Scheidung und Mediation unter besonderer Berücksichtigung der Kindessituation

Aspekte, Probleme und Herausforderungen


Hausarbeit, 2010
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.2 Problemaufriss
1.2 Zielstellung

2. Familie
2.1 Gesellschaft und Scheitern

3. Scheidungsfolgen für Kinder
3.1 Psychosoziale Auffälligkeiten
3.2 Beeinflussende Faktoren für die Kindessituation
3.3 Schlussfolgerungen

4. Mediation im Scheidungsprozess
4.1 Rechtliche Rahmenbedingungen
4.2 Einbezug von MediatorInnen
4.3 Grundhaltung von (Scheidungs-)MediatorInnen
4.3.1 Allparteilichkeit und Neutralität
4.3.2 Selbst-Konstruktivismus und Eigenverantwortlichkeit als Grundannahme
4.3.3 Freiwilligkeit
4.3.4 Vertraulichkeit und Informiertheit

5. Kinder in der Scheidungsmediation
5.1 Passiver Einbezug
5.2 Aktiver Einbezug
5.3 Detaillierte Empfehlungen im Rahmen der fünf Mediationsstufen
5.3.1 Abschluss des Mediationskontraktes
5.3.2 Bestandsaufnahme und Themensammlung
5.3.3 Konfliktbearbeitung und Interessenfindung
5.3.4 Verhandeln - Entscheiden - Vereinbaren
5.3.5 Fixierungen der Ergebnisse

6. Gesellschaftliche und sozialpolitische Bedeutung der Familienmediation

7. Fazit

8. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

1.2 Problemaufriss

„Eine Eheschließung ist als ein kritisches Lebensereignis zu verstehen, ein Prozeß, bei dem alle Beteiligten mehr oder weniger starke Veränderungen bewältigen müssen.“[1]

2008 scheiterten etwa 191 900 Partnerschaften an den ehelichen Hürden des Zusammenlebens. Von der Scheidung ihrer Eltern und deren komplexen Folgen waren im besagten Jahr ca. 150 200 minderjährige Kinder betroffen.[2] Weniger Eheschließung bei ansteigenden Eheauflösungen lassen eine für die Nachkömmlinge der Geschiedenen bedauernswerte Perspektive erahnen. Durch eine häufig zu geringe fachliche Begleitung des Scheidungsprozesses und dessen Nachbereitung fallen solche Kinder oftmals durch aggressives Verhalten, schlechte Schulnoten und zahlreiche psychosomatische Erkrankungen auf. Für sie bedeutet die Trennung der Eltern einen schweren Einbruch in die eigene, individuelle Lebenswelt. Noch schlimmer wird es dann, wenn Mutter und Vater aus persönlicher Verletztheit über das partnerschaftliche Scheitern das Kind als nützliches Instrument im Konflikt sehen. Emotionen wie Wut, Hass, Frust und Trauer verbieten an dieser Stelle oft den verantwortungsbewussten Umgang mit dem eigenen Nachwuchs. Nicht nur vorübergehende, sondern auch langfristige Folgen für die Kinder sind kaum absehbar, gestaltet sich doch die Verarbeitung und Anpassung an die neuen Lebensumstände immer individuell differenziert.

Umso wichtiger erscheint es, Kinder und auch deren Eltern im Prozess der Trennung anzuleiten und zwischen den einzelnen Parteien zu vermitteln, um eine faire und chancengleiche Scheidung zu gewährleisten. Nicht zuletzt steht hier das Kindeswohl an oberster Stelle, ist doch der Nachwuchs das schwächste Glied im Familiensystem. Im Sinne aller Beteiligten sollte einer streitbaren gerichtlichen Auseinandersetzung möglichst entgegengewirkt werden. Es braucht Methoden, die eine würdevolle Trennung forcieren und bei dem Aushandeln der Interessen und gerichtlichen Bestimmungen unterstützend wirken. Hier kann die Familienmediation als Konfliktlösungsverfahren zwischen Angeboten der Justiz und therapeutischen Hilfestellungen eigenständig ansetzen. In den letzten Jahren wurden dahingehend zahlreiche praktische Erfahrungen gesammelt. Gibt es zwar noch kaum aussagekräftige deutsche Studien zu den heimischen Erfolgsergebnissen, konnte in Amerika die Wirksamkeit der Scheidungsmediation bereits mehrfach wissenschaftlich unter Beweis gestellt werden.

1.2 Zielstellung

Die wissenschaftliche Arbeit befasst sich mit dem Scheitern von Familien und der damit einhergehenden Etablierung und Anwendung von Familienmediation in Scheidungsfragen. Sie soll dabei immer den Fokus auf die besondere Situation der Kinder haben und die komplexen Aspekte bei deren indirekter und direkter Einbindung in den Verhandlungsprozess beleuchten. Abschließend wird die gesellschaftliche Bedeutung von Familienmediation angerissen.

2. Familie

2.1 Gesellschaft und Scheitern

Familie ist stets vor dem Hintergrund ihrer Gesellschaft zu betrachten, in der sie funktionieren und daher ggf. modifiziert werden muss. Im Laufe der zivilisierten Menschheitsgeschichte änderten sich deshalb immer wieder Aussehen und Anspruch des gemeinschaftlichen Familienlebens. Großfamilien wurden anstrengend, irgendwann unzeitgemäß und zu verpflichtend. Lebten später nur noch Eltern und Kinder unter einem Dach, erschwerten vor allem schwierigere Arbeitsmarktbedingungen das beständige und planbare Zusammenleben. Alleinerziehend, nur weil der Partner am anderen Ende der Republik arbeitet, schien vor allem für viele Ehefrauen und Mütter nicht mehr tragbar. Überlastung und familienunfreundliche Rahmenbedingungen ließen seit den 1960er Jahren unaufhörlich zahlreiche Ehen scheitern. Stellt die Institution „Familie“ auch weiterhin eine erstrebenswerte Maxime dar, ist sie unter den heutigen Voraussetzungen ein wandelbares Konstrukt geworden, das sich individuell neu interpretieren lassen muss. Formen wie dem „living-apart-together“ (getrennt-zusammenlebend), oder der „Patchwork-Familie“ lassen die neuen Perspektiven erahnen. Diez, Krabbe und Thomsen stellen hierzu trefflich fest: „Wir finden einen Strukturwandel im Bereich von Ehe und Familie vor, der mehr Zwischen- und Nebenformen, Vorformen und Nachformen herausgebildet hat“[3] Eine wahrlich heterogene Zukunft.

Wo das gesellschaftliche Umfeld mit immer neuen Werten und Normen die Familie und deren Gelingen kontinuierlich vor neue Herausforderungen stellt, bleibt ein Umstand aber unbeirrt existent: Ehen lassen sich am Ende angekommen zwar auflösen, Beziehungen zu den Kindern jedoch bestehen nicht zuletzt vor dem Gesetz ein Leben lang. Grund genug, eine Scheidung - vor allem im Sinne der Kinder - angemessen und verkraftbar zu vollstrecken, wird doch dadurch auch die psychosoziale Zukunft der Sprösslinge nachhaltig mitbestimmt.

3. Scheidungsfolgen für Kinder

3.1 Psychosoziale Auffälligkeiten

Wissenschaftliche Studien sind sich einig, dass es bei einer Scheidung nicht auf die Tatsache der Trennung an sich ankommt, sondern dass die Umstände, in welchen diese abläuft, entscheidend für die Bewältigungsmöglichkeiten der Kinder sind. Dennoch bedeutet die zumindest räumliche, aber auch zeitliche Ausgrenzung eines Elternteils immer ein Risiko für die Weiterentwicklung eines bisher gesunden Sprösslings. Kinder reagieren oft mit psychosomatischem oder sozial unangepasstem Verhalten. Buchholz-Graf merkt an: „Die Auswirkungen der elterlichen Auseinandersetzungen können durchaus zu traumatischen Beeinträchtigungen beim Kind führen.“[4]

In einer zwar schon viele Jahre zurückliegenden, aber dennoch bezogen auf die Ergebnisse immer noch aktuellen Studie von Anneke Napp-Peters wurde untersucht, mit welchem Verhalten Töchter und Söhne der Trennung ihrer Eltern begegnen und in welcher Art und Weise körperliche, psychische und soziale Störungen auftreten. Unmittelbare Reaktionen waren Trennungsängste, Depressionen und massive Schuldgefühle. Aggressivität, Wutanfälle und vermehrtes Lügen konnte bei knapp jedem siebten Kind festgestellt werden. Psychosomatische Erkrankungen wie Sprachstörungen, Hautekzeme und Magen-Darmbeschwerden traten bei jedem fünften Kind auf. Vor allem Kinder im Grundschulalter begannen erneut einzunässen. Diese Auffälligkeiten hielten laut Studienergebnissen weitere zwei bis drei Jahre nach der eigentlichen Trennung an, konnten aber noch länger andauern, insofern noch keine neue und stabile Familiensituation geschaffen werden konnte. Zu zwei Dritteln betrafen langfristige Störungen vor allem Jungs.[5] Aussagen zu Auswirkungen auf das Erwachsenenleben von Scheidungskindern konnten in dieser Studie nicht getroffen werden. Es lässt sich jedoch vermuten, dass Kinder, die noch Jahre nach der Trennung Auffälligkeiten zeigen, selbst Probleme haben werden, solide und dauerhafte Partnerschaften einzugehen und aufrecht zu erhalten.

[...]


[1] Anneke Napp-Peters: Die Familie im Prozess von Trennung, Scheidung und neuer Partnerschaft. In: Jochen Hahn, Berthold Lomberg, Heinz Offe (Hrsg.): Scheidung und Kindeswohl. Beratung und Betreuung durch scheidungsbegleitende Berufe. Heidelberg 1994 S. 13.

[2] Statistisches Bundesamt. Pressemitteilung Nr. 251. Online im Internet/URL: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2009/07/PD09__251__12631,templateId=renderPrint.psml. Zugriffsdatum: 12.Juni 2010.

[3] Hannelore Diez, Heiner Kabbe, C. Sabine Thomsen: Familien-Mediation und Kinder. Grundlagen. Methodik. Techniken. Köln 2005, S. 17.

[4] Wolfgang Buchholz-Graf: Das neue Kindschaftsrecht bei Trennung und Scheidung. In: Wolfgang Buchholz-Graf, Clausius Vergho (Hrsg.): Beratung für Scheidungsfamilien. Das neue Kindschaftsrecht und professionelles Handeln der Verfahrensbeteiligten. München 2000 , S. 14.

[5] Vgl. Napp-Peters. In: Hahn, Lomberg, Offe (Hrsg.). a.a.O., S. 15-16.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Scheidung und Mediation unter besonderer Berücksichtigung der Kindessituation
Untertitel
Aspekte, Probleme und Herausforderungen
Hochschule
Fachhochschule Erfurt  (Fakultät Sozialwesen)
Veranstaltung
Mediation I
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V157839
ISBN (eBook)
9783640711918
ISBN (Buch)
9783640713011
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediation, Scheidung, Kinder, Kinder und Mediation, Scheidungsfolgen, Scheidungsprozess, Familienmediation, Mediator, Scheidungsmediatoren, Streitschlichtung, Konfliktschlichtung, Scheidungskinder
Arbeit zitieren
Melanie Röder (Autor), 2010, Scheidung und Mediation unter besonderer Berücksichtigung der Kindessituation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157839

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