1. Kapitel: Erläuterung der Relevanz der Dyslexieforschung sowie Berührungspunkte mit Sprachentwicklungsstörungen. Darstellung der aktuellen Forschungslage und des angenommenen gemeinsamen Kerndefizit der phonologischen Verarbeitungskompetenz. Hinweis zu problematischen Methoden im Forschungsdiskurs. Formulierung der Forschungshypothese.
Kapitel 2: Prinzipien der deutschen Phonetik und Phonologie. Da Dyslexien trotz einiger Überschneidungen in unterschiedlichen Sprachen verschiedene Störungsschwerpunkte haben können,
wird bei der Beschreibung des phonologisch-phonematischen Erwerbs zwischen internationalen und nationalen Befunden unterschieden.
Kapitel 3: Erläuterung des Konstrukts der "Phonologischen Bewusstheit". Neben Befunden zum ungestörten Erwerbsverlauf werden die meistgenutzten Testaufgaben zur Erfassung der PB vorgestellt und kritisch diskutiert.
Kapitel 4: Modelle und Prinzipien, die den ungestörten Lese- und Schriftspracherwerb zu erklären versuchen. Max Colthearts Modelle zum Worterwerb erfahren wegen ihrer stabilen Ergebnisse besondere Betrachtung.
Kapitel 5: Fokussierung auf die beiden relevanten Störungskomplexe SES und Dyslexie (Sprachmaterial vergleichend englisch/deutsch). Aus dem großen Bereich der SES wird die phonologisch begründete Aussprachestörung als spezifische SES ausgewählt und wegen ihrer unterschiedlichen Ausprägungen in Subtypen klassifiziert.
Kapitel 6: Klassifikation von Dyslexien. Vorstellung der fuer die Arbeit relevanten beiden Dyslexietypen und deren Verursacherkonzepte.
Kapitel 7: Methodik der empirischen Studie, an der über 70 Berliner Grundschüler teilnahmen. Die Studie dient der Hypothesenprüfung, dass isoliert rechtschreibgestörte Kinder größere Defizite in der phonologischen Verarbeitung aufweisen werden, als isoliert lesegestörte Kinder und Kontrollkinder.
Das Vorgehen wird erklärt und die Ergebnisse werden berichtet.
Kapitel 8: Interpretation und Diskussion der Ergebnisse im aktuellen Forschungskontext.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit
2. Grundlagen der Phonetik und der Phonologie
2.1 Phonetik der deutschen Sprache
2.1.1 Vokale
2.1.2 Konsonanten
2.2 Phonologie der deutschen Sprache
2.3 Befunde zum Erwerb der phonologisch-phonematischen Kompetenz
2.4 Befunde zum Erwerb der phonologisch-phonematischen Kompetenz im Deutschen
3. Phonologische Bewusstheit
3.1 Entwicklung der Phonologischen Bewusstheit
3.1.1 Wortphonologie: Segmentierung von Wörtern und Silben
3.1.2 Reime
3.1.3 Phonemdifferenzierung und –identifikation, Phonemmanipulation
3.1.4 Silbenfolgen wiederholen
3.2 Einordnung des Konstrukts „Phonologische Bewusstheit“ in den Kontext der Phonologischen Kompetenz
4. Modellvorstellungen zum ungestörten Lese- und Schriftspracherwerb
4.1 Das Drei-Stufen-Modell nach Uta Frith (1985)
4.2 Das Vier-Phasen-Modell nach Linnea Ehri (1998)
4.3 Modelle zur Worterkennung
4.3.1 Das Zwei-Routen-Kaskadenmodell nach Max Coltheart et al. (2003)
4.3.2 Kritische Betrachtung des Zwei-Routen-Kaskadenmodells
4.3.3 Adaption des Zwei-Routen-Kaskadenmodells fürs Deutsche
5. Phonologisch begründete Aussprachestörungen
5.1 Psycholinguistisches Klassifikationsmodell nach Barbara Dodd (1995)
5.1.1 Artikulationsstörung
5.1.2 Phonologische Verzögerung
5.1.3 Konsequente Phonologische Störung
5.1.4 Inkonsequente Phonologische Störung
5.2 Aussprachestörungen bei deutschsprachigen Kindern
5.3 Sprachentwicklungsstörungen und Dyslexie
6. Dyslexie
6.1 Ätiologische Konzepte
6.1.1 Phonologisches Verarbeitungsdefizit
6.1.2 Auditiv-temporales Verarbeitungsdefizit
6.1.3 Genetische Befunde
6.1.4 Erkenntnisse aus der Neurobiologie
6.2 Differenzierung
6.2.1 Oberflächendyslexie, Phonologische Dyslexie
6.2.2 Doppeldefizit-Hypothese
7. Methode
7.1 Fragestellung
7.2 Design
7.3 Probanden
7.3.1 Ein- und Ausschlusskriterien
7.4 Erhebungsinstrumente
7.5 Durchführung
7.6 Ergebnisse
8. Evaluation und Diskussion der Ergebnisse
8.1 Was bedeuten die Ergebnisse für den Zusammenhang von SES und Dyslexie?
8.2 Zusammenfassung der Ergebnisse in Bezug auf die Ausgangsfragen
9. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen phonologischer Kompetenz und spezifischen Störungsbildern beim Lese- und Schriftspracherwerb, insbesondere bei isoliert lesegestörten gegenüber isoliert rechtschreibgestörten Kindern, um die Hypothese eines gemeinsamen phonologischen Kerndefizits kritisch zu prüfen.
- Phonologische Bewusstheit als psychologisches Konstrukt
- Modelle des ungestörten Lese- und Schriftspracherwerbs
- Klassifikation von Aussprachestörungen
- Ätiologische Konzepte der Dyslexie
- Empirische Untersuchung mittels MAUS Test
Auszug aus dem Buch
6.1.1 Phonologisches Verarbeitungsdefizit
Die am weitesten verbreitete Theorie besagt, dass Dyslexie ein linguistisches Problem darstellt, das auf einer defizitären phonologischen Verarbeitung beruht (Frith, 1998; Rack, 1994; Snowling, 2000). Phonologische Verarbeitung bezieht sich vor allem darauf, wie mit phonologischen Informationen beim Sprechen und Schreiben im kognitiven Prozess umgegangen wird. Sie umfasst Richard Wagner und Joseph Torgesen (1987) zufolge mindestens drei Bereiche:
a) die Phonologische oder phonemische Bewusstheit, b) das phonologische Rekodieren, um lexikalischen Zugriff zu erhalten und c) das phonetische Rekodieren im Arbeitsgedächtnis.
a) Die Phonologische Bewusstheit wird als ausschlaggebend für den späteren Leseerwerb gewertet (Snowling, 2005). Erst wenn ein Kind die Prinzipien verstanden hat, nach denen Wörter gebildet werden, kann es beginnen, diese Wörter gemäß der Systematik zu dechiffrieren. Die Phonologische Bewusstheit und das Rechtschreiben sowie das lautierende Lesen interagieren miteinander und optimieren sich wechselseitig.
b) Phonologisches Rekodieren, um lexikalischen Zugriff zu erhalten bedeutet nach Wagner und Torgesen (1987) die Rekodierung schriftlich oder bildlich fixierter Symbole in eine klangbasierte Repräsentation, die dann benutzt wird, um auf das Mentalen Lexikon zuzugreifen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Relevanz der Dyslexieforschung, die Problematik von Sprachentwicklungsstörungen sowie die Formulierung der zentralen Forschungsfragen und Hypothesen.
2. Grundlagen der Phonetik und der Phonologie: Vorstellung der theoretischen Grundlagen der deutschen Phonetik und Phonologie sowie des Erwerbs der phonologisch-phonematischen Kompetenz.
3. Phonologische Bewusstheit: Erläuterung des psychologischen Konstrukts, der Kerngebiete und der Testverfahren zur Erfassung der phonologischen Bewusstheit.
4. Modellvorstellungen zum ungestörten Lese- und Schriftspracherwerb: Darstellung verschiedener Phasenmodelle und Ansätze zur Worterkennung, mit Fokus auf dem Zwei-Routen-Kaskadenmodell.
5. Phonologisch begründete Aussprachestörungen: Klassifikation von Sprachstörungen und Abgrenzung verschiedener Störungstypen bei deutschsprachigen Kindern.
6. Dyslexie: Vorstellung ätiologischer Konzepte der Dyslexie und Diskussion der verschiedenen Subtypen wie Oberflächendyslexie und Doppeldefizit-Hypothese.
7. Methode: Detaillierte Beschreibung des Studiendesigns, der Stichprobe (Berliner Grundschüler) und der verwendeten Erhebungsinstrumente zur Prüfung der Forschungshypothese.
8. Evaluation und Diskussion der Ergebnisse: Interpretation der empirischen Daten hinsichtlich des Zusammenhangs von phonologischer Kompetenz und den verschiedenen Störungsbildern.
9. Ausblick: Zusammenfassung der weiteren Analysepotenziale und notwendiger künftiger Studien im Forschungsfeld.
Schlüsselwörter
Dyslexie, Phonologische Bewusstheit, Schriftspracherwerb, phonologische Kompetenz, Lese-Rechtschreibschwäche, Aussprachestörung, MAUS Test, Arbeitsgedächtnis, phonologische Verarbeitung, Graphem-Phonem-Konversion, Doppeldefizit-Hypothese, Sprachentwicklungsstörungen, empirische Untersuchung, Lesestörung, Rechtschreibstörung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen phonologischer Kompetenz und unterschiedlichen Störungsformen bei Kindern mit Lese- und Rechtschreibproblemen, um zu klären, ob ein einheitliches phonologisches Kerndefizit vorliegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die phonologische Bewusstheit, Modelle des Lese- und Rechtschreiberwerbs, die Klassifikation von Aussprachestörungen sowie die neurobiologischen und kognitiven Ursachen der Dyslexie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Überprüfung der Hypothese, ob isoliert rechtschreibgestörte Kinder signifikant größere Defizite in der phonologischen Verarbeitung aufweisen als isoliert lesegestörte Kinder und Kontrollkinder.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein empirisches Forschungsdesign angewendet, bei dem 74 Berliner Grundschüler mittels des MAUS Tests (Münchener auditiver Screeningtest) untersucht und die Daten statistisch (Varianzanalysen) ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Phonetik, Phonologie, Modelle) und einen empirischen Teil, der das Design, die Durchführung und die detaillierte Auswertung der erhobenen Daten umfasst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Dyslexie, Phonologische Bewusstheit, phonologische Verarbeitungskompetenz, Lese-Rechtschreibschwäche, Aussprachestörungen und der MAUS Test.
Warum unterscheidet die Autorin zwischen isoliert lesegestörten und rechtschreibgestörten Kindern?
Die Unterscheidung erfolgt, um die traditionelle Praxis infrage zu stellen, alle Kinder mit Lese-Rechtschreibproblemen in eine Gruppe zusammenzufassen, was oft zu widersprüchlichen Studienergebnissen führt.
Bestätigen die Ergebnisse das vermutete Kerndefizit?
Die Ergebnisse sprechen teilweise gegen ein allgemeines, einheitliches Kerndefizit, da nur die isoliert rechtschreibgestörte Gruppe signifikante Abweichungen zu den Kontrollkindern in den untersuchten Bereichen zeigte.
- Arbeit zitieren
- Babette Ruppel (Autor:in), 2008, Zusammenhänge zwischen der phonologischen Kompetenz und dem gestörten Schriftspracherwerb dyslektischer Kinder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158335