[...] Für die Abwicklung von Kaufprozessen über Internettechnologien hat sich
der Begriff des Electronic Commerce (E-Commerce) etabliert, der damit die
wirtschaftlich bedeutendsten Geschäftsmodelle im Internet bezeichnet. Die
technische Infrastruktur für die Kommunikation zwischen Anbieter und Nachfrager
und die Durchführung von Markttransaktionen wird dabei von ECommerce
Systemen bereitgestellt, die einen der Schlüsselfaktoren für den
Erfolg einer E-Commerce Strategie darstellen. E-Commerce Systeme werden in einem durch rasche technologische
Entwicklung und wechselnde Marktbedingungen geprägten Umfeld eingesetzt
und unterliegen daher vielfachen Anpassungsprozessen. Den dafür
erforderlichen Investitionen stehen dabei nur kurze Zeiträume für die Amortisierung
gegenüber, so dass eine zentrale Anforderung an ein solches
System die Ressourcen schonende Anpassungsfähigkeit ist. Unter diesem
Gesichtspunkt betrachten die folgenden Ausführungen die Konzeption und
Implementierung eines E-Commerce Systems. Ziel ist, für einen Teilbereich
allgemeingültige Lösungsansätze vorzustellen, die für eine Vielzahl von
Systemen verwendet werden können. Im Folgenden wird zunächst der Begriff des E-Commerce und seine wirtschaftliche
Bedeutung erläutert. Dabei werden der Status quo beschrieben
und die Details eines Kaufprozesses betrachtet.
Es schließt sich im dritten Kapitel die Konzeption eines Online-Shops an, der
als verteilte Anwendung die praktische Umsetzung der im weiteren Verlauf
entwickelten Architektur eines E-Commerce Systems verdeutlicht. Im Vordergrund
stehen die funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen, die
von einer hohen Abstraktionsebene aus betrachtet werden, um eine möglichst
allgemein gültige Beschreibung zu geben.
Im vierten Kapitel werden das Komponentenparadigma und darauf aufbauende
Schichtenarchitekturen vorgestellt. Im Zuge dessen erfolgt die Auswahl
eines Architekturmodells für E-Commerce Systeme und eines Komponentenmodells
für den Online-Shop Prototypen.
Abschließend werden im fünften Kapitel die Architektur des Online-Shop Prototypen
und mit der Implementierung verbundene Konzepte dargestellt. Im
Mittelpunkt stehen dabei die Konzeption einer erweiterten Model-View-
Controller Architektur und die Erläuterung von Lösungsansätzen für den
Entwurf und die Implementierung von verteilten Anwendungen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 E-Commerce
2.1 Definition von E-Commerce
2.2 Ursprung und Status quo des E-Commerce
2.3 Kaufprozess
2.4 Kommunikationsbeziehungen im Internet
3 Konzeption eines E-Commerce Systems
3.1 Aufbau eines E-Commerce Systems
3.2 Entwicklungsprozess eines E-Commerce Systems
3.2.1 Software Engineering
3.2.2 Phasen des Entwicklungsprozesses
3.3 Konzeption eines Online-Shops
3.3.1 Projektdefinition
3.3.2 Anforderungen an das System
3.3.2.1 Funktionale Anforderungen
3.3.2.2 Nicht-funktionale Anforderungen
3.4 Systemgrenzen
3.4.1 Integration durch einen gemeinsamen Datenbestand
3.4.2 Integration durch Einbindung von Komponenten
3.4.3 Integration durch Einigung auf ein Datenformat
4 Architekturmodelle für E-Commerce Systeme
4.1 Komponentenparadigma
4.2 Anwendungsentwicklung durch Wiederverwendung
4.3 Schichtenarchitektur
4.3.1 Client-Server Architektur
4.3.2 Web-basierte Architektur
4.3.3 Auswahl einer Architektur
4.4 Verteilte Systeme
4.4.1 Kommunikationsmodelle
4.4.2 Verteilte Objektsysteme
4.4.3 Eigenschaften verteilter Systeme
4.5 Objektorientierte Middleware
4.5.1 CORBA
4.5.2 Microsoft .Net Architektur
4.5.3 Java 2 Enterprise Edition Plattform
4.5.3.1 Enterprise JavaBeans (EJB)
4.5.3.2 EJB-Container
4.5.3.3 SessionBeans
4.5.3.4 EntityBeans
4.5.3.5 Message-Driven Beans (MDB)
4.5.3.6 Bestandteile eines Enterprise JavaBean
4.5.3.7 Web-Komponenten
4.5.4 Auswahl eines Komponentenmodells
4.6 Dienste von EJB-Containern und EJB-Servern
4.6.1 Namensdienst
4.6.2 Transaktionsdienst
5 Architektur und Implementierung des Online-Shops
5.1 Datenorganisation
5.2 Model-View-Controller Architektur
5.3 Modell
5.3.1 Primärschlüsselstrategie
5.3.2 Optimierung von Lesezugriffen
5.3.3 Optimierung von Zugriffen auf EJB-Komponenten
5.3.4 Anwendungslogik im EJB-Container
5.3.5 Anwendungslogik im Web-Container
5.3.6 Implementierung des Warenkorbs
5.4 Präsentation
5.4.1 Generator für die Anzeige von statischen Sichten
5.4.2 Generator für XSL Transformationen
5.4.3 Generator für den Versand von E-Mails
5.5 Anwendungssteuerung
5.5.1 Konfigurationsdatei Config.xml
5.5.2 WebApp Servlet
5.5.2.1 Initialisierung des Online-Shops
5.5.2.2 Steuerung des Anwendungsablaufs
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, für einen Teilbereich von E-Commerce-Systemen allgemein gültige Lösungsansätze für deren Konzeption und Implementierung zu präsentieren. Dabei wird der Fokus auf die Entwicklung einer robusten Architektur für Online-Shops gelegt, die moderne technologische Standards nutzt, um Flexibilität, Skalierbarkeit und Wartbarkeit zu gewährleisten.
- Konzeption verteilter E-Commerce-Systeme unter Nutzung der J2EE-Plattform.
- Implementierung einer Online-Shop-Architektur basierend auf dem Model-View-Controller (MVC) Entwurfsmuster.
- Analyse und Anwendung von Komponentenmodellen sowie Schichtenarchitekturen.
- Optimierung von Datenbankzugriffen und Anwendungslogik in Web- und EJB-Containern.
- Einsatz von XML-Technologien und standardisierten Schnittstellen zur Systemintegration.
Auszug aus dem Buch
3.3.2.1 Funktionale Anforderungen
Die funktionalen Anforderungen an das System leiten sich aus dem idealisierten Kaufprozess ab, der im Zusammenhang mit der Definition des E-Commerce vorgestellt wurde. Ziel ist es, den Kaufprozess unter Berücksichtigung der technischen und organisatorischen Rahmenumstände auf das Softwaresystem abzubilden.
Die Anforderungen lassen sich in die zwei Bereiche „Abbildung des Kaufprozesses“ und „Administration“ untergliedern.
a) Abbildung des Kaufprozesses
• Funktionale Anforderung (FA) 1: Zugang zum Online-Shop
Der Online-Shop kann über einen Internet Browser benutzt werden. Der Zugriff auf die Anwendung erfolgt durch Eingabe einer Internetadresse in Form eines „Uniform Resource Locators“ (URL) bei bestehender Internetverbindung. Nach Aufruf der URL erscheint eine Startseite.
• FA 2: Navigation und Bildschirmaufbau im Online-Shop
Jede Bildschirmansicht teilt sich in zwei Bereiche. Im oberen Bereich steht eine Navigationsleiste zur Verfügung, über die die Hauptfunktionen der Anwendung aufgerufen werden können. Die Navigationsleiste bleibt in jedem Anwendungsbereich unverändert, so dass eine einfache Navigation innerhalb der Anwendung möglich ist. Unterhalb der Navigationsleiste befindet sich der Anwendungsbereich. In diesem Bereich werden alle Dialoginformationen im Zusammenhang mit der aktuell aufgerufenen Funktion, z. B. Auflistungen, angezeigt.
• FA 3: Produktansicht
Zur Information des Benutzers wird ein Katalog bereitgestellt, in dem alle Produkte aufgeführt werden. Nach Aufruf der Katalogfunktion über die Navigationsleiste erscheint eine Auflistung aller Produktkategorien, in denen die Produkte organisiert sind. Die Auswahl einer Produktkategorie führt zu einer Ansicht, in der alle Produkte dieser Kategorie tabellarisch aufgeführt sind. Die tabellarische Auflistung umfasst die Produktnummer, die Produktbezeichnung und den Preis. Für jedes Produkt kann eine Detailansicht aufgerufen werden, in der alle weiteren Produktdaten aufgeführt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Internets als Kommunikationsmedium ein und definiert E-Commerce als wirtschaftlich bedeutendes Geschäftsmodell, welches eine ressourcenschonende und anpassungsfähige Systemarchitektur erfordert.
2 E-Commerce: Dieses Kapitel erläutert die ökonomischen Grundlagen von Märkten sowie die Definition von E-Commerce und beschreibt den idealisierten Kaufprozess sowie die relevanten Kommunikationsbeziehungen wie B2B und B2C.
3 Konzeption eines E-Commerce Systems: Hier werden die funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen, der Entwicklungsprozess sowie die Systemgrenzen definiert, die für den Aufbau eines E-Commerce Systems maßgeblich sind.
4 Architekturmodelle für E-Commerce Systeme: Dieses Kapitel behandelt das Komponentenparadigma, verschiedene Architekturmodelle wie Schichtenarchitekturen und verteilte Systeme sowie die spezifischen Middleware-Lösungen wie CORBA, .Net und J2EE.
5 Architektur und Implementierung des Online-Shops: Dieser Abschnitt beschreibt die konkrete Umsetzung des Online-Shop Prototypen, einschließlich Datenorganisation, MVC-Struktur, Anwendungslogik in EJB- und Web-Containern sowie die Präsentationsgenerierung.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Bedeutung einer geeigneten technischen Plattform zusammen und bewertet die Eignung der gewählten J2EE- und MVC-Architektur für zukünftige E-Commerce-Anforderungen.
Schlüsselwörter
E-Commerce, J2EE, Online-Shop, Softwarearchitektur, Komponentenmodell, Enterprise JavaBeans, MVC-Architektur, Modell-View-Controller, XML, Datenbank, Internet, Systemintegration, Skalierbarkeit, Middleware, Anwendungsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Konzeption und der praktischen Implementierung eines E-Commerce-Systems, wobei ein Online-Shop als verteilte Anwendung als Prototyp dient.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen Software Engineering, Architekturmodelle für E-Commerce, verteilte Systeme, objektorientierte Middleware sowie die praktische Anwendung von Java Enterprise-Technologien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, für einen Teilbereich von E-Commerce-Systemen allgemein gültige Lösungsansätze zu entwickeln, die Flexibilität, Wartbarkeit und eine effiziente Anwendungsentwicklung fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine objektorientierte Vorgehensweise gewählt, die auf Anwendungsfällen basiert. Zudem werden etablierte Entwurfsmuster und Architekturkonzepte (MVC, Schichtenmodell) angewendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Softwarearchitektur, die Analyse von Komponentenmodellen (insb. J2EE) und die detaillierte Beschreibung der Implementierung eines Online-Shops unter Berücksichtigung von Datenorganisation und Präsentationsschichten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Schlüsselbegriffe sind E-Commerce, J2EE, MVC-Architektur, Enterprise JavaBeans, Middleware und verteilte Systeme.
Warum wird für den Online-Shop die J2EE-Plattform gewählt?
Die Plattform unterstützt das Komponentenparadigma konsequent, bietet effiziente Laufzeitumgebungen für E-Commerce und fördert durch ihre Standards die Wiederverwendbarkeit und Wartbarkeit von Softwarekomponenten.
Wie wird die Performance bei Lesezugriffen auf Datenbanken optimiert?
Die Arbeit empfiehlt das „JDBC for Reading“-Entwurfsmuster, bei dem der Datenbankzugriff mittels JDBC direkt erfolgt, um die Ineffizienz herkömmlicher EntityBeans beim Lesen großer Datenmengen zu vermeiden.
- Arbeit zitieren
- Andre Exner (Autor:in), 2002, Konzeption und Implementierung eines E-Commerce-Systems, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15814