Die Immunomodulation aus ernährungstherapeutischer Sicht

Stellenwert von Mikronährstoffen, Nucleotiden und Omega-3-Fettsäuren in der Modulation des Immunsystems beim Menschen


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2010
8 Seiten

Leseprobe

Immunmodulation mit Glutamin, Arginin, Omega-3-Fettsauren, Zink und RNS-Nukleotide

Einfuhrung

Das menschliche Immunsystem dient der Infektabwehr und setzt sich aus einer Vielzahl von Zellen, Molekulen und Systemen zusammen. Interakti- onen zwischen der Ernahrung und dem Immunsystem stehen heute mehr denn je im Fokus des ernahrungsmedizinischen und ernahrungswissen- schaftlichen Interesses. In zunehmendem MaGe werden Mikro- und Mak- ronahrstoffe identifiziert, denen eine immunmodulative Wirkung zuzuord- nen ist. Durch eine gezielte Substratzufuhr, also Gabe von immunmodula- tiven Mikro- und Makronahrstoffen, konnen die mukosale Barrierefunktion des Gastrointestinaltraktes, die zellulare Abwehrfunktion sowie die lokale und systemische Inflammation signifikant beeinflusst werden. Als Immu- nonutrition konnten bisher Aminosauren (Glutamin und Arginin), Eicosane (Omega-3-Fettsauren) sowie Nukleotide identifiziert werden. Daneben hat auch das essentielle Spurenelement Zink eine groGe Bedeutung fur das menschliche Abwehrsystem. Da die Nahrung in der Regel zinkarm ist, ist eine Zinksubstitution zur Unterstutzung des Immunsystems sinnvoll. Es sollten taglich 15 bis 30 mg einer organischen Zinkverbindung - also hoch bioverfugbaren Verbindung - substituiert werden. Gerade in der Na- turheilkunde ist eine Forderung der Infektabwehr durch komplexe MaG- nahmen von Bedeutung. Der Ernahrungsmedizin sollten vor dem Hinter- grund aktueller Erkenntnisse mehr Beachtung geschenkt werden. Das humane Immunsystem ist auGerst komplex aufgebaut und ununterbro- chen beschaftigt. In der Umwelt befindet sich eine Vielzahl an Krankheits- erregern, die standig in den Organismus eindringen. Um Infektionen zu verhindern oder effektiv zu bekampfen, ist ein funktionierendes Abwehr­system essentiell. Abwehrschwache kann durch bestimmte Krankheiten oder auGeren Einflussen wie Strahlung (Strahlentherapie bei Tumoren), Chemotherapien (bei Tumoren) oder Nahr- und Wirkstoffmangel (mit)hervorgerufen werden. Auch Stress, das Alter oder starke korperli- che Belastungen konnen dazu beitragen, dass die Abwehr eingeschrankt funktionstuchtig ist und einer geeigneten Unterstutzung durch Immuno- nutrition bedarf. Die normale Ernahrung reicht dann oft nicht mehr aus, um diesen erhohten Anforderungen gerecht zu werden. Jetzt mussen spezielle Substrate mit immunmodulativer Wirkung in ausreichender Menge zugefuhrt werden.

Zusammenhange zwischen Ernahrungszustand und Immunantwort

Eine negative Antwort des Immunsystems kann Ausdruck einer Mangel- ernahrung (2) insbesondere einer Abnahme des Korperbestandes an Pro- teinen und Zink sein (1). Ein gesundes, leistungsstarkes Immunsystem ist der beste Schutz gegen viele ubertagbare Krankheiten. Voraussetzung dafur ist insbesondere ein optimaler Ernahrungszustand und -status. Je- doch konnen extreme Belastungen dazu fuhren, dass das Immunsystem auch bei guten Ernahrungszustand und -status Support erfordert. Das kann beispielsweise notwendig sein, wenn schwere chronische Krankhei- ten bestehen, groGflachigen Wunden vorliegen und sogar durch manche Arzneimittel und Therapien wird eine Immunonutrition erforderlich. Im- munonutrition beschreibt nach Kemen den additiven Einsatz verschiede- ner immunologisch aktiver Substanzen. Auch die Phase vor und nach groGen Operationen stellt eine elementare Stress-Situation dar. Durch Leistungssport kann die Immunabwehr geschwacht werden. SchlieGlich sind Senioren anfalliger gegen Infektionskrankheiten und haben meist eine verlangerte Rekonvaleszenz. Gerade der Ernahrungszustand von Se­nioren ist in vielen Fallen mit dem Malnutrition exakt beschrieben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Immunmodulation durch Ernahrungssubstrate

Das Abwehrsystem des humanen Organismus ist ein komplexes System. Die ernahrungsmedizinische und die ernahrungswissenschaftliche For- schung zeigt, dass bestimmte Nahrungssubstrate essentiell sind, um das Immunsystem in die Lage zu versetzen, effektiv Krankheitserreger abzu- wehren. Inzwischen konnten die ernahrungswissenschaftlichen und er- nahrungsmedizinischen Grundlagenforschungen dazu fuhren, dass die Er- kenntnisse zur Formulierung sogenannter Immunonutrition (beispielswei- se Trink-/Sondennahrungen zur enteralen Ernahrung oder erganzend bi- lanzierte Diaten) fuhrten. Immunonutrition ist eine besondere Form der Ernahrungstherapie mit einer Nahrung, die aufgrund ihrer speziellen Zu- sammensetzung in der Lage ist, das Immunsystem bei extremen Belas- tungen in seiner Funktion effektiv zu unterstutzen. Wichtige Inhaltsstoffe sind zum Beispiel immunstarkende Substanzen:

- Arginin (Aminosaure), das bei der Wundheilung und dem Aufbau von Abwehrzellen hilft.
- Glutamin (Aminosaure), zur Forderung der mucosalen Barrierefunktion
- Eicosane (Omega-3-Fettsauren aus Fischol), die die zellulare Abwehr- funktion unterstutzen konnen, die entzundungshemmend wirken und die Durchblutung verbessern.
- RNS-Nukleotide (Ribonukleinsaure) fur die Zellerneuerung und die die zellulare Abwehrfunktion verbessern.

Studien zeigen (7), dass bei Patienten mit groGen Oberbaucheingriffen ei- ne fruhe postoperative enterale Ernahrung durchfuhrbar und gut vertrag- lich ist. Gleichartige Ergebnisse wurden bei Polytraumatisierten und Pati­enten mit internistischen Erkrankungen wahrend der intensivmedizini- schen Behandlung berichtet. Den Beginn der enteralen Ernahrung emp- fiehlt man innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Trauma oder Operatio- nen. Insbesondere in der Aufbauphase der enteralen Ernahrung ist eine engmaschige klinische Uberwachung der Patienten unbedingt erforderlich. Mit der Einnahme von Immunonutrition sollte funf bis sieben Tage vor dem Eingriff begonnen und diese nach der Operation moglichst sieben Ta­ge fortgesetzt werden. Diese neuen Erkenntnisse wurden kurzlich anhand mehrerer Studien auf dem Kongress der Europaischen Gesellschaft fur pa- renterale und enterale Ernahrung (ESPEN, 8) vorgestellt. Die neueste Stu- die zu diesem Thema, veroffentlicht im Juni 2002 in der Fachzeitschrift Gastroenterology (9), fuhrte zum Ergebnis, dass post-operative Infektio- nen in der mit Immunonutrition behandelten Gruppe um 55 Prozent selte- ner auftraten als bei den Studienteilnehmern, die keine Ernahrungsthera- pie erhielten. AuGerdem war die Krankenhausaufenthaltsdauer der Patien­ten, die funf Tage vor der Operation einen Liter Immunonutrition taglich erhielten, um 2,5 Tage kurzer. Die Deutsche Gesellschaft fur Ernahrungs- medizin hat in ihrer Leitlinie enterale Ernahrung auch die Immunonutrition beschrieben (3).

Immunmodulative Wirkung von Glutamin

Glutamin ist die mengenmaGig vorherrschende freie proteinogene Amino- saure des menschlichen Organismus. Es gibt essenzielle (lebensnotwen- dige), die uber die Nahrung zugefuhrt werden mussen, sowie nicht essen­zielle, die der menschliche Organismus normalerweise selbst herstellen kann. Nicht entbehrliche (= essenzielle) Aminosauren sind Histidin, Iso- leucin, Leucin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Threonin, Tryptophan so­wie Valin. Zu den entbehrlichen (= nicht essenziellen) Aminosauren zah- len Alanin, Asparagin, Asparaginsaure, Cystein, Glutaminsaure, Glutamin, Glycin, Prolin, Serin, Taurin und Tyrosin. Auch Arginin zahlt dazu, kann aber unter bestimmten Bedingungen essenziell werden, muss also zuge­fuhrt werden. Glutamin ist Stickstoffcarrier zwischen unterschiedlichen Geweben und Hauptenergiequelle des Gastrointestinaltraktes, des Im- munsystems und anderer rasch proliferierender Zellen. Glutamin schutzt vor der bakteriellen Translokation (dem Eindringen von unerwunschten Stoffen wie Allergenen durch die Dunndarmschleimhaut). Glutamin dich- tet die Schleimhaut gegenuber Krankheitserregender sozusagen ab und dient den Mucosazellen als Energielieferant. In der klinischen Ernahrung von Menschen, die beispielsweise nach komplizierten Operationen auf der

Intensivstation durchgefuhrt wird, ist Glutamin ein wichtiger Bestandteil zum Aufbau des Immunsystems und der Verhinderung einer Bakteriellen Translokation. Bei Glutaminmangel kommt es zur Verminderung der Bar- rierefunktion der Schleimhaut. Die Gabe von Glutamin fordert das Im- munsystem. Die Aminosaure Arginin stabilisiert wie Glutamin das Immun- system des Magen-Darm-Traktes. Vor, wahrend und nach groGeren ope- rativen Eingriffen findet die Ernahrung oftmals uber sogenannte Immuno- nutrition statt. Damit hat die enterale Ernahrung die parenterale Ernah­rung in diesem Bereich teilweise abgelost. Wenn eine parenterale Ernah­rung zum Einsatz kommt, sollte diese Monoensauren (beispielsweise aus Olivenbl) als Fettkomponente enthalten. Einfach ungesattigte Fettsauren haben im metabolischen Bereich entscheidende Vorteile gegenuber ande- ren Fettsauren. Olivenolhaltige Parenteralia sind inzwischen verfugbar.

Immunmodulative Effekte der Aminosaure Arginin

Arginin ist eine dibasische Aminosauren, die der menschliche Organismus aus der Nahrung resorbiert oder durch endogene Synthese uber den Harnstoffzyklus synthetisieren kann. Wegen des vielseitigen Funktions- und Wirkungsspektrums gilt Arginin als Spitzenreiter unter den Amino­sauren. Arginin beugt der bakteriellen Translokation vor und verbessert die zellulare Abwehr. AuGerdem wird Arginin zur Senkung des Herzin- farkt- und Schlaganfallrisikos verabreicht, denn es erweitert die Blutgefa- Ge und senkt hohen Blutdruck. Untersuchungen zufolge senken Argi- ninpraparate die Neigung der Blutplattchen, miteinander und mit den Ar- terienwanden zu verkleben. Weil Arginin auch an der Bildung von Stick- oxid beteiligt ist, das krampflosend auf die Arterienwande wirkt, ist Argi­nin auch bei Angina-pectoris-Patienten wirksam. Arginin wird daruber hinaus schon seit langem zur Starkung des Immunsystems eingesetzt, z.B. bei Patienten, die an Sepsis, Krebs oder Immunschwache leiden. Auch traumatische Erlebnisse und Operationen erhbhen den Bedarf des Korpers an Arginin, das zur Proteinsynthese und zur Produktion der wei- Gen Blutkorperchen notig ist. SchlieGlich ist Arginin auch am Prozess der Wundheilung beteiligt. In Kombination mit Omega-3-Fettsauren und RNS- Nukleotiden bewirkt es eine deutliche Verbesserung der Immunzellreakti- onen, d.h. Arginin ist auch geeignet, Patienten nach einer Operation vor Komplikationen zu schutzen und das Immunsystem zu stimulieren.

Omega-3-Fettsauren in der Immunmodulation

Zu den mehrfach ungesattigten Fettsauren gehoren die Omega-3- Fettsauren. Die wirksamsten Omega-3-Fettsauren - Eicosapentaensaure (EPA) und Docosahexaensaure (DHA) - kommen besonders haufig in Fisch vor (Fischol) und eine weitere - Alphalinolensaure - in Rapsol und Walnussen. Omega-3-Fettsauren spielen bei lebenswichtigen Korperab- laufen eine Schlusselrolle - von der Regulierung des Blutdrucks und der Blutgerinnung bis hin zur Starkung des Immunsystems - und sind zur Vorbeugung und Behandlung vieler Erkrankungen und Beschwerden nutz- lich.Omega-3-Fettsaure-Mangel ist assoziiert mit einer Vielzahl von Er­krankungen, insbesondere von Zivilisationskrankheiten.

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Details

Titel
Die Immunomodulation aus ernährungstherapeutischer Sicht
Untertitel
Stellenwert von Mikronährstoffen, Nucleotiden und Omega-3-Fettsäuren in der Modulation des Immunsystems beim Menschen
Autor
Jahr
2010
Seiten
8
Katalognummer
V158222
ISBN (eBook)
9783640709403
ISBN (Buch)
9783656611080
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Omega-3-Fettsäuren, Ernährungstherapie, Probiotika, Präbiotika, Diätetik, Nucleotide, Zink, Sven-David Müller, Diätassistent, Diätberatung, Ernährungsberatung, Abwehrkräfte, Zinkhistidin, Ernährungsmedizin
Arbeit zitieren
M.Sc. Sven-David Müller (Autor), 2010, Die Immunomodulation aus ernährungstherapeutischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158222

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