Die Rezeption der Logienquelle Q bei Lukas am Beispiel der Aussendungsrede in Lk 10,1-16


Seminararbeit, 2010

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Logienquelle Q
2.1. Die Logienquelle – Nur eine Hypothese der Forschung?
2.2. Die Logienquelle – Eine Sammlung von Jesus-Worten?

3. Das Evangelium nach Lukas
3.1. Genereller Aufbau und Besonderheiten
3.2. Die Rezeption der Logienquelle bei Lukas

4. Die Aussendungsrede in Lk 10,1-
4.1. Vorbemerkungen - Der lukanische „Reisebericht“ Lk 9,51 – 19,
4.2. Die Aussendungsrede Lk 10,1-
4.2.1. Q als Quelle für diesen Text – Gegenüberstellung des Textes von Mt und Lk
4.2.2. Auslegung der Lk-Perikope

5. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Betrachtet man die Evangelien von Markus, Matthäus und Lukas nebeneinander, so fällt auf, dass es hier große Überschneidungen gibt. Hier stellt sich dann die Frage, wie diese drei Evangelien inhaltlich und geschichtlich zusammenhängen. Dabei kann festgestellt werden, dass Matthäus und Lukas jeweils das Markusevangelium fast vollständige übernommen haben. Hinzu kommen Teile, welche nur bei dem einzelnen Autor zu finden sind, also einem jeweiligen Sondergut entstammen. Neben diesen beiden Quellen für Matthäus und Lukas gibt es als drittes die so genannte Redequelle oder Logienquelle Q. Auf diese Quelle kann aus den Übereinstimmungen zwischen Matthäus und Lukas geschlossen werden, welche nicht dem Markusevangelium entstammen. Für Matthäus und Lukas kommt man somit zur so genannten Zwei-Quellen-Theorie, d.h. neben dem jeweils eigenem Sondergut werden die Logienquelle Q und das Markusevangelium als Quellen angenommen.[1]

In der vorliegenden Arbeit wird zunächst auf die Logienquelle eingegangen, in einem zweiten Schritt wird eine kurze Hinführung zum Lukasevangelium, seinem Aufbau und seiner Rezeption der Logienquelle gegeben werden, um dann im dritten Schritt speziell auf die Aussendungsrede in Lk 10,1-16 einzugehen.

2. Die Logienquelle Q

Anstelle der Bezeichnung Logienquelle findet man auch Spruch- oder Redequelle, was einerseits als eine Übersetzung des Namens ins Deutsche betrachtet werden kann (Sprüche = griechisch logia), woran aber andererseits auch die weit verbreitete Erwartung an die Quelle deutlich wird. Diese besteht darin, dass man mit der Erschließung dieser Spruchsammlung meinte oder wenigstens hoffte, authentische Worte Jesu aufgefunden zu haben.[2] Neben diesen weithin bekannten Benennungen für Q kann man weitere Vorschläge finden, welche auch eine Zuordnung des Textes zu verschiedene Gattungen begründen. So sieht E. Bammel es als „Testament“, andere Autoren betrachten es als „Halbevangelium“ (W. Schmithals) oder sogar als „Evangelium“ (J.M. Robinson). Diese sehr verschiedenen Bezeichnungen zeigen, dass Benennung und Gattung von Q weiterhin stark diskutiert werden, ohne dass sich bisher eine Einigung oder wenigstens ein Konsens abzeichnet.[3]

Doch woher haben wir überhaupt Kenntnis von dieser Quelle und inwieweit kann sie die Erwartungen, eine Sammlung authentischer Jesussprüche zu sein, erfüllen? Dies soll im Folgenden besprochen werden.

2.1. Die Logienquelle – Nur eine Hypothese der Forschung?

Die Annahme einer Sammlung von „Sprüchen Jesu“, welche den Autoren bzw. Redaktoren des Matthäus- und des Lukasevangeliums vorgelegen habe, hat sich bereits im 19.Jh. mit der Zwei-Quellen-Theorie in der Bibelforschung durchgesetzt. Entsprechend dem angenommenen Inhalt erhielt die Sammlung den Namen Logienquelle Q (logia = Sprüche; Q = Quelle). Allerdings liegt bis heute kein Original dieser Quelle vor, sondern auf die Existenz einer solchen Sammlung wird durch Vergleich der synoptischen Evangelien geschlossen.

Betrachtet man nämlich Mt, Mk und Lk nebeneinander so wird deutlich, dass Mt und Lk von Mk gewissermaßen das Erzählgerüst übernommen haben, um das herum dann noch weitere Texte angeordnet sind. Vergleicht man nun diese Texte, so kann man vor allem Reden Jesu finden, welche Mt und Lk über Mk hinaus gemeinsam haben. Hieraus kann geschlussfolgert werden, dass diese beiden Evangelisten neben Mk eine weitere gemeinsame Quelle zur Verfügung hatten. Dafür, dass diese Spruchsammlung in schriftlicher Form vorlag spricht, dass es bei Mt und Lk Abschnitte gibt, welche wörtlich übereinstimmen. Dies wäre bei einer ausschließlich mündlichen Weitergabe wohl nicht der Fall.[4]

Durch die Zusammenstellung der Texte, welche bei Mt und Lk übereinstimmen, und unter hinzunahme vor allem des Thomasevangeliums[5] wurde durch das International Q Projekt (gegründet 1989) versucht, Q in seiner ursprünglichen Gestalt möglichst genau zu rekonstruieren. Die Arbeit dieses Projekts wurde 1996 beendet und seitdem in der Reihe „Documenta Q“ publiziert. Des Weiteren wurde im Jahre 2000 durch J.M. Robinson u.a. die Critical Edition of Q veröffentlicht, welche „eine revidierte Fassung der IQP-Rekonstruktion“[6] darstellt.

So kann man sagen, dass, wenn auch keine Originaltexte von Q mehr existieren, Q aufgrund der Rekonstruktionsarbeit in einer sehr umfangreichen und gut begründeten Version vorliegt.

Aufgrund der sehr unterschiedlichen Benennung der Quelle wird im weiteren Verlauf der Arbeit diese ausschließlich mit Q bezeichnet.

2.2. Die Logienquelle – Eine Sammlung von Jesus-Worten?

Wie oben bereits erwähnt gab es die Hoffnung, mit den in Q weitergegebenen Sprüchen originale Worte Jesu gefunden zu haben.[7] Diese Hoffnung bestätigte sich aus verschiedenen Gründen nicht. So konnte sprachanalytisch festgestellt werden, dass manche der Satzkonstruktionen in Q nur in griechischer nicht aber in aramäischer Sprache möglich sind, was gegen eine aramäische Grundfassung von Q spricht und damit wohl gegen eine wörtliche Überlieferung von Sprüchen Jesu, dessen Muttersprache das Aramäische war.[8]

Auch kann bei verschiedenen Logien gezeigt werden, dass sie erweitert und kommentiert wurden und durch Hinzufügung fremder Worte größere Komplexe entstanden. Diese weisen zum Teil eine gemeinsame Thematik auf, aber sie können auch nur durch Stichworte miteinander in Verbindung stehen. Ein Grund zur Bildung solcher Komplexe könnte darin bestanden haben, dass sie für verschiedene Zwecke Verwendung fanden (Katechumenenunterweisung, Instruktion von Boten u.a.).[9]

Ein weiterer Grund dafür, dass es sich bei Q nicht einfach um eine Sammlung von Sprüchen Jesu handelt, kann darin gesehen werden, dass Q möglicherweise erst während des Jüdischen Krieges endgültig zusammengestellt wurde.[10] So lägen zwischen dem Auftreten Jesu und der schriftlichen Fixierung der Texte ca. 40 Jahre und es erscheint (auch schon aufgrund der sprachlichen Untersuchungen von Q) wahrscheinlich, dass in dieser Zeit Worte Jesu nicht im „Originalton“ erhalten geblieben sind.

Mit Zeller könnte dann die Überlieferung der Texte in Q von Jesus bis zur Endredaktion folgendermaßen aussehen:

- Predigt Jesu , die von den Jüngern aufgenommen wird.
- In der nachösterlichen Mission … geben sie sie weiter, aber ausgebaut und z.T. durch Gerichtsdrohungen verschärft.
- In den … christlichen Gemeinden werde die Worte Jesu neuen Zwecken … dienstbar gemacht.
- Allmähliche Übersetzung ins Griechische, schriftliche Fixierung, Sammlung, Redaktion, wobei auch neue Stoffe hinzugefügt wurden.[11]

Zusammenfassend kann man also sagen, dass in Q nicht einfach eine Sammlung originaler Jesusworte vorliegt, sondern dass diese im Laufe der Überlieferung vielfach verändert und den aktuellen Bedingungen und Bedürfnissen angepasst wurden.

[...]


[1] Vgl. hierzu auch D. Zeller, Kommentar zur Logienquelle (Stuttgarter Kleiner Kommentar – Neues Testament 21), Stuttgart 3 1993, 9.

[2] Vgl. ebd., 11.

[3] Vgl. C. Heil, Lukas und Q – Studien zur lukanischen Redaktion des Spruchevangeliums Q, Berlin, New York 2003, 214.

[4] Vgl. Zeller, Logienquelle, 12.

[5] Vgl. Heil, Lukas und Q, 13-15.

[6] Ebd. , 8.

[7] Vgl. Zeller, Logienquelle, 11.

[8] Vgl. Heil, Lukas und Q, 7.

[9] Vgl. Zeller, Logienquelle, 13.

[10] Vgl. Heil, Lukas und Q, 9f.

[11] Zeller, Logienquelle, 13f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Rezeption der Logienquelle Q bei Lukas am Beispiel der Aussendungsrede in Lk 10,1-16
Hochschule
Universität Erfurt  (Katholisch-theologische Fakultät)
Veranstaltung
Vorlesung: „Ihr seid das Salz des Landes!“ Missionarische Gemeinde im Neuen Testament
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V158196
ISBN (eBook)
9783640719471
ISBN (Buch)
9783640719877
Dateigröße
379 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Redequelle, Logienquelle, Lukasevangelium, Aussendungsrede, Lk 10
Arbeit zitieren
Brigitte Benz (Autor), 2010, Die Rezeption der Logienquelle Q bei Lukas am Beispiel der Aussendungsrede in Lk 10,1-16, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158196

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