Führte der Tod Benno Ohnesorgs zu einer Radikalisierung der Studentenbewegung?


Hausarbeit, 2008

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Darstellung des Themas

2. Die Situation der Jugendbewegung vor dem 2. Juni
2.1. Die APO
2.2. Die Neue Linke
2.3. Der „autonormale“ Bewohner
2.4. Die Studentenbewegung

3. Was geschah am 2. Juni 1967?
3.1. Vor dem Schöneberger Rathaus
3.2. Vor der Deutschen Oper

4. Das Echo

5. Wurde die Bewegung durch Benno Ohnesorgs Tod radikaler?
5.1. Die weiblichen Hauptpersonen
5.2. Die gesamte Studentenbewegung im Blickfeld

6. Resümee

7. Quellen / -sammlungen

8. Literaturliste

1. Darstellung des Themas

Der Tod des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos löst eine Welle der Entrüstung in Griechenland aus. Er wurde von dem Polizisten Epaminondas Korkoneas erschossen. Wie dies geschah, wird auf zwei unterschiedliche Arten erklärt. In der ersten Version – der des Polizisten – ist die Rede davon, dass der „Ordnungshüter“ und seine Kollegen mit Steinen beworfen wurden. Infolge dessen habe er drei Warnschüsse abgegeben, und ein Geschoss traf den Jugendlichen als Querschläger in den Leib, woran dieser starb. Mindestens drei Zeugen sagen jedoch aus, dass der Jugendliche gezielt erschossen wurde. Der Staatspräsident Papoulias kündigt hartes Vorgehen gegen die Randalierer und Unerbittlichkeit gegen den Angeklagten an[1]. Der Polizist befindet sich bereits in Untersuchungshaft[2].

Das zeigt wie anders man mit dem Tod eines jungen Menschen, durch einen Polizisten umgehen kann, als „die Politiker“ des Sommers 1967, die Regenbogenpresse derselben Zeit und die Justiz, nach dem Tod Benno Ohnesorgs in der „Frontstadt West-Berlin“. Auch der Verlauf der Ereignisse, die dazu führten, dass der 26-jährige Student starb, hatte wesentlich gröbere Fahrlässigkeit als Wurzel, als bei den heutigen Aufständen in Griechenland.

Ziel dieser Arbeit ist es eine Antwort auf die Titelfrage zu geben, bzw. die Folgen des – wie Günther Grass es nannte – „ersten politischen Mordes in der Bundesrepublik“[3] zu umreißen. Der im Titel verwendete Terminus „Radikalisierung“ bedarf zuerst einer näheren Bestimmung.

Den Hauptteil beginne ich damit die Situation zu umschreiben, in der sich die Jugendbewegung vor dem grausamen Ende des Studentenlebens Benno Ohnesorgs befindet. Dann leite ich mit einer Umschreibung wichtiger Ereignisse[4] an dessen in der heutigen Gesellschaft noch weitgehend bekanntem Todesdatum über, zu der Kernfrage: Wie wirkte sich der Tod des jungen Studenten auf die Jugendbewegung aus? Am Ende steht ein Versuch dieses, schon alleine aufgrund der Fragestellung nicht eindeutig lösbares, Problem zu bearbeiten.

2. Die Situation der Jugendbewegung vor dem 2. Juni 1967

Um die Lage der Studentenbewegung zum genannten Zeitpunkt wiederzugeben ist es nötig auch die gesamtgesellschaftliche Lage zu beleuchten, da das soziale Umfeld immer bei allen denkenden Wesen[5] seinen Teil zur Art des Denkens beiträgt. Das besondere Augenmerk soll hier auf der Außerparlamentarischen Opposition (APO), der Neuen Linken und deren Wurzeln liegen, die Reaktionen der übrigen Bevölkerung doch nicht ausklammern.

2.1. Die APO

Sie speiste sich aus der von unten kommenden[6] antimilitaristischen Bewegung der 50er Jahre[7], der neuen Studentengeneration, die beginnt den Älteren unangenehme Fragen über ihre Tätigkeiten während des Nationalsozialismus zu stellen und wenn überhaupt nur ungenügende Antworten bekommt und außerdem aus einem bunten Fächer an Einzelpersonen, die sich nicht mit einer Reduzierung des Parteienspektrums und der schwindend geringen parlamentarischen Opposition abfinden mochte. Die Verbote von Parteien[8], was die „wehrhafte Demokratie“ unter Beweis stellen sollte, förderte die Kritik an der Pluralität der Bundesrepublik ebenso wie die danach eingeführte „5%-Klausel“ 1957. Als der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) gefährlich kritisch wurde und der erstgenannte, mitsamt seinen „intellektuellen Förderer(n)“[9] 1961 in Folge des Godesberger Programms verstoßen wurde, gewann der Protest auf der Straße eine weitere Strömung, die nicht parteipolitisch gebunden war.

Das Engagement von Einzelgewerkschaften[10] beschränkte sich nicht nur auf die Finanzierung eines Büros, sondern erstreckte sich sowohl auf die Planung als auch Koordination von Aktionen[11] und deren Unterstützung durch Aufrufe zur Solidarisierung[12]. Zu permanentem Engagement konnten die Gewerkschaften jedoch nicht gebracht werden[13]. Die große Koalition rief nicht nur bei einigen „Normalbürgern“[14] Ängste vor der neuen Machtakkumulation hervor[15]. Die Notstandsgesetzgebung brachte jedoch die, der parlamentarischen Politik widerstrebenden Kräfte[16] zu einem Konsens, aus dem sich die APO bildete.

Die Außerparlamentarische Opposition[17] war die Anlaufstelle für verschiedenste Gruppierungen mit unterschiedlichen Zielen. Auch wenn es als eine gemeinsame Schnittmenge die Kritik und den Widerstand gegen die Notstandsgesetze gab, war diese Gruppe überaus pluralistisch angelegt. So wie sich die Gesamtsituation veränderte[18], verbesserte sich die Möglichkeit argumentativ antiimperialistische und antifaschistische Programme zu untermauern. Sofern diese Argumentation jedoch von Studenten/-innen ausgesprochen wurde, entgegnete man den Argumenten mit plattem Antikommunismus.

2.2. Die Neue Linke

Der Kommunismus wiederum, bzw. die Kommunistische Theorie, die auf einem überarbeiteten Marxschen Fundament stand, wurde mit privateigentumskonformen Umformungen grundgesetzkompatibel[19]. Statt, wie die alte Linke, die Produktionsmittel für alle zu fordern, bestand die Neue Linke darauf den erwirtschafteten Gewinn allen zugänglich zu machen. Das schuf wieder eine verbesserte argumentative Grundlage[20]. Diese Reform des idealen Bildes eines sozialistischen Staates kam jedoch, wie zu erwarten war, nicht bei der gesamten Bevölkerung an, weshalb die Studenten/-innen mit den kommunistischen Urmodellen, von denen sie sich wie vom „Realsozialismus“ in den Ostblockstaaten, von dem sie sich lautstark distanzierten[21], in Verbindung gebracht wurden. Allerdings schaffte die Neue Linke es in den „single-purpose-movements“ die Probleme nicht an deren Oberfläche zu suchen, sondern auch tiefer liegende Missstände als das eigentliche Problem zu begreifen. So wurde der Krieg in Vietnam von den Studenten als eine Folge des Imperialismus und des Kalten Krieges an sich begriffen und nicht nur als ein grausamer Einzelfall. Wie weit die Fortschritte in der gedanklichen Vertiefung der Einzelfall-Bewegungen reichten, bedürfte einer genaueren Analyse.

[...]


[1] „Gewaltsame Proteste: Wieder Randale im Zentrum Athens“, Zeit online, Tagesspiegel, 09.12.´08. 13:36Uhr, mpr/AFP/dpa.

[2] „Starker Regen bremst Krawalle“, Frankfurter Rundschau online, 12.12.´08, 09:39 Uhr, dpa.

[3] Zitiert nach Large, David-Clay, Berlin, London, 2001, S. 484.

[4] Ich persönlich finde die Ereignisse, die ich nenne, ausschlaggebend.

[5] Damit ist gemeint, dass ich diese Prämisse nicht lediglich auf Menschen beziehe um den allseits gängigen Speziezismus zu vermeiden, der nach Kantscher Manier das Denken ausschließlich dem Menschen vorbehält.

[6] Vgl. Brand, Karl-Werner (Hg.), Aufbruch in eine andere Gesellschaft: neue soziale Bewegungen in der Bundesrepublik, Brand, Büsser, Rucht, Frankfurt/Main, New York, 1986 S. 62.

[7] Genannt sei hier die Bewegung „Kampf dem Atomtod“ gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr, welche Konrad Adenauer als eine „Weiterentwicklung der Artillerie“ bezeichnete. (Zitiert nach Brand, 1986 S. 52). Die „Kampagne für Abrüstung“ stellte später das Fundament der APO. (So Brand, 1986 S. 63)

[8] Genannt seien hier die Verbote der SRP 1952, und der KPD 1956.

[9] Vgl. Bock, Hans Manfred, Geschichte des „linken Radikalismus“ in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt am Main, 1976 S. 172.

[10] Beispielsweise IG Metall und IG Chemie. Vgl. Richter, 2008 S. 49.

[11] Vgl. Richter, 2008 S. 49.

[12] Vgl. Gewerkschaftliche Studentengemeinschaft Berlin, Flugblatt an die Berliner Arbeiter, 5. Juni, in: Nevermann, Knut, (Hrsg. VDS), der 2. juni 1967, Studenten zwischen Notstand und Demokratie, Dokumente zu den Ereignissen anläßlich des Schah-Besuchs, 1967, Köln S. 90-91 und Solidaritätserklärung gewerkschaftlicher Persönlichkeiten, in: ebd. S. 113-114.

[13] Vgl. Richter, 2008 S. 54.

[14] Vgl. Wieser, 1967 S. 70.

[15] Vgl. Schönbohn, Wulf, RCDS, Die Unruhen an den deutschen Hochschulen, in: Elschner, Gerhard, Gebauer, Bernhard, Radunski, Peter, Material zu den Ursachen und den Zielen der Studentenproteste April, 1968, Eichholz S. 65 und Martin, Berthold, Die Welt (Das Forum der Welt), 5. 7. 1967, Ein Gefühl der politischen Ohnmacht, in: ebd. S. 83.

[16] Die gewerkschaftliche Opposition, die kritische Intelligenz und auch die parlamentarische Opposition, die jedoch quasi machtlos war. Vgl. Bock, Hans Manfred, Geschichte des „linken Radikalismus“ in Deutschland. Ein Versuch, Frankfurt am Main, 1976 S. 171.

[17] Im Folgenden mit APO abgekürzt

[18] Vietnamkrieg, Verdrängung der NS-Vergangenheit,…)

[19] Vgl. Richter, 2008 S. 56.

[20] Nun konnten sich die Linken auf Art. 14 Abs. 2 im Grundgesetz berufen. Für die alte Linke war dieser Artikel eine unüberschreitbare Hürde.

[21] Vgl. z.B.:Der Spiegel vom 10. 7. 1967, Interview mit Rudi Dutschke (SDS): Wir fordern die Enteignung Springers, in: Elschner, 1968, S. 64.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Führte der Tod Benno Ohnesorgs zu einer Radikalisierung der Studentenbewegung?
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V158087
ISBN (eBook)
9783640717163
ISBN (Buch)
9783640717293
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Erst kurz nachdem ich die Hausarbeit eigereicht habe, wurde bekannt, dass Kurras für seine Dienste in der BRD Geld aus der DDR erhielt.
Schlagworte
Kurras, 68er, Hippies, Gewalt, 2. Juni, Staatsgewalt
Arbeit zitieren
Manfred Lotz (Autor), 2008, Führte der Tod Benno Ohnesorgs zu einer Radikalisierung der Studentenbewegung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158087

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Führte der Tod Benno Ohnesorgs zu einer Radikalisierung der Studentenbewegung?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden