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Verkündigung an die Maria. Piero della Francesca (1420-1492)

Christliche Ikonographie

Title: Verkündigung an die Maria. Piero della Francesca (1420-1492)

Seminar Paper , 2017 , 18 Pages , Grade: 6 (Schweiz - sehr gut)

Autor:in: Markus Stricker (Author)

Art - Iconography, motives, symbols
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Im Rahmen des Seminars Einführung in die christliche und profane Ikonografie wird neben einer Bildbeschreibung, der Darstellung schriftlicher Quellen und einem Überblick über die Entwicklung der Verkündigung ein besonderer Schwerpunkt auf die Gestik Marias gelegt. Im Fokus steht die Untersuchung möglicher Quellen, die Künstler für die Darstellung der Handstellungen Marias herangezogen haben könnten. Bei der Verkündigung von Piero della Francesca reichen beispielsweise die Interpretationen der erhobenen rechten Hand von "Achtung und Aufmerksamkeit gegenüber der Botschaft" bis "ihre rechte Hand zur Begrüssung des Engels erhoben".

"Von der Gestalt der Jungfrau weiss man nicht", schreibt der Kirchenvater Augustinus (354-430). Das Malerhandbuch des Malermönches Dionysios vom Berge Athos beschreibt die jahrhundertealte Tradition der Darstellung der Verkündigung in der Ikonenmalerei, die Anatomie und die Wesenszüge Marias sowie die Darstellung der Verkündigung selbst: „Ein Haus. Die Heiligste steht vor einem Sessel und hält das Haupt ein wenig geneigt, in der einen Hand hält sie Seide […]. Die Rechte hat sie gegen den Engel ausgestreckt. Der Engelfürst Gabriel steht vor ihr, mit der Rechten segnet er sie, mit der Linken hält er einen Speer.“ Bezüglich der Aufgabe der Malerei notiert Leon Battista Alberti (1404-1471): „Sunt namque motus alii animorum, quos docti affectiones nuncupant, ut ira, dolor, gaudium, timor, desiderium et eiusmodi. Sunt et alii corporum, nam dicuntur moveri corpora plerisque modis, siquidem cum crescunt aut minuuntur, cumque valentes in aegritudinem cadunt, cumque a morbo in valetudinem surgunt, cumque locum mutant et huiusmodi causis corpora moveri dicuntur. Nos autem pictores, qui motibus membrorum volumus animos affectos exprimere, caeteris disputationibus omissis, de eo tantum motu referamus, quem tum factum dicunt, cum locus mutatus sit.“ Auch im Falle der Verkündigung besteht die Aufgabe der Maler darin, die Gefühlsregungen Marias zu beschreiben beziehungsweise den genauen Zeitpunkt ihres Auftretens zu bestimmen und Marias jeweiligen Gefühlszustand (conturbatio, cogitatio, interrogatio, humiliatio und meritatio) allgemein verständlich zu visualisieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verkündigung an die Maria von Piero della Francesca

2.1. Angaben zu Werk und Künstler

2.2. Ikonografie

3. Schriftliche Quellen der Darstellung

3.1. Bibel: Neues Testament LK 1,26–38

3.2. Apokryphen: Protoevangelium des Jakobus

3.3. Dante, Divinia Commedia, Purgatorio Canto X

4. Zur Entwicklung der Verkündigungsdarstellung bis ins 15. Jahrhundert

5. Marias Gesten: conturbatio, cogitatio, interrogatio, humiliatio, meritatio

6. Signa-Listen als Quelle für die Gestik in der Malerei

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Ikonografie und insbesondere die künstlerische Darstellung der Gestik Marias in der Verkündigungsszene. Das primäre Ziel ist es, die Quellen für die Handstellungen der Jungfrau Maria zu identifizieren und aufzuzeigen, wie Künstler des 15. Jahrhunderts komplexe Gefühlszustände durch ein etabliertes Zeichensystem visualisierten.

  • Analyse des Verkündigungsfreskos von Piero della Francesca.
  • Untersuchung biblischer und apokrypher Textquellen zur Verkündigung.
  • Entwicklungsgeschichte der Verkündigungsdarstellungen bis zum Quattrocento.
  • Bedeutung der cluniazensischen Signa-Listen für die kunsthistorische Gestik.
  • Psychologische Wirkung der Gestik und deren Andachtsfunktion.

Auszug aus dem Buch

Marias Gesten: conturbatio, cogitatio, interrogatio, humiliatio, meritatio

In den frühen Darstellungen sitzt oder steht Maria ruhig da; diese Haltung ist nicht etwa der Ausdruck eines Glücksgefühls, sondern ein Zeichen ihrer Würde als Gottesmutter. Ab dem 5. Jahrhundert sagen die Haltung und Gestik Marias etwas über ihre Reaktion auf die Botschaft des Engels aus. So zeigt die vor die Brust erhobene Hand ihre erschrockene Abwehr in der Sorge um ihre Jungfräulichkeit oder das Staunen der demütigen jungen Frau über die zugewiesene Ehre, je nach dem, ob sie die Handfläche nach aussen kehrt oder sie diese an die Brust legt. Aus Sorge um Ihre Keuschheit greift sie sich ab dem 11. Jahrhundert an den Schleier oder zieht sich den Mantelumhang enger. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts versuchen die Künstler in zunehmendem Masse das ganze Geschehen bis zur Einwilligung Maris zu erfassen. Maria ist dann in ruhiger, dem Engel zugewandter Haltung dargestellt, sie hat eine Hand in Ehrfurcht erhoben oder beteuernd auf die Brust gelegt. Schliesslich ist ab dem 14. Jahrhundert das Bestreben der Künstler erkennbar, die Handlung von Maria in einer beobachtbaren und nachfühlbaren Geste auszudrücken.

Es wird nicht mehr das ganze Geschehen umfassend dargestellt, sondern eine einzige Station der Handlung, in der bestimmte Merkmale der Handlung und Eigenschaften Marias besonders deutlich werden. Ausgehend vom Evangelium des Lukas wollen die Künstler das sich verändernde Empfinden Marias im Verlauf des Gespräches mit dem Engel Gabriel umsetzen. Fra Roberto Caracciolo (1425-1495), ein italienischer Franziskanermönch, interpretierte das Gespräch mit dem Engel Gabriel und der Maria ausführlich. Im Rahmen seiner Ausführungen arbeitete er die folgenden fünf lobenswerten Konditionen der Jungfrau Maria heraus.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die kunsthistorische Problematik der Darstellung von Gefühlen und definiert das Ziel, die Gestik Marias anhand verschiedener Quellen zu untersuchen.

2. Verkündigung an die Maria von Piero della Francesca: In diesem Kapitel wird das spezifische Fresko in Arezzo sowie der historische Kontext und das Leben des Künstlers Piero della Francesca beleuchtet.

3. Schriftliche Quellen der Darstellung: Dieses Kapitel arbeitet die zentralen textlichen Grundlagen auf, darunter das Lukasevangelium, das Protoevangelium des Jakobus und Dantes Göttliche Komödie.

4. Zur Entwicklung der Verkündigungsdarstellung bis ins 15. Jahrhundert: Hier wird der historische Wandel des Bildtypus von den Anfängen in den Katakomben bis hin zur zunehmenden Komplexität im 14. und 15. Jahrhundert nachgezeichnet.

5. Marias Gesten: conturbatio, cogitatio, interrogatio, humiliatio, meritatio: Das Kapitel erläutert die fünf spezifischen emotionalen Stadien der Maria und wie diese durch künstlerische Gestik visualisiert werden.

6. Signa-Listen als Quelle für die Gestik in der Malerei: Es wird die Verbindung zwischen der Gebärdensprache der Mönche (Signa-Listen) und der Darstellung von Gesten in der Kunst hergestellt.

7. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Künstler ein ausgeklügeltes System nutzten, um durch Gestik die Gläubigen nicht nur zu unterrichten, sondern auch psychologisch zur Andacht zu bewegen.

Schlüsselwörter

Verkündigung an Maria, Piero della Francesca, Ikonografie, Gestik, Signa-Listen, Marienbild, Kunstgeschichte, Mittelalter, Quattrocento, religiöse Symbolik, Handhaltung, Andacht, Gebärdensprache, Evangelium, Fra Roberto Caracciolo.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht die Ikonografie und symbolische Bedeutung der Gestik Marias in der Verkündigungsdarstellung in der italienischen Kunst.

Welches ist das zentrale Thema?

Der Fokus liegt auf der Frage, wie Künstler Gefühlszustände Marias durch Handgesten ausdrückten und welche historischen Quellen diese Gestensprache beeinflussten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Herkunft der Handstellungen Marias in der Kunst zu klären und deren Funktion für die Betrachter zu erschließen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine bildwissenschaftliche sowie ikonografische Analyse in Verbindung mit der Auswertung von Primär- und Sekundärquellen zur Kunstgeschichte angewandt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit den biblischen und apokryphen Quellen, der Ikonografie des Freskos von Piero della Francesca, der allgemeinen Gestikentwicklung sowie der Bedeutung der klösterlichen Signa-Listen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Wesentliche Begriffe sind Verkündigung, Piero della Francesca, Ikonografie, Gestik der Maria, Gebärdensprache und Andachtsbild.

Welche Rolle spielt Piero della Francesca in dieser Arbeit?

Er dient als prominentes Fallbeispiel, anhand dessen die komplexe Umsetzung der Gestik des 15. Jahrhunderts detailliert analysiert wird.

Was sind cluniazensische Signa-Listen?

Dies sind Kataloge mit Anweisungen für eine Zeichensprache, die ursprünglich von Mönchen mit Schweigegelübde verwendet wurde und die als Vorbild für die artistische Gestik diente.

Inwiefern hat sich die Darstellung von Maria historisch verändert?

Die Darstellung wandelte sich von einer ruhig-würdevollen Haltung hin zu einer hochgradig differenzierten, psychologisch nachvollziehbaren Gestik, die einzelne Gefühlsstationen widerspiegelt.

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Details

Title
Verkündigung an die Maria. Piero della Francesca (1420-1492)
Subtitle
Christliche Ikonographie
College
University of Bern  (Institut für Kunstgeschichte)
Course
Seminar: Christliche und profane Ikonografie
Grade
6 (Schweiz - sehr gut)
Author
Markus Stricker (Author)
Publication Year
2017
Pages
18
Catalog Number
V1582490
ISBN (eBook)
9783389125588
ISBN (Book)
9783389125595
Language
German
Tags
Verkündigung Verkündigung an die Maria Mutter Gottes Piero della Francesca Marias Gesten conturbio cogitatio interrogatio humilitatio meritatio Lk 1, 26-38
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Markus Stricker (Author), 2017, Verkündigung an die Maria. Piero della Francesca (1420-1492), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1582490
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