Das Murren des Volkes - die Kundschaftererzählung in Num 13.14


Hausarbeit (Hauptseminar), 1998

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Literarkritik von Num 13.14
2.1 Auffälligkeiten
2.2 Literarkritische Folgerungen
2.3 Ergebnis der Literarkritik
2.4 Unterschiede zu anderen literarkritischen Entwürfen
2.5 Das Verhältnis der priesterschriftlichen Version zu der anderen Parallelerzählung

3 Formkritik
3.1 Kurze Inhaltsangabe des Textes
3.2 Gliederung des Textes
3.3 Personen
3.4 Die Verteilung von Rede- und Handlungsanteilen
3.5 Die Charakteristik der Reden
3.6 Akzentstellen

4 Auslegung
4.1 Kundschafter
4.2 Die Schuldfrage
4.2.1 Die Schuld der Kundschafter
4.2.2 Die Schuld des Volkes
4.2.3 Die Schuld von Mose und Aaron

5 Mose

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Seminar zum Thema »Mose« beschäftigte sich mit verschiedenen Texten, in denen diese Person in höchst unterschiedlichen Prägungen beschrieben und dargestellt wird. Der Verfasser referierte zu den Texten der Kundschaftererzählung. Hierbei verglich er Num 13.14 und Dtn 1,19-45. Die vorliegende Arbeit beschränkt sich jedoch auf eine genauere Beschäftigung mit dem Numeritext. Es wird zunächst eine Literarkritik vorgenommen, die anhand von literarischen Auffälligkeiten den Text auf seine Einheitlichkeit hin untersucht. Darauf folgt eine nähere, formkritische Betrachtung der »freigelegten« Schicht. Aufgrund der Erkenntnisse aus Literar- und Formkritik werden Kernelemente der Kundschaftererzählung Num 13.14 ausgelegt. Zum Ende der Arbeit wird dann die Person des Mose und ihre Rolle innerhalb des vorliegenden Textes dargestellt und bedacht.

Das Hauptproblem während der Ausarbeitung der Arbeit und die besondere Problematik der Arbeit selbst waren die fehlenden Hebräischkenntnisse des Verfassers. So mußte die Literarkritik am Text der Einheitsübersetzung durchgeführt werden. Daß die Ergebnisse mit denen der Exegeten, die sich mit dem hebräischen Text auseinandersetzen konnten, weitgehend übereinstimmen, muß überraschen.

2 Literarkritik von Num 13.14

Liest man den Schrifttext von Num 13.14 nur oberflächlich, so bemerkt man relativ schnell einige Auffälligkeiten, die eine Literarkritik nahelegen. Vor allem Doppelungen und der häufige Wechsel der genannten Ansprechpartner des Volkes Israel - »Mose« oder »Mose und Aaron« - lassen aufhorchen.

Im Folgenden soll der Text in Bezug auf seine Einheitlichkeit gründlich durchgesehen und die einzelnen Elemente, die zu einer Differenzierung in verschiedene Ebenen, unterschiedliche Parallelerzählungen oder Ergänzungen führen, aufgezählt und interpretiert werden.

2.1 Auffälligkeiten

Im zweiten Vers des 13. Kapitels liegt ein Personenwechsel vor. Spricht der Herr im ersten Satz des Verses Mose als Einzelperson an[1], so sind im zweiten Satz mit der Anrede »ihr« wohl Mose und Aaron angesprochen[2]. Im folgenden Vers schickt wiederum allein Mose die Männer, wie ihm vom Herrn befohlen wurde. Zudem ist ein logischer Bruch festzustellen, wenn der Herr in Vers 2a Mose auffordert, Männer zu schicken, die er im Vers 2b aber erst auswählen soll.

Der Inhalt des Auftrags des Moses[3] in Vers 17 widerspricht dem in Vers 21 beschrittenen Weg der Kundschafter[4]. In den Versen 22f folgt dann jedoch ein zweiter Bericht, der die Beschreibung der Route im Anschluß an die Mose-Rede beinhaltet. Es liegen also zwei Versionen der Erkundung des Landes vor. Die zweite Auskundschaftung, die dem Vorschlag des Moses folgt, ist umfangreicher und ausgeschmückter beschrieben und nimmt das Motiv der Trauben aus der Mose-Rede auf. Zudem zählt sie die Bewohner des Landes auf.

Der Bericht der Kundschafter[5] wiederholt sich inhaltlich in leicht modifizierter Form in den Versen 32f. In ihnen drückt sich ihre Angst und Unsicherheit weit drastischer aus und wird als persönliche Erfahrung geschildert[6]. Zudem wird der Begriff »Land« im Anschluß an Vers 27 stark betont.

Eine weitere Wiederholung findet sich in 13,30 und 14,6-9. Im ersten Fall versucht Kaleb allein, das Volk zu beruhigen, im zweiten Kaleb und Josua gemeinsam. Auch hier ist die Betonung des Begriffes »Land« nicht zu übersehen.

Der Dialog zwischen dem Herrn und Mose von 14,11-25 entspricht weitgehend dem Inhalt der Rede des Herrn an Mose und Aaron von 14,26-35. Auffällig ist außerdem, daß im Vers 24 nur Kaleb, im Vers 30 jedoch Kaleb und Josua als Ausnahmen innerhalb der Gruppe der Kundschafter genannt sind. Die Nennung beider findet sich immer in Passagen, in denen von Mose und Aaron die Rede ist. Geht es aber nur um Mose, wird auch nur der Name Kalebs erwähnt.

2.2 Literarkritische Folgerungen

Aus den in 2.1 aufgeführten Auffälligkeiten am Text lassen sich nun literarkritische Folgerungen ziehen. Vor allem durch die häufigen Wiederholungen ganzer Textpassagen, die inhaltliche Widersprüche aufweisen, liegt die Annahme, daß es sich um zwei Paralleltexte handelt, sehr nahe.

- Die erste Wiederholung findet sich in 13,17b-20.22-24 und 13,21. Aufgrund der Widersprüche (“durch den Negeb” bzw. “Wüste Zin bis Rehob”) fällt der Vers 21 aus dem Erzählfluß heraus.
- Der zweiten Wiederholung begegnet man in den zwei Kundschafterberichten, in denen zwei Mal[7] die Unmöglichkeit der Besiedlung des Landes beschrieben wird. Aufgrund der Betonung des Wortes »Land« schließt sich die zweite Version an den Vers 27 an. Der erste Bericht bezieht sich inhaltlich auf die Mose-Rede[8] und beantwortet die darin artikulierten Fragen nach den Bewohnern und der Befestigung der Städte.
- Die dritte Wiederholung zeigt sich in der Aufmunterung des Volkes durch Kaleb[9] bzw. durch Kaleb und Josua[10]. In der ausführlicheren Stelle wird wiederum das »Land« in betonender Weise häufig gebraucht, so daß sie sprachlich zu 13,27 paßt, während der kürzere Passus sich problemlos und notwendig in den Kundschafterbericht 13,28-31 einfügt.
- Als vierte Wiederholung erscheint die Rede des Herrn. In 14,11-25 richtet er sich an Mose, mit dem er in Dialog tritt. In 14,26-35 spricht der Herr jedoch monologisch zu Mose und Aaron. Der »grobe« Inhalt ist hier wiederum der gleiche, unterscheidet sich aber in den Feinheiten, so daß sich die beiden Stellen anderen Textpassagen zuordnen lassen. So findet sich im Dialog zwischen dem Herrn und Mose der Bezug auf den Wunsch des Volkes Israel, nach Ägypten zurückzukehren[11], wenn der Herr es in 14,25 “in die Wüste, zum Schilfmeer” schickt, also den Weg zurück. Zudem nennt der Herr nur Kaleb als Ausnahme unter den Kundschaftern, die wegen der Verleumdung des Landes es nicht betreten dürfen. Das heißt demnach, diese Passage schließt sich an die erste Mose-Rede[12], den ersten Kundschafterbericht[13] und das Murren des Volkes[14] an.

Anders dagegen die zweite, autoritärer wirkende Rede des Herrn an Mose und Aaron. Hier werden Kaleb und Josua als Ausnahmen innerhalb der Gruppe der Kundschafter genannt. Außerdem spielt die Zahl »Vierzig« eine wichtige Rolle. Sie schafft die Verbindung zu 13,25. Es ergibt sich nun davon ausgehend die Parallelerzählung. Beginnend mit 13,1-17a wird sie von 13,21 fortgeführt. Daran schließen sich mit 13,25-27 die Beschreibung des Landes und mit 13,32f die Zweifel der Kundschafter an. Die heftige Reaktion der Gemeinde in 14,1f kann durch die Antwort von Kaleb und Josua in 14,5-10 jedoch nicht beruhigt werden, so daß der Herr mit Rede[15] und anschließender Tat[16] eingreift. Aus dieser zweiten Rede des Herrn fällt jedoch Vers 31f heraus, da er sich auf 14,3 bezieht, der nicht zu dieser Schicht gerechnet wird. Jene Erzählung endet mit Vers 38, da nun wieder Mose ohne Aaron handelt und spricht.

Die zweite Parallelerzählung, die sich spannungsfrei lesen läßt, läßt sich aufgrund der Sprache und der verwendeten Begriffe als priesterlich einordnen. So verwendet sie das Wort »Kanaan«[17], betont das »Land« und bedient sich der Zahlensymbolik[18]. In dieser Schicht findet zwar auch die Kaleb-Tradition ihren Niederschlag, doch ist der an seine Seite gestellte Josua ebenso von Bedeutung, da er die Nachfolge von Mose antreten und das Volk Israel später in das verheißene Land führen soll.

[...]


[1] “Schick einige Männer aus”; 13,2a.

[2] Vgl. 13,2b: “sollt ihr einen Mann aussenden”.

[3] “durch den Negeb, und steigt hinauf ins Gebirge”; 13,17.

[4] “von der Wüste Zin bis Rehob bei Lebo-Hamat”; 13,21.

[5] Vgl. 13.28f.

[6] 13,33: “Wir kamen uns selbst klein wie Heuschrecken vor.” Der Begriff der Heuschrecken soll in den israelitischen Ohren dramatisch klingen, da sie “die kleinsten eßbaren Tiere (vgl. Lev 11,22) sind.” Straubli, Thomas, Die Bücher Levitikus Numeri, S.252.

[7] Vgl. 13,28-31; 13,32f.

[8] Vgl. 13,18-20.

[9] Vgl. 13,30.

[10] Vgl. 14,6-9.

[11] Vgl. 14,4.

[12] Vgl. 13,17b-20.

[13] Vgl. 13,28-31.

[14] Vgl. 14,3-4.

[15] Vgl. 14,26-35.

[16] Vgl. 14,36-38.

[17] Vgl. 13,17.

[18] Vgl. 13,25; 14,33f.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Murren des Volkes - die Kundschaftererzählung in Num 13.14
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Altes Testament)
Veranstaltung
Mose
Note
1,7
Autor
Jahr
1998
Seiten
22
Katalognummer
V15776
ISBN (eBook)
9783638207973
ISBN (Buch)
9783638684002
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Murren, Volkes, Kundschaftererzählung, Mose
Arbeit zitieren
Cornelius Keppeler (Autor), 1998, Das Murren des Volkes - die Kundschaftererzählung in Num 13.14, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15776

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