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„Quelle: YouTube“ - Der Einsatz von Internetvideos im Fernsehen und das Authentizitätsversprechen sichtbarer Medialität

Eine Analyse des intermedialen Transfers am Beispiel der Berichterstattung über die Proteste im Iran nach der Präsidentschaftswahl 2009.

Titel: „Quelle: YouTube“ - Der Einsatz von Internetvideos im Fernsehen und das  Authentizitätsversprechen sichtbarer Medialität

Seminararbeit , 2010 , 17 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Ludwig Andert (Autor:in)

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Arbeit geht der Frage nach, ob es die sichtbare Unzulänglichkeit von Amateuraufnahmen ist, die ihnen einen Glaubwürdigkeitsbonus für die Verwendung in traditionellen Massenmedien verschafft – oder ob andere Gründe für deren Verwendung überwiegen. Dazu soll analysiert werden, wie sich die Aufnahmen im Internet verbreiten und wie sie von anderen Medien bewertet werden. Der Text konzentriert sich dabei auf die Berichterstattung über die Proteste im Iran im Jahr 2009 in der ARD Tagesschau. Darüberhinaus wird ein Kommentar darüber gewagt, ob von einem qualitativen Wandel der Videoberichterstattung durch Wechselbeziehungen zwischen TV und Internet ausgegangen werden kann.

Leseprobe


Gliederung

1. Einleitung

2. Epistemologische Grundsatzfragen

3. Der politische und mediale Kontext

3.1. Die umstrittenen Wahlen

3.2. Berichterstattung in der ARD Tagesschau

3.3. Online-Informationen

4. Zur Selektion von Online-Videos

5. Aspekte der Sensationalität von Aufnahmen minderer Qualität

5.1. Unschärfe

5.2. Die Amateur-Komponente

6. Wechselwirkungen von Nachrichtenbildern in TV und Internet

6.1. Die Kategorie Wahrheit

6.2. Reflexivität im Medienwandel

7. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht den intermedialen Transfer von Amateurvideos aus dem Internet in die professionelle Fernsehberichterstattung am Beispiel der Proteste im Iran 2009. Dabei wird analysiert, ob die sichtbare Unzulänglichkeit solcher Aufnahmen deren Glaubwürdigkeit paradoxerweise steigert und wie klassische Medien ihre Rolle als Selektoren in einer digital geprägten Nachrichtenwelt neu definieren.

  • Analytische Untersuchung der Rolle von Amateuraufnahmen in professionellen Nachrichtensendungen (ARD Tagesschau).
  • Epistemologische Reflexion über die Glaubwürdigkeit von Amateurvideos vs. professionellem Bildmaterial.
  • Untersuchung des "Sensationalitätscharakters" technischer Unschärfe bei Augenzeugenaufnahmen.
  • Betrachtung der wechselseitigen Beeinflussung von Online-Videokultur und klassischer TV-Berichterstattung.
  • Diskussion über den qualitativen Wandel der Videoberichterstattung im Zeitalter digitaler Netzwerke.

Auszug aus dem Buch

5. Aspekte der Sensationalität von Aufnahmen minderer Qualität

Der Kriegsfotograf Robert Capa war Begleiter auf den Booten der ersten Landungswelle der westalliierten Truppen während der Invasion in der Normandie am 6. Juni 1944. Die möglicherweise spektakulären Bilder von diesem Schlüsselereignis des Zweiten Weltkriegs sind jedoch durch einen Fehler bei der Filmentwicklung fast vollständig zerstört. Das Verlangen der Weltöffentlichkeit nach Bildern schien in diesem Fall enttäuscht worden zu sein: Lediglich einige verschwommene Barytabzüge konnten angefertigt werden. Doch trotz ihrer Unzulänglichkeiten wird die „Landing“-Serie heute zu den wichtigsten in Capas Werk gezählt.

Im Unterschied zum vermeintlichen Pech im Fall Capa ereilt die Augen der Welt hin und wieder ein fragwürdiges Glück: Unvorhersehbare Ereignisse werden trotz ihrer Unvorhersehbarkeit von geschultem Personal fehlerfrei für die Nachwelt festgehalten und in höchstmöglicher Auflösung auf die Bildschirme der Welt geschickt. Der 11. September ist so ein Fall. Während die Twin Towers infolge des Terroranschlags brannten und später einstürzten, schoss der renommierte und erfahrene Kriegsberichterstatter James Nachtwey, der sich zufällig in New York aufhielt, quasi im Berufsreflex eine Fotoserie. Nachtweys spontane Bilder sind ausreichend beleuchtet und von gestochener Schärfe. Dass diese Fotos das kollektive Bildgedächtnis im Bezug auf 9/11 maßgeblich beeinflussen würden, war absehbar. Dennoch gelten die Anschläge heute als ein Ereignis, dessen visuelle Aufbereitung maßgeblich durch weniger exquisit komponierte, teilweise verwackelte Aufnahmen geprägt wurde.

Unschärfe ist vielleicht nicht Vorraussetzung für die Sensationalität eines Bildes – aber ein Hinderungsgrund ist sie auch nicht. Tatsächlich kann sie für die Berichterstattung eine Bereicherung sein. Wolfgang Ullrich bringt es in seiner Abhandlung über „Die Geschichte der Unschärfe“ auf den Punkt:

„Gerade weil – zumal im Bildjournalismus – technisch einwandfreie – scharfe – Bilder als ‚normal’ gelten, besitzen unscharfe Bilder einen Sensationscharakter: Muß es sich nicht um ein außerordentliches Sujet handeln, wenn ein Foto trotz schlechter Qualität publiziert wird? Nur weil Unschärfe eigentlich ein Fehler ist, kann sie auch zum Stilmittel von Superlativen – Ausnahmezuständen – werden und diese letztlich sogar simulieren. [...] Nur Bilder, die nahezu nichts erkennen lassen, zeigen die exzeptionellen Bedingungen, unter denen sie entstanden sind. Die herausfordernden Umstände der Bildwerdung sind sogar das eigentliche – einzige? – Thema solcher Fotos.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Verwendung von Amateurvideos in der ARD Tagesschau am Beispiel des Iran-Protestes ein und stellt die Frage nach der Glaubwürdigkeit solcher Aufnahmen.

2. Epistemologische Grundsatzfragen: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Schwierigkeiten der Wahrheitsfindung durch Massenmedien und die Herausforderung, sich ein objektives Bild bei dünner Quellenlage zu machen.

3. Der politische und mediale Kontext: Hier werden die Hintergründe der umstrittenen Iran-Wahlen und die Arbeitsbedingungen der Korrespondenten sowie die Rolle von Online-Informationen im Iran analysiert.

4. Zur Selektion von Online-Videos: Das Kapitel untersucht, wie Nachrichtenmedien als Selektoren agieren und nach welchen Kriterien sie aus der Masse der Internetvideos für ihre Berichte wählen.

5. Aspekte der Sensationalität von Aufnahmen minderer Qualität: Es wird analysiert, inwiefern technische Unschärfe und der Amateur-Charakter von Videos deren Authentizitätsversprechen und Sensationswert beeinflussen.

6. Wechselwirkungen von Nachrichtenbildern in TV und Internet: Dieses Kapitel betrachtet die gegenseitige Beeinflussung von Internet und Fernsehen hinsichtlich der Wahrheitskategorie und der Selbstreflexivität im Medienwandel.

7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Amateuraufnahmen den Schauwert der Berichterstattung erhöhen, während die Kategorie Wahrheit für Nachrichtenmedien weiterhin ein ideales Korrektiv bleibt.

Schlüsselwörter

Amateurvideo, Internet-Ethnographie, Iran-Wahl 2009, Tagesschau, Authentizität, Medialität, Sensationalität, Unschärfe, Nachrichtenbilder, Medienwandel, YouTube, intermedialer Transfer, Kriegsberichterstattung, Glaubwürdigkeit, Journalismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den intermedialen Transfer, also die Übernahme von Amateur-Internetvideos in professionelle Fernsehformate, und hinterfragt die daraus resultierenden Effekte für die Berichterstattung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Themenfelder umfassen die Rolle des Internets als Informationsquelle bei politischen Krisen, den Wandel der journalistischen Selektionsprozesse sowie ästhetische und epistemologische Aspekte der Bildverwendung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob die Nutzung technisch unzureichender Amateuraufnahmen die Qualität der Nachrichtenberichterstattung durch die Vermischung verschiedener Verbreitungswege verändert oder gar verbessert.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt eine medienwissenschaftliche Analyse, die den Fall der Berichterstattung über die Iran-Proteste 2009 durch die ARD Tagesschau qualitativ auswertet und theoretisch einbettet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Selektion von Online-Videos, die ästhetische Wirkung von Unschärfe, die Amateur-Komponente als Authentizitätsmerkmal sowie die wechselseitige Beeinflussung von TV und Internet.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Authentizitätsversprechen, Intermedialität, Amateur-Ästhetik, Nachrichtenwert und die Kategorie der Wahrheit im digitalen Medienwandel.

Warum spielt die technische Unschärfe eine so zentrale Rolle in der Argumentation?

Der Autor argumentiert, dass Unschärfe in der Amateur-Videoberichterstattung nicht als reiner Mangel wahrgenommen wird, sondern als "Spur des Ereignisses" einen eigenen Sensationscharakter und ein Versprechen von Unmittelbarkeit generiert.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor in Bezug auf die „Wahrheit“ in Nachrichten?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Kategorie Wahrheit für Nachrichtenmedien implizit ein notwendiges Korrektivideal bleibt, auch wenn die versprochene Authentizität durch Amateurvideos oft nur eine emotionale Ebene anspricht.

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Details

Titel
„Quelle: YouTube“ - Der Einsatz von Internetvideos im Fernsehen und das Authentizitätsversprechen sichtbarer Medialität
Untertitel
Eine Analyse des intermedialen Transfers am Beispiel der Berichterstattung über die Proteste im Iran nach der Präsidentschaftswahl 2009.
Hochschule
Universität Siegen
Note
2,0
Autor
Ludwig Andert (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V157850
ISBN (eBook)
9783640705627
ISBN (Buch)
9783640706136
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Youtube Tagesschau Iran Protest Berichterstattung mediale Transparenz Formenmigration Medienwandel
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ludwig Andert (Autor:in), 2010, „Quelle: YouTube“ - Der Einsatz von Internetvideos im Fernsehen und das Authentizitätsversprechen sichtbarer Medialität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157850
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Leseprobe aus  17  Seiten
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