Seit Errichtung des Eisernen Vorhangs standen der Sozialismus und die Demokratie in stetem Wettkampf um die Vorherrschaft der Systeme. Im Laufe der Zeit wurde jedoch schnell deutlich, dass ein kollektivistisches und von oben gesteuertes Wirtschaftssystem nicht die Anreize liefern kann, Wachstum, Wohlstand und die Steigerung des Lebensstandards der breiten Bevölkerung sicherzustellen. Ende der 1980er Jahre kam es schließlich zur Systemtransformation in den Ostblockstaaten und zu dem Ende des Sozialismus in Osteuropa.
Der in allen postsozialistischen Ländern einsetzende wirtschaftliche Transformationsprozess nahm in jeder dieser Volkswirtschaften einen anderen Verlauf. In manchen verlief er relativ schnell, in anderen mit weniger Problemen behaftet.
Mit dieser Arbeit werden exemplarisch die ehemalige Deutsche Demokratische Republik (DDR) und die Republik Ungarn in Bezug auf den wirtschaftlichen Transformationsprozess und den daraus resultierenden krisenhaften Entwicklungen in einem Zeitfenster von 1989 bis 1995 näher betrachtet. Der Vergleich der beiden Länder bietet sich aufgrund der unterschiedlichen Ausprägung und Sequenz der jeweiligen wirtschaftlichen Transformationsprozesse besonders an.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Grundlagen der wirtschaftlichen Transformation
3 Die wirtschaftliche Transformation und die daraus resultierenden Probleme in der DDR
3.1 Die wirtschaftliche Wiedervereinigung – Der Transformationsprozess von der Plan- zur Marktwirtschaft
3.1.1 Die Wirtschafts- und Währungsunion als Garant von Wettbewerb, monetärer Stabilität und materieller Sicherheit
3.1.2 Die Festlegung des Umrechnungskurses zwischen DDR- und D-Mark
3.1.3 Die Privatisierung ostdeutscher Betriebe im Zeichen der Treuhandanstalt
3.2 Die Auswirkungen der Wiedervereinigung auf die Wirtschaftskraft der neuen Bundesländer und die Transformationskrise
3.2.1 Die Überbewertung des ostdeutschen Kapitalstocks
3.2.2 Die De-Industrialisierung in den neuen Bundesländern
3.2.3 Die Auswirkung der Wirtschaftstransformation auf die Lohndynamik in den neuen Bundesländern
3.3 Der ökonomische Aufholprozess der neuen Bundesländer
4 Die wirtschaftliche Transformation und die daraus resultierenden Probleme in Ungarn
4.1 Frühe Wirtschaftsreformen als Wegbereiter des Transformationsprozesses und der Übergang zur Marktwirtschaft
4.1.1 „Der Dritte Weg“ zwischen Plan- und Marktwirtschaft
4.1.2 Die Reform des ungarischen Bankensystems
4.1.3 Die monetäre Stabilisierungspolitik in Ungarn
4.2 Die Transformationskrise der ungarischen Wirtschaft
4.2.1 Die verpasste Chance einer Währungsreform
4.2.2 Der Einbruch der Wirtschaftsaktivitäten
4.2.3 Ansätze zur Überwindung der Transformationskrise – Der ökonomische Aufholprozess Ungarns
5 DDR und Ungarn im Zwei-Länder-Vergleich
5.1 Gemeinsamkeiten
5.2 Unterschiede
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert und vergleicht exemplarisch den wirtschaftlichen Transformationsprozess der ehemaligen DDR und der Republik Ungarn zwischen 1989 und 1995, um die krisenhaften Entwicklungen nach dem Ende des Sozialismus zu untersuchen.
- Vergleich der Transformationsmodelle: Schocktherapie (DDR) vs. Gradualismus (Ungarn).
- Analyse der wirtschaftlichen Auswirkungen der Wiedervereinigung auf die neuen Bundesländer.
- Untersuchung der Rolle der Treuhandanstalt bei der Privatisierung ostdeutscher Betriebe.
- Bewertung der Währungsreformen, Privatisierungsschritte und Bankenreformen in Ungarn.
- Herausarbeitung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden im Transformationsverlauf beider Länder.
Auszug aus dem Buch
3.1.3 Die Privatisierung ostdeutscher Betriebe im Zeichen der Treuhandanstalt
Die Etablierung einer funktionierenden Marktwirtschaft in Ostdeutschland setzte voraus, dass die staatseigenen Betriebe möglichst zügig privatisiert wurden, damit Anreize zur Kapitalbindung geschaffen werden konnten. Ziel musste also eine wettbewerbsgerechte Umstrukturierung des ehemaligen volkseigenen Vermögens sein, das so rasch wie möglich zurück in privates Eigentum transformiert werden sollte, um den höchstmöglichen Nutzen zu stiften. Mit dieser anspruchsvollen Aufgabe wurde die Treuhandanstalt (THA) in der Präambel des Treuhandgesetzes vom 17. Juni 1990 durch die demokratisch gewählte Volkskammer betraut. Mit dem Einigungsvertrag wurde die Behörde der Rechtsaufsicht des Bundesfinanzministerium unterstellt. Die THA formulierte als Hauptziele eine schnelle Privatisierung, eine entschlossene Sanierung und eine behutsame Stilllegung des ehemaligen volkseigenen Vermögens.
Die zu privatisierende Masse war gewaltig: 8000 Kombinate und Unternehmen im Staatsbesitz, 30.000 Handelsgesellschaften, tausende Apotheken und Büchereien, 3,8 Millionen Hektar Ackerland und Wälder, landwirtschaftliche Betriebe, Mienen, Seen und öffentliche Gebäude sollten innerhalb eines eng gesetzten Zeitfensters weitgehend in Privatbesitz transformiert werden. Im Jahr 1992 arbeiteten bereits über 4.000 Mitarbeiter bei der THA, die dafür zuständig waren, dass die Betriebe und Liegenschaften zu fairen und adäquaten Preisen verkauft werden konnten. Bei Verkaufsgesprächen ehemals volkseigenen Eigentums standen die Investitions- und Arbeitsplatzentwicklungspläne des Investors im Vordergrund. Die Androhung von hohen Vertragsstrafen sollte Investoren abschrecken, die nur an der Substanz, jedoch wenig an Investitionen oder dem Erhalt von Arbeitsplätzen interessiert waren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der Problemstellung und des Gangs der Untersuchung zum Vergleich der wirtschaftlichen Transformation in der DDR und Ungarn.
2 Grundlagen der wirtschaftlichen Transformation: Theoretische Definition der wirtschaftlichen Transformation als radikale Systemumwälzung und Erläuterung der notwendigen Rahmenbedingungen für den Übergang zur Marktwirtschaft.
3 Die wirtschaftliche Transformation und die daraus resultierenden Probleme in der DDR: Analyse des schnellen Transformationsprozesses in der DDR durch die Wiedervereinigung, die Rolle der Treuhandanstalt, die Transformationskrise sowie der anschließende ökonomische Aufholprozess.
4 Die wirtschaftliche Transformation und die daraus resultierenden Probleme in Ungarn: Untersuchung der gradualistischen Wirtschaftsreformen in Ungarn, der Reform des Bankensystems und der Schwierigkeiten bei der Überwindung der transformationsbedingten Wirtschaftskrise.
5 DDR und Ungarn im Zwei-Länder-Vergleich: Gegenüberstellung der beiden Staaten unter Berücksichtigung der Konzepte von Schocktherapie und Gradualismus, wobei die unterschiedlichen Anfangsvoraussetzungen betont werden.
6 Fazit: Zusammenfassendes Ergebnis, dass die DDR-Transformation aufgrund der institutionellen Anbindung an die BRD deutlich schneller verlief als der schrittweise Prozess in Ungarn.
Schlüsselwörter
Wirtschaftliche Transformation, DDR, Ungarn, Wiedervereinigung, Treuhandanstalt, Marktwirtschaft, Transformationskrise, Privatisierung, Schocktherapie, Gradualismus, Währungsunion, Bankenreform, Transformationsprozess, Lohnstückkosten, Wirtschaftsreformen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht und vergleicht die wirtschaftliche Transformation von der Plan- zur Marktwirtschaft in der ehemaligen DDR und Ungarn im Zeitraum von 1989 bis 1995.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die unterschiedlichen Transformationsansätze, der Privatisierungsprozess, die Einführung marktwirtschaftlicher Institutionen sowie die ökonomischen Krisenphänomene in beiden Ländern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den unterschiedlichen Verlauf und die Ergebnisse der Transformationsprozesse in beiden Ländern aufzuzeigen und zu analysieren, warum diese trotz ähnlicher Ausgangslage differierten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse (Zwei-Länder-Vergleich) auf Basis historischer und ökonomischer Literatur sowie Daten des Untersuchungszeitraums.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Prozesse in der DDR (Währungsunion, Treuhand) und in Ungarn (gradualistische Reformen, Bankensystem) sowie deren spezifische Transformationsprobleme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Transformation, DDR, Ungarn, Schocktherapie, Gradualismus, Privatisierung und Marktwirtschaft charakterisiert.
Warum wird der DDR-Transformationsprozess als "Schocktherapie" bezeichnet?
Aufgrund der radikalen und plötzlichen Übernahme des westdeutschen marktwirtschaftlichen Rahmens, inklusive Währungsunion und Institutionen, innerhalb kürzester Zeit.
Warum dauerte die Transformation in Ungarn länger?
Ungarn wählte einen gradualistischen Ansatz ohne umfassende Währungsreform zu Beginn, was zu länger anhaltenden Problemen mit Staatsverschuldung und bad debts führte.
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- Steven Setyadi Kasih (Author), 2009, Die wirtschaftliche Transformation ehemals sozialistischer Staaten nach dem Ende des Sozialismus und ihre Probleme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157758