Die Person des Moses wird in den alttestamentarischen Texten sehr unterschiedlich beschrieben. Die vorliegende Arbeit nimmt die Darstellung des Moses in der Kundschafterzählung in Num 13.14 in den Fokus. Zunächst wird eine Literarkritik vorgenommen, die anhand von literarischen Auffälligkeiten den Text auf seine Einheitlichkeit hin untersucht. Darauf folgt eine nähere, formkritische Betrachtung der »freigelegten« Schicht. Aufgrund der Erkenntnisse aus Literar- und Formkritik werden Kernelemente der Kundschaftererzählung Num 13.14 ausgelegt. Zum Ende der Arbeit werden die Person des Moses und ihre Rolle innerhalb des vorliegenden Textes dargestellt und bedacht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Literarkritik von Num 13.14
2.1 Auffälligkeiten
2.2 Literarkritische Folgerungen
2.3 Ergebnis der Literarkritik
2.4 Unterschiede zu anderen literarkritischen Entwürfen
2.5 Das Verhältnis der priesterschriftlichen Version zu der anderen Parallelerzählung
3 Formkritik
3.1 Kurze Inhaltsangabe des Textes
3.2 Gliederung des Textes
3.3 Personen
3.4 Die Verteilung von Rede- und Handlungsanteilen
3.5 Die Charakteristik der Reden
3.6 Akzentstellen
4 Auslegung
4.1 Kundschafter
4.2 Die Schuldfrage
4.2.1 Die Schuld der Kundschafter
4.2.2 Die Schuld des Volkes
4.2.3 Die Schuld von Mose und Aaron
5 Mose
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Kundschaftererzählung in Numeri 13-14 durch eine literarkritische und formkritische Analyse zu untersuchen, um die theologischen Akzente der priesterschriftlichen Version sowie das spezifische Bild des Mose innerhalb dieses Textes herauszuarbeiten.
- Literarkritische Differenzierung verschiedener Erzählebenen in Numeri 13-14
- Formkritische Analyse der Reden und ihrer chiastischen Struktur
- Untersuchung der Schuldfrage (Kundschafter, Volk, Mose und Aaron)
- Rollenanalyse der Person Mose als passives Werkzeug Gottes
- Vergleich der priesterschriftlichen Darstellung mit anderen Parallelerzählungen
Auszug aus dem Buch
3.5 Die Charakteristik der Reden
Alle Reden sind Monologe, die ohne sprachliche Antwort bleiben, jedoch stets eine Handlung als Reaktion zur Folge haben.
Beide Reden des Herrn sind von seiner Autorität geprägt, die keinen Widerspruch zu dulden scheint. In der ersten ergeht der Befehl an Mose, die Kundschafter auszuwählen und zu senden, und er folgt ihm. In der zweiten folgt auf das Murren des Volkes die Ankündigung der Strafe, deren erster Teil sich sofort im plötzlichen Tod der Kundschafter vollzieht. Die Rede der Kundschafter hat „lautes Geschrei“ und das Murren der Gemeinde zur Folge. Die beschwichtigenden Worte von Kaleb und Josua heizen die Atmosphäre jedoch soweit auf, daß die Steinigung Moses und Aarons droht. Der Ausspruch der Israeliten „Wären wir doch in Ägypten oder wenigstens in der Wüste gestorben.“ bringt die Führer des Volkes dagegen dazu, sich hilflos, verzweifelt und demütig zu Boden zu werfen.
Diese fünf Reden sind in chiastischer Struktur angeordnet. Das heißt, ihre Aufeinanderfolge ist nicht willkürlich, sondern wurde von dem Verfasser bewußt gewählt, der die Erzählung um sie herumgestaltet hat und ihr so Aufbau und Gliederung gegeben hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der Themenstellung, der methodischen Vorgehensweise sowie der Herausforderung durch fehlende Hebräischkenntnisse.
2 Literarkritik von Num 13.14: Untersuchung der Texteinheitlichkeit durch Identifikation von Doppelungen und Parallelerzählungen, was zur Abgrenzung der priesterschriftlichen Schicht führt.
3 Formkritik: Analyse der Struktur, der Akteure, der chiastischen Anordnung der Reden und der zentralen Akzentstellen wie dem Begriff „Land“.
4 Auslegung: Eingehende Interpretation der Kundschafter-Rolle, der verschiedenen Sündendimensionen sowie der Verantwortlichkeit von Volk und Führern.
5 Mose: Betrachtung der Rolle des Mose, der in der priesterschriftlichen Erzählung als passive Figur und „blasse Chiffre“ dargestellt wird.
Schlüsselwörter
Numeri 13-14, Kundschaftererzählung, Literarkritik, Formkritik, Priesterschrift, Murren des Volkes, Kaleb, Josua, Mose, Landverheißung, Schuldfrage, Exil, Heilsgabe, Exegese.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Kundschaftererzählung in Numeri 13-14 und analysiert den Text auf seine literarische Einheitlichkeit und formale Struktur hin.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die literarkritische Abgrenzung der priesterschriftlichen Schicht, die Analyse der Rollen von Mose, Aaron und den Kundschaftern sowie die theologische Bewertung der Schuldfrage.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die priesterschriftliche Fassung der Erzählung zu isolieren und zu zeigen, wie sie durch spezifische Akzentuierung – etwa der Rolle des Josua oder der Passivität des Mose – theologische Aussagen für die Exilsgemeinde trifft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden klassische Methoden der historisch-kritischen Exegese angewandt, insbesondere die Literarkritik zur Schichtenunterscheidung und die Formkritik zur Analyse der Redestruktur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte literarkritische Untersuchung, eine formkritische Analyse der chiastischen Redenstruktur sowie eine Auslegung der zentralen theologischen Motive wie Land, Schuld und der Figur Mose.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Numeri 13-14, Priesterschrift, Kundschaftererzählung, Landverheißung, Murren des Volkes und die Rolle des Mose.
Warum wird Mose in der priesterschriftlichen Erzählung so passiv dargestellt?
Die Priesterschrift reduziert Mose auf die Funktion eines empfangenden Organs für den Willen Gottes, um die Handlungsautorität stärker auf Jahwe zu fokussieren und die Legitimation Josuas als Nachfolger vorzubereiten.
Welche Bedeutung hat die Zahl „Vierzig“ in diesem Kontext?
Die Zahl fungiert als Symbolzahl der Fülle und verdeutlicht das Maß der Bestrafung: Für jeden Tag der Erkundung des Landes muss das Volk ein Jahr in der Wüste büßen.
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- Cornelius Keppeler (Author), 1998, Das Murren des Volkes - die Kundschaftererzählung in Num 13.14, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15776