Belastungen und Überlastungen, aber auch sportbedingte Schäden der Wirbelsäule werden in der orthopädischen Praxis immer wieder diagnostiziert. Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen zeigen eine erhöhte Gefährdung der Wirbelsäule bei intensiver sportlicher Belastung. Während eine gesunde Wirbelsäule selbst durch den Leistungssport kaum geschädigt wird, können bei verschiedenen Fehlformen, Dysplasien (Minderentwicklungen)oder Wirbelsegmentstörungen sportartspezifische Erkrankungen auftreten. Ein florider M. Scheuermann oder ein Bandscheibenschaden wird durch Hyperflexion (maximale Vorbeugung)der Wirbelsäule verschlimmert, während bei Hyperextension(maximale Rückneigung)der Wirbelsäule und gleichzeitiger Assimilationsstörung (knöcherne Entwicklungsstörung) oder Fehlstellung des Sakrums(Kreuzbein)eine Spondylolyse (einseitige Rissbildung im Wirbelgelenkfortsatz)entstehen kann. Dadurch kann in weiteren Verlauf ein Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) eintreten. Allerdings kann auch bei einer gesunden Wirbelsäule eine Spondylolyse durch ständige Hyperextension und gleichzeitige Stauchung, Rotation oder Seitkippung der Wirbelsegmente auftreten. Eine Hyperflexion, verbunden mit einer starken Stauchung oder einer axialen Belastung kann einen Bandscheibenvorfall auslösen, selbst wenn keine degenerativen Veränderungen vorliegen. Wirbelsäulenschäden können auch durch leichte Traumen wie Stürze oder Quetschungen ausgelöst werden.
Sport induced damages of the spine
Different studies show an increased risk for the spine during intensive sport. A healthy spine normally will not be damaged when participating even in high performance sport, but if deviations, dysplasia or diseases are present, sports specific damages can occur. A Scheuermann´s disease or a lumbar disc degeneration might be deteriorated by repeated hyperflexion movements of the spine, whereas a hyperextension can lead to a spondylolysis, if malassimilation or deviation of the spine or sacrum are existing. Nevertheless a spondylolysis can appear also in a normal and healthy spine, when the hyperextension movement is combined with a high axial load. A hyperextension with additional rotational or side bending forces will have the same effect. A hyperflexion of the spine in combination with a high axial load can induce a disc protrusion or prolaps, even if there ar no degenerative lesions. Falling on the buttock and other direct traumata on the spine can also induce acute or chronic damages of the spine.
Inhaltsverzeichnis
1. Positive Wirkungen von Sport auf die Wirbelsäule
1.1 Sport als Therapie bei Skoliosen (seitliche Wirbelsäulenverkrümmungen)
1.2 Sport als Mittel zur Prävention der Osteoporose
1.3 Kraftsport als Therapie bei Rückenschmerzen
2. Negative Effekte des Sportes auf die Wirbelsäule
2.1 Chronische Rückenschäden durch Sport (?)
2.2 Diagnostik von Rückenschmerzen
2.3 Spondylolyse, Spondylolisthesis (Gefügelockerung, Wirbelgleiten) im Sport
2.4 M. Scheuermann im Sport
2.5 Iliosakralgelenk im Sport
2.6 Wird eine Skoliose verursacht oder verschlimmert durch Sport ?
2.7 Sport nach Spondylodesen (operativen Wirbelsäulenversteifungen)
2.8 Bandscheibe und Sport
2.9 Wirbelsäule und "Bagatell-Trauma"
3. Folgerungen für die Sportpraxis
3.1 Analyse der individuellen Wirbelsäulenbelastbarkeit
3.2 Analyse der schädigenden Belastungen und Bewegungen
3.2.1 Haltung und Rückenschmerz
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die komplexen Auswirkungen sportlicher Aktivität auf die menschliche Wirbelsäule, wobei sowohl präventive als auch pathologische Effekte analysiert werden, um ein tieferes Verständnis für die sportmedizinische Belastbarkeit zu schaffen und Empfehlungen für eine rückenschonende Sportpraxis abzuleiten.
- Analyse der positiven Effekte von Sport als therapeutisches Mittel.
- Untersuchung der Entstehungsmechanismen von Wirbelsäulenschäden durch Überlastung.
- Diagnostik und Differenzierung von Rückenschmerzen bei Sportlern.
- Sportartspezifische Risikoprofile und präventive Strategien.
- Empfehlungen für die Sportpraxis und den Umgang mit vorbestehenden Wirbelsäulenveränderungen.
Auszug aus dem Buch
Bandscheibenbelastung bei Torsionsbewegungen
Die Drehbewegung des Rumpfes scheint ein in der menschlichen Bewegung natürliches Element zu sein [71]. Beim Anheben einer Last erfolgt zunächst eine kleine Rotationsbewegung des Rumpfes. Dadurch wird die Last beschleunigt und näher an den Körper herangebracht. Je schwerer die gehobene Last, desto größer auch die Rotationsbewegung [72].
In aufrechter Position haben die Wirbelsegmente der LWS eine Torsionsbeweglichkeit von 2° - 3°.Die Wirbelgelenke grenzen einen weiteren Bewegungsausschlag ein. Bei intakten Facettengelenken reicht der Bewegungsumfang von etwa 2 Grad im lumbalen Bereich nicht aus, um den Anulus fibrosus zu schädigen. Wahrscheinlich kann auf diese Weise kein Bandscheibenvorfall hervorgerufen werden [68].
Während beim Vorbeugen im Stand keine Änderung der Rotationsbeweglichkeit auftritt (Muskelaktivität erhöht?), vergrößert sich die Rotationsbeweglichkeit allerdings im Sitzen auf 9° - 11°, je nach Sitzposition. Weil nun schon bei einer wiederholten Rotationsbewegung von 7° in vitro eine Läsion im dorsalen Teil des Anulus fibrosus auftreten kann, ist es denkbar, dass eine Torsionsbelastung im Sitzen die Bandscheibe schädigen kann [73].
Etwa 35 % - 50 % der Torsionskräfte auf ein Wirbelsegment werden durch den Anulus fibrosus übertragen, die restlichen Kräfte werden über die Wirbelgelenke geleitet. Bei intaktem Bandscheibenfaserring ist eine problemlose Kraftübertragung möglich, nicht aber bei degenerativen Veränderungen: Hier führen die Torsionskräfte zu größeren Scher- und Zugbelastungen des Faserringes [74].
Zusammenfassung der Kapitel
1. Positive Wirkungen von Sport auf die Wirbelsäule: Dieses Kapitel erläutert, wie Sport als therapeutisches Mittel zur Behandlung von Skoliosen, Osteoporose und Rückenschmerzen eingesetzt werden kann.
2. Negative Effekte des Sportes auf die Wirbelsäule: Hier werden die Ursachen und Diagnostik von wirbelsäulenbezogenen Sportschäden, wie Spondylolyse, M. Scheuermann und Bandscheibenvorfällen, detailliert beleuchtet.
3. Folgerungen für die Sportpraxis: Dieses Kapitel zieht praktische Schlüsse aus den vorangegangenen Analysen, um individuelle Belastbarkeiten zu bewerten und schädigende Bewegungen im Sporttraining zu vermeiden.
Schlüsselwörter
Wirbelsäule, Sportmedizin, Rückenschmerz, Bandscheiben, Spondylolyse, M. Scheuermann, Skoliose, Überlastung, Biomechanik, Trainingstherapie, Hyperflexion, Hyperextension, Wirbelgleiten, Bandscheibenvorfall, Sportrisiko.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den komplexen Auswirkungen intensiver sportlicher Belastungen auf die Wirbelsäule, wobei zwischen schützenden und schädigenden Einflüssen differenziert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die physiologische Wirkung von Sport, die Entstehung chronischer Rückenschäden, diagnostische Methoden sowie sportartspezifische Belastungsprofile.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, durch die wissenschaftliche Analyse von Wirbelsäulenbelastungen fundierte Empfehlungen für eine gesundheitsorientierte Sportpraxis zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturübersicht und der Analyse medizinischer Studien sowie röntgenologischer Befunde, um biomechanische Zusammenhänge der Wirbelsäulenbelastung darzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert positive wie negative Effekte sportlicher Betätigung, geht auf spezifische Erkrankungsbilder ein und bewertet diagnostische Vorgehensweisen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wirbelsäule, Spondylolyse, Bandscheiben, Biomechanik und sportmedizinische Prävention charakterisiert.
Warum ist das Sitzen beim Heben von Lasten für die Wirbelsäule problematischer als das Stehen?
Beim Sitzen vergrößert sich die Rotationsbeweglichkeit der Wirbelsäule signifikant, was das Risiko für Läsionen am Anulus fibrosus bei Drehbewegungen im Vergleich zur aufrechten Position erhöht.
Welche Bedeutung haben "Bagatell-Traumen" für die Wirbelsäule?
Auch vermeintlich leichte Verletzungen oder Stürze können bei der empfindlichen jugendlichen Wirbelsäule zu schwerwiegenden Folgeschäden wie Bandscheibendegenerationen oder Wirbelkörperveränderungen führen.
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- Dr. med. Christoph Schönle (Author), 2010, Sportschäden, Belastung und Überlastung der Wirbelsäule im Sport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158119