Der heutige Wissensstand zur Ätiologie und Pathogenese der Karies ist so gut, dass durch den Einsatz präventiver Maßnahmen ein deutlicher Kariesrückgang erzielt werden kann.
In den letzten Jahren wurde bereits und vor allem in den Industrienationen ein Rückgang der Kariesprävalenz nachgewiesen, wobei dies in erhöhtem Maße die Zähne der bleibenden Dentition betrifft. Die Zahngesundheit im Milchgebiss weist geringere Erfolge auf, es wird sogar ein Wiederanstieg der Milchzahnkaries beobachtet.
Im Ergebnis des allgemeinen Kariesrückgangs zeigt sich insbesondere im Milchgebiss, dass dies für Kinder sozial benachteiligter Gruppen, sowie für Kinder aus Migrantenfamilien nicht gilt. Dieser Effekt wird „Polarisation des Kariesbefalls“ genannt, d.h. bei einem minimalen Anteil der Bevölkerung gibt es eine hohe Konzentration von kariösen Läsionen. Die Ursachen für die großen Unterschiede in der Zahngesundheit sieht man in der sozialen Schichtung – je niedriger der soziale Status, welcher mit niedrigem Bildungsgrad und geringer sozialer Integration einhergeht, desto schlechter der Zustand der Zähne, so Micheelis/Bauch 1991 , 1993; Micheelis/Reich 1999. Geringeres Bildungsniveau der Eltern, geringes Einkommen, Sprachbarrieren, sowie kulturelle Unterschiede bei den Ernährungsgewohnheiten und Hygienemaßstäben stehen hier im Vordergrund. Viele Familien mit Migrationshintergrund sind betroffen.
Die MigrantInnen bilden eine äußerst inhomogene Gruppe. Kulturelle und sprachliche Unterschiede zersplitten die Einwanderer aus über 150 Ländern in viele Subkulturen, deshalb scheinen sie nicht gleichmäßig an der fortschreitenden Verbesserung der Zahngesundheit zu partizipieren.
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG
1.1. Problemstellung
1.2. Ziele und Gang der Arbeit
1.3. Forschungsfragen
2. ZAHNMEDIZINISCHE GRUNDLAGEN
2.1. Aufbau der Zähne
2.1.1. Zahnschmelz
2.1.2. Zahnbein
2.1.3. Zahnmark
2.1.4. Zahnhalteapparat
2.1.5. Zahnfleisch
2.2. Systematische Einteilung und Bezifferung der Zähne
2.3. Kennwerte der Zahngesundheit
2.3.1. DMF T/S-Wert
2.3.2. Morbidität
2.3.3. Kariesinzidenz
2.3.4. Kariesprävalenz
2.4. Karies und Plaque
2.4.1. Ätiologie
2.4.2. Epidemiologie
2.5. Mundhygienetechniken
2.5.1. Modifizierte Zahnputzmethode nach Bass
2.5.2. KAI-Methode
2.6. Prophylaxe
2.6.1. Primarprävention
2.6.2. Sekundärprävention
2.6.3. Tertiärprävention
2.7. Zusammenhang von Ernährung und Zahngesundheit
2.8. Vorkommen und Wirkung von Fluoriden
2.8.1. Tablettenfluoridierung
2.8.2. Trinkwasserfluoridierung
2.8.3. Salzfluoridierung
3. MIGRATION UND GESUNDHEIT
3.1. Gesundheitliche Lage
3.1.1. Migranten und Migrantinnen
3.1.2 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund
3.2. Probleme - Positionen - Perspektiven
4. THEORETISCHER UND GESUNDHEITSPOLITISCHER HINTERGRUND DER ZAHNGESUNDHEITSFÖRDERUNG
4.1. Salutogenese von Antonovsky
4.1.1 Gesundheits-Krankheits-Kontinuum
4.1.2. Kohärenzgefühl
4.2. Zielsetzung der Weltgesundheitsorganisation für die Zahngesundheit
4.3. Soziale Ungleichheit und Zahngesundheit
5. PROPHYLAXEPROGRAMM
5.1. Individual- und Gruppenprophylaxe
5.2. Persönlicher Nutzen durch gute Mundgesundheit
5.3. Ökonomischer Nutzen der Gruppenprophylaxe
5.4. Gruppenprophylaxe in Österreich
5.5. Modellprojekt „Verein für prophylaktische Gesundheitsarbeit“ im Kindergarten
5.5.1. Ziele der Zahngesundheitsförderung des PGA
5.5.2. Inhalte der Betreuung im Kindergarten
5.5.3. Elternabende
6. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG: ZAHNGESUNDHEIT IM KINDERGARTEN
6.1. Ausgangslage und Problemstellung
6.2. Methodik
6.2.1. Beschreibung der Zielpopulation, Auswahlkriterien und Response
6.2.2. Design und Methode der Studie
6.2.3. Studienziele und Forschungsfragen
6.2.4. Statistische Auswertung
6.2.5. Hypothesen
6.3. Darstellung der Ergebnisse der Elternbefragung
6.3.1. Fragen zum Zahnpflegeverhalten
6.3.2. Fragen zur Anwendung von Fluoriden
6.3.3. Inanspruchnahme zahnmedizinischer Leistungen
6.3.4. Fragen zu den Ernährungsgewohnheiten
6.3.5. Angaben zur Familie
6.3.6. Bildung der Mütter und Zahnpflegeverhalten der Kinder
6.3.7. Bildung der Mutter und Ernährungsgewohnheiten
6.3.8. Bildung der Mutter und Anwendung von Fluoriden
6.3.9. Bildung der Mutter und Inanspruchnahme zahnärztlicher Leistungen
6.4. Diskussion der Auswertungen der Elternbefragung
7. VORSCHLÄGE ZUR VERBESSERUNG DES MUND GESUNDHEITSBEWUSSTSEINS IN DEN FÜNF AUSGEWÄHLTEN KINDERGÄRTEN
7.1. Vorbildwirkung der Eltern auf die Zahngesundheit der Kinder
7.2. Zahngesunde Ernährung und Fluoridierung
7.3. Ausweitung der Vorsorgeuntersuchung bei Schwangeren und Kleinkindern
8. LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Zahngesundheitsbewusstsein bei Kindergartenkindern unter Berücksichtigung ihrer sozialen Herkunft und ihres kulturellen Hintergrunds, um Unterschiede in der präventiven Versorgung und im Zahnpflegeverhalten zu identifizieren und Verbesserungspotenziale für die Gesundheitsförderung abzuleiten.
- Analyse zahnmedizinischer Grundlagen und Präventionskonzepte
- Einfluss von Migration und sozialem Status auf die Mundgesundheit
- Evaluation des Modellprojekts des „Vereins für prophylaktische Gesundheitsarbeit“
- Empirische Untersuchung des Zahnpflegeverhaltens in ausgewählten Kindergärten
- Entwicklung von Strategien zur Verbesserung des Zahngesundheitsbewusstseins
Auszug aus dem Buch
1.1. Problemstellung
Der heutige Wissensstand zur Ätiologie und Pathogenese der Karies ist so gut, dass durch den Einsatz präventiver Maßnahmen ein deutlicher Kariesrückgang erzielt werden kann.
In den letzten Jahren wurde bereits und vor allem in den Industrienationen ein Rückgang der Kariesprävalenz nachgewiesen, wobei dies in erhöhtem Maße die Zähne der bleibenden Dentition betrifft. Die Zahngesundheit im Milchgebiss weist geringere Erfolge auf, es wird sogar ein Wiederanstieg der Milchzahnkaries beobachtet.
Im Ergebnis des allgemeinen Kariesrückgangs zeigt sich insbesondere im Milchgebiss, dass dies für Kinder sozial benachteiligter Gruppen, sowie für Kinder aus Migrantenfamilien nicht gilt. Dieser Effekt wird „Polarisation des Kariesbefalls“ genannt, d.h. bei einem minimalen Anteil der Bevölkerung gibt es eine hohe Konzentration von kariösen Läsionen. Die Ursachen für die großen Unterschiede in der Zahngesundheit sieht man in der sozialen Schichtung – je niedriger der soziale Status, welcher mit niedrigem Bildungsgrad und geringer sozialer Integration einhergeht, desto schlechter der Zustand der Zähne, so Micheelis/Bauch 1991, 1993; Micheelis/Reich 1999. Geringeres Bildungsniveau der Eltern, geringes Einkommen, Sprachbarrieren, sowie kulturelle Unterschiede bei den Ernährungsgewohnheiten und Hygienemaßstäben stehen hier im Vordergrund. Viele Familien mit Migrationshintergrund sind betroffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG: Erläutert die Problematik der Milchzahnkaries und definiert die Ziele der Forschungsarbeit sowie die zentrale Fragestellung hinsichtlich der Unterschiede bei Kindergartenkindern.
2. ZAHNMEDIZINISCHE GRUNDLAGEN: Beschreibt den Aufbau der Zähne, Kariesentstehung, Mundhygienetechniken und die Bedeutung von Fluoriden für die Prophylaxe.
3. MIGRATION UND GESUNDHEIT: Analysiert gesundheitliche Risiken für Migranten und die Herausforderungen im Zugang zum Gesundheitssystem.
4. THEORETISCHER UND GESUNDHEITSPOLITISCHER HINTERGRUND DER ZAHNGESUNDHEITSFÖRDERUNG: Bietet einen theoretischen Rahmen durch Antonovskys Salutogenese und WHO-Zielsetzungen zur Förderung der Zahngesundheit.
5. PROPHYLAXEPROGRAMM: Stellt das oberösterreichische Gruppenprophylaxe-Modell und den ökonomischen Nutzen systematischer Vorsorge vor.
6. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG: ZAHNGESUNDHEIT IM KINDERGARTEN: Dokumentiert das Forschungsdesign, die Methodik und die Ergebnisse der Elternbefragung zur Zahnpflege und Ernährung.
7. VORSCHLÄGE ZUR VERBESSERUNG DES MUND GESUNDHEITSBEWUSSTSEINS IN DEN FÜNF AUSGEWÄHLTEN KINDERGÄRTEN: Leitet praktische Handlungsempfehlungen für Elternarbeit, Ernährung und Vorsorgeuntersuchungen ab.
8. LITERATURVERZEICHNIS: Führt sämtliche verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Referenzen der Arbeit auf.
Schlüsselwörter
Zahngesundheit, Kariesprophylaxe, Kindergartenkinder, Migration, Gesundheitsförderung, Prävention, Mundhygiene, Fluoridierung, Soziale Ungleichheit, Elternarbeit, Salutogenese, Ernährungsgewohnheiten, Zahnarztbesuch, Elternbefragung, soziale Lage.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Diplomarbeit untersucht das Zahngesundheitsbewusstsein von Kindern im Kindergartenalter in Linz, wobei ein besonderer Fokus auf den Unterschieden zwischen österreichischen Kindern und Kindern mit Migrationshintergrund liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Bereiche sind die Kariesprävention, Mundhygienetechniken, der Einfluss von Ernährung, die Bedeutung von Fluoriden sowie soziale und migrationsbedingte Unterschiede in der Gesundheitsvorsorge.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist es, die aktuelle Situation des Zahngesundheitsbewusstseins zu evaluieren, Verbesserungspotenziale aufzudecken und konkrete Maßnahmen für die Gesundheitsförderung in Kindergärten abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einer empirischen quantitativen Untersuchung, bei der Eltern in fünf Kindergärten mittels eines standardisierten Fragebogens befragt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische zahnmedizinische Grundlagen, Konzepte der Gesundheitsförderung (Salutogenese), eine Darstellung von Prophylaxeprogrammen in Österreich und die detaillierte Auswertung der empirischen Elternbefragung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Zahngesundheitsförderung, Kariesprävalenz, Migrationshintergrund, soziale Ungleichheit und Gruppenprophylaxe charakterisiert.
Welche Rolle spielt der soziale Status bei der Zahngesundheit?
Die Arbeit betont, dass ein niedriger sozialer Status (einhergehend mit geringerer Bildung und sozialer Integration) häufiger mit einem schlechteren Zahnzustand korreliert und somit ein Risikoindikator für Karies darstellt.
Wie bewertet die Autorin die Wirksamkeit von Informationsbroschüren für Eltern?
Die Autorin stellt kritisch fest, dass die Informationsbroschüren oft keine nennenswerte Wirkung bei den Eltern zeigen, da Beobachtungen darauf hindeuten, dass diese Materialien häufig gar nicht gelesen werden.
Was schlägt die Autorin konkret für die Elternarbeit vor?
Sie schlägt vor, Elternabende gezielter für kariesgefährdete Gruppen auszuweiten, Informationen in allgemeine Elternversammlungen zu integrieren und fremdsprachige Angebote zu schaffen, um die Zielgruppen effektiver zu erreichen.
- Arbeit zitieren
- Nina Füreder (Autor:in), 2010, Zahngesundheitsbewusstsein von Kindergartenkindern unterschiedlicher Herkunft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158013