Die Walterichskapelle in Murrhardt


Hausarbeit, 2010

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Baugeschichte

3. Der Meister der Kapelle

4. Das Portal
1. Aufbau des Portals
2. Kapitelle

5. Das Innere der Kapelle
1. Aufbau
2. Kapitelle

6. Das Äußere der Kapelle
1. Apsis
2. Kapitelle

7. Literaturverzeichnis

8. Eigenständigkeitserklärung

1. Einleitung

Die Walterichskapelle in Murrhardt gilt als ein Hauptwerk spätromanischer Architektur in Süddeutschland[1]. Sie ist eine Gedächtniskapelle für den Heiligen Walterich, der um 800 in Murrhardt gelebt und gewirkt haben soll und wird auf 1220 – 1240 datiert.

Wohl aus dem Geschlecht der Karolinger stammend[2], soll dieser zunächst als Einsiedler gelebt haben, ehe er um 817 das Benedektinerkloster St. Januarius in Murrhardt gründete, dessen erster Abt er auch wurde. Von ihm wird gesagt, dass er wundersame Kräfte besessen habe und Krankheiten heilen konnte. Am 29.11. 850 verstarb Walterich in Murrhardt. Der Sage nach versuchten die Mönche den Grabstein Walterichs ans Neid fortzuschaffen, doch kehrte dieser immer wieder an seinen Platz zurück, weshlab man ihn zerschlug. Aus dem größten Stück, dass dabei entstand, sei nun der Opferstock gefertigt, der noch immer Wunderkraft besitze[3]. An einem Karfreitag im Jahre 1228 wurde Walterich heilig gesprochen worden, weshalb die Kapelle noch heute Ziel von Pilgern und Wallfahrten am Karfreitag ist.

Lange wurde vermutet, die Walterichskapelle sei das Grabmal Walterichs, doch wurde sein Grab 1963 bei Ausgrabungen in der auf einem Hügel nahe des Klosters stehenden Walterichskirche entdeckt. Eine exakte Datierung ist nach wie vor nicht möglich, doch ist man sich heute darüber einig, dass die Kapelle zu Lebzeiten Friedrich II.[4] – genauer : zwischen 1220 und 1240 (wahrscheinlich um 1230), zusammen mit dem Westturm der Kirche, erbaut wurde.

2. Baugeschichte

817 wurde ein Benediktinerkloster in Murrhardt von Kaiser Ludwig dem Frommen gestiftet. Zu dem Kloster gehörte eine Klosterkirche, die der Heiligen Maria, der Heiligen Dreifaltigkeit und dem Heiligen Januarius geweiht wurde[5]. Eine umfangreiche karolingische Klosteranlage wurde begonnen zu errichten, ehe die Arbeiten an dem Bau um 1000 – 1030 abgebrochen wurden und eine frühromanische Klosteranlage errichtet wurde. Die Kirche wurde dabei durch eine dreischiffige, doppelchörige Basilika mit Westquerhaus und westlichem Rechteckchor ersetzt[6], wobei sie diese Besonderheit des Westquerhauses mit Bauten in Lorch, Wimpfen, Ellwangen und Reichenau teilt[7]. 1140 wurde der Ostchor umgebaut und zwei Kirchtürme errichtet[8]. 1220 bis 1240 wurde der Westchor umgebaut, der als Mönchschor benutzt wurde[9]. Ebenso wurde ein Westturm angebaut, welcher jedoch in der ersten Hälfe des 14. Jahrhunderts wieder fiel[10]. In einer Zeit, in der in Frankreich bereits gotisch gebaut wurde[11], wurde an den Nordturm der Kirche unter den Grafen von Wölffölden-Löwenstein[12] um 1230 die Walterichskapelle angebaut.

Die Kirche erfuhr noch einige Änderungen und Umbauten. So wurde um 1325 der Ostchor in frühgotischem Stil neu errichtet, und von 1430 bis 1450 der Westchor – der bis 1972 der Hauptchor der Kirche war –, das Querschiff und das Langhaus im hochgotischen Stil neu gebaut[13]. Um 1525 wurde Murrhardt von aufständischen Bauern geplündert und das Kloster entging nur knapp der Zerstörung[14]. Beim Stadtbrand 1765 jedoch wurde der größte Teil des Klosters vernichtet[15]. Von diesen Dingen unberührt blieb die Walterichskapelle. Im 19. Jahrhundert wendet man sich ihr verstärkt zu und renoviert sie in den Jahren ab 1862 bis 1879[16].

Die Kirche wurde ab 1968 außen, ab 1973 innen erneuert und 1975 nach siebenjähriger Restaurierungsarbeit wiedereingeweiht.

3. Der Meister der Kapelle

Der Name des Meisters der Walterichskapelle ist unbekannt, wie das bei den meisten Baumeistern des Hochmittelalters der Fall ist. Es lässt sich jedoch sagen, dass sein Schaffen unter dem Stern der staufischen Reichskunst zur Zeit Friedrich II. stand. Es ist zudem davon auszugehen, dass der Murrhardter Meister lombardische, apulische und sizilianische Einflüsse in seiner Ausbildung empfing, die er wohl an der kaiserlichen Bauschule am Mittelrhein absolvierte[17].

Eine Verbindung des Meisters zum Mittelrhein lässt sich beispielsweise hinsichtlich des Wandaufbaus und der Apsisform zwischen der Murrhardter Walterichskapelle und der Matthiaskapelle in Kobern-Gondorf bei Koblenz herstellen; beide wurden ungefähr im selben Zeitraum errichtet[18].

Aufgrund der Verwandschaften der Bauten der Johanniskirche in Schwäbisch Gmünd, der Galluskirche in Brenz, der Stiftskirche in Faurndau und der Klosterkirche in Denkendorf mit der Walterichskapelle in Murrhardt, kann davon ausgegangen werden, dass der Murrhardter Meister an den genannten Bauten ebenfalls eigenhändig mitgewirkt hat. Bei der Johanniskirche in Gmünd wird er zwar nicht Hauptbaumeister gewesen sein, doch der bauplastische Schmuck und Einzelheiten der äußeren Komposition lassen auf seine Beteiligung schließen. Bei Brenz in Faurndau hingegen kann man von Frühwerken des Murrhardter Meisters sprechen, wobei in Faurndau wohl auch der Weinsberger Meister Conrad mitgewirkt hat. Die volle Form seines Baugedankens äußert der Murrhardter Meister durch die Gruftkirche in Denkendorf. Als Werk auf dem Höhepunkt seines Schaffens ist jedoch die Walterichskapelle zu bezeichnen. Zu ihr gehörte ursprünglich auch ein Kreuzgang, der allerdings nicht mehr erhalten ist, und welcher ebenfalls Werk des Meisters gewesen sein soll[19].

In der Walterichskapelle, wie erwähnt, befindet sich der Meister auf dem Höhepunkt seines Schaffens, der spätromanische Stil findet in der Kapelle seinen Höchstausdruck und sein Ende[20]. Zu dieser Zeit wurde an anderen Orten bereits gotisch gebaut; der Meister wusste wohl um das Ende der alten Kunst und bereitete ihr mit dem Bau der Walterichskapelle einen würdigen Abschied, lässt jedoch schon leise Schwächen erahnen. Der innere Aufbau der Kapelle beispielsweise ist längst nicht mehr so streng, lässt nach in der Formenzucht; umso eindrücklicher zeigt sich die Stärke in Schmuck und Dekoration, beispielsweise außen am Apsisfenster.

Im Folgenden wird nun die Walterichskapelle genauer betrachtet. Zunächst wenden wir uns dem Portal mit seinen Kapitellen zu, um daraufhin das Innere der Kapelle und dort ebenfalls die Kapitelle in Augenschein zu nehmen, und dann zum Äußeren der Kapelle überzugehen.

4. Portal

1. Aufbau des Portals

Das Portal der Walterichskapelle hat eine Tiefe von 1,40 Meter und ist aus der Mittelachse heraus an die Seitenschiffwand gerückt. Dies war nötig aufgrund der Gestaltung des Innenraumes. Es erinnert in dieser Hinsicht an das Portal der Johanneskirche in Schwäbisch Gmünd. Hervorgehoben wird das Portal durch die Verwendung eines eher grünlicheren Steins, während das restliche Mauerwerk von rotem Stein ist.

Nach Innen verjüngt sich das Portal stark. Die Breite des Rahmens, der vierfach abgetreppt ist, erfordert eine entsprechende Tiefe, deshalb ist für das Portal ein besonderer Vorbau vor die Westwand gesetzt). Die Rundbögen sind von Palmetten-, Blatt- und Rankenornamenten begrenzt und ruhen auf Säulen, der äußere Rundbogen ruht auf zwei Säulen. Die Säulen sind wie auch bei den nächsten Abtreppungen als Rundstäbe um das Bogenfeld herumgeführt[21]. Die äußeren Eckdienste sind stark betont, sie bilden das System der Strebepfeiler der Gotik vor[22].

Im Tympanon ist – wie zu dieser Zeit im deutschen Raum üblich[23] – ein Christus dargestellt. In seiner linken Hand ein Buch, wohl die Heilige Schrift, haltend, die rechte Hand segnend erhoben. Der Thron, auf dem Christus sitzt, steht mit jeweils einer Palmette zu jeder Seite, und jeweils ein an eine Tierpfote erinnerndes Bein hervor.

[...]


[1] Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Baden-Württemberg I. Deutscher Kunstverlag, München, 1993. S.556.

[2] Walter Hotz: Die Walterichskapelle zu Murrhardt. Ein romanisches Kleinod in Schwaben. Stuttgart, 1935. S.11.

[3] Hotz, S.19.

[4] Tod: 1250.

[5] Dehio, S.555.

[6] Ebenda.

[7] Hotz, S.15.

[8] Richard Eisenhut: Stadtkirche Murrhardt. Evangelische irchengemeinde Murrhardt, Murrhardt, 1978. S. 2

[9] Dehio, S.556.

[10] Ebenda.

[11] Eisenhut, S.23

[12] Eisenhut, S.2-5.

[13] Eisenhut, S.5

[14] Hotz, S.13

[15] Hotz, S. 14

[16] Ebenda.

[17] Hotz, S.35.

[18] Dehio, S.557.

[19] Hotz, S.35 f.

[20] Hotz, S.37.

[21] Hotz, S.25.

[22] Hotz, S.22.

[23] Friedrich und Helga Möbius: Bauornament im Mittelalter. Symbol und Bedeutung. Berlin, 1974. S.13.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Walterichskapelle in Murrhardt
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Romanische Bauornamentik in Deutschland
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V158381
ISBN (eBook)
9783640715633
ISBN (Buch)
9783640715787
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Walterichskapelle, Murrhardt, Romanik, Kapelle, Schwaben, Schwäbisch, Architektur, Kunstgeschichte, Kapitell, Bauornament, Bauornamentik, Spätromanik, Baden-Württemberg
Arbeit zitieren
Sebastian Halle (Autor), 2010, Die Walterichskapelle in Murrhardt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158381

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