Star Trek - Rezeptionsverhalten bei einem Fernsehphänomen


Seminararbeit, 2000
16 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Informationen zum Phanomen Star Trek

3. Rezeption von Star Trek im allgemeinen
3.1. Rezeptionsverhalten weiblicher Fans
3.2. Rezeption der MIT-Studenten
3.3. Schwul-lesbisches Rezeptionsverhalten
3.4. Rezeptionswirkungen auf bekannte Personlichkeiten

4. SchluBbemerkungen

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

Star Trek gehort zu einer der Fernsehserien, die im Laufe der Jahre eine groBe Anhangerschaft gefunden hat. Viele Menschen auf der ganzen Welt verfolgen die Geschichten, die Gene Roddenberry[1] in seiner Zukunftsutopie kreierte.

Wie jedoch wird Star Trek rezipiert? Haben die Fans der Serie einen bestimmten gesellschaftlichen oder kulturellen oder gar intellektuellen Hintergrund? Gibt es geschlechtsspezifische Rezeptionsmerkmale? Diesen Fragen soll auf den folgenden Seiten nachgegangen werden. Es soll beleuchtet werden, in welcher Weise Star Trek zu einem solch umfangreichen Phanomen werden konnte, geklart werden, in wie weit sich Fans mit dem rezipierten Material beschaftigen und wie es sie in ihrem Umgang mit dem Hobby unter Umstanden beeinfluBt, aber auch, wie Fans moglicherweise die weiteren Entwicklungen Star Treks beeinflussen konnen.

2. Allgemeine Informationen zum Phanomen Star Trek

Star Trek hat sich in mehr als 30 Jahren zu einem Phanomen[2] des Fernsehens entwickelt. Einer ursprunglich dreijahrigen Serie sind diverse Ablegeserien und Kinofilme entsprungen. Als die Serie 1965 entwickelt wurde, konnte niemand mit einem solchen Erfolg rechnen. Denn wahrend der ganzen drei Jahre, in denen die erste Serie in den USA ausgestrahlt wurde, war sie permanent kurz vor der Absetzung. Fanaufrufe konnten die Serie kurzzeitig retten, dennoch konnte sie sich nicht in das neue Jahrzehnt retten und wurde 1969 beendet. Der Grund fur die vielen Briefe, die Fans an NBC, den ausstrahlenden Sender, schickten, liegt scheinbar in der Einzigartigkeit der Serie. Die Crew unterschied sich von denen anderer Science-Fiction-Welten. Amerikaner, Russen, Asiaten und Afrikaner arbeiteten in Frieden und Freundschaft zusammen, Frauen und Manner waren gleichberechtigt und bekleideten Posten in der Sternenflotte, zu der die Enterprise gehort. Die Menschheit lebt in Frieden mit vielen auBerirdischen Rassen in einer Federation zusammen und gemeinsam soll das Weltall erforscht werden.

Die Serie wurde nach der Absetzung erneut in ‘syndication’[3] ausgestrahlt und erlangte dort nochmals groBe Beachtung durch die Fans des Genres. In den 70er Jahren schlossen sich immer mehr Anhanger der Serie in Fanclubs oder -gruppen zusammen. Sogenannte Star Trek Conventions wurden, und werden auch heute noch, in groBeren Congresshotels abgehalten, auf denen sich Fans und Liebhaber an Wochenenden einfinden, um Gleichgesinnte zu treffen.

Nicht zuletzt diese aufkommenden Fantreffen waren ausschlaggebend fur Gene Roddenberry und die Produktionsfirma Paramount[4] die erfolgreiche Serie 1979 mit einem Kinofilm auf die groBe Leinwand zu bringen. Der groBe Erfolg dieses Films lieB funf weitere folgen, in denen Captain Kirk und seine Crew in die Tiefen des All vorstoBen konnten.

1987 startete Star Trek - The next Generation[5], die erste Ablegeserie basierend auf dem Konzept, daB 20 Jahre zuvor geschaffen wurde. Eine neues Raumschiff namens Enterprise und eine neue Crew wurden ca. 70 Jahre[6] nach Captain Kirk auf die Reise geschickt, um die Welten zu erforschen, „wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist.”[7] Die Themen der Serie bezogen sich, wie schon in der Originalserie, auf aktuelle politische und soziale Situationen und auch die Philosophie der Serie entspricht ihrer Vorlage. Die Serie entwickelte sich nach nur kurzer Zeit zur erfolgreichsten Syndication-Serie und konnte diese Position bis zu ihrem Ende im Sommer 1994 halten. Paramount entschied auch hier, die Serie in die Kinos zu bringen. Bis heute wurden drei Filme um die neue Crew produziert, ein vierter Teil ist in Planung.

Doch auch damit ist der Erfolg der utopischen Vision eines Amerikaners nicht beendet. Bereits 1992 startete parallel zu TNG ein zweiter Ableger: Star Trek - Deep Space Nine[8]. Die neue Serie baute ebenfalls auf der Vorlage Roddenberrys auf, jedoch stoBt die neue Crew nicht in den Weltraum vor, sondern ist auf einer Raumbasis am Rande des Territoriums der Foderation stationiert. Durch diese veranderte Umgebung konnten neue Moglichkeiten innerhalb der Serienhandlungen und fur die Entwicklung der Charaktere geschaffen werden. Das zunachst von den Fans stiefmutterlich behandelte Kind des Star Trek Universums konnte nach einigen Jahren jedoch auch groBe Erfolge erzielen und endete im Sommer 1999 mit hohem Erfolg, ahnlich wie sein Vorganger.

Als im Jahre 1994 die Abenteuer der Enterprise im Fernsehen endeten, sollte eine weitere Serie die entstandene Lucke fullen. Das bisher jungste Kind des Phanomens namens Star Trek - Voyager9 lauft auch zur Zeit noch im Fernsehen und wird voraussichtlich im Sommer 2001 enden.

Und auch damit scheint noch kein Ende in Sicht. Paramount beschaftigt sich derzeit mit der Entwicklung einer funften Serie aus dem Star Trek Universum.

3. Rezeption von Star Trek im allgemeinen

DaB eine Serie uber 30 Jahre im Fernsehen so konstant beliebt bleibt und Ableger sowohl im Fernsehen als auch im Kino bildet, ist fast einmalig. Ahnliche Entwicklungen gibt es selbst in den USA selten. Beispiele dafur waren The Mary Taylor Moore Show, die diverse Ableger hervorbrachte oder aber die Soap-Opera Days of our Lives, die in den 30er Jahren schon als Horspiel in den Radios begann, in den 50er Jahren ins Fernsehen wechselte und bis heute noch Bestandteil der amerikanischen Fernsehkultur ist.

Dennoch bildet Star Trek eine Ausnahme. Dieses Phanomen hat zusatzlich vor allem eine sehr groBe Zuschauer- und Fangemeinde. Trotzdem werden die Fans oftmals als merkwurdig bezeichnet und sind einigem Spott ausgesetzt. „The fan as [9] extraterrestrial; the fan as excessive consumer; the fan as cultist; the fan as dangerous fanatic - these images of the science fiction audience have a long history.”[10] Die Rezipienten der Serien und Filme kommen jedoch aus allen Bevolkerungsschichten und -klassen und entsprechen haufig nicht dem allgemeinen Vorurteil. Es gibt keine spezifische Zuschauergruppe, wie zum Beispiel bei der Soap-Opera.[11] Vor allem in Amerika rezipiert regelmaBig eine groBe Anzahl der Bevolkerung eine oder mehrere der Serien. „One survey, cited on a television documentary about the programm’s anniversary, showed that 53 per cent of the American public classified themselves as ‘Star Trek fans’.”[12] Diese Tatsache laBt darauf schlieBen, daB nicht nur Mitglieder bestimmter Bevolkerungsgruppen zu den Rezipienten von Star Trek gehoren.

Grunde fur ein in der gesamten Bevolkerung breit gefachertes Rezeptionsverhalten gibt es durchaus, denn Star Trek zeigt von der ersten Folge STC bis zur aktuellsten Folge VOY eine positive Zukunft der Menschheit. Es gibt keine Hungersnote, keine Katastrophen, keine Kriege oder Auseinandersetzungen und keine Rassendiskriminierung innerhalb der Menschheit. Frauen sind mit Mannern gleichgestellt, gesellschaftliche Randgruppen existieren nicht mehr. Die Zugehorigen heutiger Randgruppen, sind vollstandig in die Gesellschaft integriert. „[...] Star Trek [is] a progressive text which played a crucial role in shaping his [Henry Jenkins] political commitements to feminism, homosexual rights, racial justice and multi-cultural education.”[13] Dennoch sind alle oben genannten Thematiken Bestandteil der Serien, jedoch treten Konflikte dieser Art nur auf anderen Welten auf, mit denen sich die Figuren an Bord der Raumschiffe oder -stationen von Woche zu Woche konfrontiert sehen.

Somit bietet Star Trek jedem Rezipienten eine angenehme Vision oder auch Version der menschlichen Zukunft. Es gibt ausreichend Identifikationsfiguren und Vorbilder, jeder kann seinen Platz in dieser Zukunftsgesellschaft sehen.

Die Ideale der Menschheit haben sich verandert. Geld und Reichtum sind nebensachlich, der Mensch selber, seine Interessen und seine Individualitat, aber auch seine Eingebundenheit in die Gemeinschaft stehen stark im Vordergrund.

Manch einer mag nun kritisieren, daB gerade die Gleichberechtigung der Frau oder auch die Behandlung schwuler, lesbischer oder bisexueller Charaktere weder in der alten, noch in den neuen Serien in ausreichendem MaB berucksichtigt wurden. Dabei muB jedoch auch die Entwicklung des gesamten Phanomens berucksichtigt werden. Die folgenden Kapitel werden unter anderem diese Problematiken genauer beleuchten.

3.1. Rezeptionsverhalten weiblicher Fans

Viele weibliche Zuschauer kritisieren mittlerweile die Art und Weise, in der die Frau in STC als gleichberechtigt dargestellt wird. Die weiblichen Figuren sind oftmals uberspitzt emotional und scheinen somit nicht in der Lage zu sein, ihren Dienst zu tun oder haben nach auBen alle Weiblichkeit abgelegt, um in der doch noch mannlich dominierten Welt bestehen zu konnen.

„The show’s use of recurrent secondary female characters [...] was a breakthrough for its period, yet these characters serve in traditional feminine roles as the space age equivalent of nurses, telefone operators and secretaries. Women in individual episodes were sometimes portrayed in more professional roles, but [...] often portrayed as either psycologically unstable or as possessing dubious loyalty.”[14]

Die Rolle der Frauen war somit fur die weibliche Zuschauerschaft nicht befriedigend ausgefullt. Die Identifikationsfiguren entsprachen in ihrer Darstellung nicht den Wunschen vieler Rezipientinnen.

Aus dieser unbefriedigenden Darstellung weiblicher Charaktere heraus entstanden viele Fan-Geschichten, basierend auf den Hintergrunden von STC, die sich vorwiegend mit den beiden weiblichen Hauptfiguren Uhura und Chapel befaBten. Die Verfasser dieser Texte waren dementsprechend hauptsachlich Frauen.

„Media fan writing is an almost exclusively feminine response to mass media texts. Men actively participate in a wide range of fan-related activities, notably interactive games and conference-planning commitees, roles consistent with patriarchal norms that typically relegate combat - even combat fantasies - and organizational authority to the ‘masculine’ sphere.

Media fan writers and fanzine readers, however, are almost always female.”[15]

Diese Art der Verarbeitung und Wiederverwertung des rezipierten Materials bezeichnet Henry Jenkins als ‘textual poaching’. Die Vorlagen, die in der Fernsehserie gemacht werden, werden dabei aufgegriffen und so umgearbeitet, dab der Verfasser mit der Darstellung der Figur einverstanden ist. Dabei kommt es dem Verfasser besonders darauf an, die ‘Fehler’ der Serie zu verbessern. „Indeed, many fan writers characterize themselves as ‘repairing the damage’ caused by the program’s inconsistent and often demeaning treatment of its female characters.”[16] In den letzten Jahren zeichnete sich innerhalb der neuen Serien jedoch eine Veranderung ab, was die Darstellung der weiblichen Charaktere anbelangt. In TNG bekleiden zwar zwei der weiblichen Figuren nach wie vor eher typisch weibliche Posten, Schiffsarztin und Schiffspsychologin, jedoch entwickeln sie sich im Laufe der Serie zu starken Charakteren. Zunachst gab es bei TNG noch eine dritte weibliche Figur, die den Posten der Sicherheitscheffin besetzte. Die Figur schied jedoch kurz vor Ende des ersten Jahres aus. Somit kann nur spekuliert werden, in welcher Weise sich diese Figur entwickelt hatte. Sicherlich hatte sie durch ihren Posten eine erste Ausnahmestellung in der Entwicklung der weiblichen Figuren gebildet.

Bei den folgenden Serien ging man noch einen Schritt weiter. Bei DSN wurde der Posten des ersten Offiziers der Raumstation sowie der Posten des Wissenschaftsoffiziers mit weiblichen Figuren besetzt. In VOY wird der Rang des Captains und des Chefingenieurs von Frauen bekleidet. Daruber hinaus gibt es noch eine weibliche Hauptfigur auf einem wissenschaftlichen Posten.

[...]


[1] Gene Roddenberry ist der Schopfer der Serien und produzierte sie bis zu seinem Tod im Jahr 1991

[2] Die Bezeichnung Star Trek wird im weiteren Verlauf fur das gesamte Phanomen inkl. aller Ableger und Kinofilme verwendet. Die Originalserie, in Deutschland als Raumschiff Enterprise bekannt, wird folgend als STC bezeichnet.

[3] ‘Syndication’ bedeutet, daB Fernsehserien an lokale Fernsehstationen verkauft werden, die nicht amerikaweit empfangen werden konnen, wie die groBen Networks ABC, NBC und CBS.

[4] Desilu Pictures produzierte STC bis Sommer 1967 und wurde dann von Paramount Pictures aufgekauft Das Studio produziert seither alle Star Trek Serien.

[5] In Deutschland auch bekannt unter dem Titel Raumschiff Enterprise - Das nachste Jahrhundert, im folgenden TNG genannt.

[6] Innerhalb der Serienhistorie vergehen zwischen STC und TNG 70 Jahre.

[7] Zitat aus dem Vorspanntext der Serie Raumschiff Enterprise-Das nachste Jahrhundert.

[8] Im folgenden DSN genannt.

[9] Im folgenden VOY genannt.

[10] John Tulloch/Henry Jenkins, Science Fiction Audiences. Watching Dr. Who and Star Trek, London/New York 1995

[11] Der Soap-Opera wird als Publikum vor allem die Hausfrauen und Mutter zugesprochen.

[12] John Tulloch/Henry Jenkins, Science Fiction Audiences. Watching Dr. Who and Star Trek, London/New York 1995

[13] John Tulloch/Henry Jenkins, Science Fiction Audiences. Watching Dr. Who and Star Trek, London/New York 1995

[14] John Tulloch/Henry Jenkins, Science Fiction Audiences. Watching Dr. Who and Star Trek, London/New York 1995

[15] Henry Jenkins, „Star Trek Rerun, Reread, Rewritten: Fan Writing as Textual Poaching”, in: Constance Penley et al. (Hg.), Close Encounters. Film, Feminism and Science Fiction, Minneapolis 1991, S. 171-202

[16] Henry Jenkins, „Star Trek Rerun, Reread, Rewritten: Fan Writing as Textual Poaching”, in: Constance Penley et al. (Hg.), Close Encounters. Film, Feminism and Science Fiction, Minneapolis 1991, S. 171-202

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Star Trek - Rezeptionsverhalten bei einem Fernsehphänomen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Cultural Studies & Germanistik
Note
2,3
Autor
Jahr
2000
Seiten
16
Katalognummer
V15789
ISBN (eBook)
9783638208079
ISBN (Buch)
9783640746712
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Star, Trek, Rezeptionsverhalten, Fernsehphänomen, Cultural, Studies, Germanistik
Arbeit zitieren
Stefan Rein (Autor), 2000, Star Trek - Rezeptionsverhalten bei einem Fernsehphänomen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15789

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