Migration als Emanzipation

Zur Rolle von Migrantinnenselbstorganisationen für den Emanzipationsprozess


Diplomarbeit, 2010
127 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Das Bild von der Migrantin
1.2 Gang der Untersuchung

2 Forschung und Wissenschaft
2.1 Theorien und Fragestellungen der Migrationssoziologie
2.1.1 Klassische Migrationsforschung
2.1.2 Neuere Migrationsforschung
2.1.3 Rückblick und Ausblick
2.2 Von der Frauenforschung zur Genderforschung
2.2.1 Migrantinnenforschung im Kontext der Migrations-, Frauen- und Genderforschung

3 Migration und Gender
3.1 Migration der Frauen im sozialen Wandel
3.1.1 Geschlecht als zentrales Strukturprinzip
3.1.2 Feminisierung der Migration
3.2 Ursachen und Formen weiblicher Migration
3.2.1 Fluchtmigration
3.2.2 Arbeits- und Heiratsmigration
3.2.3 Frauenhandel
3.2.4 Bedeutung von Netzwerken für Migrantinnen

4 Migration als Emanzipation?
4.1 Zwischen Irritation und Selbstverständlichkeit
4.1.1 Benachteiligung von Migrantinnen im Aufnahmeland Deutschland
4.1.2 Engagement in Politik, Kultur und Medien

5 Zur Rolle von Migrantinnenselbstorganisationen für den Emanzipationsprozess
5.1 Frauenbewegungen in Deutschland vom 19. bis 21. Jahrhundert
5.2 Formen und Ziele von Migrantinnenselbstorganisationen in Deutschland
5.3 Potentiale von Migrantinnenselbstorganisationen
5.4 Darstellung von Konzeption, Struktur, Zielsetzung der befragten Organisationen
5.4.1 agisra e.V. (arbeitsgemeinschaft gegen internationale sexuelle und rassistische Ausbeutung)
5.4.2 FraInFra (Frankfurter Initiative progressiver Frauen)

6 Forschungsmethode
6.1 Leitfadengestützte Experteninterviews
6.2 Begründung der Wahl
6.3 Forschungsdesign
6.4 Vor- und Nachinterviewphase und allgemeine Bemerkungen zum Interviewverlauf

7 Deutungsmusteranalyse
7.1 Vorgehensweise
7.1.1 Das Bild von der Migrantin in Deutschland
7.1.2 Emanzipative Faktoren der Migration
7.1.3 Die Rolle von Migrantinnenselbstorganisationen für den Emanzipationsprozess
7.1.4 Migrantinnen als Pionierinnen einer dritten Frauenbewegung?
7.2 Zusammenfassende Darstellung der Untersuchungsergebnisse

8 Schlussbetrachtung
8.1 Zusammenfassung der Ausführungen
8.2 Fazit
8.3 Ausblick

Anhang
Interviewleitfaden
Transkription
agisra e.V
FraInFra

Literaturverzeichnis
Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Klassische Migrationsforschung

Abbildung 2: Neue Ansätze zur Erforschung internationaler Migration

Abbildung 3: Wanderungsgründe und -formen von Frauen

Abbildung 4: Wanderungsmotive

Abbildung 5: These der Dreifachdiskriminierung von Migrantinnen

Abbildung 6: Typologie der Gruppen, Vereine und Projekte der Selbstorganisation von Migrantinnen

Abbildung 7:Themen nach Anzahl

1 Einleitung

1.1 Das Bild von der Migrantin

Migrationsbewegungen1 -aus und nach Deutschland- sind keineswegs neue Erschei- nungen, vielmehr sind sie historisch betrachtet gesellschaftlicher Normalzustand.2 Durch die voranschreitende Globalisierung kann jedoch von einer neuen Dimension internationaler Migrationsbewegungen gesprochen werden.3 In der heutigen globa- lisierten Welt, unter anderem geprägt durch moderne, zeitlich und räumlich unbe- grenzt verfügbare Massenkommunikationsmedien, Verbreitung und Verbilligung immer schnellerer Massentransport- und Kommunikationstechnologien, wird die Auflösung traditioneller ländlicher Sozialmilieus immer deutlicher. Diese Entwick- lungen haben seit Ende des 19. Jahrhunderts entscheidenden Einfluss auf Migrati- onsbewegungen gewonnen.4

Trotz der technischen Fortschritte und erleichterter Bedingungen sich interkonti- nental zu bewegen, ist die Situation der Zugewanderten in vielen Aufnahmeländern durch Diskriminierung5, Exklusion und prekäre Lebens- und Wohnverhältnisse be- stimmt. Hinzu kommen stereotype Vorstellungen und Vorurteile gegenüber Migran- ten, die in der öffentlichen Diskussion nach wie vor stabil sind und den Umgang mit Migranten bestimmen.6

Für die Bundesrepublik Deutschland und das hohe Aufkommen an Gastarbeitern gilt dies in besonderem Maß. Basierend auf der Vorstellung, dass die Arbeitsmigranten zeitlich begrenzte und mobile Arbeitseinheiten darstellen, die angeworben, einge- setzt und zurückgeschickt werden konnten, wurde Migrations- und Integrationspoli- tik in den 1960er Jahren spärlich betrieben und richtete sich zunächst auf die Defizi- te auf Seiten der Migranten, vor allem im sprachlichen Bereich.7 Auch als sich im Rahmen des Familiennachzugs der Großteil der Gastarbeiter auf einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland einrichtete, reagierten Politik und Bildungssystem zeitlich verzögert.8 Ungeachtet der Wanderungsbewegungen und der sich daraus ergeben- den Anforderungen im Hinblick auf die gesellschaftliche Integration „[…] galt das Dogma, Deutschland sei kein Einwanderungsland und solle es auch nicht werden, fort.“9

Insbesondere Migrantinnen sehen sich in der bundesrepublikanischen Gesellschaft zahlreichen, bewussten wie unbewussten Diskriminierungen und Benachteiligungen ausgesetzt. NAUCK bezeichnet die Migrantin als dreifach Diskriminierte, zum Ersten als Arbeiterin, zum Zweiten als Ausländerin und Minoritätsangehörige und zum Drit- ten als Frau.10 Migrantinnen gelten oftmals als Begleiterin des wandernden Ehe- mannes und werden so als Opfer oder abhängig wandernde Person wahrgenom- men. In den Medien wird dieses Bild immer wieder produziert und reproduziert, so dass Migrantinnen per se eine fehlende Handlungsfähigkeit unterstellt wird. TREIBEL stellt fest, dass „(…) in der Wahrnehmung von Migrantinnen, insbesondere Türkin- nen, Sensationslust und die Erregung über Spektakuläres, wie etwa die so genann- ten Ehrenmorde, den Blick für unauffälligere Biografien und Integrationsprozesse verstellten.“11 Die enorme Heterogenität der Gruppe der Migrantinnen bleibt in der Öffentlichkeit weitestgehend unbeachtet. Das Interesse an den Lebenssituationen der Migrantinnen hat sich in der soziologischen Forschung erst seit den 1980er Jah- ren, ausgelöst durch die Frauenforschung, etabliert.12

Die Arbeiten von HAN, TREIBEL und SCHWENKEN befassen sich explizit mit der Quantität und Qualität weiblicher Wanderungsbewegungen. HAN analysiert neben soziostrukturellen Faktoren in den Herkunftsländern empirische Daten zu internationalen weiblichen Wanderungsbewegungen und spricht von einer Feminisierung der Mi- gration. TREIBEL beschreibt spezifisch weibliche Wanderungsentscheidungen sowie -folgen und entwickelt die These eines Zusammenhangs zwischen Migration und Emanzipation13. SCHWENKEN betrachtet die Selbstorganisation von Migrantinnen in der Bundesrepublik Deutschland und beschäftigt sich mit der Frage, ob Migrantin- nen als Pionierinnen einer dritten Frauenbewegung14 gesehen werden können. Hin- tergrund sind die in den letzten Jahren vermehrt entstandenen Gruppen und Initia- tiven der Selbstorganisation von Migrantinnen, die sich zum einen auf die Beratung von Migrantinnen sowie zum anderen auf deren Interessenvertretung in Öffentlich- keit und Medien spezialisiert haben. Diese so genannten Migrantinnenselbstorgani- sationen (MSO) existieren in unterschiedlicher Struktur, Ausrichtung und Größe.15 Trotz dieser Arbeiten besteht zum jetzigen Zeitpunkt eine Forschungslücke im Hin- blick auf die Frage, ob von einem Zusammenhang zwischen Migration und Emanzi- pation gesprochen werden kann und welche Rolle Migrantinnenselbstorganisatio- nen in diesem Prozess einnehmen können. In dieser Arbeit wird von der Annahme ausgegangen, dass es eine wachsende Zahl von Migrantinnen gibt, die sich trotz der ihnen entgegengebrachten Vorurteile und erfahrener Benachteiligungen aktiv für einen Wandel der gesellschaftlichen Strukturen einsetzen. Diese Gruppe muss inso- fern als konstruiert betrachtet werden, als dass bisher kein repräsentatives Material vorliegt, welches diese Vermutung bestätigt.

Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit besteht in der Überprüfung der These von einem Zusammenhang zwischen Migration und Emanzipation anhand der vorhan- denen Literatur und der geführten Experteninterviews. Kann davon ausgegangen werden, dass sich die Emanzipation der Migrantinnen ausschließlich aus dem neuen Lebenskontext ergibt oder lassen sich Faktoren benennen, die Einfluss auf diese Entwicklung nehmen? Vor diesem Hintergrund wird angenommen, dass die Arbeit von Migrantinnenselbstorganisationen konkrete Maßnahmen bietet, um den Eman- zipationsprozess von Migrantinnen in Deutschland zu fordern und zu fördern. Wie kann die Rolle von Migrantinnenselbstorganisationen für den Emanzipationsprozess beurteilt werden und wie schätzen die Befragten selbst ihre Möglichkeiten ein? Da- rüber hinaus war von Interesse, ob sich in Deutschland die Chance auf eine dritte Frauenbewegung unter maßgeblicher Beteiligung von Migrantinnen ergeben kann. Entspricht diese Möglichkeit der Realität und welche Schritte sind nach Meinung der Befragten noch notwendig, um dieser Annahme gerecht zu werden?

1.2 Gang der Untersuchung

Zur Bearbeitung der vorliegenden Fragestellungen wird in Kapitel 2 zunächst ein Überblick über Forschungsstand, Fragestellungen und Theorien der Migrations- soziologie und -forschung gegeben. Der Fokus liegt auf der Darstellung der Migran- tinnenforschung, die in die Migrations-, Frauen- und Genderforschung eingeordnet wird. In Kapitel 3 werden quantitative und qualitative Besonderheiten weiblicher Wanderungsbewegungen anhand der Arbeiten von HAN und TREIBEL dargestellt. Die Bedeutung des Geschlechts für die Migrationsentscheidungen und -folgen wird ebenso veranschaulicht wie die besondere Rolle von Netzwerken für Migrantinnen. Im darauffolgenden Kapitel wird explizit der Frage nachgegangen, ob und inwieweit Migration als eine Form von Emanzipation bezeichnet werden kann. Es geht dabei um einen Zusammenhang zwischen sozialen und strukturellen Benachteiligungen von Migrantinnen im Aufnahmeland Deutschland und Migrantinnen, die sich für einen Wandel der gesellschaftlichen Verhältnisse engagieren. Dazu werden die Ar- beiten von TREIBEL, NAUCK und HUTH-HILDEBRANDT herangezogen. Kapitel 5 beinhaltet zunächst eine zusammenfassende Darstellung der Geschichte der deutschen Frau- enbewegung. In Bezug darauf werden die Formen und Potentiale der Selbstorgani- sation von Migrantinnen in Deutschland näher betrachtet und die Frage beleuchtet, ob Migrantinnen und ihre Selbstorganisationen als eine neue, dritte Frauenbewegung in Deutschland gedeutet werden können. Anhaltspunkte dafür liefern SCHWEN- KEN und HADEED. Die im empirischen Teil befragten Organisationen, agisra e.V. (ar- beitsgemeinschaft gegen internationale sexuelle und rassistische Ausbeutung) und FraInFra (Frankfurter Initiative progressiver Frauen) werden anschließend im Hin- blick auf Konzeption, Struktur und Zielsetzung beschrieben. In Kapitel 6 findet die gewählte Forschungsmethode eine kurze Einordnung in die Methoden der qualitati- ven Sozialforschung. Die Wahl der Methode sowie die Auswahl der einzelnen Fra- genabschnitte innerhalb des Interviewleitfadens wird begründet. Kapitel 7 beinhal- tet die Auswertung der geführten Interviews anhand einer Deutungsmusteranalyse mit selbst gewählten Kriterien. Die Arbeit schließt in Kapitel 8 mit einer Schlussbe- trachtung, in der der bisherige Forschungstand mit den eigenen Auswertungsergeb- nissen verknüpft wird und ein Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten ge- geben werden soll.

2 Forschung und Wissenschaft

In diesem Kapitel wird Migration als Gegenstand der Soziologie in deren For- schungsdiskurs eingeordnet. Unterschieden wird dabei zwischen Klassischen und Neueren Ansätzen. Die Anfänge der Frauenforschung, deren anfängliche Fokussie- rung auf deutsche Frauen und die sukzessive Aufnahme von Migrantinnen werden näher beschrieben. Ansätze, Kritiken und Ansprüche der neueren Genderforschung werden dargestellt.

2.1 Theorien und Fragestellungen der Migrationssoziologie

Kaum ein anderes gesellschaftliches Phänomen ist so alt wie die Migration von Menschen. Sesshaftigkeit kann nach PRIES lediglich als eine kurze Episode in der Menschheitsgeschichte bezeichnet werden.16 Das Schaffen territorialer Grenzen hat zum einen zu einem erhöhten Sicherheitsgefühl der in ihnen Lebenden beigetragen, zum anderen aber kulturelle, religiöse und ethnische Zugehörigkeiten fest als Selbst- und Fremdzuschreibungen im Denken der Menschen verankert. Die Soziolo- gie als moderne Sozialwissenschaft entstand seit der zweiten Hälfte des 19. Jahr- hunderts vor dem gedanklichen Hintergrund von relativer nationalstaatlicher Ho- mogenität.

Die voranschreitende Globalisierung, durch die auch Wanderungsbewegungen eine neue Quantität und Qualität erreicht haben, macht es jedoch unumgänglich den Perspektivenhorizont der Migrationssoziologie zu erweitern.17

Migration als einmaliger, dauerhafter Ortswechsel ist Gegenstand Klassischer Mig- rationstheorien, die im Folgenden näher erläutert werden.

2.1.1 Klassische Migrationsforschung

Klassische Theorien internationaler Migration betrachten Wanderungsprozesse vorwiegend als ein- oder zweimalige Ortsveränderungen und richten sich hauptsächlich auf die Erforschung der Begleitumstände und Integrationsmechanismen in den Ankunftsregionen. Dies liegt vor allem daran, dass von den Ankunftsländern durch in Auftrag gegebene sozialwissenschaftliche Studien Aufschluss über wichtige gesellschaftliche Probleme und ihre möglichen Lösungen erwartet wurde.18 Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Klassische Migrationsforschung zentral mit der Untersuchung der Voraussetzungen, Formen und Folgen von inter- nationaler Migration als einer einmaligen und unidirektionalen Ortsveränderung von einer Nationalgesellschaft in eine andere beschäftigt hat.

„In der Klassischen Migrationsforschung lag der Fokus auf der Frage, warum wel- che Bevölkerungsgruppen in welcher Form grenzüberschreitend wandern; welche sozialen, kulturellen, ökonomischen und politischen Wirkungen dies auf die Her- kunfts- und Ankunftsgesellschaften hat; und wie sich die Migranten in die An- kunftsgesellschaften integrieren“.19

Dabei wurden sowohl die Herkunfts- als auch die Ankunftsregionen beziehungswei- se -gesellschaften als jeweils ineinander verschachtelte Container von Flächen- und Sozialraum verstanden. Dementsprechend lag in dieser Perspektive der Fokus auf den so genannten Push- und Pull-Faktoren20 als den Kräften, die den Wechsel von einem Container in einen anderen bedingen und regulieren.21

Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über verschiedene Ansätze innerhalb der Klassischen Migrationsforschung und beschreibt die zwischen Herkunfts- und Ankunftsregion bestehende Beziehung. Deutlich wird, dass es vorrangig um soziale und kulturelle Auswirkungen auf die Ankunftsgesellschaft geht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Klassische Migrationsforschung 22

2.1.2 Neuere Migrationsforschung

Die Klassischen Ansätze der Migrationsforschung, die Wanderungen als uni- oder bidirektionale Ortswechsel erfassten, haben seit den 1980er Jahren enorme Erwei- terungen und Verschiebungen der Fragestellungen hin zu den Neueren Ansätzen erlebt. In diesen jüngeren Betrachtungsweisen wird Migration nicht mehr nur als einmaliger unidirektionaler Ortswechsel, sondern auch als dauerhafter Zustand und damit als eine neue soziale Lebenswirklichkeit für eine wachsende Anzahl von Men- schen begriffen. Im Gegensatz zur Klassischen Migrationsforschung liegt der Fokus nicht mehr auf der Erfassung der Gründe für Migrationsentscheidungen und der Erforschung von Folgewirkungen für Herkunfts- oder Ankunftsregion. Es geht vielmehr um Fragen nach der Aufrechterhaltung von Migrationsströmungen, deren neuer und eigener Qualität und um die Erfassung neuer transnationaler sozialer Wirklichkeiten, die im Zusammenhang neuer internationaler Migrationsprozesse entstehen. Während Klassische Migrationsforschung auf die Mikroebene oder Mak- roebene23 und auf die Herkunftsregion oder die Ankunftsregion fokussiert war, kon- zentrieren sich neue Migrationsstudien auf Zwischenlagen, auf eine Meso- Analyseebene und auf Bewegungen und Sozialräume zwischen beziehungsweise oberhalb der Herkunfts- und Ankunftsregion.24

Abbildung 2 stellt die verschiedenen Ansätze innerhalb der Neueren Migrationsfor- schung dar und unterstreicht die Bedeutung, die Transnationalität im Migrations- diskurs gewonnen hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Neue Ansätze zur Erforschung internationaler Migration 25

2.1.3 Rückblick und Ausblick

Nachfolgend wird aufgezeigt, welche Auffassungen die Migrationssoziologie in Deutschland in der Vergangenheit vertreten hat und wie sich diese einer globalisier- ten Welt anpassen sollten beziehungsweise werden.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist eine Intensivierung der migrationssoziologischen Theoriediskussion gerade in Deutschland notwendig. Nach dem Ende der national- sozialistischen Diktatur und ihrer Kriegswirtschaft wurden die vielfältigen Ursachen, Formen und Konsequenzen freiwilliger und unfreiwilliger Wanderungsbewegungen während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland kaum systematisch und breiter sozialwissenschaftlich diskutiert. In den 1970er Jahren wurde Migrationssoziologie vor allem als Gastarbeiterforschung be- trieben. In diese Phase fallen die noch heute in Überblickswerken benannten Arbei- ten von HOFFMANN-NOWOTNY (1970) und ESSER (1980). Ihr Hauptinteresse galt in die- ser Zeit den Stufen und Problemen der sozialen Integration der Gastarbeiter in die deutsche Gesellschaft. Integration wurde dabei weitgehend als Assimilation der Gastarbeiter verstanden.

Während der 1980er Jahre flachte die wissenschaftliche Produktion und Diskussion der Migrationssoziologie in Deutschland stark ab. Erst durch die veränderten Bedin- gungen der deutschen Wiedervereinigung, massiver Asyl- und Fluchtmigration nach Deutschland, teilweise starker Fremdenfeindlichkeit, des europäischen Einigungs- prozesses und wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Globalisierung in den 1990er Jahren lässt sich unlängst eine Revitalisierung der Migrationssoziologie in Theorie und Empirie ausmachen. Davon zeugen neu aufgelegte beziehungsweise neue Ein- führungswerke wie die von TREIBEL (1999) und HAN (2000), Überblicksstudien oder auch die beachtliche wissenschaftliche Produktion von Forschungszentren.26

Die jüngere Migrationsforschung in Deutschland weist unterschiedliche Strömungen auf. So befassen sich beispielsweise einige Autoren mit systematischen Vergleichen der Einwanderungs- und Einbürgerungsproblematik bei Mexikanern in den USA und bei Türken in Deutschland.27 Ebenso wie diese konzentrieren sich die Arbeiten von THRÄNHARDT (1997) sowie MOROKVASIC/RUDOLPH (1994) auf die neue Migrationssitua- tion der 1990er Jahre, allerdings in einer europäischen Vergleichsperspektive.

Das Thema Migration und Ethnizität wurde in verschiedenen Studien theoretisch und empirisch behandelt.28 Schließlich wurden auch verstärkt die geschlechtsspezi- fischen Voraussetzungen, Formen und Folgen internationaler Migration themati- siert.29

Das Feld der Migrationsforschung ist zum Beginn des 21. Jahrhunderts so bewegt, dass eindeutige Orientierungen bezüglich des theoretischen und empirischen Er- kenntnis- und Diskussionsstandes schwierig sind.30

Neue Phänomene wie die Transmigration lassen sich nur angemessen erforschen, wenn dafür auch neue theoretische Konzepte entwickelt werden. Viele der oben skizzierten neuen Ansätze der internationalen Migrationsforschung geben wichtige Impulse in diese Richtung. Nimmt die Migrationssoziologie diese Herausforderung an, so kann sie aus einer eher randständigen Position ins Zentrum soziologischer Gegenwartsdiagnose rücken.31

2.2 Von der Frauenforschung zur Genderforschung

Im folgenden Abschnitt werden die Entwicklung und der aktuelle Stand der Frauen- forschung in Deutschland kurz dargestellt, sowie deren Umbenennung in Gender- forschung erläutert, um anschließend die Verknüpfungen zur Migrantinnenfor- schung sichtbar zu machen.

Ausgangspunkt für die Etablierung einer Frauenforschung war das Aufkommen der Neuen Frauenbewegung. Erst durch diese, die als soziale, politische und kulturelle Bewegung neue Impulse hinsichtlich der gesellschaftlichen Position der Frauen und des bestehenden Geschlechterverhältnisses lieferte, wurden herrschende Standards hinterfragt und zur Sprache gebracht. Auch in der Wissenschaft wurde im Zuge des- sen die bis dahin deutliche männliche Dominanz aufgelöst und eine Verschiebung hin zu einem Interesse an Frauenfragen sichtbar.32 Als zentrales Ziel der Frauenfor- schung kann zum einen die Beseitigung des Androzentrismus der Wissenschaft und zum anderen der Abbau der frauendiskriminierenden Herrschaftsformen genannt werden. Diese beiden Ziele, Frauensicht und Frauenteilhabe, sollten das bestehen- de Wissenschaftssystem grundlegend in Frage stellen. Hauptanliegen der Frauen- forschung war das Sichtbarmachen der Frau, sowohl als Forschungssubjekt als auch als Forschungsobjekt.33

Zu Beginn gaben die Kritiken und Themen der Frauenbewegung der Frauenfor- schung ihre Fragestellungen vor, so dass es um die Unterscheidung zwischen Lohn- und Hausarbeit, um Liebe und Sexualität und um das Konzept wie die Praxis politi- scher und persönlicher Autonomie ging.34 Gerade dieses enge Verhältnis zwischen Frauenbewegung und Frauenforschung birgt Komplikationen, der Vorwurf der Sub- jektivität und Voreingenommenheit zugunsten der Belange der Frauen steht im Raum. „Die eigene Involviertheit, früher sagten wir Betroffenheit und Parteilichkeit, erwies sich in diesem Fall ganz offensichtlich als Hemmschwelle“.35

Inzwischen hat ein breites Spektrum feministischer Forschungen das Innovationspo- tenzial, die Validität und Produktivität feministischer Perspektiven durch vielfältige Ergebnisse in beinahe allen sozial- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen unter Beweis gestellt.

Mittlerweile ist an die Stelle der Geschlechterdifferenz als ausschlaggebender, die gesellschaftlichen Verhältnisse bestimmenden Perspektive, die Differenz auch unter den Frauen getreten. Vielfältige soziale Unterschiede wie Klasse, Alter, Milieu oder Ethnie schließen eine gemeinsame Bezugnahme auf die Kategorie Frau aus.36 Des- weiteren kann die Bezeichnung Frauenforschung aufgrund der verengten Perspektive nicht weiterhin bestehen, mittlerweile liegt der Fokus nicht mehr auf der Sicht- barmachung der Frau, sondern auf der Bedeutung von Geschlecht oder auch Gen- der. Es geht um das Wissen über Geschlecht, das heißt über die Entwicklung von Geschlechtsidentität und die Rolle der Sozialisationsinstanzen dabei.37 Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Frauenforschung als solche ein relativ junger Forschungszweig ist und sich zunächst von den Überzeugungen und Ansich- ten der Frauenbewegung lösen musste, um im wissenschaftlichen Diskurs ernst ge- nommen zu werden. Deutlich wird, dass die Gruppe der Frauen keineswegs homogen und eine eindeutige Differenzierung illusorisch ist. Ebenfalls nicht möglich ist eine Fokussierung auf die Benachteiligung der Frau. Der Blick muss insgesamt auf das wechselseitige Verhältnis zwischen Männern und Frauen gerichtet werden.

Im Folgenden werden die Verknüpfungen der Migrantinnenforschung zur Frauen-, Gender- und zur Migrationsforschung näher erläutert.

2.2.1 Migrantinnenforschung im Kontext der Migrations-, Frauen- und Genderforschung

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, sieht sich die Migrantin in der Wahrnehmung der deutschen Öffentlichkeit und Gesellschaft zahlreichen Vorurteilen gegenüber. In diesem Abschnitt soll zum einen das Aufkommen des Forschungsinteresses gegen- über Migrantinnen sowohl in der Migrations- als auch in der Frauen- und Gender- forschung seit den 1960er Jahren nachgezeichnet werden. Zum anderen wird eine differenzierte Einordnung der Migrantin in diese Forschungsdiskurse unternommen, die dazu beitragen soll, Migrantinnen als heterogene Gruppe innerhalb der deut- schen Mehrheitsgesellschaft wahrzunehmen.

Das Bild von der unterdrückten, passiven Migrantin, die ihrem Ehemann aufgrund finanzieller und emotionaler Abhängigkeit nach Deutschland gefolgt ist, ist in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor vorherrschend.38 TREIBEL beschreibt dieses Phänomen wie folgt:

„Für den alltäglich-öffentlichen Umgang mit Migrantinnen scheint es lediglich zwei Umgangsweisen zu geben: Entweder werden sie gar nicht bemerkt oder sie wer- den als Fremde markiert und mit besonderer Aufmerksamkeit beobachtet“.39

In der Migrationsforschung zeigt sich ein ähnliches Bild: Die damalige Gastarbeiter- forschung erkannte Frauen nicht als eigenständig wandernde Personen an, sondern als Anhängsel der italienischen oder türkischen Gastarbeiter, die im Rahmen der Gastarbeiteranwerbung nach Deutschland kamen.40 1955 schloss die Bundesrepub- lik Deutschland den ersten Anwerbevertrag mit Italien, es folgten bis Ende der 1960er Jahre Verträge mit Spanien, Griechenland, der Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien und Jugoslawien. Der Frauenanteil lag bei etwa 20 %41, in den Studien der Anfangszeit spielte der Geschlechteraspekt jedoch eine eher untergeordnete Rolle. Nach dem Anwerbestopp 1973 und dem damit zusammenhängenden Familien- nachzug verlagerte sich die Aufmerksamkeit von der ausländischen Arbeitsbevölke- rung auf die ausländische Wohnbevölkerung. Damit waren jedoch eher die Kinder der Gastarbeiter und deren Schwierigkeiten im deutschen Bildungssystem als die Frauen gemeint. Eine Aufmerksamkeit für nachgereiste Frauen und auch für unabhängig gewanderte Gastarbeiterinnen war in Öffentlichkeit und Wissenschaft nicht vorhanden. Dies lag zum einen an der Erwartung einer kurzen Aufenthaltsdauer der GastarbeiterInnen, zum anderen aber auch an einer generellen Vernachlässigung von Mädchen und Frauen in der Wissenschaft.42

Ende der 1970er Jahre löste das Buch „Verkaufte Bräute. Türkische Frauen zwischen Kreuzberg und Anatolien“43 öffentliches Interesse aus, das auch die Wissenschaft dazu veranlasste sich intensiver mit diesem Thema auseinanderzusetzen.44

So wurde parallel zu der in Deutschland aufkommenden Frauenforschung die Aus- länderin „entdeckt“. Für sie galten Motive, Interessen und Problemlagen als charak- teristisch, die sie als deutlich anders als „die“ damalige deutsche Frau markierten.

Als Mitglied der Großkategorie Frau konnte sie sich der Solidarität sicher sein, inte- ressant aber wurde sie durch ihre Differenz.45

Es ging den in der Frauenbewegung engagierten deutschen Frauen um das Sicht- barmachen der Lebensbedingungen ausländischer Frauen, an denen ihre spezifische Benachteiligung als Frauen und als Ausländerinnen besonders deutlich sichtbar wurde. Dabei wurden die Frauen in den Publikationen meist als hilflose, sprachlose Opfer dargestellt. Die Migration wurde als ein Unglück und eine von den Frauen selbst so nicht gewollte Situation beschrieben, auf die sie nicht vorbereitet waren.46 HUTH-HILDEBRANDT bemerkt, dass der Zeitpunkt, zu dem das Forschungsinteresse an Migrantinnen in der Bundesrepublik aufkam, geprägt war durch die Diskussion um

Kulturdifferenzen und Kulturkonflikte. Aus diesem Grund ist anzunehmen, dass der Blick auf die Migrantin durch die Fixierung auf die Kulturdifferenz und die Kultur- konflikthypothese47 nachhaltig beeinflusst wurde.48

Seit Ende der 1980er Jahre wurde der Begriff Ausländerin zunehmend durch die Kategorie Ethnizität ersetzt, da diese auf die Volkszugehörigkeit verweist, nicht auf die Staatsangehörigkeit. Zeitgleich wurden in der Frauenforschung und Frauenbe- wegung grundlegende Debatten über die Beschaffenheit der Großgruppe Frau ge- führt. Hintergrund war die Kritik schwarzer Frauen aus der US-amerikanischen Bür- gerrechtsbewegung an den Wortführerinnen des Feminismus, die hauptsächlich weiße Mittelschichtsangehörige und somit auf ihre eigenen Probleme fixiert waren.

In Deutschland machte KNAPP in „Die vergessene Differenz“49 darauf aufmerksam,

„[…] [dass] Frauen in unterschiedlichem Maße von Benachteiligung und Diskriminie- rung betroffen [sind]. Eine Subsumierung unter eine Großkategorie Frau mag poli- tisch sinnvoll sein, wissenschaftlich ist sie fragwürdig“.50

Etwa zehn Jahre später waren diese Überlegungen in der Frauenforschung, die sich zur Geschlechterforschung entwickelt hatte, Allgemeingut. 1998 kritisierte GÜMEN

die Frauen- und Geschlechterforschung für ihr marginalisierendes Verhalten, Mig- rantinnen als Sonderfälle der allgemeinen Großkategorie „Frau“ zu behandeln. Ihrer Meinung nach sollte der Umgang mit Fremden von einer kritisch-feministischen Gesellschaftstheorie als gesamtgesellschaftliches Problem neu konzipiert werden. 51 Seit Ende der 1990er Jahre wurde der Opferdiskurs, wonach Migrantinnen primär als Benachteiligte und Unterprivilegierte wahrgenommen wurden, zumindest in der Forschung weitgehend abgelegt. Der Fokus liegt nun mehr auf einer systematischen Erfassung der Perspektiven, Handlungsmotive und -interessen der Migrantinnen.52 Die Forschung hat seit geraumer Zeit einen Perspektivenwechsel vollzogen: „Das ausländische Mädchen“ oder „Die Migrantin“ gibt es aus Sicht der Forschung längst nicht mehr. Werden die Elemente der Trias Geschlecht/Ethnizität/Klasse zueinander ins Verhältnis gesetzt, bleibt von der vermeintlichen Substanz der Ausländerin oder Migrantin nichts mehr übrig.53 Die Vielfalt weiblicher Lebensbedingungen und Le- benswelten ist heute Konsens der Migrantinnenforschung. Bezogen auf die Migran- tinnen hat die Forschung über so unterschiedliche Gruppen wie die so genannten Bildungsinländerinnen und die Angehörigen der zweiten und dritten Generation der GastarbeiterInnen gerade erst begonnen. Übereinstimmung besteht auch darüber, dass es unter den Migrantinnen keineswegs nur prekäre, sondern auch privilegierte Lebenslagen gibt. Der Migrationshintergrund wäre dann also nur noch eine Variable unter vielen. 54

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Migrantinnenforschung mittlerwei- le eine beträchtliche Spannbreite aufweist und interessante Verknüpfungen sowohl zur Geschlechter-, als auch zur Migrationsforschung bestehen. Zentrale Aufgabe besteht zukünftig darin, sachliche und differenzierte Analysen vorzulegen, um damit

bestehenden Stereotypen55 und Kategorisierungen in der öffentlichen Wahrneh- mung entgegenzuwirken. Es geht also darum die wissenschaftliche Praxis und die öffentliche Wahrnehmung stärker aufeinander zu beziehen.56 Als Aufgabe kritischer Sozialforschung kann darüber hinaus die Herausarbeitung sozialer und gesellschaft- licher Schwierigkeiten und Hindernisse genannt werde, um damit Ansatzpunkte zur Veränderung ungleicher Ausgangslagen zu schaffen. Die Anerkennung von Migran- tinnen als Subjekte bedeutet für den Bereich der Sozialforschung, Methoden und theoretische Ansätze zu wählen, die sowohl die Vielgestaltigkeit ihrer Person und ihre subjektiven Handlungsgründe zum Tragen bringen und gleichzeitig gesellschaft- liche Verhältnisse mit einbeziehen.57

3 Migration und Gender

Wie in Kapitel 2 behandelt, ist auf wissenschaftlicher Ebene mittlerweile ein tief greifender Perspektivenwechsel erfolgt, so dass heute eine Reihe grundlegender Studien zu Gender-Aspekten vorliegt.58 Alle Rahmenbedingungen von Migration– seien es ökonomische, politische, soziale oder rechtliche– bewirken grundlegende geschlechtsspezifische Differenzen und damit für Männer und Frauen unterschiedli- che Erfahrungen und Konsequenzen.59

In diesem Kapitel werden die Arbeiten von HAN und TREIBEL dargestellt, um anhand dieser zu verdeutlichen, dass der Genderaspekt bei Migrationsentscheidungen und - folgen nicht zu vernachlässigen ist. Zunächst wird die von HAN vertretene These ei- ner Feminisierung der Migration, begründet durch verschiedene Faktoren innerhalb eines allgemeinen sozialen Wandels, dargestellt. Anschließend werden die von TREI- BEL untersuchten geschlechtsspezifischen Wanderungsursachen und -motive von Frauen betrachtet. Der Fokus liegt hier auf besonderen, ausschließlich für Frauen geltenden Normen und Erwartungen im Herkunfts- und im Aufnahmeland.

3.1 Migration der Frauen im sozialen Wandel

Nach HAN gibt es drei zentrale Gründe für die langjährige Unterschätzung der weib- lichen Migration und das Aufkommen des Forschungsinteresses in den 1980er Jah- ren. Zum einen hat sich die Migrationssoziologie in ihren Anfängen vorwiegend mit den Motiven und soziokulturellen Folgen der männlichen Wanderungsbewegungen beschäftigt. Erst als zu Beginn der 1980er Jahre Publikationen vorlagen, die einen Anteil der Frauen an der internationalen Migration von circa 55% bestätigten, rück- te die Migration der Frauen in den Mittelpunkt des fachlichen und öffentlichen Inte- resses. Zum Zweiten wurde das generelle Interesse an Frauenfragen, veranlasst durch die feministischen Frauenbewegungen, die sich mit der geschlechtlichen Un- gleichheit auseinandersetzten, größer. In Folge dessen wurden auch in der Migrati- onsforschung zunehmend die Belange von Frauen thematisiert. Drittens wurde die

Arbeitskraft der Frau einerseits durch die steigende Nachfrage nach Frauenarbeits- kräften und andererseits durch die zunehmende Erwerbsbeteiligung der Frauen seit Mitte der 1970er Jahre, als kostengünstig und flexibel für Produktion und Dienst- leistung einsetzbar, entdeckt.60

3.1.1 Geschlecht als zentrales Strukturprinzip

Migration ist ein komplexes Phänomen, welches monokausal nicht zu erfassen ist. Dies gilt ebenso für die Migration von Frauen. Besondere Aufmerksamkeit gilt hier der Tatsache, dass sich die sozialen Lebenslagen und Erfahrungen von Frauen in der Migration grundsätzlich von denen der Männer unterscheiden.61

„Die seit der Mitte der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts vorliegenden For- schungsergebnisse legen die These nahe, dass die besonderen sozialen und wirt- schaftlichen Lebensverhältnisse der Migrantinnen (z.B. familiale Selektion zur Mig- ration, Beschäftigung, berufliche Segregation, Lohndiskriminierung und physische, psychische und sexuelle Ausbeutung) maßgeblich durch die kulturelle und gesell- schaftliche Konstruktion des weiblichen Geschlechts determiniert werden“.62

Deutlich wird, dass die Migration von Frauen, auch wenn sie von zahlreichen Push- und Pull -Faktoren bestimmt wird, von keinem anderen Faktor so grundlegend und tiefgreifend reguliert wird wie vom Faktor des Geschlechts.63

Das Wort Geschlecht bezeichnet in der deutschen Sprache die Zugehörigkeit der Menschen zur Gruppe der Frauen oder Männer. Die alltags- und fachsprachliche Entwicklung in Deutschland zeigt jedoch den Trend, dass der Begriff Geschlecht durch die englischen Begriffe sex und gender ersetzt wird. Der Begriff sex bezieht sich auf die biologischen beziehungsweise anatomischen Unterschiede zwischen Mann und Frau, während der Begriff gender auf die kulturell erzeugten und kon- struierten Unterschiede zwischen den Kategorien der Männlichkeit und Weiblich- keit Bezug nimmt, die jeweils auf den kulturspezifischen Wertungen der beiden Ge- schlechter basieren. In diesem Sinne bedeutet gender eine kulturelle Konstruktion, in der deutschen Übersetzung „das soziale Geschlecht“ beziehungsweise die „Ge- schlechtsidentität“.64

HAN geht es darum, die Auswirkungen auf das weibliche Migrationsverhalten, resul- tierend aus der bestehenden Konstellation des Geschlechtsverhältnisses, zu thema- tisieren. Mit dem Geschlechtsverhältnis sind dabei die historisch-kulturell gewach- senen und praktizierten sowie die in der Gegenwart vorkommenden sozialen Rege- lungen der Beziehungen zwischen Mann und Frau gemeint.65 Es handelt sich um prozesshaft entstandene Konstruktionen der Geschlechtsbilder. Sie kommen in den allgemeinen geschlechtlichen Rollenbildern und -erwartungen, in der ungleichen Behandlung der Geschlechter in den unterschiedlichen sozialen Kontexten, in der geschlechtlichen Arbeitsteilung in Familie und Gesellschaft und in der Unterdrü- ckung und Ausbeutung der Frauen durch Männer zum Ausdruck. Nach HAN ist diese Art der patriarchalischen Regelungsform „[…] heute noch in allen Kulturen und Ländern präsent, obwohl sie nur eine der vielen möglichen Regelungsformen der Ge- schlechtsbeziehung darstellt“.66 Demnach wurden die Geschlechtsverhältnisse nicht durch das Patriarchat bestimmt, das Patriarchat stellt lediglich eine kulturelle Rege- lungsform der Geschlechtsbeziehung dar.

Die Migration von Frauen unterliegt jedoch in entscheidendem Maße diesen kultu- rellen Geschlechtsrollenvorstellungen, sie sind prägend für die familiale Selektion der Frauen zur Migration. In den patriarchalisch strukturierten Gesellschaften der Länder der Dritten Welt beginnt dieser Selektionsprozess bereits im Kindesalter, deutlich sichtbar bei der elterlichen Bevorzugung der Söhne beziehungsweise Be- nachteiligung der Töchter. Gründe für diese ungleiche Behandlung der Kinder liegen in der patrilinearen und patrilokalen Gesellschaftsstruktur.67 Die Söhne bleiben bei den Eltern und sind als Gegenleistung für das Erben des elterlichen Vermögens für deren Versorgung verantwortlich. Die Töchter hingegen verlassen mit der Heirat ihre Herkunftsfamilie, um in die Familie des Mannes einzuziehen.68 „Unter diesem Aspekt ist es für die Eltern folgerichtig, dass sie in die Erziehung der Söhne mehr investieren als in die der Töchter“.69

Ähnlich gestaltet sich die soziale und wirtschaftliche Situation der Migrantinnen in den Aufnahmeländern. Sie werden zum großen Teil im informellen Dienstleistungs- sektor eingesetzt und verrichten dort überwiegend Arbeiten, für die keine besonde- ren Qualifikationen erforderlich sind. Damit einher gehen schlechte Entlohnung und weitgehend rechtliche Schutzlosigkeit, woraus häufig Ausbeutung, Diskriminierung und Missbrauch der Migrantinnen resultieren.70 Somit lässt sich feststellen, „[…] dass die soziokulturellen Diskriminierungen und Ausbeutungen der Migrantinnen bereits in ihrer Herkunftsfamilie beginnen und sich im Aufnahmekontext auf einer anderen Ebene verstärkt fortsetzen“.71 Das Geschlecht hat demzufolge einen ent- scheidenden Einfluss auf die Situation in Herkunftsfamilie und Herkunftsland, auf die Wanderungsentscheidung und auf die Lebenssituation im Aufnahmeland.

3.1.2 Feminisierung der Migration

Nach HAN beschreibt der Begriff Feminisierung der Migration eine globale Entwick- lung, in der der Anteil der Frauen, die sowohl abhängig als unabhängig die Migrati- on antreten, insgesamt so kontinuierlich steigt, dass er sich dem Anteil der Männer allmählich angleicht beziehungsweise diesen sogar übersteigt.72 Laut den Vereinten Nationen betrug der durchschnittliche Frauenanteil an den Migranten in den In- dustrieländern im Jahr 1995 50,1%, während er in den Entwicklungsländern 45,4% ausmachte.73

„Die Feminisierung der Migration stellt insofern eine neue Entwicklung dar, als bisher angenommen wurde, dass die Migration weitgehend von Männern domi- niert wird. Sie ist zudem für die Migrationssoziologie von Relevanz, da sie einen grundlegenden Strukturwandel von Familie, Wirtschaft und Politik aufzeigt. Die

Mobilität der Frauen wurde bisher durch die patriarchalischen Strukturen in Fami- lie und Gesellschaft restriktiv eingeschränkt und kontrolliert. Die zunehmende und grenzüberschreitende unabhängige Arbeitsmigration von Frauen aus Ländern mit patriarchalischen Sozialstrukturen wirft daher interessante Forschungsfragen auf“.74

Demnach müsste die wirtschaftliche und politische Vernachlässigung der Frauen- migration der Vergangenheit angehören, die Migrantin und ihre geschlechtsspezifi- schen Entscheidungen für die Migration müssten in den Fokus der Wissenschaft und Forschung rücken. 75

Die empirisch belegten Daten zur Feminisierung der Migration sind für diese Arbeit insofern von Interesse, als dass sie einen gesellschaftlichen Strukturwandel unter- streichen, der es Frauen erleichtert unabhängig zu wandern und aus dieser Situati- on heraus Veränderungen im Hinblick auf ihr kulturell erzeugtes Geschlechtsrollen- bild zu erwirken.

3.2 Ursachen und Formen weiblicher Migration

In diesem Abschnitt erfolgt eine differenzierte Darstellung der weiblichen Migrati- onsmuster und -motive anhand der Arbeiten von TREIBEL.

In der folgenden Abbildung wird deutlich, wie vielfältig die Wanderungsgründe und -formen von Frauen sind und wie problematisch eine scharfe Abgrenzung der Mig- rationsmotive ist. Frauen stellen bei den Wanderungsbewegungen insgesamt einen Anteil von 50% dar, wobei ihre Wanderungsgründe ähnlich breit gestreut sind wie die von Männern.76

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Wanderungsgründe und -formen von Frauen 77

Als beispielhaft für die erste Gruppe von Migrantinnen, diejenigen, die aus existen- tieller Not wandern, können die südeuropäischen Gastarbeiterinnen der 1960er Jahre genannt werden, die sich von der Bundesrepublik Deutschland, Belgien oder Frankreich anwerben ließen. In die zweite Gruppe lassen sich beispielsweise Mäd- chen und Frauen, die Ende des 19. Jahrhunderts aus Norwegen oder Schweden in die USA wanderten und als Dienstmädchen arbeiteten, einordnen. Die dritte Grup- pe beinhaltet junge Frauen, die ihr Herkunftsland meist temporär, also für die Dau- er der Ausbildung oder des Studiums, verlassen. Expertinnen werden oft auf befristete Zeit ins Ausland, zum Beispiel als Managerin einer japanischen Konzernnieder- lassung in Düsseldorf, geschickt. Von Verfolgung betroffene Frauen wandern aus einer Notsituation heraus, etwa weil sie aufgrund ihrer politischen, religiösen oder sexuellen Ansichten in ihrem Herkunftsland in Gefahr sind oder bedroht werden. 78 Die abgebildeten Formen der Wanderung verdeutlichen, dass Frauen an allen Mig- rationsformen beteiligt sind.79 Ebenso wie Männer wandern sie freiwillig und un- freiwillig, als Mittellose und Expertin, kontinental und interkontinental sowie tem- porär und dauerhaft. Laut Treibel geht es darum, die geschlechtsneutralen und ge- schlechtsspezifischen Wanderungsmotive voneinander zu trennen und klarer zu differenzieren.

In Abbildung 4 sind zum einen die Motive aufgelistet, die für beide Geschlechter gelten, zum anderen diejenigen, die in besonderem Maße für Frauen gelten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Wanderungsmotive 80

Die geschlechtsspezifischen Migrationsmotive von Frauen lassen sich mit patriar- chalischen und kulturell geformten Geschlechtsrollenbildern in vornehmlich vorin- dustriellen Regionen der Welt erklären.81 Verschärfte Mittellosigkeit resultiert bei- spielsweise aus den prekären Beschäftigungssituationen von Frauen und die da- durch entstehende Abhängigkeit von der Unterstützung des Ehemannes. Wenn Frauen aufgrund ihres Geschlechts struktureller Diskriminierung ausgesetzt sind, kann dies ein Wanderungsgrund sein. Unter spezifischen Verfolgungssituationen können Verfolgungen aufgrund des weiblichen Geschlechts verstanden werden.

Im Folgenden wird anhand der Beispiele Flucht-, Arbeits- und Heiratsmigration so- wie Frauenhandel näher gezeigt, welche geschlechtsspezifischen Ursachen Einfluss auf die Migrationsentscheidungen von Frauen haben können.

[...]


1 ZUM BEGRIFF MIGRATION FINDEN SICH IN DER LITERATUR EINE REIHE VERSCHIEDEN AKZENTUIERTER DEFINITIONEN. IN DIESER ARBEIT IST MIT MIGRATION DIE WANDERUNG, BEWEGUNG VON INDIVIDUEN, GRUPPEN ODER GESELLSCHAFTEN IM GEOGRAPHISCHEN ODER SOZIALEN RAUM GEMEINT, DIE MIT EINEM STÄNDIGEN ODER VORÜBERGEHENDEN WECHSEL DES WOHNSITZES VERBUNDEN IST. MIGRATION KANN, AUF DIE GESAMTE LEBENSZEIT BEZOGEN, ALS EINE VERÄNDERUNG UNTER VIELEN, WIE BEISPIELSWEISE DAS ERWACHSEN WERDEN, VERSTANDEN WERDEN. VGL. HAN (2003: 208F.).

2 VGL. LUTZ (2004: 477); WESTPHAL (2004: 1).

3 VGL. LÜSEBRINK (2008: 2); RODRIGUEZ (1999: 18).

4 VGL. PRIES (1997: 18).

5 MIT DISKRIMINIERUNG WIRD EINE UNGLEICHBEHANDLUNG, DIE DEN GLEICHHEITSGRUNDSATZ VERLETZT, BEZEICHNET. NACH DIESEM DARF NIEMAND AUFGRUND SEINER ZUGEHÖRIGKEIT ZU EINER SOZIALEN GRUPPE ODER SOZIALEN KATEGO- RIE BEVORZUGT BEZIEHUNGSWEISE BENACHTEILIGT WERDEN. MAN SPRICHT VON DISKRIMINIERUNG, WENN EINE UN- GLEICHBEHANDLUNG VON MENSCHEN AUF DER BASIS IHRER NATÜRLICHEN UND SOZIALEN UNTERSCHIEDE VORLIEGT. VGL. FUCHS-HEINRITZ ET AL (1994: 436).

6 VGL. OSWALD (2007: 131).

7 VGL. CASTLES (1987: 71).

8 VGL. AUERNHEIMER (2003: 43); CASTLES (1987: 71).

9 BUTTERWEGGE/HENTGES (2009: 1); VGL. CASTLES ( 1987: 13).

10 VGL. HUTH-HILDEBRANDT (2001: 115); NAUCK (1993: 364).

11 TREIBEL (2008: 141).

12 VGL. TREIBEL (2008: 145F).

13 DER BEGRIFF DER EMANZIPATION WIRD IN SEINER URSPRÜNGLICHEN BEDEUTUNG ZUNÄCHST ALS ENTLASSEN WERDEN AUS NATÜRLICHEN ZWANGSVERHÄLTNISSEN VERSTANDEN. SO BETRACHTET STELLT DIE EMANZIPATION DEN NATÜRLICHEN VORGANG DES ENTLASSEN WERDENS DER KINDER AUS DER ELTERLICHEN GEWALT DAR. DIE BEDEUTUNG DER SELBSTBE- FREIUNG VON GRUPPEN, KLASSEN ODER GESELLSCHAFTEN AUS UNERWÜNSCHTEN ZWANGSVERHÄLTNISSEN KAM ERST ENDE DES 18. JAHRHUNDERTS MIT DER FRANZÖSISCHEN REVOLUTION AUF. EMANZIPATION WIRD HIER SOWOHL ALS LOSLÖSUNG AUS PATRIARCHALISCHEN FAMILIENSTRUKTUREN ALS AUCH ALS ERLANGUNG BÜRGERLICHER MITBESTIM- MUNGSRECHTE VERSTANDEN. VGL. FUCHS-HEINRITZ ET AL. (1994: 164); TREIBEL (2003: 94).

14 UNTER FRAUENBEWEGUNGEN VERSTEHT MAN KOLLEKTIVE, MOBILISIERENDE AKTEURINNEN, DIE SICH FÜR EINEN GRUNDLEGENDEN WANDEL DER GESCHLECHTERVERHÄLTNISSE UND GEGEN DAMIT VERBUNDENE GESELLSCHAFTLICHE UNGLEICHHEIT UND ABWERTUNG EINSETZEN. SIE ÜBEN KRITIK AN HERRSCHENDEN GESELLSCHAFTLICHEN LEITBILDERN, NORMEN UND DISKURSEN UND ENTWICKELN ALTERNATIVEN. VGL. LENZ (2004: 666).

15 VGL. SCHWENKEN (2000: 136 ).

16 VGL. PRIES (2001:5).

17 VGL. PRIES (2001:8).

18 VGL. PRIES (2001: 12).

19 PRIES (2001: 12).

20 ALS PUSH-FAKTOREN WERDEN DIE UNGÜNSTIGEN BEDINGUNGEN EINER REGION BEZEICHNET, DIE DIE MENSCHEN ZU EINER AUSWANDERUNG BEWEGEN. UNTER PULL-FAKTOREN SIND DIE VIEL VERSPRECHENDEN BEDINGUNGEN EINER REGI- ON ZUSAMMENGEFASST, DIE DIE MENSCHEN ZU EINER EINWANDERUNG BEWEGEN. VGL. LUTZ (2004: 478).

21 VGL. PRIES (2001: 30F).

23 MIT MIKROEBENE SIND IN DIESEM ZUSAMMENHANG INDIVIDUELLE AKTEURE ODER HAUSHALTE GEMEINT, MIT MAK- ROEBENE MASSENSTATISTISCHE DATENANALYSEN. VGL. PRIES (2001: 32).

24 VGL. PRIES (2001: 32F.).

26 VGL. PRIES (2001: 54F.); BOOS-NÜNNING/KARAKSOGLU (2005: 47FF.).

27 SIEHE DAZU FAIST (1995); BADE (1994); BÖS (1997).

28 SIEHE DAZU BADE (1996); HECKMANN (1992); HETTLAGE ET AL. (1997).

29 SIEHE DAZU MIERA (1996); SCHÖTTES/TREIBEL (1997); KRAMER (1997).

30 VGL. PRIES (2001: 56).

31 VGL. PRIES (2001: 60).

32 VGL. GERHARD (2001: 21).

33 VGL. FAULSTICH-WIELAND (2006: 100).

34 DIE UNTERSCHEIDUNG ZWISCHEN LOHN- UND HAUSARBEIT GALT ALS DREHPUNKT GESELLSCHAFTLICHER POSITIONIE- RUNG UND GESCHLECHTSSPEZIFISCHER BENACHTEILIGUNG VON FRAUEN. UNTER LIEBE UND SEXUALITÄT WURDEN DIE ERFAHRUNGSDIMENSIONEN PRIVATER GEWALT UND STAATLICHEN GEBÄRZWANGS UNTERSUCHT UND KRITISIERT. VGL. GERHARD (2001: 22).

35 GERHARD (2001: 22).

36 VGL. GERHARD (2001: 31).

37 VGL. FAULSTICH-WIELAND (2006: 12).

38 VGL. TREIBEL (2008: 143).

39 TREIBEL (2008: 141).

40 VGL. BOOS-NÜNNING/KARALSOGLU (2005: 13); LUTZ (2004: 467).

41 VGL. TREIBEL (2008:146).

42 VGL. RODRIGUEZ (1999: 23); TREIBEL (2008: 146)

43 SIEHE DAZU BAUMGARTNER-KARABAK/LANDESBERGER (1978).

44 VGL. RODRIGUEZ (1999: 26).

45 VGL. TREIBEL (2008: 147F.).

46 VGL. HUTH-HILDEBRANDT (1992: 11); LUTZ (2004: 476); RODRIGUEZ (1999: 27).

47 DIE KULTURKONFLIKTHYPOTHESE BENENNT ALS URSÄCHLICH FÜR SCHWIERIGKEITEN IM UMGANG MIT ZUWANDERUNG UND INTEGRATION VERMEINTLICH UNÜBERWINDBARE KULTURELLE DIFFERENZEN ZWISCHEN EINHEIMISCHEN UND ZUGE- WANDERTEN. VGL. HUTH-HILDEBRANDT (2001: 68).

48 VGL. HUTH-HILDEBRANDT (2001: 69).

49 VGL. TREIBEL (2008: 145).

50 ZIT. NACH TREIBEL (2008: 146).

51 VGL. RODRIGUEZ (1999: 28); TREIBEL (2008: 148F.).

52 VGL. TREIBEL (2008: 149).

53 EIN 15-JÄHRIGES FRAUENHANDELSOPFER AUS RUMÄNIEN UND EINE MANAGERIN AUS ANKARA HABEN, ABGESEHEN VON IHREM TEMPORÄREN AUFENTHALT IN DEUTSCHLAND, NICHTS MITEINANDER GEMEINSAM. VGL. TREIBEL (2008: 151).

54 VGL. TREIBEL (2008: 153).

55 DER BEGRIFF STEREOTYP BEZEICHNET SCHEMATISIERTE, LÄNGERFRISTIG UNVERÄNDERTE UND TROTZ NEUER ODER SO- GAR GEGENTEILIGER ERFAHRUNGEN STARRE, VERFESTIGTE VORSTELLUNGEN ÜBER SPEZIFISCHE WESENS- UND VERHAL- TENSMERKMALE ANDERER MENSCHEN ODER MENSCHENGRUPPEN. ZUR FESTIGUNG, UNTERSTREICHUNG UND PRÄZISIE- RUNG DES PERSÖNLICHEN ODER SOZIALEN EIGENWERTES ENTWICKELT DAS STEREOTYP SCHARFE GEGENSÄTZLICHKEITEN MEIST ZU SOZIAL SCHWÄCHEREN RANDGRUPPEN ODER MINORITÄTEN DER GESELLSCHAFT. VGL. HILLMANN (2007: 861).

56 VGL. TREIBEL (2008: 163F.).

57 VGL. RIEGEL (2004: 361F.).

58 SIEHE DAZU APITZSCH (2003); BOOS-NÜNNING/KARAKASOGLU (2005); SCHÖTTES/TREIBEL (1997).

59 VGL. OSWALD (2007: 38FF.).

60 VGL. HAN (2003: 2F.); LUTZ (2004: 477).

61 VGL. HAN (2003: 11).

62 ZIT. NACH HAN (2003: 12).

63 VGL. HAN (2003: 12).

64 VGL. HAN (2003: 13F.).

65 VGL. HAN (2003: 15F.).

66 HAN (2003: 16).

67 MIT PATRILINEAR IST DIE ÜBERTRAGUNG DES ERBRECHTS AUF DIE MÄNNLICHEN NACHKOMMEN GEMEINT, PATRILOKAL BEZEICHNET DIE TATSACHE, DASS BEI DER WOHNORTSWAHL DER WOHNSITZ DES MANNES ENTSCHEIDEND IST. VGL. HAN (2003: 22).

68 VGL. HAN (2003: 22).

69 ZIT. NACH HAN (2003: 22).

70 VGL. HAN (2003: 24F.).

71 ZIT. NACH HAN (2003: 25).

78 VGL. SCHÖTTES/TREIBEL (1997: 85F.); TREIBEL (2003: 95).

79 VGL. SCHÖTTES/TREIBEL (1997: 86); TREIBEL (2003: 96).

80 VGL. TREIBEL (2003: 96).

81 VGL. HAN (2203: 12).

Ende der Leseprobe aus 127 Seiten

Details

Titel
Migration als Emanzipation
Untertitel
Zur Rolle von Migrantinnenselbstorganisationen für den Emanzipationsprozess
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Soziologie)
Note
1
Autor
Jahr
2010
Seiten
127
Katalognummer
V157877
ISBN (eBook)
9783640720378
ISBN (Buch)
9783640720804
Dateigröße
1557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Migration, Gender, Emanzipation, Chancengleichheit, Thema Migration
Arbeit zitieren
Gesine Qualitz (Autor), 2010, Migration als Emanzipation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/157877

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