Das Unwort des Jahres 2009 - eine prozessuale Untersuchung aus publizistikwissenschaftlicher Sicht

betriebsratsverseucht - contaminé par le comité d'entreprise - works-council-infested


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

102 Seiten, Note: 1,3 (sehr gut)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

1 Hypothesen
1.1 Wortevolutionshypothese
1.2 Footprint-Hypothese und Revitalisierungshypothese
1.3 Determinationshypothese
1.4 Nachrichtenwert-Hypothese
1.5 Ein Wort der Nicht-Offentlichkeit
1.6 Prinzipientreue - die Selbstverpflichtung der Aktion

2 Methode
2.1 Untersuchungsgegenstand undAnsatz
2.2 Anforderungen und Zielsetzung dersprachkritischen Aktion
2.2.1 Was macht ein Wort zum Unwort?
2.2.2 Felderaufdenen deutsche Unworter entstehen
2.3 Festlegung der beobachteten Worter
2.4 Eingereichte Worter

3 Analyse des Unwort-Prozesses
3.1 Beteiligte und Einfluss
3.2 Aufrufzum Mitmachen, Favoritenbekanntgaben, Vorberichte
3.3 ,,And the Unwort goes to...": Wahl und Bekanntgabe
3.4 Das Unwort als Nachricht
3.5 Kommentare zu Wahl
3.6 Wirkungen und Folgen der Wahl des Unwort 2009

4 Storungen, Fehler, Auffalligkeiten
4.1 Storungen im Prozess
4.2 Die kritisierten Kritiker: Kritik an der Jury und an Schlosser
4.3 Vergleich ausgewahlter Worter der Unwort-Diskussion

Schlusswort

Literaturverzeichnis

ANHANG.

EINLEITUNG

,,Am 'Unwort des Jahres' scheiden sich die Geister.

Seit 15 Jahren lost die Wahl dergrob verharmlosenden oder sogar die Menschenwurde verletzenden Begriffe Diskussionen aus.[1]

„Einst nannte man das Spracharbeit, spater Sprachreinigung; heute heiRt es Sprachpflege[2] meint Uwe-Bernd Herchen zum Unwort des Jahres.[3] Sprache lebt. Sie ist trotz Duden einem standigen Wandel unterworfen. Und sie unterliegt - das befinden zumindest viele angesehene Sprachforscher - einem uberhohten Globalisierungsdruck und oftmals reichlich unreflektierten Moden. Nicht selten bringen deshalb gesellschaftliche Groftereignisse und Umwalzungen eigene, mehr oder minder kurzlebige Wortschopfungen hervor.[4] Angesichts der Vielfaltigkeit der deutschen Sprache „konnen schon einmal im Verlauf eines Jahres Neologismen [...] entstehen, die eben an jener Stelle, wo sie vorgetragen wurden, grob unangemessen waren.[5] Und genau diesem Umstand widmet sich das Unwort des Jahres seit nunmehr 19 Jahren. Mit einer Untersuchung der Wahl des Unwortes 2009 soll sich die folgende Arbeit beschaftigen.

Die Idee zu dieser Arbeit entstand im Rahmen des Seminars „ZurEntwicklung der politischen Sprache seit 1945“ im Wintersemester2009/2010 bei Herrn Dr. Falko Schmieder. Dass das jahrlich gewahlte Unwort des Jahres unzweifelhaft als Bestandteil der politischen Sprache gilt und dadurch, dass es immer wieder zum ,,Politikum“wird - nicht nur in der offentlichen, sondern auch in der politischen Kommunikation - zeugt davon, dass dieser Form der Sprachpflege eine besondereAufmerksamkeitgeschenktwerden sollte, zumal es immerwieder Politiker sind, aus deren Mund die Unworte zu vernehmen waren. Es handelt sich bei diesen Unworten um Begriffe mit„politischen Markierungen“, also immerwieder irgendwie diskussionswurdige oderstreitbare Wendungen, weil sie die eine Gruppe ein- und die andere ausschlieften. Und die Offentlichkeit hat eine genaue Meinung davon, was ,,pc“, also political correct ist und was nicht.

Einen offiziellen Charakter bekommt, was nicht ,,pc“ ist aber erst dadurch, dass es zum Unwort des Jahres gewahlt wird. Weil die Adressaten der Kritik an diesem Unwort - welche die Jury ubt - nur uber die Medien erreicht werden konnen, scheint es zudem sinnvoll, eine solche Untersuchung nicht bei Linguisten anzusiedeln, sondern einen wissenschaftlichen Fokus setzen, der das Ganze aus publizistikwissenschaftlicher[6] Sicht beleuchtet. Dadurch kann es vielleicht gelingen, nicht nur inhaltliche Merkmale des Unworts aufzuzeigen, sondern auch eine prozessuale Darstellung der Geschehnisse zu versuchen, bei welcher neben einer reinen Chronologie auch der Einfluss gesellschaftlicher Gruppen auf die Unwort-Wahl deutlich gemacht werden kann. Zu diesem Prozess gehort auch die Bedeutungsgeschichte derWorter, die letztendlich Unworterwerden und naturlich eine Erklarung, was das jahrlich gewahlte Unwort leisten will, sowie dasAufzeigen der Grenzen dessen, was es leisten kann.

Es sollen daruber hinaus auch ein wenig die aktuelle Diskussion um Worte und Wortbedeutungen im zeitlichen Umfeld um die Unwort-Bekanntgabe herum strukturiert und Meinungen und Ansichten „konserviert" werden, weil solche Diskussionen in Vergessenheit geraten.[7] Denn alle Jahre wieder gerat die Unwortwahl nicht nur in die Diskussion, sondern auch in Vergessenheit. Im Mittelpunkt der Studie sollte allerdings die Analyse des Unwort-Prozesses stehen. Damit ist besonders die offentlich-mediale Entstehung, die mediale Verarbeitung und die Wiederaufnahme durch die Medien nach der Bekanntgabe gemeint. Hierbei soll die Bedeutung des gewahlten Wortes nicht nur in Zahlen und anderen Kenngroften dokumentiert, sondern auch durch qualitative Groften (wie Meinungen) erganzt werden. Ein moglicher Einwand gegen die gewahlte Vorgehensweise konnte darin bestehen, dass die Untersuchung der Unwort-Wahl nur einen einzigen Jahres nicht generalisiert werden kann. Dies wird allerdings auch nicht versucht.

Die Texte, die dieser Arbeit zugrunde liegen wurden ausgewahlt, weil sie entweder zu den wenigen Texten gehoren, die sich wissenschaftlich mit der Unwort-Wahl auseinandersetzen oderweil sie vom Jury-Vorsitzenden Horst Dieter Schlosser stammen, damit als „Messlatte“[8] herangezogen werden konnen und zudem bereits im Rahmen des Seminars „ZurEntwicklung derpolitischen Sprache seit 1945" diskutiert wurden. Aufterdem wurde weitere im Seminar zum Einsatz gekommene Literatur dann erganzend herangezogen, wenn diese der Arbeit dienlich erschien, weil sie sich ebenfalls mit Sprachpflege und Sprachkritik beschaftigte. Da es sich beim Untersuchungsgegenstand um eine augenblickliche Debatte handelt musste zudem auf aktuelles Material zugegriffen werden, welches uberwiegend aus Zeitungsartikeln stammt. Auf Grundlage der Lekture dieserTexte entstanden die nun vorgestellten, grundlegenden Hypothesen, welchen diese Untersuchung folgt.

1 Hypothesen

1.1 Wortevolutionshypothese

Die erste Hypothese beschaftigt sich mit dem Vorkommen ausgewahlter Worter im zeitlichen Verlauf, die als Unwort-Kandidaten angesehen werden konnen. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Tatsache, dass solche Worter im Rahmen der Unwort-Suche diskutiert werden, eine erhohte Aufmerksamkeit seitens der Medien erfahren - und dies nicht erst zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des (letztendlich) gewahlten Unworts. Das Unwort des Jahres wird im Vorfeld der Wahl bereits von den Medien „pradestiniert“. Das Unwort des Jahres wird daruber hinaus von den Medien mittlerweile nach der Bekanntgabe genauso obligatorisch aufgegriffen, wie der ,,Vogel des Jahres" oder die „Nobelpreistrager“.

Auf Grundlage der Beobachtung, die am Tag nach der Bekanntgabe des letzten „Unwort des Jahres" (notleidende Banken) gemacht werden konnten, lassen sich drei Hypothesen formulieren:

A. ) Worter, die von der Jury als „heifte Kandidaten‘[9] bekannt gegeben werden, werden in ihrer quantitativen Verwendung bereits im Vorfeld der Wahl einen Zuwachs erfahren - nicht nur im Rahmen der Berichterstattung uberdie anstehende Unwort-Wahl, sondern auch daruber hinaus, also in ihrer allgemeinen medialen Verwendung. Als „heifte Kandidaten“gelten in diesem Zusammenhang solche Worter, die in Pressemitteilungen der Unwort-Aktion oder Interviews mit Jury-Mitgliedern verlautbart wurden.

B. ) Die Jury hat allerdings kein Exklusiv-Recht an der Debatte. Auch die Medien werden versuchen, nach eigenem Gusto einzelnen Worter Vorschub zu leisten oder diese zu verharmlosen -je nach politischer Linie des Mediums. Journalisten bringen Vorschlage in die Diskussion ein, und Worter, die von diesen in der medialen Offentlichkeit als Unwort tituliert werden, werden ebenfalls einen Zuwachs an Verwendung und hierdurch Aufmerksamkeit erfahren.

C. ) Das Wort, welches als Unwort des Jahres vorgestellt wird, wird einen extremeren Aufmerksamkeitszuwachs erfahren, weil dessen Bekanntgabe als Nachricht in den Medien mittlerweile als obligatorisch angesehen werden kann, aber auch uber die Berichterstattung hinaus von anderen Gruppen aufgegriffen wird, die sich mit diesem Unwort identifizieren konnen.

Die Differenz zwischen der Haufigkeit, mit welcher Worter vor ihrer „Kandidatur“, „Nominierung“ oder„Bekanntgabe“ als Unwort in den Medien vorkommen und ihrem Auftauchen danach, kann interpretiertwerden und lasstsich als Unwort-Effekt beschreiben.

Mit diesen Hypothesen kann zudem gezeigtwerden, ob Empfindlichkeiten storende Worter durch die Diskussion uberhaupt erst Einzug in den - wenn auch in erster Linie nur medialen - Sprachgebrauch gefunden haben, erst „hoffahig[10] wurden und hierdurch unausloschlich geworden sind und damit das eigentliche Ziel der Unwort-Wahl, die Verwendung solcher Worter zu verhindern, verfehlt wurde (s. „Was macht ein Wort zum Unwort?“). Ob solche Worter im allgemeinen Sprachgebrauch Verwendung finden, kann und soll im Rahmen dieser Arbeit nicht untersucht werden. Zudem kann es sich bei der Berichterstattung uber das Unwort in den Nachrichten auch um eine mediale „£/'ntagsfl/'ege“ handeln[11] was uns zu einerweiteren Hypothese bringt.

Auch wenn die Aufmerksamkeit, die manchen Wortern entgegengebracht wurde, die in die Unwort- Diskussion Einzug fanden, einen Zuwachs erfahren, wird diese Berucksichtigung wohl eher punktuell sein und keine permanente Berichterstattung bewirken. Zu diesen Punkten zahlen insbesondere die „Nominierungen“ aus den Pressemitteilungen und die eigentliche Bekanntgabe (s. auch„Nachrichtenwerthypothese“). Ob auch die Wahl und die Bekanntgabe des letztendlichen Unworts keine (nachhaltigen) Spuren in derSprache hinterlassen, soll in derfolgenden Hypothese geklart werden.

1.2 Footprint-Hypothese undRevitalisierungshypothese

Auch wenn die Berichterstattung uber die Wahl und die Bekanntgabe des Unworts (als mediates Ereignis) nur eine Eintagsfliege - also von punktueller Natur- bleiben sollte, ist davon auszugehen, dass die Diskussion im Vorfeld und die Kritik an der Abscheulichkeit des Unworts Spuren in der Sprache und im kollektiven Gedachtnis der Sprachkritiker hinterlassen wird. Und nicht nurdas: Das Unwortwird auch Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch -vollig losgelost vom Status als gewahltes Unwort - finden, wie es auch schon zuvor bei den Peanuts der Fall war, welche heute noch als geflugeltes Wort Verwendung finden, ohne dass jedes Mal dessen Eigenschaft als gewahltes Unwort betont wird. Eine solche etablierte Verwendung des Unworts in der Kommunikation und dessen Einzug in den Sprachalltag abseits von der Unwort-Diskussion wird auch im Falle des Unworts des Jahres 2009 vermutet und soll im Rahmen dieser Arbeit untersucht werden. Aber selbst wenn der Footprint (also FuRabdruck), den das Unwort hinterlassen hat, sich bei dieser Analyse als nachhaltig herausstellen sollte, kann nicht untersucht werden, ob das Unwort auch im Privatbereich - also der privaten Kommunikation - Verwendung findet, da im Rahmen dieser Arbeit lediglich mediale Offentlichkeitsspharen untersuchtwerden.

Neben einersolchen Verwendung im allgemeinen Sprachgebrauch und einerVerwendung im Rahmen der Diskussion um das Unwort muss eine Verwendung unterschieden werden, die rein derTatsache geschuldet ist, dass das Unwort nunmehrTeil einer Liste von gewahlten Unworter wurde und damit ein Teil der Kultur- und Sprachgeschichte. Beim Betrachten der Berichterstattung uber die Unwort-Wahl der vergangenen Jahre ist aufgefallen, dass immer wieder die Vorganger- Unworter aufgelistet wurden - wohl um diese wieder ins Gedachtnis der Menschen zu rufen. Dass dem auch bei der Wahl 2009 so war, wird vermutet und soll ebenfalls untersucht werden fs. „Berichterstattung uberWahl" im Anhang/„Revitalisierung“).

1.3 Determinationshypothese

In der deutschen Presselandschaft wird ein Groftteil der Pressemitteilungen vom Mediensystem ubernommen.[13] Weil es sich bei der Unwort-Wahl um zum einen um ein ritualisiertes und inszeniertesjahrliches Medienereignis handelt, welches sicher in allen Redaktionskalendern vorgemerkt ist, und zum anderen bei der Informationsbeschaffung eine Abhangigkeit der Medien von der Unwort-Jury besteht, weil diese faktisch die einzige Quelle diesbezuglicher Informationen ist, kann davon ausgegangen werden, dass die sprachkritische Aktion in Bezug aufdieses Medienereignis das Mediensystem determiniert. Diese Hypothese soll im weiteren Verlauf dieser Arbeit als Determinationshypothese bezeichnet werden.[13] Diese „absolute Kontrolle“ von der Unwort-Jury wird nicht nur in Bezug aufdie Inhalte der Pressemitteilungen im Rahmen der Unwort- Wahl 2009 vermutet, sondern auch aufden Zeitpunkt dieses PR-Instruments. Hierbei soll naturlich nicht vergessen werden, dass umgekehrt auch eine Abhangigkeit derJury von den Medien besteht, denn die Unwort-Aktion vermerkt in ihrer Satzung fs. „Satzung derJury“im Anhang), dass sie das Unwortjedes Jahr uber die Medien bekannt gibt.[14] Damit dieses Ziel der Unwort-Aktion erreicht werden kann, ist die Jury auf die Hilfe der Medien angewiesen fs. „Vorankundigung der Bekanntgabe in den Medien" + „Berichterstattung uberWahl"im Anhang"). Die Offentlichkeitsarbeit der Jury muss sich daher an den journalistischen Nachrichtenfaktoren orientieren, um erfolgreich sein zu konnen[15] - Faktoren, die nicht unbedingt gesteuertwerden konnen, aber aufjeden Fall uber den Wert der Unwort-Wahl als Nachricht entscheiden, und zu diesen Faktoren kommen wir nun.

1.4 Nachrichtenwert-Hypothese

„Vielen Medien - alien voran die offentlich-rechtlichen Sendeanstalten - sind Schlossers Verdikte eine Meldung wert.“[16] Eine Tatsache die Wolfgang Rohl ein wenig verwundert: „Was bestimmte Medien dazu treibt, die Erbsenzahlerei eines semantischen Kleingartenvereinsvorsitzenden langlich zu kommunizieren, ist nicht wirklich ersichtlich.“[17] Trotzdem scheint die Verkundung des Unwortes in allen Redaktionskalendern zu stehen[18] - ein Umstand, der wohl nicht nur der guten Arbeit einer Jury geschuldet sein kann, die sonst nicht sehr geubt im Umgang mit den Medien ist und auch uber keinen Stab an professionellen PR-Leuten verfugt. Vielleicht liegt dieses gesteigerte Interesse am Unwort selbst - an dessen Eignung zur Nachricht?

Gerade Journalisten mussen aus den Tausenden von taglichen Informationsangeboten diejenigen selektieren, welche sie publizieren wollen. Es existieren Selektionsschemata, bezuglich derer davon ausgegangen wird, dass sie fur nahezu alle Medien zutreffen. Sie werden als „Nachrichtenfaktoren“ bezeichnet. „Je mehrdieserNachrichtenfaktoren undje starkersie durch den Inhalt einerNachricht angesprochen werden, desto grower ist die Chance, dass diese Nachricht von Journalisten ausgewahlt wird und ferner, dass sie - denn auch die Rezeption der Leser folgt den gleichen wahrnehmungspsychologischen Prinzipien - von Menschen gelesen beziehungsweise gehort odergesehen wird'[19]

Der Autor dieser Arbeit geht davon aus, dass ein gewisser Zwang der Medien besteht, uber das Unwort zu berichten. Abgeleitet aus der Nachrichtenwerttheorie[20] wird die Hypothese aufgestellt, dass die Bekanntgabe des Unwortes als kurzlebiges, punktuell hervorstechendes Ereignis ein einfacher Sachverhalt ist, welcher durch starke Identifikationsmoglichkeiten des Publikums hohe Aufmerksamkeit und Interesse erzeugt, fur einen gewissen Sensationalismus sorgt und zudem eine Kontinuitat seines Auftretens uber die Jahre hinweg aufweist. Auch wenn die Unworte oft von Elite-Personen geauftertwurden, bietet die Nachricht allerdings kaum Personalisierungs- moglichkeiten, zumal die Bedeutsamkeit des Unwortes von ehergeringem Wert und auch wenig uberraschend ist. Zudem kann davon ausgegangen werden, dass das Unwort als Ereignis eine schlechte Visualisierbarkeit ermoglicht. All diese Nachrichtenfaktoren sollen beleuchtet werden.

1.5 Ein Wortder Nicht-Offentlichkeit

Eine weitere Hypothese beschaftigt sich weniger mit der medialen Resonanz der Unwort-PR, sondern vielmehr mit der Findung des selbigen. Wolfgang Rohl bemerkte im Vorfeld der Bekanntgabe: „Schlossers liebste Unworterhaben etwas gemeinsam: Sie befinden sich garnicht im offentlichen Umlauf. So gut wie keinerkennt sie, niemand benutzt sie, kein Schwein zitiert sie, auRerSchlosser selber[21] Wird 2009 wieder kein Wort der offentlichen Kommunikation zum Unwort des Jahres gekurt werden? Ein Umstand der uberpruft werden kann, wenn man die tatsachlich offentlich kritisierten Begriffe mit dem letztendlichen „Sieger“ vergleicht. In den letzten Jahren wurde dies immerwieder kritisiert, und dahergeht diese Untersuchung davon aus, dass dem auch diesmal so ist. Zumal Schlosser bereits im Herbst 2009 verlautbaren lieft, welches Wort Favorit sei. Da es sich hierbei um eine Wortschopfung handelte („betriebsratsverseuchte Mitarbeiter“), die keiner kannte (s. „Storungen im Prozess“), wird vermutet, dass dieses Begriffspaar Unwort des Jahres 2009 wird - und kein Wort aus der offentlichen Kommunikation.

Sicherwird Schlosser in Folge dessen auch personlich wiederstark kritisiertwerden, denn die Medien sind zwar einerseits irgendwie gezwungen, uber das Medienereignis „Unwort- Bekanntgabe“zu berichten, sind andererseits aber auch verpflichtet, das gewahlte Unwort und die dahinterstehende Jury nicht unkommentiert zu lassen, zumal Schlosser noch 1992 meinte „lch halte es furwichtig, dass die Sprachgemeinschaft auch in diesem Jahre aufdie ,Unworter' in der offentlichen Kommunikation achtet.[22]

1.6 Prinzipientreue - die Selbstverpflichtung der Aktion

Als letztes sollen alle Kriterien, die in den beiden im Rahmen des Seminars besprochenen Texten[23] zu finden waren, auf ihre Einhaltung untersucht werden. Wenn der Vorsitzende der Unwort-Jury mehrere Aufsatze zum Wesen des Unwortes, mit detaillierten Ein- und Ausschlusskriterien und zum Sinn der Aktion schreibt, dann sollten diese Aspekte doch auch irgendwie im Unwort 2009 zu finden sein.

2 Methode

2.1 Untersuchungsgegenstand und Ansatz

Da es sich bei dieser Arbeit um eine publizistikwissenschaftliche Untersuchung handelt, sollen zwei Spharen der Offentlichkeit untersuchtwerden. Zum einen die Internet-Offentlichkeit und zum zweiten die Medien-Offentlichkeit anhand ausgewahlter Printmedien. Zwar gibt es hier Uberschneidungsbereiche, die aber nicht von Schaden fur diese Untersuchung sein sollen. Es geht in erster Linie darum, solche Quellen zu untersuchen, die fur den politischen wie auch gesellschaftlichen Diskurs gleichermafcen in besondererWeise als reprasentativ gelten.

Im Mittelpunkt des Interesses stehen erstens das Unwort des Jahres 2009 und zweitens Unwort- Kandidaten dieses Jahres sowie Grunde, warum diese nicht das Rennen machten. Diese Worter sollen weniger semantisch oder linguistisch auseinandergenommen werden - das konnen andere besser-es soll vielmehr ein prozessualer Weg gegangen werden, der sich von Begriff entfernt und das Drumherum beleuchtet, also dieAutoritatderJury, die Beteiligung und Aufmerksamkeit in der Bevolkerung, das Auftauchen der Begriffe in den Medien, die Verarbeitung durch die Medien usw. Damit die Untersuchung keinen rein qualitativen Ansatz erfahrt, soll versucht werden, durch den Vergleich von Daten vor und nach festgelegten Zeitpunkten des Unwort-Prozesses auch moglichst quantitative Daten zu erhalten. Dieser Unwort-Prozess an welchem sich diese Untersuchung orientiert, beginnt bei der eigentlichen Unwortentstehung („derHerd des Obels“), geht uber die Unwortsuche und Unwortfindung („Beiteiligung derBevolkerung“usw.) zur Unwortverkundung („durch die Jury1) und schliefclich zur Unwortverarbeitung („durch Medien und andere“). Es sollen auch die Storungen und Missverstandnisse aufgezeigtwerden, die in diesem Prozesswahrend dereinzelnen Phasen auftreten. Die Untersuchung hangeltsich somit chronologisch an folgendem Prozess entlang:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zur Prufung der Wortevolutionshypothese, der Footprint-Hypothese und der Revitalisierungs- hypothese soil versucht werden, quantitative Daten zu erhalten. Hierbei soil aus forschungs- okonomischen Grunden in erster Linie aufdie Inhalte des Internets zugegriffen werden, weil diese Inhalte mit Hilfe von Suchmaschinen gut beobachtet werden konnen und zudem ein gewisser Bedarf an Konservierung solcher Spuren im Netz besteht, um Nachweise fur Folge- Untersuchungen zu erhalten.[24] Quantitative Daten sollen in Form von Haufigkeitszahlungen gewonnen (also dem Auffinden zuvor festgelegter Worter) und im zeitlichen Verlaufverglichen werden (s. „Festlegung derbeobachteten Worter"). Problem hierbei war, dass der Autor dieser Arbeit im Vorfeld nicht wirklich wissen, sondern nur aufgrund sich herauskristallisierender Kandidaten vermuten konnte, welche Worter in die engere Auswahl kommen konnten.

Die Determinationshypothese soll anhand einervergleichenden Inhaltsanalyse gepruftwerden, wobei die Inhalte der Pressemitteilungen der Unwort-Jury mit den Inhalten von Nachrichten uber den Stand der Unwort-Aktion verglichen werden sollen. Hierzu ist es notig, die Pressemitteilungen derJury aufdarin auftauchende markante Worter, Phrase und Formulierungen hin zu untersuchen und damit aufdie Suche nach Nachrichten zu gehen, welche diese enthalten und damit als PR- determiniert verdachtig erscheinen. Fur diese Suche sollen wieder Internet-Suchmaschinen genutzt werden.

Die Nachrichtenwert-Hypothese soll nach Bekanntgabe des letztendlichen Unwortes des Jahres unter Einbeziehung dergewonnen Erkenntnisse und dem Auftauchen der Unwort-Bekanntgabe als Nachricht bezuglich ihrer Haufigkeit, ihrer Platzierung und ihrer Dauer beurteilt werden und stellt somit einen mehrdimensionalen und aufterst interpretationsbedurftigen Ansatz dar.

Durch eine Sammlung von Statements ausgewahlter Experten der politischen Kommunikation, ob das Unwort des Jahres als wurdig erachtet wird, die offentliche Kommunikation gepragt zu haben, soll die Nicht-Offentlichkeitshypothese untersucht werden. Dies soll in Form einer bemuht umfassenden Sammlung von Meinungen geschehen. Bei der Analyse hatte der Leiterdieser Studie Unterstutzung von vielen Freiwilligen Mit-Kritikern - denn wer konnte eine Jury, die sich teilweise aus Journalisten zusammensetzt besser kritisieren als deren Kollegen, also andere Journalisten? Daher sollen viele Vertreter dieses Berufsstandes zu Wort kommen. Dieser qualitative Ansatzsoll durch Erkenntnisse deroben beschriebenen quantitativen Haufigkeits­zahlungen erganzt werden, um den Bekanntheitsgrad einzelner Worter zu bestimmten Zeitpunkten des Unwort-Prozesses aufzeigen zu konnen.

Die Prinzipientreue von Herrn Schlosser und der Jury soil schlieftlich anhand einer abschlieftenden Prufung auf Einhaltung derselbstauferlegten Kriterien (die in den Aufsatzen „Von 'auslanderfrei' bis 'Diatenanpassung'. FunfJahre Unwort-Suche" und ,,Die Unworterdes Jahres 1991" genannt sind) analysiert werden, wobei nicht nur die Ergebnisse zu den anderer oben genannten Hypothesen zugrundegelegtwerden sollen, sondern auch die Beurteilungen von Journalisten. Es findet also ein Vergleich des letztendlich gewahlten Unworts mit den Anforderungen, die Schlosser - in seinen Buchern, im Vorfeld uber die Homepage der Aktion und uber die Presse - verlautbaren lieft statt. An solchen Soll-lst-Abweichungen werden auch in anderen Bereichen die Verantwortlichen gemessen.

Bei der Suche nach Storungen und Missverstandnissen im Unwort-Prozess soll gepruft werden, ob die meisten und die wichtigsten Vertreter der Medien ein klares Bild vom Ablauf und Sinn der Unwort-Aktion haben und in welcher Weise sie die Unwort-Jury und deren Vorsitzenden kritisieren. Hierzu wird die Hypothese aufgestellt, dass das ,,Unwort des Jahres" nicht ganz so etabliert ist, wie sein Kollege „Wort des Jahres“, aber dennoch zu einer Instanz der Sprachkritik wurde. Aber nun soll ein Blick auf die Anforderungen gerichtet werden, die die Unwort-Jury an eingereichte Worter stellt.

2.2 Anforderungen undZielsetzung dersprachkritischen Aktion

2.2.1 Was macht ein Wort zum Unwort?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Pressefoto der Goethe-Universitat Frankfurt vom 24. Januar 2006

Um diese Frage zu klaren, soil im Folgenden einen Sammlung von Kriterien erfolgen, welche von der Unwort-Jury oder ihren Mitgliedern geauftert wurden. Die Anforderungen die Schlosser an das Unwort stellt, sind zwei etwas alteren Werken entnommen, in welchen er sich zum einen mit „Funf Jahren Unwort-Suche" (von 1991 bis 1995, also den ersten funfUnwortern) beschaftigt[25] und zum zweiten einem Aufsatz, welcher der Unwort-Suche des Jahres 1991 gewidmet ist[26]. Zudem wurden Aufterungen von Schlosser herangezogen, die aus aktuellen Interviews stammen. Desweiteren wurden die Statements der Unwort-Aktion (aufderHomepage der Unwort-Aktion) gesichtet, um darzustellen, welche Ziele die Aktion verfolgt und welche Anforderungen an ein Unwort gestellt werden.

Beim Lesen derTexte wird deutlich, dass ein Wort nicht gleich zum Unwort wird, wenn nur eines der nachstehenden Kriterien erfullt ist. Zuerst einmal derwichtigste Satz aus der Satzung der Unwort-Jury:

,,Bei der 1991 begrundeten und seither jahrlich stattfindenden Aktion ,Unwort des Jahres' sind alle Burgerinnen und Burger aufgefordert, sprachliche Missgriffe zu nennen, die im jeweiligen Jahr besonders negativ aufgefallen sind. Gesucht werden Worter und Formulierungen aus der offentlichen Sprache, die sachlich grob unangemessen sind und moglicherweise sogar die Menschenwurde verletzen."[27]

Der sprachliche Missgriff alleine reicht also nicht! Das Unwort muss aus der ,,offentlichen Kommunikation"[28] stammen und nicht aus der privaten. Schubert versteht die Jury so, dass mit ,,offentlicher Kommunikation" gemeint ist, „dass man nicht ein Wort, das irgendeiner an irgendeinem Tresen mal gemurmelt hat, gemeint ist, sondern ein Unwort, dass in die Offentlichkeit getragen wurde.[29] Was als „sachlich grob unangemessen[30] gilt konkretisiert Schlosser in einem Interview. Es muss demnach ,,im deutlichen Missverhaltnis zur beschriebenen Sache"[31] stehen, wie beispielsweise 2008 bei den notleidenden Banken, wo der Begriff das Verhaltnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise auf den Kopf stellte.[32] Es reicht auch nicht, wenn ,,grammatische Fehler oder phonetische Schludereien[33] (insbesondere von den Medien) gemacht Oder eine Jargonisierung verwendet wird.[34] Es muss sich schon um Jnhumane[35] Begriffe, also Verfehlungen im humanen Miteinander[36] handeln, die mehr als nur „mangelndes Sprachgefuhl[37] beweisen, oder solche, die „sogar die Menschenwurde verletzen[38] und damit um „ein Wort das es nicht geben sollte, weil es verletzend oderbeleidigend ist“.[39]

Es reicht somit nicht, wenn wenn die sprachliche Toleranzgrenze uberschritten wird[40], zumal es manchmal aufterst schwierig ist, zwischen ,,noch akzeptierbarer Ironie und nicht mehr tolerierbarem Zynismus[41] zu unterscheiden[42], wobei eine solche zynisch wirkende Ironisierung von Karsten Vilmar 1998 zur Wahl des „sozialvertraglichen Fruhablebens“ zum Unwort fuhrte. Es ist hierbei egal, ob die Kritik berechtigt ist oder nicht, sondern kommt auf Formulierung an. Solche Formulierungen konnen sich einer ,,Verschleierung“ bedienen, wenn beispielsweise „Laien mit Fachsprache getauscht werden“[43] wie beim ,,nuklearen Entsorgungspark" oder eine „Beschonigung“ genutzt wird (bspw. „negative Deckungsreserve“ fur Haushaltsloch oder der 1995 zum Unwort gewahlten Formulierung „Diatenanpassung“ fur eine Diatenerhohung im Bundestag). Zudem finden sich verdachtige Formulierungen in ,,Ubertreibungen“ und „Dramatisierungen“.[44] „Ausschlaggebend ist auch nicht unbedingt die Intention, sondern vielmehr die Wirkung des Wortes“[45] meint Jury-Mitglied Nina Janich.

Es muss sich zudem um „aktuelle‘[46] Begriffe handeln und nicht um kurzlebigen Eintagsfliegen[47] also um „Fehlgriffe die langfristige Fehleinstellungen belegen“[48]. Es darf allerdings nicht „langer in

Gebrauch"[49] sein, denn die Jury bezeichnet das „Unwort des Jahres" als ,,eine auf Aktualitat verpflichtete Aktion“[50] Aktualitat ist daher auch ein Kriterium bei der Vorsortierung durch die Jury[51], es muss allerdings mehr als nur aktuell sein, um Unwort-verdachtig zu werden.[52] Dass es sich bei dem Unwort aber keinesfalls um einen deutschen Missstand und nicht einmal um ein deutsches Wort handeln muss, zeigt der Blick in die Vergangenheit[53] und scheint fur die Jury auch kein Problem darzustellen.[54]

Deutsche Unworter mussen aber keineswegs deutsche Missstande anprangern[55], und interessant ist auch, dass die Unworter nicht einmal „deutsch“ sein mussen.[56] Zudem muss es sich nichteinmal richtige Worter handeln; die „national befreite Zone“ bestand 2000 aus drei Wortern. Zudem muss bezuglich der Einreichungen erwahnt werden: „nicht die Haufigkeit der Nennung ist entscheidend“.[57] Zusammengefasst stellen sich die Kriterien wie folgt dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine Liste der bisherigen Unworter und der Begrundungen hierzu, in welchen sich auch die hier beschrieben Kriterien zeigen, findet sich im Anhang. 19 Begriffe bei denen man sich fragt: Was will die Unwort-Aktion damit erreichen?

Hier hilft ein Blick in die Grundsatze der Aktion "Unwort des Jahres": "Die Aktion ,Unwort des Jahres'will furmehrsachliche Angemessenheit und Humanitat im offentlichen Sprachgebrauch werben[58] Die Aktion rugt hierzu jahrlich offentlich solche Worter oder Formulierungen „aus der aktuellen offentlichen Kommunikation, welche die Erfordernisse sachlicher Angemessenheit und humanen Miteinanders besonders deutlich verfehlen".[59] Es handelt sich dabei nicht nur um ein einziges Wort, denn im Rahmen der Bekanntgabe „wird derdeutlichste sprachliche Missgriffals ,Unwortdes Jahres'gekennzeichnet, aberauch weitere Worterund Formulierungen konnen als ,Unworter'gerugt werden.[60] Dass der Burger hier in zweifacher Hinsicht eingebunden werden soll - und zwar als Teilnehmer und als Rezipient der Aktion - zeigt sich in folgender Erganzung: „Die Rugen verstehen sich in ersterLinie als Anregung zu mehrsprachkritischerReflexion. [...] Furdie Aktion ist wesentlich, dass jeweils die ganze Sprachgemeinschaft aufgerufen wird, sich an der Unwort-Wahlzu beteiligen. JederBurgerund jede Burgerin kann Vorschlage machen.[61]

Aber geht es der Jury wirklich nur um die Anregung zu einer kontroversen Diskussion, oder soll vielleicht eine Sprachlenkung und gar Zensurstattfinden? Letztere ist kein erklartes Ziel der Aktion. Schlosser erklarte hierzu jungst: "Jeder Versuch eine Zensur auszuuben liegt uns fern"[62] Auch in seinem Sprachdienst-Artikel betont er: „Nachdenken, nichtZensuristunserZiel[63], und auch die Satzung der Aktion bekraftigt: „Eine Zensurabsichtliegtder Aktion fern.[64] „Wirhaben nichtdie Hoffnung oderden Anspruch, bestimmte Worter aus der Sprache zu tilgen", sagt Nina Janich. „Aber wir wollen die Menschen furderen Gebrauch sensibilisieren"[65] Ob dies auch von den Kritikern der Sprachkritiker so gesehen wird, soll im Verlauf dieser Arbeit gezeigt werden. Dass das offentliche Rugen eines Unwortes genau das Gegenteil von Zensur ist und die Aktion damit moglicherweise ihr Ziel ein wenig verfehlt ist nicht deren einzige Nach- und Nebenwirkung, wie spater gezeigt werden wird. Kann die jahrliche Kur des Unwortes des Jahres" als beabsichtigter Sprachwandel vonseiten der Sprachwissenschaft gesehen werden? Und fuhrt diese mit der anschlieftenden Verarbeitung durch die unsichtbare Handz[66] Bedeutungs- bzw.

Nutzungsveranderungen der Unworter? Die Erreichung der beschriebenen Ziele soil im Laufe dieser Arbeit gepruft werden (s. „Wirkungen und Folgen derWahl des Unwort 2009“).

Nachdem nun aufgezeigt wurde, was die Ziele der Unwort-Aktion und die Anforderungen an das Unwort sind, soil nun dargestellt werden, aufwelchen Feldern Unworter entstehen. Dies war notwendig, damit eine Festlegung derzu ,,beobachtenden gesellschaftlichen Bereiche" und damit entsprechende Medienangebote und geeignete Akteure und deren Aussagen erfolgen konnte.

2.2.2 Felder auf denen deutsche Unworter entstehen

Laut der Unwort-Aktion konnen generell Worter aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen eingereicht werden: „ln Betracht kommen alle Felder deroffentlichen Kommunikation (Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft...).[67] EineMedienmitteilung derAktion erganztdies um Kulturinstitutionen oder Medien und den Bereich Technik oder wenn das Wort in einem anderen Bereich offentlich verwendet wurde.[68] Schaut man sich die Unworte der vergangenen Jahre an, dann entdeckt man jedoch, aufwelchen Feldern diese offentliche Kommunikation einen besonders fruchtbaren Boden fur Unwort-Verdachtiges bietet. Schlosserversucht diese Bereiche ein wenig zu strukturieren und nennt in "Die Unworterdes Jahres 1991"[69] explizit:

- Deutsche Einheit (bspw. Wortpaar Ossi/Wessi, Ostbauch, Dunkeldeutschland)[70]
- Burokratie (bspw. Waldflieftgewasser, Drogenleichenfalle, Personalentsorgung)
- Krieg (bspw. ein Ziel bedienen, ethnische Sauberung, Kollateralschaden)

Zudem zeichnen sich in diesem Text und in „Von ,auslanderfrei' bis ,Diatenanpassung'. Funf Jahre Unwort-Suche“ ein paarweitere auffallige Bereiche ab:

- Rassismus[71]
- die Diskriminierung von Bevolkerungsgruppen bzw. der Generationenkonflikt[72]
- die Verschleierung durch Experten aus...
...Wirtschaft (Outsourcing, sozialvertragliches Fruhableben),
...Politik (Umbau des Sozialstaats) und ...Medizin (therapeutisches Klonen)

Warum sind es genau diese Bereiche in denen Sprachkritik notig wird? Das kann gut am Bereich der politischen Kommunikation verdeutlicht werden - und hier bekommt Schlosser Unterstutzung von allen Seiten. Die Sprache sei dem Menschen gegeben, um seine Gedanken zu verbergen, sagte einst der Franzose Talleyrand. Als Staatsmann wusste er wohl, wovon er sprach. Sprache kann beschonigen und verschleiern. Mit ihr lasst sich Unangenehmes mit angenehmen Worten sagen. Der Erfolg in der Politik wird nunmal von strategischen Begriffswahlen bestimmt. Knobloch nennt es den „appeal“ derTerminologie.[73] Kein Wunder, dass euphemistische Wortschopfungen bei Politikern beliebtsind, wie uberhaupt bei Machthabernjeder Art. Und das geben unserer Vertreter auch ganz offen zu: „Ein pragnantes Wort fureine politische Idee zu finden, einen positiven Begriffmiteiner bestimmten Person zu verbinden oderProbleme -je nach Belieben - sprachlich zu ubersteigern oder verschwinden zu lassen, an diesem ,wording'basteln die Spin-Doktoren derPolitik."[74] Der Politikwissenschaftler Herfried Munkler ist der Ansicht, dass man anhand der politischen Sprache auch einiges uber die Sprecher erfahrt: „Weretwas uber das Selbstverstandnis von Politikern erfahren will, sollte deren Sprache betrachten. Dabei kommt es nicht aufdie Inhalte, sondern aufdie Formulierungen und Formeln an, in denen die Inhalte unter die Leute gebracht werden.“[75] Wolfgang Lieb wirft den Regierenden vor, sie benutzten „die immer gleichen Tarnworte, wie etwa das Unwort vom ,Wachstumsbeschleunigungsgesetz', mitdenen in geradezu zynischer Weise die Bedienung von Klientelinteressen als Sachpolitik im Interesse der Allgemeinheit verpackt wird.[76]

Auch der Krieg ist ein Kommunikationsfeld, welches immerwieder unschone Worter hervorbringt. Schlosser uberschreibt eines seiner Kapitel mit ,,Der Krieg - die MuttervielerLugen"[77] und bringt es damit aufden Punkt. Schlossersieht insbesondere den Umstand, dass eine Abhangigkeit der Kriegsberichterstatter von militarischen PR-Organen besteht, als Grund dafur, dass auf diesem Feld so viele Unworter entstehen, uber die er sich immer wieder aufregt, weil hier gnadenlos verschleiert, beschonigt und dadurch pervertiertwird.[78] So nuchtern wie Clausewitz, dass der Krieg eben einfach die Fortsetzung der Politik sei, sehen es die Deutschen nicht: ,,Kein Land qualt sich mit deroder auch ereifert sich uberdie Definition dessen, was ihre Armee im Einsatz tut und bezwecktso, wie wirDeutschen."[79] Mancheiner sieht Deutschland im Ganzen sogarals Friedensbewegung[80], und der Grund hierfur ist in der deutschen Geschichte zu finden.

Viele Unworterwurden auch von den Machtigen aus der Okonomie geauftert: „Wortschopfungen aus derWirtschaft wurden bereits mehrfach als Unwort gerugt.[81] Man denke nur an das sicher bekannteste Unwort „Peanuts“ oder den „WohlstandsmuN“, als Umschreibung arbeitsunwilligerwie arbeitsunfahiger Menschen von Nestle-Generaldirektor Helmut Maucher.

Politische Kommunikation, Kriegsvokabular und Phrasen aus der Wirtschaft gehoren auch in anderen Landern zum sprachlichen Alltag, doch ein deutscher Spezialfall findet sich in unserer weltberuhmten deutschen „Burokratie“. Schlossersieht darin eine,,burokratiesprachliche Reduzierung des Lebendigen[82] (also wenn Menschen und Sachen verwechselt werden), und weiler „diese Ebene des Sprachgebrauchs geradezu fureine Brutstatte sprachlicherlnhumanitaten'*[83] halt, fordert er hier erhohte Aufmerksamkeit. Das Beamtendeutsch ist aber nicht nur inhuman, sondern verkompliziert auch einfache Sachverhalte, klingt auch immer irgendwie gestelzt und besteht aus aufgeblahten Fachbegriffen und Schachtelsatzen.[84] Anja Hubnerweist hierzu aufeine Studie im Auftrag der Gesellschaft fur deutsche Sprache (GfdS) hin: „Die Wortungetume und Bandwurmsatze in Behordenbriefen geben vielen Deutschen ein Ratsel auf.[...] Viele verstehen die Blahsprache deroffiziellen Mitteilungen schlicht nicht [...] 86 Prozent der Deutschen gaben [...] an, Probleme mit dem Beamtendeutsch in den Briefen von Amtern, Gerichten und Anwaltskanzleien zu haben.[85] Diese Kommunikationsprobleme zwischen Behorden und Burgern sind sicher eine Erklarung dafur, warum hier Sprachkritik zum Einsatz kommt. Der Journalist Mark Hubner Weinhold stellt im Zusammenhang mit dem ,,kryptischen Beamtendeutsch"fest: „Die meisten Burgerakzeptieren daher stillschweigend, was von Amtswegen festgesetzt wird.‘[86] Die Unwort-Aktion tut das hingegen nicht.

Zusammenfassend lasst sich sagen, dass Unwort-verdachtige Begriffe haufig in Themenfeldern zu finden sind, die zwei Fronten haben (also dichotom sind), moralisch-belastete Bereiche darstellen und hierdurch starke Emotionen hervorrufen.[87] Nachdem wir nun wissen, wo Unworterzu finden sind, konnen wir sie auch beobachten.

2.3 Festlegung der beobachteten Worter

Zur Beobachtung des Vorkommens der Worter, die als Unwort-Kandidaten angesehen werden konnen, um eine darauf basierende Haufigkeitsauszahlung im zeitlichen Verlaufdurchzufuhren, musste im Vorfeld eine Auswahl an geeigneten Wortern getroffen werden, welche sich als vielversprechend darstellt. Als besonders geeignet wurden folgende Quellen erachtet:

1. Worter die von Journalisten in ihren Artikel ganz konkret als Unworter vorgeschlagen wurden[88]

2. Worter die von Journalisten mit distanzierenden Anfuhrungszeichen markiert/versehen wurden[89]

3. Worter die in den Nachrichten oder in Blogs diskutiert wurden und bei denen der Streit um das Wort an sich im Vordergrund dieser Diskussion stand[90]

4. Worter denen im Rahmen von Umfragen (zum Unwort) in Online-Medien oder Blogs die besten Chancen eingeraumt wurden

5. Worter die von der Jury (uberihre Website oderihre Pressemitteilungen) oder ihren Mitgliedern (in Interviews[91] ) im Vorfeld der Bekanntgabe als „eingegangene Vorschlage“ tituliert oder als „Favoriten“ oder „heiBe Kandidaten“ bezeichnet wurden und

6. Worter die im Rahmen des Seminars ,,Zur Entwicklung derpolitischen Sprache seit 1945“als wurdige Unwort-Kandidaten 2009 erachtet wurden[92].

Durch diesen methodologischen Zugriffwird versucht, aussichtsreiche Worter und damit den ganzen Entwicklungsprozess fruhstmoglich unter Beobachtung zu stellen und den Verlauf ihrer Prasenz anhand der Haufigkeit (also dem Vorkommen dieserfestgelegten Worter) aufzeichnen zu konnen (s. „Vergleich ausgewahlterWorterderUnwort-Diskussion"). Im Anhang findet sich die vollstandige Liste von Wortern, die auf diesem Wege unter Beobachtung gestellt wurden.[93]

Die Beobachtung fand in der Form statt, dass im Zeitraum einen Monat vor der Bekanntgabe des ,,Unworts 2009“ (18. bzw. 20. Dezember 2009 bis 20. Januar2010) und im Zeitraums einen Monat nach der Bekanntgabe des ,,Unworts 2009“ ( 20. Januar2010 bis 20. Februar 2010) in:

- einer Auswahl an regionalen und uberregionalen tagesaktuellen Printmedien (20)[94]
- in Suchmaschinen des Internets
- in Online-Medien

eben diese Worter auf einer Stichwortliste codiert und ausgezahlt wurden.

Presseerzeugnisse wurden insbesondere gewahlt, weil von diesen mitunter starkere Thematisierungseffekte ausgehen, als vom ereignisorientierten „Scheinwerfereffekt“ derTV- Berichterstattung[95]. Um im Printbereich ein moglichst breites politisches und gesellschaftliches Spektrum abzudecken, wurde mit Hilfe von niiu[96] die Titelseiten und der politische Teil von drei regionalen und drei uberregionalen Tages- und Wochenzeitungen und von zwei Boulevard- Zeitungen beobachtet. Aus diesen Zeitungen wurden folgende Ressorts gewahlt:

Titelseite der BILD

Titelseite von "die tageszeitung" (taz)

Titelseite der Frankfurter Rundschau Titelseite der Berliner Morgenpost Titelseite der B.Z.

Titelseite von "Neues Deutschland"

Titelseite "Handelsblatt"

Titelseite "Der Tagesspiegel"

Seite 2 &3 der BILD

Seite 2 &3 von "die tageszeitung" (taz)

Seite 2 &3 der Frankfurter Rundschau Seite 2 &3 der Berliner Morgenpost Seite 2 &3 der B.Z.

Seite 2 &3 von "Neues Deutschland"

Seite 2 &3 "Handelsblatt"

Seite 2 &3 "Der Tagesspiegel"

Feuilleton der Frankfurter Rundschau

Die Titelseiten wurden gewahlt, weil hier besonders gut der Nachrichtenwert eines Ereignisses beurteilt werden kann. Die Seiten 2&3, weil sie bei den oben stehenden Zeitungen als politischer Teil vielversprechend schienen. Das Feuilleton, um allgemeine gesellschaftliche Diskussionen einzufangen. So wurde insgesamt ein Meinungsbild aufgefangen, das sich vom linken bis zum rechten Spektrum der Printmedien erstreckt und neben Qualitatszeitungen auch Boulevardmedien umfasst, letztere besonders wegen ihrer Unwort-verdachtigen reifterischen Sprache. In diesen Medien sollten insbesondere Anregungen gefunden werden, welche Begrifflichkeiten gerade im Fokus dergesellschaftlichen und politischen Diskussionen stehen.

Regelmaftig wurde im genannten Zeitraum zudem die Suchmaschine Google genutzt, um das Auftauchen der beobachteten Worter im gesamten Internet dokumentieren zu konnen. Um Veranderungen in den Inhalten der Online-Medien feststellen zu konnen, wurden aufterdem fur diesen Zeitraum Google-Alerts auf alle beobachteten Worter eingerichtet.[97]

Durch dieses Vorgehen wurde versucht, einen Querschnitt durch die gesamte „mediale Offentlichkeit"zu erhalten, welcher als Maftstab der Prasenz der Worter in dieser Offentlichkeit gesehen werden kann. Ziel dieses Vergleichs der„Prasenz“der diskutierten Kandidaten und des gewahlten Unworts vor und nach der Bekanntgabe in diesen Medien war das Aufzeigen des medialen Verarbeitungsprozesses im Zusammenhang mit derWahl des ,,Unwort des Jahres". Der Autor dieser Arbeit wollte aber nicht nur reiner Beobachter sein, sondern sich auch aktiv an der Aktion beteiligen.

2.4 Eingereichte Worter

Da es von Interesse war, nicht nur diskutierte Worter zu beobachten, sondern auch selbst Worter in die Unwort-Diskussion einzubringen, wurden im Rahmen dieser Untersuchung eigene Vorschlage (mit Quelle und Begrundung) eingereicht. Diese eingereichten Vorschlage stammen uberwiegend aus der Gruppendiskussion im Rahmen des Seminars „ZurEntwicklung der politischen Sprache seit 1945“[98] So wurden am 17.12.2009 funfVorschlage im Namen des Seminars ubersendet und am 18.12.2009 noch einmal drei weitere Vorschlage an die Jury ubermittelt (s. „Einreichungen“im Anhang) - eine Beteiligung die von Schlosser offiziell gewurdigt wurde.[99] Die Einreichung von Vorschlagen diente allerdings nicht nur der Unterstutzung der Aktion bei der Findung von Unwortern. Der Autor dieser Arbeit wollte auch sehen, ob man wirklich Einfluss nehmen kann, welche Reaktionen von Seiten der Jury kommen und wie es ist, auf dem Verteiler der PR-Stelle der Jury zu stehen. Manche der eingereichten Worter waren aber bereits eingereicht worden (wie sich erst spaterherausstellte), weshalb nicht behauptet werden kann, dass die Einreichungen als wirkliche Beteiligung am Prozess gesehen werden konnen. Um das Ganze nicht vollig der Willkur der Jury zu uberlassen, wurden die eingereichten Worter zudem im Szenesprachenwiki offentlich bekanntgemacht.[100]

3 Analyse des Unwort-Prozesses

3.1 Beteiligte und Einfluss

Betrachtet man die Moglichkeiten der Einflussnahme von gesellschaftlichen Gruppen aufden Unwort-Prozess, so steht am Anfang zumeist ein Sprecher, wobei es sich fast immer um einen namhaften Politiker oder einen Wirtschaftsboss handelt. Hier geht es insbesondere um ein Agenda-Setting fur den Sprachgebrauch und um den Versuch der Politiker, Schlagworte als erstes zu besetzen, Themen eine Richtung zu geben und die Perspektive, aus welcher man ein Problem sieht, durch eine entsprechende Wortwahl vorwegzunehmen. Hierbei kommt es immerwieder sprachlichen Missgriffen.

Bei der Suche nach solchen sprachlichen Entgleisungen wird der Burger eingebunden. Bei der Aktion ,,Unwort des Jahres" sind „alle Burgerinnen und Burgeraufgefordert, sprachliche Missgriffe zu nennen, die imjeweiligen Jahr besonders negativaufgefallen sind."101 Ihr Einfluss beschrankt sich jedoch darauf, Vorschlage zu machen; an der eigentlichen Entscheidung sind sie nicht beteiligt. Die Vorschlage werden wahrend des ganzen Jahres entgegengenommen, die intensive Sammelphase liegt laut Schlosser aberjeweils zwischen Oktober und Anfang Januar. Vorschlage konnten furdas Unwort2009 bis zum 11. Januar2010 eingereichtwerden[102]. Bei der Unwort- Suche 2009 hatten sich 2.018 Einsenderinnen und Einsender aus dem In- und Ausland mit 982 verschiedenen Vorschlagen beteiligt.[103] „Mit 183 Nennungen wardas Wachstumsbeschleunigungs- gesetz meistgenannt. [...] Weitere gemachte Vorschlage fur die diesjahrige Aktion in der Reihenfolge ihrerNennungen waren: Schweinegrippe (79), Schattenhaushalt (69), Abwrackpramie (68), Umweltpramie (47), systemrelevante Unternehmen (42), Leistungstrager (39), Kopftuchmadchen (36), Analogkase (30) (kein) rechtsfreierRaum (27)."[104] Aber wie bereits erwahnt: Die Haufigkeit der Nennungen durch die Bevolkerung hat keinen Einfluss auf die Entscheidung und auch nicht das Einmischen von Prominenten. So hatte Reinhard Mey als sicher einerdersprachgewaltigsten deutschen Kunstlerversucht, sich furdas "Kopftuchmadchen"stark zu machen[105]

[...]


[1] Das Unwort des Jahres, unter: http://www.focus.de/wissen/bildung/entlassungs-produktivitaet_aid_103997.html am 24.1.2010.

[2] Uwe-Bernd Herchen, Ab ins Raspelhaus, unter: http://www.stz- online.de/nachrichten/kommentar/seite1stz/art2442,1067856 am 8.2.2010.

[3] Uwe-Bernd Herchen, Ab ins Raspelhaus.

[4] s. Matthias Stelzer, Von Unworten und Reutlinger Seuchen, unter: http://www.tagblatt.de/Home/nachrichten/reutlingen_artikel,-Von-Unworten-und-Reutlinger-Seuchen- _arid,89824.html am 21.1.2010.

[5] o. Verf., Unwort des Jahres 2009: Fluchtlingsbekampfung oder Abwrackpramie, unter: www.noows.de/unwort-des- jahres-2009-fluchtlingsbekaempfung-oder-abwrackpraemie-14448 am 16.1.2010.

[6] Denn der Kemgegenstand der Publizistikwissenschaft ist die offentliche Meinung.

[7] gerade auslandische Leser dieser Arbeit konnen vielleicht in ein paar Jahren nachvollziehen, wo manches Wort seinen Ursprung hat (wie wir bei „Kollateralschaden“). Daher wurden Stichworter der Diskussion auch teilweise ubersetzt.

[8] um die von Schlosser genannten Anforderungen den Merkmalen des tatsachlich gewahlten Unworts gegenuber zu stellen.

[9] Obwohl es so etwas wie eine Nominierung von Kandidaten offiziell bei der Unwort-Wahl nicht gibt.

[10] Eine Kritik gegen das Unwort „Peanuts“ taut: Schlosser, Horst Dieter; Von "auslanderfrei" bis "Diatenanpassung". Funf Jahre Unwort-Suche , in: Frank-Cyrus, Katrin M (Hrsg.), Der Sprachdienst 2/96 ,S.47 - 58, hier: S. 55.

[11] Eintagsfliegen sind taut Schlosser ,,Kinder eines schnelllebigen Journalismus“, (Schlosser, Horst Dieter, "Die Unworter des Jahres 1991", in: Gesellschaft fur deutsche Sprache/Bickes, Hans (Hrsg.), Der Sprachdienst 36, 1992, Heft 2, Wiesbaden, S. 52.)

[12] Baems kann belegen, dass in der Presse der Bundesrepublik im Mittel 62% der Pressemitteilungen vom Mediensystem ubernommen werden. In den USA sind dies bereits 80%. Barbara Baems, Offentlichkeitsarbeit oder Journalismus. Zum EinfluB im Mediensystem. Wissenschaftund Politik, Koln, 1991 (1. Aufl. 1985), S. 91.

[13] Analog zu Baems, welche eine solche spezifische Abhangigkeit des Mediensystems von der Public Relations und ihrer Informationshoheit als Determination bezeichnet, s. Barbara Baems, Offentlichkeitsarbeit oder Journalismus. Zum EinfluB im Mediensystem, S. 87. s. auch Determinationshypothese, http://www.pr- woerterbuch.de/wiki/index.php/Determinationshypothese

[14] Zumal zu beobachten ist, dass die Jury in 20 Jahren Unwort-Aktion noch nicht einmal ein Wort zum Unwort gewahlt hat, welches den Medien oder einem Medienvertreter zugeschrieben wird, auch wenn Schlosser die Medien unterschwellig als „Sprachverderber“ tituliert (s. Schlosser, Horst Dieter; Von "auslanderfrei" bis "Diatenanpassung". Funf Jahre Unwort-Suche , in: Frank-Cyrus, Katrin M (Hrsg.), Der Sprachdienst 2/96, S. 52.)

[15] Erfolgreich ware sie sicher, wenn die Seriositat der Jury und die Aufbereitung der Informationen derart positiv ist, dass die Medien dies mit Copy & Paste ubernehmen konnen.

[16] Wolfgang Rohl, Professor Unwort und sein Wachterrat, in: Stem (BookmarkenTwittem) unter: www.stem.de/.../horst-dieter-schlosser-professor-unwort-und-sein-waechterrat- 1519818.html am 6.11.2009

[17] Wolfgang Rohl, Professor Unwort und sein Wachterrat.

[18] Dass das Unwort des Jahres von den Medien mittlerweile genauso obligatorisch aufgegriffen wird, wie der Vogel des Jahres oder die Nobelpreistrager, zeigt sich bei einem Blick auf den Tag nach der Bekanntgabe des letzten ,,Unwort des Jahres“. Nach der Wahl des Unwortes 2008 (notleidende Banken) war folgendes in den Medien zu beobachten: Suddeutsche am 20. Jan. 2009 (uberregionale Zeitungen), FAZ am 20.1.2009, Spiegel Online am 20. Jan. 2009 (Magazin), www.br-online.de am 20.1,2009 (TV) oder B.Z. am 21.1.2009 (Boulevard)

[19] Winfried Schulz zitiert in: Florian Scharr, Erfolgsfaktoren unternehmerischer Krisen-PR, 2006.

[20] Basierend auf den Nachrichtenfaktoren, die laut Ostgaard sowie Galtung und Rugejournalistische Auswahlverhalten leiten.

[21] Wolfgang Rohl, Professor Unwort und sein Wachterrat.

[22] Horst Dieter Schlosser, "Die Unworter des Jahres 1991", S. 61.

[23] "Von 'auslanderfrei' bis 'Diatenanpassung'. Funf Jahre Unwort-Suche" und "Die Unworter des Jahres 1991".

[24] Ein Problem, das sich bei Printmedien nicht ergibt.

[25] Schlosser, Horst Dieter; Von „auslanderfrei" bis „Diatenanpassung". Funf Jahre Unwort-Suche , in: Frank-Cyrus, Katrin M (Hrsg.), Der Sprachdienst 2/96 ,S.47 - 58.

[26] Schlosser, Horst Dieter, ,,Die Unworter des Jahres 1991", in: Gesellschaft fur deutsche Sprache/Bickes, Hans (Hrsg.), Der Sprachdienst 36, 1992, Heft 2, Wiesbaden, S. 49-61.

[27] Unter „Allgemeines“ der Unwort-Aktion unter: www.unwortdesjahres.org (11.12.2009)

[28] Aus der Satzung der Unwort-Aktion unter: www.unwortdesjahres.org (11.12.2009) und s. Schlosser, Horst Dieter, "Die Unworter des Jahres 1991", S. 55.

[29] Felicitas Schubert, „Unworte bereiten Untaten den Boden“, Weltexpress am 29.12.09

[30] Aus der Satzung derUnwort-Aktionunter: www.unwortdesjahres.org (11.12.2009)

[31] Horst Dieter Schlosser im Interview mit Antja Hildebrandt, "Sprachkultur - Dieter Bohlens Vorschlag zum Unwort des Jahres" unter Welt Online (26. November 2007).

[32] Begrundung der Jury zur Unwortwahl 2008.

[33] Horst Dieter Schlosser; Von "auslanderfrei" bis "Diatenanpassung", S. 57.

[34] Horst Dieter Schlosser; Von "auslanderfrei" bis "Diatenanpassung", S. 57.

[35] Schlosser, Horst Dieter, "Die Unworter des Jahres 1991", S. 54 und 56 und unter „Allgemeines“ der Unwort-Aktion unter: www.unwortdesjahres.org (11.12.2009)

[36] Aus der Satzung der Unwort-Aktion unter: www.unwortdesjahres.org (11.12.2009)

[37] Schlosser, Horst Dieter, "Die Unworter des Jahres 1991", S. 54.

[38] Pressemitteilung unwortdesjahres "Unwort des Jahres 2009“ gesucht"

[39] Schlosser, Horst Dieter, "Die Unworter des Jahres 1991", S. 52.. Schlosser zitiert an dieser Stelle Fritz Glunk..

[40] s. Schlosser, Horst Dieter, "Die Unworter des Jahres 1991", S. 55.

[41] Schlosser, Horst Dieter, "Die Unworter des Jahres 1991", S. 55.

[42] Schlosser nennt das „Friedhofsgemuse“ als Bezeichnung fur altere Mitmenschen als Beispiel.

[43] Horst Dieter Schlosser; Von "auslanderfrei" bis "Diatenanpassung", S. 56.

[44] z.B. das „Huhner-KZ“ (brachte aber Aufmerksamkeit).

[45] Nina Janich indirekt zitiert in: Kerstin Schumacher, Sprache am Pranger, unter: http://www.echo- online.de/nachrichten/kunstundkultur/20100119unwort./art1161,576157 am 20.1.2010. Em gutes Beispiel hier sei der Ausdruck 'Fluchtlingsbekampfung', den Bundeskanzlerin Angela Merkel verwendete und den die Jury rugte.,, Wir wollen und konnen nicht beurteilen, wie Merkel das tatsachlich gemeint hat. Aber die Konnotation ist eindeutig negativ". Fluchtlingsbekampfung sei jedoch nicht zum Unwort gewahlt worden, da die Sprache von Merkel ,,ungewohnlich klar und offen " sei.", Nina Janich zitiert in: Kerstin Schumacher, Sprache am Pranger, unter: http://www.echo- online.de/nachrichten/kunstundkultur/20100119unwort./art1161,576157 am 20.1.2010

[46] Aus der Satzung der Unwort-Aktion unter: www.unwortdesjahres.org (11.12.2009)

[47] vgl. Horst Dieter Schlosser, "Die Unworter des Jahres 1991", S. 52.

[48] Horst Dieter Schlosser, "Die Unworter des Jahres 1991", S. 53.

[49] Horst Dieter Schlosser; Von "auslanderfrei" bis "Diatenanpassung", S. 56

[50] Horst Dieter Schlosser; Von "auslanderfrei" bis "Diatenanpassung", S. 56.

[51] „wird bereits eine grobe Vorsortierung vorgenommen, ... aktuell“, Aus der Satzung der Unwort-Aktion unter: www.unwortdesjahres.org (11.12.2009)

[52] s. Horst Dieter Schlosser, "Die Unworter des Jahres 1991", S. 53.

[53] An dieser Stelle sei auf folgende Unworter hingewiesen: 1992: ethnische Sauberung (Propagandaformel im ehemaligen Jugoslawien). 1999: Kollateralschaden (Verharmlosung der Totung Unschuldiger als Nebensachlichkeit; NATO-offizieller Terminus im Kosovo-Krieg. ). 2001: Gotteskrieger (Selbst- u. Fremdbezeichnung der Taliban- und El Qaeda-Terroristen.) Nicht- deutsche Unworter waren: 1994: Peanuts (abschatziger Bankerjargonismus; Hilmar Kopper) und Nominiert war 1996 auch das englische „Outsourcing“ (Imponierwort, das der Auslagerung von Arbeitsplatzen einen seriosen Anstrich zu geben versucht)

[54] s. Horst Dieter Schlosser; Von "auslanderfrei" bis "Diatenanpassung", S. 55.

[55] 1992 ethnische Sauberung (Propagandaformel im ehemaligen Jugoslawien) oder: 1999 Kollateralschaden Verharmlosung der Totung Unschuldiger als Nebensachlichkeit; NATO-offizieller Terminus im Kosovo-Krieg oder: 2001 Gotteskrieger Selbst- u. Fremdbezeichnung der Taliban- und El Qaeda-Terroristen.

[56] Wie im Falle der Peanuts. Nominiertwar 1996 auch das englische „Outsourcing“ (Imponierwort, das der Auslagerung von Arbeitsplatzen einen seriosen Anstrich zu geben versucht).

[57] Felicitas Schubert, „betriebsratsverseucht“ ist ein neuer Hohepunkt in der Diskriminierung von Arbeitnehmern 2009: zum 19. Mal wurde in Frankfurt am Main das „Unwort des Jahres“ gewahlt, unter: www.weltexpress.info am 19.1.2010

[58] Aus der Satzung der Unwort-Aktion unter: www.unwortdesjahres.org (11.12.2009)

[59] Aus der Satzung der Unwort-Aktion unter: www.unwortdesjahres.org (11.12.2009)

[60] Aus der Satzung der Unwort-Aktion unter: www.unwortdesjahres.org (11.12.2009)

[61] Aus der Satzung der Unwort-Aktion unter: www.unwortdesjahres.org (11.12.2009)

[62] Horst Dieter Schlosser in: ARD Morgenmagazin Moderation, Beitrag von Sven Lorig am 19.1.2010.

[63] Horst Dieter Schlosser; Von "auslanderfrei" bis "Diatenanpassung", S. 58.

[64] Aus der Satzung der Unwort-Aktion unter: www.unwortdesjahres.org (11.12.2009)

[65] Nina Janich zitiert in: Kerstin Schumacher, Sprache am Pranger.

Bedeutungsentwicklung "brisanter Worter" beeinflussen?, in: Oswald Panagl und Horst Sturmer (Hrsg.), Politische Konzepte und verbale Strategien " brisante Worter, Begriffsfelder, Sprachbilder, Sprache im Kontext. Herausgegeben von Ruth Wodak und Martin Stegu. Bd. 12, Frankfurt a.Main/Berlin/Bern u.a., 2002, 63-84, hier: S. 63. Wengler zitierte Adam Smith.

[66] Aus der Satzung der Unwort-Aktion unter: www.unwortdesjahres.org (11.12.2009)

[67] Medienmitteilung " 'Unwort des Jahres 2009' gesucht", Aktion "Unwort des Jahres", 2009.

[68] Horst Dieter Schlosser, "Die Unworter des Jahres 1991".

[69] Schlosser nennt es ,,Die deutsche Zweieinigkeit und ihre sprachlichen Folgen“ und nennt insbesondere die wie Hundenamen klingenden Bezeichnungen Ossi und Wessi. Zu „Hundenamen“ s. Horst Dieter Schlosser, "Die Unworter des Jahres 1991", S. 56.

[70] Schlosser nennt das Feld ,,Der sprachliche Umgang mit Auslandem“, und nennt hierfur weitere Beispiele: 1991 auslanderfrei (fremdenfeindliche Parole in Hoyerswerda), 1993 Uberfremdung (Scheinargument gegen Zuzug von Auslandern), 2006 Freiwillige Ausreise. Nominiertwar 1991 auch die "durchrasste Gesellschaft'T, 2000 »Dreck weg!« (CDU-Parole in Darmstadt, die sich auch gegen »missliebige« Menschen richtete) und 2004 nominiert: Begruhungszentren (sprachliche Verniedlichung von Auffanglagern fur afrikanische Fluchtlinge, s. Horst Dieter Schlosser, "Die Unworter des Jahres 1991", S. 59. Herchen bemerkt hierzu: "Nicht von ungefahr stammen uber ein Viertel der bisher 18 ausgewahlten Unworter aus dem Migrationsbereich“, Uwe-Bernd Herchen, Unwort und Untat, unter: www.stz-online.de/nachrichten/kommentar/seite1stz/art2442,1053380 am 16.1.2010

[71] Diskriminierung von Bevolkerungsgruppen: 1996 Rentnerschwemme , 1997 Wohlstandsmull, 1998 sozialvertragliches Fruhableben , 2007 Herdpramie. 1995 nominiertwar die "Altenplage".

[72] vgl. Clemens Knobloch, Uberlegungen zur Theorie der Begriffsgeschichte aus sprach- und kommunikationswissenschaftlicher Sicht, in: Archiv fur Begriffsgeschichte 35/1992, S. 7-24.

[73] aus einer Rede von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (MdB) beim Symposium der Gesellschaft fur deutsche Sprache am 25. November 2006 in Berlin, unter: http://www.bmj.bund.de/enid/0,4f70ed776569746572656d706665686c656e092d0931093a09706d635f6964092d093 4303730/Geschichte/Brigitte_Zypries_zc.html

[74] Herfried Munkler,Vorsicht Politikerfloskeln!, Berliner Zeitung 20./21.3.2010, S. 2.

[75] Wolfgang Lieb, Spiele statt Brot, unter: http://womblog.de/2010/01/02/spiele-statt-brot/ am 2.1.2010. Mark Fehr begrundet die Haufigkeit der Einreichungen von „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ wie folgt: "Verstandlich, denn der Begriff entlarvt die Allmachtsphantasien von Politikern, Wirtschaftswachstum quasi per Gesetz beschleunigen zu konnen.", s. Mark Fehr, Unwort des Jahres 2009 - Seuchen und Blitzkriege unter: www.wiwo.de/politik- weltwirtschaft/seuchen-und-blitzkriege-419662/ am 19.1.2010

[76] Horst Dieter Schlosser, "Die Unworter des Jahres 1991", S. 53.

[77] was sich seit Schlossers erster Emporung uber ,,chirurgische Bombadements“ (Horst Dieter Schlosser, "Die Unworter des Jahres 1991", S. 53) bis ,,intelligente Wirksysteme“ (Platz 3 der Unwort-Suche 2009) wie ein roter Faden durch seine Auherungen zieht.

[78] Lutz Taubert, 's ist Krieg ..., Sonntagsblatt Bayern, Ausgabe 48/2009, unter: www.sonntagsblatt- bayern.de/news/aktuell/2009_48_03_01.htm

[79] "Deutschland ist eine Friedensbewegung.", Josef Joffe, Vier Fragen an Josef Joffe - Was macht die Welt?, Tagesspiegel vom 28.12.2009.

[80] Hilmar Kopper hatte mit dieser Formulierung geringschatzig uber offene Handwerkerrechnungen in Hohe von 50 Millionen Mark im Zusammenhang mit der Pleite des Bauunternehmers Jurgen Schneider gesprochen. 2002 entschied sich die Jury fur „Ich-AG", weil dies Individuen auf sprachliches Borsenniveau reduziere., s. Das Unwort des Jahres, unter: http://www.focus.de/wissen/bildung/entlassungs-produktivitaet_aid_103997.html am 24.1.2010

[81] Horst Dieter Schlosser, "Die Unworter des Jahres 1991", S. 54.

[82] Horst Dieter Schlosser, "Die Unworter des Jahres 1991", S. 61.

[83] Anja Hubner nennt ein paar schone Beispiele: Die Personenvereinzelungsanlage ist ein Drehkreuz, das raumubergreifendes Grofigrun ist ein Baum, die Restmullbehaltervolumenminderung kann durch eine kleinere Mulltonne erreicht werden und das Eignungsfeststellungsverfahren ist einfach ein Bewerbungstest, s. Anja Hubner, Behordendeutsch - Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht, unter: www.news.de/gesellschaft/802087692/warum-einfach-wenn-es-auch-kompliziert-geht/1/ am 15.4.2009

[84] Anja Hubner, Behordendeutsch - Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht., mit Verweis auf eine representative Umfrage des Instituts fur Demoskopie Allensbach unter 1.814 Deutschen im Dezember 2009.

[85] Mark Hubner Weinhold, Mein Unwort des Jahres -jedes Jahres!, unter: www.abendblatt.de/wirtschaft/karriere/article1351530/Mein-Unwort-des-Jahres-jedes-Jahres.html am 23. Januar 2010

[86] Anregung aus der Gruppendiskussion am 19.12.2009.

[87] Google-Suche Unwort in Online-Nachrichten. Auch Formulierungen wie: „...Chancen aufUnwort 2009 “. Ein Auszug solcher Artikel in denen Vorschlage gemacht wurden findet sich im Anhang.

[88] Gesammelt aus Print- und Online-Medien.

[89] Besonders die verschiedenen Bezeichnungen dafur was Deutschland in Afghanistan leistet, fallen hierunter.

[90] Hierbei insbesondere die Interviews mit Schlosser in der WELT.

[91] Diese Worter wurden zudem vom Autor dieser Arbeit bei der Unwort-Jury eingereicht, s. ,,eingereichte Worter“ im Anhang. Ungeahnter Vorteil dieser aktiven Beteiligung (also der Einreichung von Vorschlagen) war, dass man in den Presse-Verteiler der Unwort-Jury aufgenommen wurde und somit keine Auherung verpasste. Zudem konnten diese Pressemitteilungen zur Beurteilung der PR-Leistung (s. Determinationshypothese) herangezogen werden.

[92] Darunter glucklicherweise auch ,,betriebsratsverseuchte Mitarbeiter“ - eine Formulierung, die dem letztendlich gekurten Unwort nahezu entspricht.

[93] Taglich erscheinende Printmedien wurden wegen ihrer Tagesaktualitat ausgewahlt. Dieses Vorgehen stellte sich im Nachhinein als wenig ergiebig heraus, weil kaum eines der beobachteten Worter gefunden werden konnte. Allerdings konnten interessante Erkenntnisse zum Nachrichtenwert des Unworts gewonnen werden.

[94] Klaus Schonbach: ,,The Issues ofthe Seventies41, Elektronische Inhaltsanalyse und die langfristige Beobachtung von Agenda-Setting-Wirkungen der Massenmedien.

[95] niiu ist eine individualisierte Tageszeitung, bei welchen der Abonnent entscheidet, aus welchen Teilen seine Tageszeitung bestehen soll.

[96] Weil das Auftauchen der Worter in der Online- "Offentlichkeit" untersucht werden sollte wurden diese Google-Alerts nur auf „news“ (also Netzzeitungen bzw. Online-Versionen von Printmedien) eingerichtet, nichtjedoch auf eher private Blogs, weil Unworte der offentlichen Kommunikation entspringen sollen und auch nur die Prasenz in der offentliche Kommunikation beleuchtet werden sollte.

[97] im Rahmen der Gruppendiskussion am 12./19. November 2009

[98] Eine Lob fur die Beteiligung der Seminargruppe findet sich in der offiziellen Pressemitteilung der Jury vom 19.1.2010 (s. letzte Pressemitteilung im Anhang).

[99] Das Szenesprachenwiki sammelt permanent neue Worter aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen, stellt sie im Duden (Online) zur Verfugung und gibt den Nutzern zudem die Moglichkeit, selbst ein ,,Neues Wort“ einzutragen. Hier wurden die eingereichten Begriffe teilweise eingetragen - auch wenn sie dort, warum auch immer, nicht mehr zu finden sind.

[100] Medienmitteilung ,,Unwort des Jahres 2009' gesucht", Aktion "Unwort des Jahres", 2009.

[101] Per Post oder per Mail an unwort@em.uni-frankfurt.de.

[102] Felicitas Schubert, „betriebsratsverseucht“ ist ein neuer Hohepunkt in der Diskriminierung von Arbeitnehmern 2009: zum 19. Mal wurde in Frankfurt am Main das „Unwort des Jahres“ gewahlt, unter: www.weltexpress.info am 19.1.2010.

[103] Felicitas Schubert, „betriebsratsverseucht“.

[104] "Der von Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin gebrauchte Begriff'Kopftuchmadchen'sei vom Liedermacher Reinhard Mey und vielen anderen Burgern eingereicht worden, weil es den Nachwuchs als unerwunscht diskriminiere.", o. Verf., Unwort des Jahres: "Betriebsratsverseuchte Mitarbeiter" gehort zu den Favoriten, unter:

Ende der Leseprobe aus 102 Seiten

Details

Titel
Das Unwort des Jahres 2009 - eine prozessuale Untersuchung aus publizistikwissenschaftlicher Sicht
Untertitel
betriebsratsverseucht - contaminé par le comité d'entreprise - works-council-infested
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar: Zur Entwicklung der politischen Sprache seit 1945
Note
1,3 (sehr gut)
Autor
Jahr
2010
Seiten
102
Katalognummer
V158287
ISBN (eBook)
9783640720224
ISBN (Buch)
9783640720644
Dateigröße
2848 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
im Rahmen des Masterstudiengangs „Medien und Politische Kommunikation“
Schlagworte
Unwort, Unwort des Jahres, Sprachkritik, Horst-Dieter Schlosser, Nachrichtenwert, GfdS, inszeniertes Ereignis, PR, Gewerkschaften, Journalisten, Journalismus, Medien, Presse, Online, Onlinejournalismus, Nachrichtenfaktoren, Kritik, Sprache, Wutbürger
Arbeit zitieren
Christian Rell (Autor), 2010, Das Unwort des Jahres 2009 - eine prozessuale Untersuchung aus publizistikwissenschaftlicher Sicht , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158287

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