Unter den Schlagworten "Künstliche Ernährung" werden die enterale Ernährung und die parenterale Ernährung zusammengefasst. Künstliche Ernährung ist erforderlich, wenn Menschen (Patienten) nicht essen können, wollen, dürfen oder sollten. Die Nahrungsaufnahme erfolgt im Rahmen der künstlichen Ernährung nicht mit üblichen Lebensmitteln, sondern mit Infusionslösungen (parenterale Ernährung) oder bilanzierten Diäten (Supplement, Trink- und Sondennahrung; pulverisiert oder flüssig im Rahmen der enteralen Ernährung). Für viele Patienten ist die klinische Ernährung der entscheidende Faktor im Gesamtbehandlungskonzept zur Wiederherstellung und/oder Aufrechterhaltung ihrer Gesundheit und Lebensqualität. Wichtige Beispiele sind Patienten mit Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Schluckstörungen (Dysphagie), HIV-Infektion oder AIDS und Tumorpatienten (zur Vermeidung oder unterstützenden Ernährungstherapie der Tumorkachexie). Die Ernährungstherapie kann andere therapeutische Maßnahmen unterstützen, Komplikationen vermeiden und die Rekonvaleszenz verkürzen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Enterale Ernährung
2.1 Bedarfsdeckende bilanzierte Diäten
2.2 Ergänzende bilanzierte Diäten
3 Parenterale Ernährung
4 Vergleich enterale Ernährung versus parenterale Ernährung
4.1 Physiologie
4.2 Durchführung
4.3 Kosten
5 Diätetische Therapie der Mangelernährung
6 Erfassung des Ernährungszustandes
7 Ursachen einer Mangelernährung
8 Folgen der Mangelernährung
8.1 Klinische Konsequenzen der Mangelernährung
8.2 Ökonomische Konsequenzen der Mangelernährung
8.3 Erstattungs- und Verordnungsfähigkeit
9 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die medizinische Relevanz, Durchführung und ökonomische Bedeutung der enteralen sowie parenteralen Ernährungstherapie bei Patienten, die ihren Nährstoffbedarf nicht über herkömmliche Lebensmittel decken können. Ein besonderer Fokus liegt auf der Prävention und Therapie der Mangelernährung sowie der Gegenüberstellung von physiologischen Auswirkungen und Kostenfaktoren beider Ernährungsformen.
- Klinische Indikationen und Applikationsformen der enteralen Ernährung
- Unterschiede in Physiologie und Aufwand zwischen enteraler und parenteraler Ernährung
- Methoden zur Erfassung des Ernährungszustandes und Diagnostik von Mangelernährung
- Ursachen, klinische Folgen und ökonomische Auswirkungen einer Mangelernährung
- Rechtliche Grundlagen der Verordnungs- und Erstattungsfähigkeit
Auszug aus dem Buch
4 Vergleich enterale Ernährung versus parenterale Ernährung
90 Prozent der Patienten, die auf die Zufuhr klinischer Ernährung angewiesen sind, können aus ernährungsmedizinischer Sicht enteral ernährt werden. In der Klinik wird jedoch die Mehrzahl dieser internistischen, onkologischen, pädiatrischen, geriatrischen, neurologischen oder kieferchirurgischen Patienten noch parenteral ernährt. Die enterale Ernährung ist der parenteralen vorzuziehen, da sie mehr den physiologischen Verhältnissen der normalen oralen Ernährung entspricht und risikoärmer, weniger pflegeintensiv und kostengünstiger ist.
4.1 Physiologie
Die Zufuhr der parenteralen Ernährung erfolgt über einen peripheren oder zentralen Venenkatheter unter Umgehung des Gastrointestinaltraktes. Aus dieser unphysiologischen Nährstoffapplikation heraus ergeben sich Veränderungen im Stoffwechsel von Glukose, Aminosäuren und Lipiden, die bei der enteralen Ernährung nicht auftreten. Bei enteraler Nahrungszufuhr wird die resorbierte Glukose je zur Hälfte im Muskel und in der Leber verstoffwechselt. Der Aminosäurestoffwechsel erfolgt zu weniger als 50 Prozent über die Leber. Enteral zugeführte Fette werden als langkettige Triglyzeride (LKT) zum großen Teil im Fettgewebe gespeichert und als mittelkettige Fettsäuren (MKT) überwiegend in der Leber verstoffwechselt. Bei parenteraler Zufuhr werden 80 Prozent der Glukose im Muskel und nur 20 Prozent in der Leber verstoffwechselt. Gleichzeitig übersteigt der Anteil des hepatischen Aminosäurestoffwechsels 50 Prozent. Parenteral zugeführte Fette werden auch bei einem Gemisch aus LKT-/MKT-Fetten zu 70 Prozent im Fettgewebe gespeichert. Die enterale Ernährung weist im Vergleich zur parenteralen Ernährung physiologische Stoffwechseleffekte auf.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Gibt einen Überblick über die historische Entwicklung sowie die medizinische Notwendigkeit der klinischen Ernährung bei verschiedenen Indikationen.
2 Enterale Ernährung: Erläutert die verschiedenen Formen der Sondennahrung und deren Zusammensetzung, mit Fokus auf industriell bilanzierte Diäten.
3 Parenterale Ernährung: Beschreibt die Indikationen für die intravenöse Nährstoffzufuhr sowie die Anforderungen an die Zusammensetzung der Infusionslösungen.
4 Vergleich enterale Ernährung versus parenterale Ernährung: Analysiert die physiologischen Vorteile der enteralen gegenüber der parenteralen Ernährung und vergleicht Kosten sowie Risiken.
5 Diätetische Therapie der Mangelernährung: Beleuchtet das Ausmaß und die Relevanz der Mangelernährung bei hospitalisierten und geriatrischen Patienten.
6 Erfassung des Ernährungszustandes: Stellt klinische, anthropometrische und laborchemische Methoden zur Beurteilung des Ernährungsstatus vor.
7 Ursachen einer Mangelernährung: Klassifiziert die verschiedenen ätiologischen Faktoren wie Anorexie, metabolische Störungen oder sozioökonomische Aspekte.
8 Folgen der Mangelernährung: Untersucht die klinischen Auswirkungen und die ökonomischen Belastungen durch eine Mangelernährung sowie die Erstattungsfähigkeit der Therapie.
9 Schlussbetrachtung: Plädiert für ein frühzeitiges Screening und eine konsequente Ernährungstherapie zur Verbesserung der Lebensqualität und Senkung der Folgekosten.
Schlüsselwörter
Enterale Ernährung, Parenterale Ernährung, Mangelernährung, Sondennahrung, Klinische Ernährung, Stoffwechsel, Bilanzierte Diäten, Nährstoffzufuhr, Geriatrie, Hospitalisierung, Ernährungstherapie, Physiologie, Infusionstherapie, Kosteneffizienz, Diagnostik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Grundlagen, Indikationen und therapeutischen Ansätze der klinischen Ernährung bei Patienten, die keine ausreichende orale Nahrungsaufnahme gewährleisten können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Unterscheidung zwischen enteraler und parenteraler Ernährung, der Diagnose von Mangelernährung und den physiologischen sowie ökonomischen Konsequenzen einer Ernährungstherapie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Darstellung der Überlegenheit der enteralen Ernährung gegenüber der parenteralen sowie die Notwendigkeit, Mangelernährung frühzeitig zu erkennen und adäquat zu behandeln.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich aktueller ernährungsmedizinischer Erkenntnisse sowie epidemiologischer Daten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der Applikationsformen, physiologische Vergleiche, Diagnostikverfahren und die Analyse der Ursachen und Folgen von Mangelernährung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Kernbegriffe sind enterale und parenterale Ernährung, Mangelernährung, klinische Ernährung, Sondennahrung und Ernährungstherapie.
Warum wird die enterale Ernährung in der Klinik meist bevorzugt?
Sie ist physiologischer, risikoärmer, weniger pflegeintensiv und kostengünstiger als die parenterale Ernährung.
Was ist das Hauptproblem bei der parenteralen Ernährung aus physiologischer Sicht?
Durch die Umgehung des Gastrointestinaltraktes entstehen unphysiologische Stoffwechselwege, die zu Komplikationen und Organveränderungen führen können.
Wie trägt der Ernährungszustand zu den Krankenhauskosten bei?
Mangelernährte Patienten weisen häufiger Komplikationen auf, was zu einer deutlich verlängerten Aufenthaltsdauer und damit zu massiv höheren Behandlungskosten führt.
Warum ist das Screening auf Mangelernährung besonders bei älteren Patienten wichtig?
Bei geriatrischen Patienten ist die Mangelernährung weit verbreitet, bleibt aber oft unerkannt, was zu einer Verschlechterung der Lebensqualität und erhöhter Mortalität führt.
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- M.Sc. Sven-David Müller (Author), 2010, Die Grundlagen der Enteralen Ernährung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158217