Der Text beleuchtet die Definitionen von Mode, Kostüm, Tracht und die Entwicklung der Kleidungsforschung als wissenschaftliche Disziplin. Er beginnt mit der etymologischen Herkunft und historischen Bedeutung des Modebegriffs, grenzt ihn von Kostüm und Tracht ab und betont den Einfluss soziokultureller Faktoren auf Modeerscheinungen.
Anschliessend wird die Entwicklung des Kostümbegriffs von historischer Kleidung über Verkleidung bis hin zur Damenoberbekleidung skizziert. Die Tracht wird als ursprünglich standesgebundene Kleidung mit regionalen und nationalen Ausprägungen erläutert, die ebenfalls modischen Einflüssen unterliegt.
Beschrieben wird die Entstehung der Kleidungs- und Modeforschung als eigenständiges Forschungsgebiet ab dem späten 18. Jahrhundert , motiviert durch das Interesse an historischen Bühnenkostümen. Es werden die drei Hauptquellen der Forschung – bildliche und literarische Darstellungen sowie Originalkleidung – und die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaften hervorgehoben.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Philipp Zitzlspergers Forderung nach einer Aufwertung der Kostümkunde zu einer eigenständigen wissenschaftlichen Methode in der Kunstgeschichte. Er kritisiert die mangelnde theoretische und methodische Auseinandersetzung mit Kleidung in der Kunstanalyse.
Daraufhin werden verschiedene kunsthistorische Methoden wie Formanalyse, Ikonografie, Rezeptionsästhetik, Kontextanalyse und Materialikonografie vorgestellt.
Der zweite Teil des Textes widmet sich der Kleiderforschung des 19. Jahrhunderts im Kontext der Nationalbewegung und der Etablierung der Kostümkunde als akademische Disziplin. Robert von Spalarts "Versuch über das Kostüm" wird als Beginn der modernen deutschsprachigen Kostümwissenschaften gewürdigt.
Abschliessend wird die technologische Bekleidungsforschung nach Johannes Pietsch mit dem Fokus auf die Analyse erhaltener Originalkleidungsstücke und deren Herstellungstechniken erläutert und anhand von Fallbeispielen wie der Untersuchung der Grabbeigaben Papst Clemens II. und Janet Arnolds "Patterns of Fashion" diskutiert. Zudem wird auf Jakob von Falkes "Deutsche Trachten- und Modenwelt" eingegangen, die einen kulturhistorischen Ansatz verfolgte.
Inhaltsverzeichnis
1. Definition von Mode, Kostüm, Tracht und Kleidungsforschung
2. Zitzlspergers Vorstellung von Kostümkunde
3. Kleiderforschung des 19. Jahrhunderts
4. Technologische Bekleidungsforschung
5. Sammlung von Journals und Webseiten zur Kleidungsforschung
6. Die deutsche Trachten- und Modewelt von Jakob von Falke (1825-1897)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und methodische Einordnung der kunsthistorischen Kleidungsforschung. Ziel ist es, die Evolution der Disziplin von ihren Anfängen im 18. und 19. Jahrhundert bis hin zu modernen technologischen Analyseansätzen aufzuzeigen und die Relevanz der Kostümkunde als wissenschaftliche Methode zu verdeutlichen.
- Historische Definitionen und Abgrenzung von Begriffen wie Mode, Kostüm und Tracht.
- Die methodische Aufwertung der Kostümkunde weg von der reinen Hilfswissenschaft.
- Die Rolle zentraler Akteure wie Jakob von Falke in der Etablierung des Forschungsfeldes.
- Technologische Methoden der Bekleidungsanalyse an Originalobjekten und deren Anwendung.
- Überblick über relevante Fachpublikationen und digitale Netzwerke zur Kleidungsforschung.
Auszug aus dem Buch
Zitzlspergers Vorstellung von Kostümkunde
Zitzlsperger vertritt den Standpunkt, dass die Kostümkunde aufgewertet und vom Status einer Hilfswissenschaft in den Rang einer wissenschaftlichen Methode gehoben werden müsse. Insbesondere bemängelt er das Fehlen sowohl von theoretischen Überlegungen zur Kleidung in der Kunst als auch von methodischen Diskussionen. Die Kostümkunde soll in die Bildanalyse substanziell integriert und für eine inhaltliche Analyse genutzt werden; nicht nur für die Benennung und Datierung von Kleidung. Die vielschichtige Bedeutung von Kleidung für Kunstgeschichte, Geschichte, Soziologie und Genderforschung muss wieder neu aufgenommen werden. Die wenigen vorliegenden Studien, welche die kostümkundliche Methode bereits erfolgreich angewendet haben, scheinen sich seiner Ansicht nach nicht durchzusetzen. In den wichtigen ikonografischen Lexika sei von Kleidung, Gewand oder Kostüm gar nicht oder nur am Rande zu lesen und wissenschaftliche Studien zur Kunstgeschichte scheinen das Thema in der Regel zu übergehen. Während sich die Historiker seit etwa 1990 intensiv mit der sozialen Funktion der Kleidung auseinandersetzen, werde die Kostümkunde als Hilfswissenschaft von Kunsthistorikern heute unterschätzt oder gar ignoriert. Kostümkundliche Grundlagenwerke, wie zum Beispiel Joseph Brauns Handbuch zur Geschichte der liturgischen Gewandung von 1907, seien zwar hinlänglich bekannt und in Benutzung. Die Kunstgeschichte als wissenschaftliche Disziplin bediene sich ihrer aber nur, wenn es um die korrekte Benennung und Datierung von Gewändern in der Bildbeschreibung gehe. Deshalb habe auch Willibald Sauerländer 1983 für die Mediävistik in seinem Aufsatz Kleider machen Leute nachdrücklich für eine kostümkundliche Kunstgeschichte plädiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definition von Mode, Kostüm, Tracht und Kleidungsforschung: Das Kapitel erläutert die terminologischen Grundlagen der Begriffe und skizziert die Entstehung der Disziplin als moderne Wissenschaft seit dem späten 18. Jahrhundert.
2. Zitzlspergers Vorstellung von Kostümkunde: Hier wird Philipp Zitzlspergers Forderung thematisiert, die Kostümkunde von einer Hilfswissenschaft zu einer eigenständigen wissenschaftlichen Methode innerhalb der Kunstgeschichte zu erheben.
3. Kleiderforschung des 19. Jahrhunderts: Dieses Kapitel behandelt die Anfänge der modernen Kostümgeschichte im Kontext des Nationalstaatsgedankens und der Arbeit von Pionieren wie Robert von Spalart.
4. Technologische Bekleidungsforschung: Johannes Pietschs methodischer Ansatz zur Analyse von Originaltextilien wird vorgestellt und anhand konkreter Fallbeispiele kritisch hinterfragt.
5. Sammlung von Journals und Webseiten zur Kleidungsforschung: Es wird eine praktische Übersicht wichtiger internationaler Fachpublikationen und digitaler Akteure des Forschungsfeldes geboten.
6. Die deutsche Trachten- und Modewelt von Jakob von Falke (1825-1897): Diese Analyse würdigt Jakob von Falkes bedeutende Publikation als eigenständigen kulturhistorischen Beitrag zur Bekleidungsforschung des 19. Jahrhunderts.
Schlüsselwörter
Kostümkunde, Kleidungsforschung, Kunstgeschichte, Modegeschichte, Tracht, Methodik, Ikonografie, Kulturwissenschaft, Textilforschung, Jakob von Falke, Philipp Zitzlsperger, historische Kleidung, Bildanalyse, Kleiderreform, Materialforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die methodische Etablierung der Kostümkunde als Teilbereich der Kunstgeschichte und Kulturwissenschaft.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?
Die Schwerpunkte liegen auf der Begriffsdefinition von Mode und Tracht, der theoretischen Fundierung der Kostümkunde, der technologischen Bekleidungsforschung und der historischen Rezeption in einschlägigen Fachpublikationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Kostümforschung von einer reinen Hilfswissenschaft zu einer interdisziplinären Methode entwickelt hat, die Kleidung als zentrales Element der Kulturgeschichte versteht.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, historische Quellenkritik sowie die Evaluierung von interdisziplinären Ansätzen, wie der technologischen Untersuchung von Originaltextilien im Vergleich zur ikonografischen Bildanalyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine terminologische Einleitung, die wissenschaftstheoretische Positionierung nach Zitzlsperger, die historische Genese im 19. Jahrhundert sowie die praktische Anwendung moderner technischer Analysemodelle an Fallbeispielen.
Welche Schlagworte charakterisieren das Werk am besten?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Kostümkunde, methodische Kunstgeschichte, Kleiderkultur und historische Quellenforschung geprägt.
Welchen Stellenwert nimmt die "technologische Bekleidungsforschung" ein?
Sie wird als essenzielle, objektnahe Methode eingeführt, die durch das Vermessen und Analysieren von Schnittteilen und Geweben einen tieferen Einblick in historische Produktionstechniken ermöglicht.
Wie bewertet der Autor Jakob von Falkes Wirken?
Jakob von Falke wird als bedeutender Pionier gewürdigt, der die Kostümforschung mit kulturhistorischem Kontext anreicherte und maßgeblich zur Etablierung als eigenständiges Forschungsgebiet beitrug.
Warum wird die Kostümkunde laut Zitzlsperger oft unterschätzt?
Sie werde oft lediglich für oberflächliche Datierungen und Benennungen in Bildbeschreibungen genutzt, anstatt ihr Potenzial zur tiefergehenden inhaltlichen Analyse menschlicher Lebens- und Denkweisen voll auszuschöpfen.
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- Markus Stricker (Author), 2018, Wissenschaften der Mode. Zur Geschichte der kunsthistorischen Kleidungsforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1584181