In meiner Hausarbeit über das Thema Aristoteles Kritik an Platons Politeia,
möchte ich besonders auf die Bedeutung der Politik von beiden Philosophen
eingehen; ebenfalls auf das zweite Buch der Schrift „Politik“ von Aristoteles.
Im folgenden werde ich Platons Werk „Politeia“1 mit der deutschen
Übersetzung „Der Staat“ benennen, um Verständnisproblemen zwischen den
beiden Titeln „Politik“ und „Politeia“ aus dem Weg zu gehen. Am Schluss
richte ich, neben einer kurzen Stellungnahme zu meiner eigenen Sichtweise,
ein besonderes Augenmerk auf die Frage: Wie und warum kam es zu dieser
doch recht harten Kritik seitens Aristoteles. Insgesamt hatte Platon dreizehn Briefe hinterlassen, den siebten davon
schrieb er im Alter von 70 Jahren, kurz nach der Ermordung Dions.2 Er ist an
Anhänger und Freunde gerichtet, die sein politisches Werk fortsetzen wollen:
„....und andererseits nahm der Verfall der Sitten und die
Missachtung der Gesetze immer mehr Überhand. War ich also
anfänglich ganz erfüllt von dem Drang nach einem politischen
Amt und staatsmännischer Betätigung, so wurde mir bei
Betrachtung dieser Zustände und dieses wirren Durcheinanders
der Dinge schließlich ganz schwindelig zumute. [...]
1 im Deutschen „Der Staat“, im Englischen „Republic“
2 Sohn des Hipparinos, Freund Platons, wurde 354 v. Chr. in Athen von dem Demokraten Kalippos
ermordet
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Einleitung
3 Die politischen Gedanken von Platon und Aristoteles
3.1 Die Bedeutung von Platons Politik
3.2 Die Bedeutung der Politik von Aristoteles
3.3 Vergleich und Zusammenfassung
4 Aristoteles Kritik an Platons Politeia
4.1 Die Gemeinschaft als Einheit
4.2 Die Frauen- und Kindergemeinschaft
4.3 Die Frage nach den Besitzverhältnissen
4.4 Die Verfassung und „Gesetze“ in der platonischen Gemeinschaft
5 Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die kritische Auseinandersetzung des Aristoteles mit den politisch-philosophischen Entwürfen Platons, insbesondere mit dessen Werk Politeia. Ziel ist es, die grundlegenden Differenzen in den Staatsverständnissen beider Philosophen herauszuarbeiten und die Motive für Aristoteles’ ablehnende Haltung gegenüber dem platonischen Idealstaat zu analysieren.
- Vergleich der politischen Theorien von Platon und Aristoteles.
- Analyse von Platons Konzept des idealen Staates und der Rolle der Gemeinschaft.
- Untersuchung spezifischer Kritikpunkte durch Aristoteles: Einheit, Besitz und soziale Ordnung.
- Bewertung der aristotelischen Vorstellung einer "realen Polis" im Kontrast zur platonischen Utopie.
Auszug aus dem Buch
Die Gemeinschaft als Einheit
An einer der berühmtesten Stellen seines Werkes „Politik“ untersucht Aristoteles „ob es in einem Staat, der gut eingerichtet sein soll, besser ist, dass die Bürger möglichst viel gemeinsam haben, wie es im Staate Platons der Fall ist.“ ( Politik 1261a)
Aristoteles prüft zunächst die Einheit der Polis, für die Sokrates plädiert, sehr genau und stellt dabei fest, dass „ein Staat, der immer mehr eins wird, schließlich gar kein Staat mehr ist. Seiner Natur nach ist er eine Vielheit.“ Aus „ganz gleichen Menschen“ kann die platonische Polis nicht bestehen, denn der „Mensch ist von Natur aus ein politisches und gemeinschaftliches Lebewesen (zôon politikón)“ (Politik 1253a). Er strebt nach einem harmonischen Leben in der Gemeinschaft, da „jeder einzelne dem andern nicht sehr ähnlich geartet ist, sondern von Natur verschieden und jeder zu einem andern Geschäft geeignet ist.“ Damit aber die Vorteile der Arbeitsteilung maximal genutzt werden können, muss die Arbeit auf richtige Weise geteilt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorwort: Einleitende Darlegung der Zielsetzung und der methodischen Herangehensweise der Hausarbeit.
2 Einleitung: Historischer Kontext zu Platons politischem Wirken und seinem eigenen Verständnis der politischen Krise seiner Zeit.
3 Die politischen Gedanken von Platon und Aristoteles: Gegenüberstellung der philosophischen Grundannahmen beider Denker zum Wesen des Staates.
4 Aristoteles Kritik an Platons Politeia: Detaillierte Prüfung der Kritikpunkte, insbesondere bezüglich der sozialen Struktur und Ordnung.
5 Schluss: Zusammenfassende Bewertung der gegensätzlichen Staatsphilosophien und Reflexion über die historische Relevanz.
Schlüsselwörter
Aristoteles, Platon, Politeia, Politik, Staatstheorie, Polis, Gerechtigkeit, Gemeinschaft, Privateigentum, Verfassung, Idealstaat, Gemeinschaftsordnung, Philosophie, Staatsform, politische Philosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die kritische Distanz des Aristoteles zu Platons politischem Hauptwerk „Der Staat“ (Politeia).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Begriffe von Einheit, Gemeinbesitz, Frauen- und Kindergemeinschaft sowie die unterschiedlichen Verfassungskonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Gründe für Aristoteles’ Ablehnung der platonischen Utopie zu klären und seine eigene Vorstellung von einer „realen Polis“ zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Textanalyse auf Basis der relevanten Schriften von Platon und Aristoteles sowie ergänzender wissenschaftlicher Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Platons Einheitsvorstellungen systematisch hinterfragt und den aristotelischen Grundsätzen der natürlichen Vielfalt und des Privateigentums gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Aristoteles, Platon, Politeia, Polis, Gerechtigkeit, Gemeinschaft, Privateigentum und Verfassung.
Warum kritisiert Aristoteles Platons Einheitsmodell so stark?
Aristoteles argumentiert, dass eine zu starke Vereinheitlichung des Staates dessen Natur als Vielheit zerstört und somit dem eigentlichen Ziel des menschlichen Zusammenlebens entgegenwirkt.
Wie bewertet die Autorin das Ergebnis des Vergleichs?
Die Autorin stellt fest, dass Aristoteles’ Auffassung einer „realen Polis“ eher mit modernen demokratischen Vorstellungen harmoniert als Platons starre, utopische Idealstaats-Konzeption.
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- Nadja Wagner (Author), 2003, Aristoteles Kritik an Platons Politeia, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15790