Die Bestandteile der Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben


Hausarbeit, 2008

12 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Gliederung

Titelblatt

Gliederung

Darstellung des Themas

Der kantische Anspruch

hopenhauer

Wie wirkt sich der Wille zum Leben auf die Welt- und Lebensanschauung aus?

Der Wille zum Leben bei hweitzer

Die lbstentzweiung des Willens zum Leben

Die „indischen Denker“

Die mittelalterliche Mystik

Resümee

Literaturliste

Darstellung des Themas

Nur wenige Geisteswissenschaftler genießen ein Ansehen in der Bevölkerung, das dem Schweitzers nahe kommt.1 Der Urwaldarzt aus Passion gilt als einer der angesehensten Denker des zwanzigsten Jahrhunderts. In der Fachwelt hingegen stößt das Werk des „Außenseiters“2 auf Widerspruch3, Widerwillen und Unverständnis. Seine Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben steht im Zentrum seiner Philosophie. Er stützt seine Ethik auf Kant in der Methodik4, Schopenhauer in weiten Teilen der Terminologie5 und die Mystik6 in Bezug auf das Denken.7 Mit Schopenhauer einhergehend bezieht er sich häufig auf die asiatische Philosophie und besonders auf das buddhistische Gedankengut.8

Bei einer derart vielfältigen Zusammensetzung stellt sich die Frage von selbst, ob das überhaupt zusammenpassen kann ohne, dass Schweitzer sich unrettbar in Widersprüche verstrickt?

Auf diese Frage soll diese Hausarbeit eineAntwort geben.

Der kantische Anspruch

In Schweitzers „Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben“ ist der kantische Einfluss offenbar. Das Prinzip soll allgemeingültig sein.9 Doch in seinen Augen hat Kant für die Allgemeingültigkeit des Sittengesetzes die empirisch erfahrbare Welt geopfert10 und sich somit in praxisferne Spären begeben.11 Diesen Fehler möchte Schweitzer gerne vermeiden.

Wie Kant - der zur ersten Philosophie zu zählen ist12 - gesteht Schweitzer sich ein, dass man nicht alles wissen kann. Doch während Kant sich dabei auf die Metaphysik bezieht spannt Schweitzer den Bogen weiter bis zur Weltanschauung, die praktische Ziele verfolgt, wie die Ethik.13 Die Welt muss für ihn eine „rätselhafte Erscheinung“ bleiben, weil niemand fähig ist dieser eine Bestimmung zuzuordnen, die nicht wegdiskutierbar ist. Wir sind lediglich in der Lage die Abläufe oberflächlich zu beschreiben und zu erkennen.14 Diese Erkenntnis stürzt Schweitzer jedoch nicht in den Skeptizismus, sondern eröffnet ihm die einzige Möglchkeit zu einer wahren Weltanschauung zu gelangen, wie er selbst sagt.15 Man soll sich also von dem „Wissen“ über unsere Welt befreien um die Welt richtig deuten zu können. Wer diesen Schritt nicht durchführt kann nur zu einer „gekünstelt[en] und erdichtet[en]“16 Weltanschauung gelangen.17 Völlig bewusst folgt Schweitzer hier analog zu Kant dem Weg der Wahrhaftigkeitsleistung18 ohne zum Agnostizisten zu werden. Er baut vielmehr die

Undurchschaubarkeit in seine Weltanschauung ein.19 Das ist ein bedeutender Bestandteil seiner Ethik, die auf der Wahrhaftigkeitsleistung gegen sich selbst aufbaut.

Auch die, von Kant stammende Idee, „des Rechtfertigens und Begründens“ zieht Schweiter für seinen Entwurf hinzu ohne an Kants „Bestimmung des Sittlichen“ festzuhalten.20 Die wahre Sittlichkeit wird bei Schweitzer erreicht indem man das Herz gemeinsam mit der Vernunft wirken lässt.21 Kant hingegen sieht für die Sittlichkeit nur dann eine Chance, wenn sie ein Selbstzweck ist und nicht ein Werkzeug ist, wie bei den Utilitaristen.22

Doch Kant ist für Schweitzer kein Musterbeispiel eines Ethikers.23 Schweitzer bemängelt, dass die absolute Pflicht bei Kant nicht mit Inhalt gefüllt sei. Daraus schließt er Kants Unfähigkeit „den Inhalt der Ethik aus dem Streben nach Selbstvervollkommnung abzuleiten.“24

Kant reduziert - so Schweitzer - ausserdem die empirische Realität und schadet so der Ethik, die materialistischen Instinkten folgt.25 Was der Ethik noch bleibt, wenn die Welt nur eine Erscheinung ist, ist einen selbstablaufenden Mechanismus zu regeln, was sinnlos ist.26

Schopenhauer

Es gehört großer Mut dazu Kant und Schopenhauer zur Konstuktion einer Philosophie gleichzeitig heranzuziehen, auch wenn Kant Schopenhauers Lehrmeister war.27 Besonders spannend ist es, wenn man bereits bekannte Reibeflächen auswählt,28 wie den kategorischen Imperativ Kants, den Schopenhauer zu abstrakt fand.29

Gerade dieses Widerstreiten macht den besonderen CharakterSchweitzers „Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben“ aus. Was bei Kant zu allgemeingültig ist, wird durch „Schopenhauersche

Lebensbindung“30 abgemildert. Das Individuum mitsamt seinen Erfahrungen31 bekommt seinen Auftritt.

Der Plan Schweitzers ist die Ehrfurcht vor dem Leben, nach kantischer Manier, als Grundgesetz32 einzuführen ohne auf die empirische Welt und deren Einflüsse verzichten zu müssen. Spätestens hierbei kommt Schopenhauer ins Spiel.33 Die Begriffe mit denen Schopenhauers Philosophie konstruiert wird, sind schweitzersches Basisvokabular. So wird der universelle Wille zum Leben - eine Grundannahme Schopenhauers - von Schweitzer abgekupfert.34 Interessant ist hierbei, dass Schweitzer trotz Ontologiekritik35 den Willen zum Leben annimmt um so den Weg zur Welbejahung zu finden.36

Wie wirkt sich der Wille zum Leben auf die Welt- und Lebensanschauung aus?

Der Wille zum Leben muss, wenn er angenommen wird37, bei Schopenhauer im Zentrum der Überlegungen stehen, denn er ist das eigentliche „Grundwesen des Ich“38, dessen Vorstellung die Welt „erschafft“ und ist -nach Noack-, näher am „wahren Kern der Welt“39 als Fichte mit seinen Vorstellungen einer Welt, deren Sinn per induktiver Logik zu entdecken ist.40

Bei Schopenhauer führt das Hinzuziehen des Intellekts zu der Welt, die nur die Vorstellung des Ichs ist41 dazu, dass das Ich bemerkt, dass es zu keiner weiteren Erkenntnis kommen kann, die über die des eigenen Willens hinaus geht, und beginnt den Willen, den es zuvor bejahte, zu verneinen.42

[...]


1 Vgl. Chattopadhyaya, 1966 S.50. Diesen Aufsatz habe ich als Beleg dafür herangezogen, dass Schweitzers auch in Indien bekannt ist.

2 Vgl. Günzler, 1996, S. 2. Die Bezeichnung „Außenseiter“ passt wirklich besser zu einem selbsternannten „Philosophen“, als zu einem Doktor der Philosophie. Seine Dissertation handelt von Kants Religionsphilosophie (siehe unten).

3 Vgl. J.-C. Wolf.

4 Vgl. Günzler, 1996 S. 59.

5 So zum Beispiel auf den Ausdruck „Wille zum Leben“.

6 Ob diese mittelalterlich oder fernöstlich ist, sei dahingestellt.

7 Vgl. Werner, 1990.

8 Vgl. Meyer, 1994.

9 Vgl. Günzler, 1996 S. 60f und Günzler, 1998 S. 143. Schweitzers Denken wurde unvermeidlich durch seine eigene Dissertation von 1899 mit dem Titel „Die Religionsphilosophie Kants“ beeinflusst.

10 Das Opfer vollzog sich, als Kant „die Ideen von Gott, ethischer Willensfreiheit und Unsterblichkeit“ (vgl. Schweitzer, 2007 S. 187) zum Fundament seiner Weltanschuung machte.

11 Vgl. Günzler, 1996 S. 61.

12 Albert Schweitzer hält fest, dass die Philosophie immer versucht das Verhältnis zwischen Mensch und Universum zu erklären. So teilt er die Philosophie in zwei Teile: Die erste Philosophie beugt das Universum um es dem Menschen verständlich zu machen. Die Welt wird „gewalttätig“ an das menschliche Denken angepasst. Die zweite Philosophie sei die Naturphilosophie, die den Menschen zwingt seinen Platz in der Natur zu suchen, die in ihrer Form erhalten bleibt. Vgl. Günzler, 1996 S. 61.

13 Vgl. Günzler, 1996 S. 63 und Schweitzer, 2007 S. 188.

14 Vgl. Schweitzer, 2007 S. 79f.

15 Vgl. Schweitzer, 2007 S. 80.

16 Vgl. Schweitzer, 2007 S. 80.

17 Diese wäre dann wieder der ersten Philosophie zuzuordnen.

18 Vgl. Kern, 1992 S. 93 und Schweitzer, 2007 S. 313.

19 Vgl. Kern, 1992 S. 94.

20 Vgl. Günzler, 1998 S. 143.

21 Vgl. Kern 1992 S. 98.

22 Vgl. Schweitzer, 2007 S. 182.

23 Schweitzer hält fest, dass Kant gedankenlos tief im Denken festsitzt. Wenn er auch eingesteht, dass Kant „groß als Ethiker“ ist, wirft er ihm Mittelmäßigkeit in der Gestaltung von Weltanschauung vor. Vgl. Schweitzer, 2007 S. 189f.

24 Vgl. Schweitzer, 2007 S. 286f.

25 Wie bereits oben erwähnt. Vgl. Schweiter, 2007 S. 188.

26 Vgl. Schweitzer, 2007 S. 188.

27 Vgl. Meyer, 1994 S. 82.

28 Vgl. Günzler, 1996 S. 60.

29 Genau das wirf J.-C. Wolf Schweitzer vor. Vgl. Wolf, 1993 S. 359.

30 Vgl. Günzler, 1996 S, 60.

31 Im Speziellen ist hier die Erfahrung des Willens zum Leben in sich und um sich herum gemeint.

32 Mit einer allgemeinen Gültigkeit wie der des kategorischen Imperativs.

33 Vgl. Günzler, 1996 S. 61 - 62.

34 Vgl. Günzler, 1996 S. 67 und 69.

35 Vgl. Werner, 1990, S. 204.

36 Obwohl der von Schopenhauer vorgezeichnete Weg in die entgegengesetzte Richtung weist.

37 Nach Schopenhauer muss man ihn annehmen und kann ihn nicht begründen weil er „das Grundlose“ ist. Vgl. Noack, 1879 S, 811 (linke Spalte unten) s. v. Schopenhauer.

38 Vgl. Noack, 1879 S. 803 (rechte Spalte unten) und S. 810 (linke Spalte Mitte) s. v. Schopenhauer.

39 Vgl. s.o.

40 Vgl. Schweitzer, 2007 S. 199. Denn mit dieser Ansicht wird auf die erkenntnistheorethische Wahrhaftigkeitsleistung gegen sich selbst verzichtet und somit „auf Sand gebaut“.

41 Vgl. Noack, 1879 S. 803 (rechte Spalte Mitte) s. v. Schopenhauer.

42 Vgl. Noack, 1879 S. 804 (linke Spalte oben) s. v. Schopenhauer.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Bestandteile der Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Institut für Ethik in den Biowissenschaften)
Veranstaltung
Ethisch-Philosophisches Seminar II (EPG II „Albert Schweitzer: Die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben“)
Note
1,5
Autor
Jahr
2008
Seiten
12
Katalognummer
V158065
ISBN (eBook)
9783640717187
ISBN (Buch)
9783640717323
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Bestandteile, Ethik, Ehrfurcht, Leben
Arbeit zitieren
Manfred Lotz (Autor), 2008, Die Bestandteile der Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158065

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