler im Buch von 1983 der Begriff der Häufigkeitsbeobachtung eine zentrale Rolle gespielt hat, so wird er in ihrem Buch von 2002 lediglich am Rande erwähnt. Um eine Häufigkeitsbeobachtung geht es immer dann, wenn anhand des Zählens bestimmter Merkmale diese gemessen und in Zahlen erfasst werden können.

In unserem Forschungsvorhaben geht es darum zu erfassen, wie viele Frauen, die Schuhe mit Absatz tragen den Fahrstuhl nutzen und wie viele die Treppe. Aufgrund der klaren Festlegung der Kriterien durch die Operationalisierung, ist ein Zählen der Kriterien möglich geworden. Es handelt sich bei der durchgeführten Beobachtung also um eine Häufigkeitsbeobachtung.

Es stellt sich in diesem Zusammenhang direkt die Frage, ob eineindeutige Merkmale erfasst werden, oder ob bestimmte Gruppen geklustert werden. Dadurch ergeben sich verschiedene Skalen Typen zur Auswertung. Neben der Nominal-Skala, in der „einzelne Aussagen lediglich verschiedenen Klassen zugeordnet“ (König & Zedler, 2002, S. 64) werden, gibt es noch die Ordinal-Skala, in der eine Rangfolge festgelegt wird. Darüber hinaus können auch noch Intervall-Skalen und Ratio- / Ralations- / Verhätnis-Skalen unterschieden werden (vgl. ibid, S. 66f.).

[...]


[1] Im Folgenden wird zugunsten einer besseren Lesbarkeit ausschließlich die männliche Form verwendet. Dies schließt aber stets beide Geschlechter mit ein.

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Die Forschungsmethode als Beobachtung
Untertitel
Verdeutlicht am Beispiel der Häufigkeit der Nutzung der Treppe und des Fahrstuhls von Frauen mit Schuhen mit Absatz an der Universität Paderborn
Hochschule
Universität Paderborn  (Kulturwissenschaften)
Veranstaltung
Projektseminar 'Beobachtung'
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
44
Katalognummer
V157745
ISBN (eBook)
9783640713899
ISBN (Buch)
9783640714032
Dateigröße
637 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine insgesamt sehr gut gelungene Ausarbeitung. Insbesondere ist die Skizzierung der Entwicklung, Durchführung und Auswertung stringent und sehr breit fundiert vorgenommen worden.
Schlagworte
Beobachtung, Forschungsmethode, Forschungsmethoden, wissenschaftliche Forschung, empirische Forschung, Feldforschung, wissenschaftliches Arbeiten, Beobachtungsbogen, Hypothese, Operationalisierung, Quantifizierbarkeit, Grundgesamtheit, Hypothesenbildung, Quantifizierung, Stichprobe, Beobachtungsform, Pretest, sozialwissenschaftliche Forschung
Arbeit zitieren
Martina Vögele (Autor), 2010, Die Forschungsmethode als Beobachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157745

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