Versanalyse Offenbarung 8,7

Was sagt die Bibel dazu


Seminararbeit, 2010

25 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Auslegungsprobleme

3. Versanalyse
3.1 Wortanalyse
3.1.1 Hagel
3.1.2 Feuer im Alten Testament
3.1.3 Feuer im Neuen Testament
3.1.4 Baum / Bäume
3.1.5 grünes Gras
3.1.6. Der dritte Teil
3.1.7. Schlussfolgerung
3.2 Kontextanalyse

4. Arbeitsergebnisse

Bibliographie:

1. Einleitung

Der zu betrachtende Vers steht in Offenbarung 8,7. Es ist der Beginn der sieben Posaunen und, wenn man einigen Theologen Glauben schenken möchte[1], dann das Gericht Gottes und damit die Antwort auf das Gebet der Gläubigen ist (8,2-5), die vor Gott gebracht wurden. Ob diese These haltbar ist oder ob sich darüber hinaus neue Möglichkeiten der Auslegung eröffnen wollen wir in dieser Arbeit betrachten. Es soll seine Deutung, dass heißt ob wörtlich oder symbolisch, besprochen werden so wie Verwendung wichtiger Schlagwörter im Kontext der Bibel und der Apokalyptik bzw. in Bezug auf das Gericht Gottes.

2. Auslegungsprobleme

Hier sollen in aller Kürze die populärsten Auslegungsvarianten der „apokalyptischen Prophetie“, wozu die Offenbarung ohne Zweifel zählt, vorgestellt und die Probleme die damit einhergehen besprochen werden.[2]

a) Präterismus: Diese Auslegungsvariante sieht die Erfüllung der gegeben Prophezeiung in der Gegenwart bzw. nahen Zukunft des Propheten. Meist wird die Erfüllung der apokalyptischen Weissagungen, der Offenbarung im speziellen, in das 1. Jhd. nach Chr. datiert und damit auf kürzere Zeitperioden verwiesen, die damit eine Relevanz in der heutigen Zeit unmöglich machen.
b) Futurismus: Der eschatologische Charakter der apokalyptischen Prophetie wird hier deutlich hervorgehoben, wobei auch bereits erfüllte Weissagungen und Weissagungen für die Gegenwart (Sendschreiben) in die Zukunft datiert werden. Somit werden in die Zeit des Propheten hineingestellt Prophezeiungen unabhängig von Inhalt und Zeit ebenfalls in die Zeit vor der Wiederkunft gelegt.
c) Historizismus: Diese Art der Auslegung versucht die Situation in der die Weissagung gegeben wurde zu berücksichtigen, ist sich aber auch bewusst, dass Gott nicht nur am Anfang und am Ende der Zeit eingreift, sondern auch den Lauf der Geschichte mitbestimmt und damit auch die Erfüllungen der gegeben Prophezeiung in der Geschichte gesucht werden muss.
d) Idealismus: Die Variante besitz die Fähigkeit die Symbolik in den Prophezeiungen zu verstehen, wendet dieses Prinzip auf alles an und lässt dabei jeden historischen Bezug außer Acht. Dadurch steht sie stark in der Gefahr diese zu vergeistigen und damit ihren Bezug zur Realität aufzugeben.

Auf Grund der oben genannten Probleme wollen wir uns einige Grundgedanken/-regeln für die Auslegung apokalyptischer Prophetie zu Herzen nehmen, die im Umgang mit apokalyptischer Prophetie helfen sollen:[3]

1. Wir müssen Vorsicht walten lassen wenn wir uns an die Offenbarung wagen, denn es gibt wohl kein Buch, deren Deutungen unterschiedlicher ist.
2. Ein unvoreingenommener (frische Augen) Forscherdrang ist eine gute Voraussetzung, denn Gott lässt keinen im Ungewissen, wenn es für ihn notwendig ist, denn nicht ohne Grund ist die Offenbarung ein apokalyptisches und damit eschatologisches Buch der Bibel.
3. Voraussetzung ist ein Gefühl für den Umgang mit apokalyptischer Prophetie und ihren zeitgeschichtlichen Aussagen. „Die Offenbarung ist unter Tränen geschrieben und wird ohne Tränen nicht verstanden werden“[4]
4. Das Buch Daniel ist der Schlüssel zur Offenbarung.
5. Ein einziges Auslegungsprinzip wird der Apokalypse (Offenbarung) wahrscheinlich nicht gerecht werden, so dass von Vers zu Vers neu überlegt werden muss. Wörtlich oder symbolisch, Zukunft oder Vergangenheit. Die historische Auslegung ist die beste Auslegung, da sie die Apokalypse als einen Prozess sieht der in der Vergangenheit begann und in der Zukunft endet und deren Erfüllung in der Geschichte dieser Welt gesucht werden muss.
6. Die Offenbarung ist kein Geschichtsbuch, sondern Geschichte mit heilsgeschichtlichem Bezug und das Geweissagte ist demnach im Licht des Evangeliums zu benützen.
7. Prophetie gestattet keine Berechnung der Zukunft, sondern gibt den „geschundenen Seelen“ (Off. 6,10) die Zuversicht, dass Gott am Ende alles richten wird.
8. Größte Vorsicht ist bei den Teilen der Offenbarung walten zu lassen, die noch als unerfüllt gelten, da wir uns dort meist in einen spekulativen Bereich begeben.
9. Es geht nicht um Rechthaberei, sondern es gilt „ im wesentlichen Einheit, im zweifelhaften Freiheit, in allem Liebe“ walten zu lassen.
Wenn auch nicht alle so doch der ein oder andere hier genannte Punkt hat auch Bedeutung für die Arbeit am Text aus Offb. 8,7. Die Punkte sollen darstellen mit welcher Intension an diesen Text versucht worden ist heranzugehen.

3. Versanalyse

Wir haben es in der Apokalyptik wie auch in der „klassischen“ Prophetie mit Teils wörtlichen Passagen aber auch oft genug mit Symbolen zu tun. Demnach müssen wir uns die Frage stellen in wie weit der Text in Offb. 8,7 wörtlich verstanden werden will und in wie weit es zu Auslegung und Deutung von Symbolen kommt. Im Weiteren soll versucht werden die Intension des Schreibers (Johannes), aber vor allem dessen, der die Vision gegeben hat (Gott: Offb. 1,1) zu bestimmen. Dies soll durch Prüfung bestimmter Schlagwörter im Kontext der Bibel und im Bezug auf die Apokalypse geschehen.

3.1 Wortanalyse

Da die Offenbarung ein Buch mit starken alttestamentlichen Wurzeln ist (Terminologie, Symbolen) werden wir vor allem im Alten Testament nach Antworten suchen. Anhand der verwendeten Nomen soll ein Bild entstehen, was hier wirklich passiert und welche Auswirkung das auf Gläubige und Ungläubige hat. Auch sollen uns die Wortstudien helfen, den Vers einem geschichtlichen Ereignis zu zuordnen bzw. wollen wir sehen ob dieses Ereignis noch zukünftig oder schon vergangen ist.

3.1.1 Hagel

Dass Hagel etwas Unangenehmes ist mussten bereits die Ägypter feststelle, als sich der Pharao weigerte das Volk Israel ziehen zu lassen.[5] Dort war es das Gericht Gottes, das über die Ägypter kam, weil sich ihr Herrscher weigerte den Anweisungen Gottes zu folgen. Die Folge damals war, dass die ganze Ernte, bis auf den Weizen, zerschlagen wurde[6]. Diese Taten JHWH’s preisen auch die Psalmschreiber, indem sie von den „Wundertaten“ Gottes berichten.[7] Aber wir wollen noch andere Stellen im Alten Testament betrachten die uns Aufschluss über die Verwendung von Hagel geben sollen. Am „ langen Tag “ in Josua 10 hält Gott ebenfalls Gericht über die Feinde seines Volkes. Als die Angreifer merken, dass sie gegen das Volk Israel keinen Sieg erringen werden, flohen sie. Doch Gott „ warf große Steine vom Himmel[8] und „ es waren mehr die durch Hagelsteine umkamen[9] als durch die Hand der Israeliten. Gott vollstreckte den Bann[10] (heram) an den Feinden Israels (V.28.35.37.39.40). Diese Tatsache zeigt einmal mehr wie souverän Gott herrscht und dass er die Natur in seiner Hand hält[11] und seinem Volk damit hilft[12]. Weitere Stellen die den Hagel ankündigen finden wir in den großen Propheten Jesaja und Hesekiel. Die untersuchten Texte[13] sprechen von Gottes Gericht das über Lügner, falsche Propheten und Feinde seines Volkes hereinbrechen wird. Ein Text (Jes. 32,19) erwähnt sogar den Hagel als Ursache für den „Sturz“ des Waldes als Ende einer Tyrannei, die mit der Errichtung eines Reiches der Gerechtigkeit einhergeht (V.16-18). Ein Ausblick ans Ende der Zeit? Den letzten Text im Alten Testament der hier betrachtet werden muss ist Hag. 2,17. Dort lässt es Gott hageln und ist zornig darüber, dass sein Volk auf Grund des Hagels nicht umgekehrt ist. Die Frage die wir uns stellen müssen: Ist hier der Hagel das Gericht über oder die Warnung an das Volk? Da Gott zornig ist, dass sein Volk nicht umgekehrt ist, schließe ich daraus, dass sie es, auf Grund des Hagels hätten tun sollen. Somit scheint der Hagel hier als Warnung gegolten zu haben.

Im Neuen Testament gibt es nur 3 Texte. Alle stehen in der Offenbarung[14], was eine Untersuchung des Begriffes im Kontext des Buches überflüssig macht. Der Erste ist der von uns betrachtete Text. Der Text in Offb. 11,19 beschreibt wie der „ Tempel Gottes im Himmel “ geöffnet wurde und die „ Lade des Bundes “ zu sehen war. Dieser Text und seine Zugehörigkeit sind sehr umstritten. Gehört er noch zum Schluss der 7. Posaune oder ist es die Einleitung für das 12. Kapitel? Die Struktur und der Inhalt sprechen für eine Einführungsszene[15]. Diese Text ist thematisch stark mit der 7. Plage in Ägypten[16] verbunden. Durch die thematische wie grammatische Verbindung (Donner, Blitz, Hagel, Erdbeben) sehen wir dieselbe Szene[17]. Es scheint das vollzogene Gericht über die Gottlosen zu sein, die dann Gott „lästern“ wegen ihrer Pein (16,21).

Somit können wir auf Grund der Wortstudie sagen, dass der Hagel überwiegend das Gericht über Gottlose meint. Ob es ehem. Gläubige und damit Abgefallene oder schon immer Gottlose sind, spielt dabei keine große Rolle. In Haggai 2,17, darf der Hagel auch als Warnung gelten, was wir nicht außer Acht lassen sollten. Ob Offb. 8,7 dann als Warnung oder als Gericht zu sehen ist, werden wir noch zu beurteilen haben.

3.1.2 Feuer im Alten Testament

Beim Betrachten des „Feuers“ im Alten Testament werden wir feststellen, dass es in verschiedenen Situationen vorkommt. Doch werden wir auch sehen, dass Feuer drei hauptsächliche Bedeutungen hat.

a) Feuer im Krieg

Wenn ein feindliches Heer über eine Stadt herfällt, dann bleibt meist nicht viel davon übrig, es sei denn der Angreifer möchte diese Stadt beherrschen oder zu Tributzahlungen zwingen. Wenn eine Stadt mit Feuer gedroht wird, dann ist das das endgültige Aus für die Stadt und ihre Bewohner. So wurde schon während der Wüstenwanderung, also vor der Landeinnahme, die Midianiter überfallen und dem Erdboden gleich gemacht[18]. Wenn es um die Eroberung und Vernichtung der Feinde Gottes geht, dann haben wir das Konzept des Bannes, den Gott als Urteil über seine Feinde verhängt[19]. Die Israeliten sollten sich nicht mit irgendeinem der verbannten Völker verbünden(5. Mose 7,1.2), sondern alles vernichten bzw. mit „Feuer verbrennen“[20]. So haben wir bei der Landnahme unter der Führung Josua‘s, des Öfteren die Anweisung alles zu verbrennen, was unter dem Bann steht bzw. damit der Bann vollstreckt wird. Das betrifft zum einen natürlich die Landbevölkerung[21], kann aber auch auf Menschen aus dem Volk übergehen, wenn sie die Gebote Gottes missachten[22]. So wurde auch die Stadt Jericho dem Erdboden gleichgemacht (Jos. 6,24-27) und sollte auch nicht wieder aufgebaut werden. Es war aber nicht nur das israelitische Volk, das so handelte. Die Amalekiter machten es mit Ziklag ebenso. Sie haben die Stadt „ geschlagen und mit Feuer verbrannt[23]. Auch dem Hause Gottes erging es so, als die das babylonische Heer Jerusalem einnahm[24]. Und als die Exilanten nach der Gefangenschaft in Babylon nach Jerusalem zurückkehrten, fanden sie eine absolut verwüstet Stadt vor. „ Die Mauern Jerusalems sind zerbrochen/zerrissen und seine Tore mit Feuer verbrannt/verzehrt[25], was einen Wiederaufbau sehr schwer machte, da man die Stadt nicht nur reparierte und ausbessern, sondern komplett neu aufbauen musste. Dass heißt, dass Feuer im Alten Testament oft einen zerstörerischen Charakter wiederspiegelt, dem es gilt zu entrinnen.

[...]


[1] Stefanovic, Wittwer, Paulin, Doukhan,

[2] Die Anwendung und die dabei entstehenden Vor- und Nachteile der vier genannten Auslegungsvarianten entnehme ich dem Artikel von Hans Heinz, Theologische Schulen prophetischer Interpretation, aus „Prophetie und Eschatologie“ Band I. der Anlässlich der Bibelkonferenz 1982 auf der Marienhöhe herausgegeben wurde.

[3] Ibid S.49-51

[4] Ibid. S. 49

[5] 2Mo 9,18-26: 7. Plage Gottes über das Volk der Ägypter.

[6] Und das was der Hagel verschon hatte, sollte dann den Heuschrecken zum Opfer fallen (2. Mose 10,5.12.15)

[7] Ps. 79,47+48; 105,32;

[8] Jos 10,11

[9] ibid

[10] Bann/bannen: „Besonders im Zusammenhang mit der Eroberung des verheißenen Landes, bei Kriegen, in denen Jahwe Gericht vollzieht […] ist vom heram (Bann) die Rede.“ (Elberfelder Studienbibel mit Sprachschlüssel (Wuppertal Brockhaus-Verlag 20032) S.1268

[11] Hi 38,22

[12] Plagen in Ägypten, Schilfmeer, Wolkensäule, usw;

[13] Jes 28,17; 30,30; 32,19 („es wird hageln beim Sturz des Waldes“ nach dem Mas. T. eine hebr. Handschrift + aram. Handschrift, sowie die syr. Übersetzung sehen den „Hagel“ dort nicht) ;

Hes 13,11-13; 38,22

[14] 8,7; 11,19;16,27

[15] Kenneth A. Strand, Sieghafte Einführungsszenen, in „Symposium über die Offenbarung“ S.48+49

[16] 2. Mose 16, 17-21

[17] The Seventh-day Adventist Bible Commentary Vol. VII (Hagerstown, R&H Publishing Association 1980) S.806

[18] 4Mo 31,10 Es blieb nichts übrig von den Midianitern und ihren Wohnstätten.

[19] Siehe dazu Punkt 3.2.2 Feuer im Alten Testament b) Feuer als Gerichtsurteil (nächster Punkt)

[20] 5Mo 7,5.6; 12,3

[21] z. Bsp. Jos 6, 21.24; 10,1.28.37.39.40.

[22] Jos 7,15.25 Achan bereicherte sich an dem Verbannten (7,1) und der HERR wurde zornig darüber

und ließ bis zur Klärung dieser Schandtat keinen Sieg mehr erringen.

[23] 1Sam 30,1.3

[24] 2Chr 36,19; Jer. 52,13

[25] Neh 1,3; 2,3,13,17

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Versanalyse Offenbarung 8,7
Untertitel
Was sagt die Bibel dazu
Hochschule
Seminar Schloss Bogenhofen
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V157842
ISBN (eBook)
9783640712625
ISBN (Buch)
9783640713387
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Daniel, Offenbarung, Prophet, Prophetie, Versanalyse, Exegese, Apokalyptik
Arbeit zitieren
Philipp Steinweber (Autor), 2010, Versanalyse Offenbarung 8,7, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157842

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Titel: Versanalyse Offenbarung 8,7



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