In dieser Arbeit möchte ich auf die sexuelle Assistenz eingehen, eine Thematik, die für viele Diskussionen im Behinder-tenbereich sorgt.
Mit der sexuellen Assistenz verbindet man sehr oft den Begriff der „Prostitution“, was für viele Menschen oft abstoßend und für viele Angehörige von Betroffenen ein Tabu Thema ist.
Zu diesem sehr kontroversen Thema möchte ich ein wenig Licht in das Dunkel bringen und aufzeigen, dass sexuelle Assistenz nichts Schlechtes, sondern für viele Menschen mit einer Beeinträchtigung ein Bedürfnis ist, welches man ihnen nicht vorenthalten sollte.
Wie wenig Verständnis für diese Thematik aufgebracht wird, aus welchen Gründen auch immer, zeigt die zur Verfügung stehende Literatur, die sich mit diesem Thema beschäftigt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Beeinträchtigung und Sexualität
2. Sexuelle Selbstbestimmung
3. Die Ursprünge sexueller Assistenz
3.1 Formen der sexuellen Assistenz
3.2 Rechtslage und sexuelle Assistenz
3.3 Sexuelle Assistenz vs. Prostitution
4. Fallbeispiel: Das Pastor-Braune-Haus
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die kontroverse Thematik der sexuellen Assistenz für Menschen mit Beeinträchtigungen zu beleuchten, Tabus abzubauen und aufzuzeigen, dass sexuelle Selbstbestimmung ein grundlegendes Bedürfnis darstellt, das nicht vorenthalten werden darf.
- Analyse der Sexualität und sexuellen Selbstbestimmung bei Menschen mit Beeinträchtigung
- Untersuchung der Ursprünge und der rechtlichen Rahmenbedingungen sexueller Assistenz
- Differenzierung zwischen sexueller Assistenz und Prostitution
- Praxisorientierte Betrachtung durch ein Fallbeispiel zur Sexualitätsförderung in Einrichtungen
Auszug aus dem Buch
3. Die Ursprünge sexueller Assistenz
Um den Begriff der sexuellen Assistenz zu definieren, möchte ich auf die Definition von Ellen Kanzelmann und Pascal Thomann verweisen. „ Als sexuelle Assistenz werden Unterstützungshandlungen bezeichnet, die Menschen mit einem spezifischen Hilfebedarf in Anspruch nehmen können, um Sexualität leben zu können, was sehr oft gerade bei körperbehinderten Menschen vonnöten sein kann“ (KANZELMANN / THOMANN, 2008, S. 52). Sexuelle Assistenz wurde bereits in den sechziger und siebziger Jahren als therapeutische Maßnahmen praktiziert, wobei man damals von der Surrogattherapie sprach. In den achtziger Jahren wurde die Welt von Aids heimgesucht und so verschwand diese Therapieform und kam erst später über die USA und den Niederlanden nach Deutschland (vgl.: KANZELMANN / THOMANN, 2008, S. 52).
„Die Gegner der sexuellen Freiheit missbrauchten – oftmals aus religiösen Gründen – das Krankheitsbild Aids, um Angst und Schrecken zu verbreiten, um Schuld und Schamgefühle zu erzeugen […] Besonders massiv schien es erneut Menschen mit einer geistigen Behinderung zu treffen“ (LEUE – KÄDING, 2000, S. 64)
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt die Kontroverse rund um das Thema sexuelle Assistenz dar und betont die Notwendigkeit, dieses für Betroffene wichtige Bedürfnis aus der Tabuzone zu holen.
1. Beeinträchtigung und Sexualität: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung von Sexualität für die Persönlichkeitsentwicklung und hinterfragt gesellschaftliche Vorurteile sowie den Paradigmenwechsel von der Betreuung hin zur Assistenz.
2. Sexuelle Selbstbestimmung: Hier wird das verfassungsrechtlich verankerte Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und Intimsphäre für alle Menschen, unabhängig von einer Beeinträchtigung, hervorgehoben.
3. Die Ursprünge sexueller Assistenz: Es erfolgt eine Begriffsdefinition sowie eine historische Einordnung der Entwicklung von der therapeutischen Surrogattherapie bis hin zum heutigen Verständnis sexueller Assistenz.
4. Fallbeispiel: Das Pastor-Braune-Haus: Anhand einer konkreten Institution wird aufgezeigt, wie ein offener und liberaler Umgang mit Sexualität in einer Wohneinrichtung praktisch umgesetzt werden kann.
5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass sexuelle Assistenz ein präsentes Thema bleibt, das durch mehr Aufklärungsarbeit von gesellschaftlichen Stigmata befreit werden muss.
Schlüsselwörter
Sexuelle Assistenz, sexuelle Selbstbestimmung, Menschen mit Beeinträchtigung, Sexualität, Prostitution, Inklusion, Tabuthema, Sexualbegleitung, Intimsphäre, Behinderteneinrichtung, Selbstbestimmung, Sexualaufklärung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Thematik der sexuellen Assistenz für Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung und der damit verbundenen gesellschaftlichen Diskussion.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, die historische Entwicklung der sexuellen Assistenz, die Abgrenzung zur Prostitution sowie der Umgang mit Sexualität in stationären Einrichtungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass sexuelle Assistenz ein legitimes Bedürfnis von Menschen mit Beeinträchtigung ist und Vorurteile gegenüber dieser Thematik abzubauen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der Analyse von Fachbegriffen, rechtlichen Grundlagen sowie der Auswertung eines spezifischen Fallbeispiels aus einer sozialen Einrichtung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen zu Beeinträchtigung und Sexualität, Definitionen sexueller Assistenz, rechtliche Rahmenbedingungen sowie ein konkretes Fallbeispiel zur sexuellen Selbstbestimmung analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie sexuelle Assistenz, Selbstbestimmung, Inklusion, Behindertenhilfe und Aufklärungsarbeit charakterisieren.
Wie grenzt die Autorin/der Autor sexuelle Assistenz von der Prostitution ab?
Die Autorin/der Autor betont, dass sexuelle Assistenz nicht mit Prostitution gleichzusetzen ist, da es primär um Zuwendung, Nähe und die Unterstützung bei sexuellen Bedürfnissen geht, nicht um den reinen Koitus gegen Geld.
Warum ist das gewählte Fallbeispiel für die Arbeit relevant?
Das Pastor-Braune-Haus dient als positives Beispiel dafür, wie eine Institution durch klare Richtlinien und eine offene Haltung ein selbstbestimmtes Sexualleben der Bewohner fördern kann.
Welche Rolle spielt die rechtliche Situation für die sexuelle Assistenz?
Die rechtliche Situation ist komplex; da in vielen Einrichtungen Abhängigkeitsverhältnisse bestehen, darf dort meist keine aktive sexuelle Assistenz durch Mitarbeiter geleistet werden, was Betroffene oft auf externe Angebote verweist.
- Quote paper
- Wolfgang Sebastian Weberitsch (Author), 2010, Sexuelle Assistenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158037