Aristoteles Kritik an Platons Politeia


Hausarbeit, 2003
20 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhalt

1 Vorwort

2 Einleitung

3 Die politischen Gedanken von Platon und Aristoteles
3.1 Die Bedeutung von Platons Politik
3.2 Die Bedeutung der Politik von Aristoteles
3.3 Vergleich und Zusammenfassung

4 Aristoteles Kritik an Platons Politeia
4.1 Die Gemeinschaft als Einheit
4.2 Die Frauen- und Kindergemeinschaft
4.3 Die Frage nach den Besitzverhältnissen
4.4 Die Verfassung und „Gesetze“ in der platonischen Gemeinschaft

5 Schluss

6 Quellen/Literaturverzeichnis

1 Vorwort

In meiner Hausarbeit über das Thema Aristoteles Kritik an Platons Politeia, möchte ich besonders auf die Bedeutung der Politik von beiden Philosophen eingehen; ebenfalls auf das zweite Buch der Schrift „Politik“ von Aristoteles. Im folgenden werde ich Platons Werk „Politeia“[1] mit der deutschen Übersetzung „Der Staat“ benennen, um Verständnisproblemen zwischen den beiden Titeln „Politik“ und „Politeia“ aus dem Weg zu gehen. Am Schluss richte ich, neben einer kurzen Stellungnahme zu meiner eigenen Sichtweise, ein besonderes Augenmerk auf die Frage: Wie und warum kam es zu dieser doch recht harten Kritik seitens Aristoteles.

2 Einleitung

Insgesamt hatte Platon dreizehn Briefe hinterlassen, den siebten davon schrieb er im Alter von 70 Jahren, kurz nach der Ermordung Dions.[2] Er ist an Anhänger und Freunde gerichtet, die sein politisches Werk fortsetzen wollen:

„und andererseits nahm der Verfall der Sitten und die Missachtung der Gesetze immer mehr Überhand. War ich also anfänglich ganz erfüllt von dem Drang nach einem politischen Amt und staatsmännischer Betätigung, so wurde mir bei Betrachtung dieser Zustände und dieses wirren Durcheinanders der Dinge schließlich ganz schwindelig zumute. Dabei fuhr ich zwar fort darüber nachzudenken, wie sich in dieser Hinsicht und im gesamten politisch-staatlichen Leben überhaupt ein Umschwung zum Besseren finden ließe, für das eigene politische Handeln wollte ich aber auf einen günstigeren Zeitpunkt warten. Schließlich aber kam ich zu der Überzeugung, dass alle bestehenden Verfassungsordnungen samt und besonders politisch verwahrlost sind, da sich ihre Gesetzgebung in einem heillosen Zustand befindet und ohne eine ans Wunderbare grenzende Veranstaltung im Verein mit einem glücklichen Zufall nicht gebessert werden kann...“[3]

Platon schreibt in diesem berühmten Brief über seine politischen Erfahrungen in Athen, über seine dadurch entstehende politische Überzeugung und über mögliche politische Karierrepläne. Es kommt darin zum Ausdruck, dass er sich seiner Sichtweise absolut sicher und überzeugt ist davon, dass „eine verantwortungsvolle Leitung eines Gemeinwesens ohne eine philosophisch ausgewiesene Kenntnis der sozialen und der individuellen Gerechtigkeit nicht gelingen kann.“[4] Auch erwähnt er seine Reisen nach Syrakus und seine Begegnungen mit Dion und Dionysos.[5] Nach dem Tod des Tyrannen Dionysos, reiste Platon erneut nach Syrakus, um Dionysos Nachfolger, zusammen mit Dion, von seiner Idee der politischen Reform zu überzeugen. Nachdem der Versuch misslungen war, kehrte Platon nach Athen zurück und auch Dion musste die Stadt verlassen. Ein Jahr später änderte der Sohn des Dionysos seine Denkensweise, zeigte philosophisches Interesse und äußerte dies in einem Brief an Platon. Aber auch ein erneuter Versuch, seine Reform am Hofe des Tyrannen in seinem Sinne durchzusetzen, gelang Platon nicht. Er strebte Politik mit Gerechtigkeit an, Dionysos aber dachte eher an eine Kombination aus Philosophie und Macht. Somit scheiterte die platonische Reform an den sehr unterschiedlichen Auffassungen des Tyrannen und des Philosophen.[6]

Der Brief ist zwanzig Jahre nach der Entstehung des Werkes „Der Staat“ abgefasst worden. Die oben zitierte Passage enthält den politik-philosophischen Grundgedanken Platons und zeigt seine zentrale politische und kulturelle Einstellung.

3 Die politischen Gedanken von Platon und Aristoteles

3.1 Die Bedeutung von Platons Politik

Es lässt sich nicht mehr mit Eindeutigkeit ausmachen, ob nun Sokrates[7] oder Platon der Begründer der politischen Philosophie war. Das Denken des Sokrates ist vor allem aus den Schriften Platons zu rekonstruieren. Es bleibt unklar, was Platon direkt von Sokrates übernommen hat bzw. diesem schriftlich in den Mund gelegt hat.[8]

In „Der Staat“, seinem politischen Hauptwerk, setzt sich Platon mit der Frage der Gerechtigkeit und der Idee auseinander. Ausgangspunkt ist dabei das durch den Krieg geschädigte Athen. Er beginnt mit einer knappen Skizze der vorhandenen Verhältnisse:

„Die Verfassung ist zerbrochen, die Institutionen sind unwirksam geworden, tyrannisch regierende Eliten haben die Macht übernommen und das Gemeinwesen noch weiter heruntergebracht.“[9]

Platon geht in seiner Beschreibung über die Zustände nicht auf die Einzelheiten ein und berichtet auch nicht von den Folgen dieser schlechten Herrschaft der tyrannisch agierenden Elite[10] für die Bürger. Ursprünglich wollte er sich der politischen Arbeit für Athen zuwenden, doch seine politische Neigung wurde beeinträchtigt. Die Erfahrung mit der Schreckensherrschaft und der erneuerten Demokratie, in welcher Sokrates unterging, hielten ihn davon ab:

„Als ich das sah, dazu die Politiker, die Gesetze und die Sitten, da erschien es mir mit zunehmendem Alter immer schwieriger Politik zu treiben.“[11]

Die Frage ist, ob Platons Staat eine Utopie darstellt, oder ob es sich um einen gewöhnlichen griechischen Stadtstaat handelt, der nur wegen der Gerechtigkeit geändert wird, wobei Platon aber nichtideale Kennzeichen wie Kriege und Sklaverei anerkennt. Nach ihm setzt sich der ideale Staat aus drei Ständen zusammen, aus dem Erwerbsstand (Bauern und Handwerker), aus dem Krieger-, Wächter- und Helferstand und aus dem Herrscherstand. Ein Staat entsteht aus der Hilfsbedürftigkeit der Menschen, in dem jeder seine eigene Aufgabe hat. Er strebt einen vollkommenen Staat an, mit einer Verfassung der „freien Menschen“. Das demokratische Gemeinwesen quillt über „von Freiheit der Tat und der Freiheit des Wortes, und jedem ist erlaubt zu tun, was er will.“[12] Philosophen ab dem 50. Lebensjahr oder weise Könige übernehmen die politische Leitung des Volkes und die Krieger die Sorge um dessen militärische Sicherheit. Politische Fragen werden von Platon aus der Sicht des Herrschenden betrachtet. Jedes Individuum hat bestimmte politische Verpflichtungen als soziales Wesen. In seinem gerechten Staat regieren die Vernünftigen, die um das Wohl der Allgemeinheit bemüht sind. Angehörige haben deren Machtposition zu akzeptieren, sie ordnen sich freiwillig unter. Niemand verfügt über Geld oder Privatbesitz. Die Wächter des Staates üben eine direkte Herrschaft aus und haben keine Einschränkung durch Gesetze oder Einrichtungen. Der platonische Idealstaat ist, im Prinzip[13], ein Staat ohne Gesetze.

„Zu Platos Politik gehören auch die staatlich gelenkte Zeugung und Euthanasie. Denn die Ehe ist sozusagen eine Produktionsgemeinschaft , bei der nicht die Gefühle, sondern das Hervorbringen von Nachkommen zählen. Daher soll der Idealstaat dafür sorgen, dass die richtigen Partner zusammengeführt werden. Was Frauen betrifft, so meint Platon, dass der Staat, der sie nicht fördert, nur einen seiner beiden Arme übt. Frauen sind durchaus in Herrschaftsstellungen denkbar.“[14]

[...]


[1] im Deutschen „Der Staat“, im Englischen „Republic“

[2] Sohn des Hipparinos, Freund Platons, wurde 354 v. Chr. in Athen von dem Demokraten Kalippos ermordet

[3] zit. nach Platon: Epistole Z 325c-326b, in: Kersting, Wolfgang: Platons Staat, 1999, S. 1

[4] vgl. Kersting, Wolfgang: Platons Staat, 1999, S.1.

[5] Sohn des Zeus, älterer Schwager von Dion, bekannt als Gott des Weins

[6] vgl.. Kersting, Wolfgang: a.a.O., S. 2

[7] Platons Lehrer

[8] vgl. Kreisky, Eva: Einführung in die Geschichte politischen Denkens, 1997, S.44

[9] vgl. Kersting, Wolfgang, a.a.O., S.3

[10] gemeint sind die sog. „Dreißig Tyrannen“

[11] zit. nach Platon: Kreisky, Eva, a.a.O. S. 44

[12] zit. nach Platon: Politeia, 1997, 557b

[13] näheres dazu in 1.4

[14] A. Séché:Der Philosoph stirbt, doch seine Ideen leben weiter, in: PM Perspektive/Das antike Griechenland, S. 30.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Aristoteles Kritik an Platons Politeia
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in die politische Theorie
Note
2,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V15790
ISBN (eBook)
9783638208086
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aristoteles, Kritik, Platons, Politeia, Einführung, Theorie
Arbeit zitieren
Nadja Wagner (Autor), 2003, Aristoteles Kritik an Platons Politeia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15790

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Aristoteles Kritik an Platons Politeia


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden