Gliederung:
1 Einleitung
1.1 Vorstellung der Autorin Elfriede Jelinek
1.2 Inhaltsangabe
2 Formanalyse
2.1 Erzähler (Stimme)
2.2 Modus: Distanz vs. Fokalisierung (Perspektive)
2.3 Erzählzeit und erzählte Zeit
2.4 Wortspiele und Rhetorik, Musikalität in der Erzählung
3 Sprache, Macht, Gewalt
3.1 Fazit
Und um ein Gefühl für den Schreibstil der Arbeit zu bekommen hier eine kurze Sequenz:
"„Erikas Eitelkeit macht der Mutter zu schaffen und bohrt ihr Dornen ins Auge. Diese Eitelkeit ist das einzige…was Erika noch aufgeben muss, ist die Eitelkeit.“
Handelt es sich hierbei um interne Fokalisierung, die im inneren Monolog restlos verwirklicht ist, oder um wortgetreue Redewiedergabe durch die Erzählinstanz? Beim Inneren Monolog verschwindet die außenstehende Erzählinstanz. Die Figur, deren „Selbstgespräch“ wir lesen, wird zur einzigen Figur, die wir noch wahrnehmen. Dafür spricht vor allem die verwendete Alltagssprache in der fraglichen Sequenz, der deutliche Perspektivwechsel in dem Einschub, der suggeriert, es handle sich um einen aufgeteilten Gedankengang und die Tatsache, dass der Text im Präsens geschrieben ist. Aber bei genauerem Hinsehen fallen zwei Aspekte auf, die einen Inneren Monolog unwahrscheinlicher werden lassen: das unpersönliche Pronomen „man“ gleich am Anfang, und das Fehlen einer inquit-Formel in Gestalt eines verbum credendi.
Dass wir der Sprachverwendung Jelineks und ihrer Erzählinstanzen nicht blind vertrauen dürfen, lernen wir bereits in den ersten Absätzen. Ihre Sprache strotzt nur so vor Überraschungsmomenten.
Gliederung
1 EINLEITUNG
1.1 VORSTELLUNG DER AUTORIN ELFRIEDE JELINEK
1.2 INHALTSANGABE S. 7 – 21 DER O.G. AUSGABE
2 FORMANALYSE
2.1 ERZÄHLER (STIMME)
2.2 MODUS: FOKALISIERUNG VS. DISTANZ
2.3 ERZÄHLZEIT UND ERZÄHLTE ZEIT
2.4 WORTSPIELE UND RHETORIK, MUSIKALITÄT IN DER ERZÄHLUNG
3 SPRACHE, MACHT, GEWALT
3.1 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, Elfriede Jelineks Roman „Die Klavierspielerin“ einer detaillierten narratologischen Formanalyse zu unterziehen, um die komplexen Wechselwirkungen zwischen Erzählinstanz, Perspektive, Zeitstruktur und sprachlicher Gestaltung aufzuzeigen.
- Analyse der Erzählinstanz und der Stimmwechsel innerhalb der Erzählung.
- Untersuchung von Fokalisierung, Distanz und dem Verhältnis von Erzählzeit zu erzählter Zeit.
- Dekonstruktion von Jelineks spezifischem Schreibstil, insbesondere hinsichtlich Rhetorik und Musikalität.
- Erörterung der Thematik von Sprache, Macht und Gewalt als zentrales Motiv im Roman.
Auszug aus dem Buch
2.1 Erzähler (Stimme)
Wir unterscheiden grundsätzlich zwischen dem empirischen bzw. historischen Autor, und der Erzählinstanz, also der Stimme, die eine Geschichte vermittelt. Der empirische Autor ist nur selten auch gleichzeitig der Erzähler; bei Autobiographien und historischen Erzählungen kommt dies vor. Der Erzähler, also die „Stimme“ stammt in der Regel aus dem Personenkreis des Werkes. Sartre hat die Unterscheidung zwischen dem empirischen Autor und der Erzählinstanz sehr schön und anschaulich erklärt: „Der Autor erfindet und der Erzähler erzählt, was geschehen ist…Der Autor erfindet den Erzähler und den Stil der Erzählung, welcher der des Erzählers ist.“
Um die Erzählinstanz genauer bestimmen zu können, hat Genette eine Systematik erstellt, die sich über die Beziehung des Erzählers zu den anderen Personen der Geschichte definiert.
Nach Genette kann die Erzählinstanz wie folgt an diese gekoppelt sein:
a) homodiegetisch: Der Erzähler ist gleichzeitig Figur in seiner Geschichte.
So zum Beispiel Dr. Watson in „Sherlock Holmes“.
b) heterodiegetisch: Der Erzähler ist in der Geschichte abwesend, wie z.B. bei „Hänsel und Gretel“.
c) autodiegetisch, als Spezialfall der homodiegetischen Beziehung: Der Erzähler ist nicht nur in der Geschichte anwesend, sondern zudem noch der Held (wichtigster Protagonist) derselben. In Tabucchis „Lissabonner Requiem“ finden wir dieses Verhältnis.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Der Autor führt in das Thema ein, stellt die Autorin Elfriede Jelinek vor und gibt einen inhaltlichen Überblick über den untersuchten Textausschnitt des Romans.
2 FORMANALYSE: In diesem Hauptteil werden die erzähltheoretischen Aspekte wie Erzählerstimme, Modus, Zeitgestaltung sowie die sprachlichen Besonderheiten und der rhetorische Stil Jelineks eingehend analysiert.
3 SPRACHE, MACHT, GEWALT: Dieses Kapitel verknüpft die formale Analyse mit der thematischen Ebene und zeigt auf, wie Sprache bei Jelinek als Instrument von Macht und Gewalt eingesetzt wird.
3.1 FAZIT: Der Autor zieht ein Resümee der Analyse und weist auf weitere lohnende Aspekte hin, die über den Umfang der Hausarbeit hinausgehen, wie die religiöse Symbolik oder das Verhältnis zur Sexualität.
Schlüsselwörter
Elfriede Jelinek, Die Klavierspielerin, Erzähltheorie, Gérard Genette, Narratologie, Erzählinstanz, Fokalisierung, Sprachanalyse, Rhetorik, Musikalität, Machtverhältnisse, Literaturwissenschaft, Autonome direkte Figurenrede, Erzählzeit, Dekonstruktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht formale und sprachliche Strukturen in Elfriede Jelineks Roman „Die Klavierspielerin“ mithilfe narratologischer Methoden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die erzähltheoretische Analyse, Jelineks spezifischer, aggressiver Schreibstil sowie das Zusammenspiel von Sprache, Macht und Gewalt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die komplexen Strategien aufzudecken, mit denen Jelinek den Leser beeinflusst, Nähe und Distanz erzeugt und soziale Klischees dekonstruiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine formale Analyse auf Basis narratologischer Konzepte, primär nach Gérard Genette, durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Erzählerstimme, den Modi der Fokalisierung, der Erzählzeit sowie Rhetorik, Metaphorik und Musikalität in der Sprache.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Erzähltheorie, Narratologie, Dekonstruktion, Sprachanalyse und das Werk „Die Klavierspielerin“ charakterisieren.
Welche Rolle spielt die Mutter-Tochter-Beziehung im analysierten Ausschnitt?
Sie wird als pathologisches Abhängigkeitsverhältnis dargestellt, das durch ständige Kontrolle und ein Gewaltverhältnis geprägt ist, welches der Autor sprachlich herausarbeitet.
Wie bewertet der Autor Jelineks Sprachgebrauch?
Der Autor würdigt Jelineks "Sprachkunst", in der sie durch Collage-Techniken und das Verfremden von Gemeinplätzen eine ästhetische Wirkung erzielt, die die Gesellschaft entlarvt.
- Arbeit zitieren
- babette ruppel (Autor:in), 2004, Analyse des Romans "Die Klavierspielerin" von Elfriede Jelinek, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158326