Robert Nozick: Anarchie, Staat und Utopia

Der Minimalstaat im Kontext der Gerechtigkeit


Seminararbeit, 2009
12 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Autor

3 Ein Staat ohne Staat?
3.1 Der Ausgangspunkt: Locke als Ideengeber
3.2 Von Schutzvereinigungen zum Minimalstaat

4 Gerechtigkeit durch Umverteilung?

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die großen Philosophen der Geschichte haben sich stets darum bemüht, die Gesellschaft, in der sie leben, zu analysieren und zu interpretieren. Schon immer war es ein menschliches Verlangen die Zusammenhänge sozialer Netzwerke und Gesellschaften zu verstehen, Hintergründe aufzudecken und gesellschaftliche Phänomene zu erklären. Ein zentraler Punkt dieser Diskurse war die Frage nach der Gerechtigkeit. Vor allem im Feld der Politikwissenschaft und der Systemlehre steht die Frage nach gerechten Systemen, Regelungen und Verhaltensweisen im Vordergrund. Bereits die alten Griechen, allem voran Platon und Aristoteles, entwarfen Theorien von Staatssystemen, welche den Bürgern zu einem guten Leben verhelfen sollten und dabei gerecht sind. Bis in die heutige Postmoderne besteht eine Debatte um diese Thematik.

Durch die Veröffentlichung zweier Werke Anfang der 1970er Jahre geriet die Auseinandersetzung wieder in den Fokus der Öffentlichkeit: John Rawls und Robert Nozick entwarfen jeweils gegensätzliche Theorien eines gerechten Staates, provozierten die Gelehrtenwelt durch extreme Thesen und brillierten, trotz der vielen Kritikpunkte, mit neuem Gedankengut, welches sie mit bereits bestehenden Theorien verknüpften. Entgegen John Rawls, der sich für einen relativ umfassenden Staat mit Umverteilungsaufgaben aussprach und damit weitestgehend im Trend der Zeit lag, entwickelte Nozick eine interessante Verteidigung des Libertarismus (heute auch häufig neo-Liberalismus) der Neuzeit. Sein Werk „Anarchie, Staat und Utopia“, welches 1974 erschien und eine Reaktion auf John Rawls´ „Theorie der Gerechtigkeit“ war, ist eine deutliche Absage an einen auf Verteilungsgerechtigkeit basierenden Staat (vgl. Arnswald 2007). Aufbauend auf Lockes´ Naturzustand zeichnet Nozick einen Minimalstaat, der die Rechte des Bürgers zwar schützt, aber sämtliche Eingriffe in die Freiheit des Einzelnen, z.B. durch Steuern, unterlässt. Nozick selbst schreibt über seine Schlussfolgerungen: „Unsere Hauptergebnisse bezüglich des Staates lauten, dass ein Minimalstaat, der sich auf einige eng umgrenzte Funktionen, wie den Schutz gegen Gewalt, Diebstahl, Betrug oder die Durchsetzung von Verträgen beschränkt, gerechtfertigt ist.“ (Nozick 1976: 11)

In meiner Hausarbeit möchte ich den Autor und seine Theorie in Hinblick auf die Entstehung eines Minimalstaates beschreiben. Im Fazit soll abschließend eine Betrachtung der Gültigkeit und Nachhaltigkeit von Nozicks Gerechtigkeitskonzeption, auch unter Berücksichtigung von Kritikern, versucht werden.

2 Der Autor

Der US-amerikanische Philosoph Robert Nozick, geboren am 16.11.1938 in Brooklyn, NY, galt bis zu seinem Tod im Januar 2002 als einer der einflussreichsten Denker des späten 20. Jahrhunderts.

Nach seinem B.A. Abschluss 1959 an der Columbia University, an der er sich als Sozialist der „left-wing Students for a Democratic Society“-Bewegung angeschlossen hatte, legte er 1961 seinen Master an der Eliteuniversität Princeton ab. Dort promovierte er zudem 1963. Nach zwei Assistenzprofessuren an den Universitäten zu Princeton und Harvard, erhielt er eine außerordentliche Professur an der Rockefeller Universität. 1969 kehrte er schließlich nach Harvard zurück, wo er seither Träger einer Vollprofessur war. (Gewertz 2002)

Berühmt wurde Nozick durch sein Buch „Anarchy, State and Utopia“, welches er 1974 veröffentlichte und das 1975 mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde. Mit seinem Werk schuf er „one of the most widely discussed and intellectually most attractive conceptions within the field of contemporary political philosophy“ (Koller 1981: 139). Der Erfolg dieses Buches ergab sich aus der Kombination verschiedener Qualitäten: Es war einerseits keine Schrift, die mit den zeitgenössischen Lehren und der öffentlichen Meinung übereinstimmte, auf der andere Seiten war sein Werk für jeden Leser gut verständlich, da es neben scharfen philosophischen Analysen auch persönliche Kommentare, Anekdoten und Humor enthielt. (Ebd)

Robert Nozick war ein vielseitig interessierter Professor, der nach zehn Jahren als Lehrender in Harvard betonte, niemals einen Kurs zweimal abgehalten zu haben. Dieses breite Interesse brachte ihn nach seinem ersten Buch zurück zu grundlegenden Problemen der Philosophie, mit welchen er sich in seinem zweiten Buch „Philosophical Explanations“ beschäftigte, das 1981 erschien. Zwei weitere bedeutende Werke waren „The Examined Life“ von 1989, in dem Nozick beschreibt, was er in einem Leben für wichtig erachtet, sowie „The Nature of Rationality“, veröffentlicht 1993, worin er sich mit Problemen rationaler Annahmen befasst. Bis 2002 verfasste Nozick weitere zahlreiche Essays und Beiträge für renommierte Fachzeitschriften und Sammelbänder. (Ebd)

Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1998 die Presidential Citation, verliehen von der Vereinigung Amerikanischer Psychologen, die ihn als „one of the most brilliant and original living philosophers“ bezeichnete.

Er genoss in der Fachwelt, wie in seinem eigenen Lehrkreis großes Ansehen, so bekennt der Präsident der Universität Harvard Lawrence H. Summers im offiziellen Nachruf auf der Internetpräsenz der Universität: „I was deeply saddened to learn of the death of Robert Nozick. Harvard and the entire world of ideas have lost a brilliant and provocative scholar, profoundly influential within his own field of philosophy and well beyond. All of us will greatly miss his lively mind and spirited presence, but his ideas and example will continue to enrich us for years to come.” (Gewertz 2002)

3 Ein Staat ohne Staat?

Wichtige Basis der Ausführungen Nozicks zu deiner Staatskonzeption ist der Naturzustand nach John Locke. Im Folgenden soll dieser Aspekt näher betrachtet werden. Des Weiteren erfolgt ein Blick auf die Idee des „Minimalstaates“ nach Nozick.

3.1 Der Ausgangspunkt: Locke als Ideengeber

„Die Menschen haben Rechte, und einiges darf ihnen kein Mensch und keine Gruppe antun (ohne ihre Rechte zu verletzen). Diese Rechte sind so gewichtig und weitreichend, dass sie die Frage aufwerfen, was der Staat und seine Bediensteten überhaupt tun dürfen.“ (Nozick 1976: 11)

Mit diesen Worten beginnt das Vorwort des Werkes „Anarchie, Staat und Utopia“. Sie geben einen Fingerzeig in die Richtung, in welche die Theorie Nozicks zielt. Explizit wird der Handlungsspielraum und die Legitimation einer Staatsinstanz hinterfragt. Als nicht zu überschreitende Grenze sieht Nozick die Rechte der einzelnen Personen, auf welche er seine Argumentation stützt. Er bedient sich hierbei des bereits vordefinierten Naturzustandes nach John Locke. Als Grundvoraussetzung gilt hierbei, dass „die Menschen in einem vollkommenen Zustand der Freiheit, nach Gutdünken zu handeln und über ihre Besitztümer und ihre Personen zu verfügen, im Einklang mit dem Naturrecht und ohne irgendeinen anderen Menschen um Erlaubnis zu bitten oder von ihm abhängig zu sein [leben]. Das Naturrecht fordert, dass niemand einen anderen an seinem Leben, seiner Gesundheit, seiner Freiheit oder seinem Eigentum schädigen darf.“ (Nozick 1976: 12)

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Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Robert Nozick: Anarchie, Staat und Utopia
Untertitel
Der Minimalstaat im Kontext der Gerechtigkeit
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
12
Katalognummer
V158289
ISBN (eBook)
9783640718313
ISBN (Buch)
9783640718672
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Robert, Nozick, Anarchie, Staat, Utopia, Minimalstaat, Kontext, Gerechtigkeit
Arbeit zitieren
Timo Evers (Autor), 2009, Robert Nozick: Anarchie, Staat und Utopia, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158289

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