Emissionszertifikate als Anlagealternative


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2010
36 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kurzfassung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Rahmenbedingungen des Emissionshandels in der EU und in Deutschland
2.1 Das Kyoto- Protokoll als völkerrechtlicher Vertrag
2.2 Die Mechanismen des Kyoto- Protokolls zur Reduzierung von Treibhausgasen
2.2.1 International Emission Trading
2.2.2 Joint Implementation und Clean Development Mechanism

3 Der Emissionshandel in der EU
3.1 Das Prinzip des EU-Emissionshandels
3.2 Zertifikatstypen (AAU, ERU, CER, EUA)
3.3 Handelsplätze

4 Der Emissionshandel am Beispiel der European Energy Exchange (EEX)
4.1 Der Spot- und Terminmarkt für die EU Emission Allowances (EUAs)
4.2 Preisentwicklung und fundamentale Preistreiber

5 Einsatzmöglichkeiten der Emissionszertifikate im Anlagegeschäft
5.1 Einsatzmöglichkeiten aus Sicht der Anlagenbetreiber nach dem TEHG
5.2 Einsatzmöglichkeiten aus Sicht der institutionellen und privaten Anleger ohne gesetzliche Emissionsreduktionsverpflichtung

6 Resümee

Anhang

Literaturverzeichnis

Kurzfassung

Seit Beginn der Industrialisierung haben überwiegend menschliche Aktivitäten zu einem deutlichen Anstieg der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre geführt. Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe durch die Industrie, wie beispielsweise Öl, Kohle oder Gas, wird zusätzliches Kohlendioxid freigesetzt. Während auf einen Europäer durchschnittlich neun Tonnen CO2 pro Jahr entfallen, verursacht ein Bewohner in Indien lediglich eine Tonne CO2 im Jahr. Ein Hin- und Rückflug von Deutschland nach New York setzt bereits pro Passagier rund vier Tonnen CO2 frei. Durch den CO2-Ausstoß wird der Klimawandel beschleunigt und ist somit einer der größten Herausforderungen weltweit für Gegenwart und Zukunft. Gewaltige Anstrengungen sind notwendig, um unsere Lebensräume zu schützen. Mit dem Klimawandel gehen auch große Veränderungen in der Wirtschaft einher. Zum Schutz der Umwelt wurde die Menge an erlaubtem CO2-Ausstoß begrenzt. Über Emissionszertifikate werden limitierte Kontingente an die Industrie verteilt. Die nicht benötigten Zertifikate sind übertragbar und damit auch handelbar. Erst durch eine sukzessive Reduzierung der zur Verfügung stehenden Emissionsberechtigungen gewinnt der ökonomische Anreiz der Unternehmen an Bedeutung. Die Zielsetzung dieser Arbeit ist es, einen Überblick über den Emissionshandel mit Verschmutzungsrechten in Bezug auf Einsatzmöglichkeiten solcher Zertifikate im Anlagegeschäft zu geben. Diese Arbeit kommt schließlich zum Ergebnis, dass Emissionszertifikate sowohl für die betroffenen Unternehmen als auch für umweltbewusste Privatanleger zunehmend an Einfluss und Bedeutung gewinnen.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kyoto-Verpflichtungen und EU-Lastenteilungsvereinbarung

Abbildung 2: flexible Mechanismen des Kyoto-Protokolls

Abbildung 3: flexible Mechanismen des Kyoto-Protokolls

Abbildung 4: Prinzip des Emissionshandels

Abbildung 5: Abgrenzung Emissionsrechte - Emissionsgutschriften

Abbildung 6: Preisentwicklung EUA Spot und EUA 2011

Abbildung 7: Determinanten der Preisbildung für EU-Emissionsrechte (EUAs)

Abbildung 8: KfW-Klimaschutzfonds „EIB-KfW CO2 Programm II“

Abbildung 9: Einsatzmöglichkeiten der Emissionzertifikate im Anlagegeschäft

Anhang:

Abbildung 10: Der Weg zum internationalen/ europäischen Emissionshandel

Abbildung 11: Vertragsstaaten des KP und Veränderung der Emissionen im Zeitvergleich

Abbildung 12: Treibhausgase (THG) im Überblick

Abbildung 13: Entwicklung der THG-Emissionen in Deutschland nach Sektoren

Abbildung 14: Vertragsstaaten des Kyoto-Protokolls

Abbildung 15: Unterschied des europäischen Emissionshandels im Gegensatz zum KP

Abbildung 16: Die Funktion der projektbasierten Mechanismen in der Klimapolitik

Abbildung 17: Kernkomponenten des ETS in Deutschland in den Handelsperioden I, II + ff.

Abbildung 18: Teilnehmer am europäischen Emissionshandel (Sektoren)

Abbildung 19: individuelle Seriennummer einer EU-Emissionsberechtigung

Abbildung 20: Anrechenbarkeit und Handelbarkeit der Emissionszertifikate

Abbildung 21: Spot- und Terminmarkt am Beispiel der European Energy Exchange (EEX)

Abbildung 22: Preisentwicklung EUA Spot und EUA 2011 mit Ausblick XIII

Abbildung 23: Möglichkeiten bei einer Über- oder Unterdeckung mit Zertifikaten XIV

Abbildung 24: Emissionshandel im Unternehmen - Chancen/Risiken! XIV

Abbildung 25: KfW-Klimaschutzfonds „EIB-KfW CO2-Programm XV

Abbildung 26: Anlagemöglichkeiten am Spotmarkt-Terminmarkt XV

Abbildung 27: Preisentwicklung EUA 2012, CER 2012 und CER Spread XVI

1 Einleitung

Der europäische Emissionshandel ist das Ergebnis von jahrelangen internationalen Bemühungen zur Erreichung von Umweltschutzzielen. Mit dem Beginn des Handels im Jahr 2005 wurde die weltweite politische Idee, dem Klimawandel langfristig entgegenzuwirken, umgesetzt. Die Reduktion von CO2-Emissionen soll dort stattfinden, wo diese ökonomisch am vorteilhaftesten ist. In diesem Zusammenhang gewinnen Emissionszertifikate sowohl für die betroffenen Unternehmen als auch für ethisch-ökologisch motivierte Privatanleger zunehmend an Bedeutung. Sie bieten einerseits Potentiale und Chancen, andererseits erhebliche Risiken für die beteiligten Akteure. Das Ziel dieser Arbeit ist einen Überblick über den neu geschaffenen Markt mit Emissionszertifikaten zu geben. Das Kapitel 2 setzt sich zuerst mit dem Kyoto-Protokoll und den flexiblen Mechanismen auseinander, bevor im Kapitel 3 das Prinzip des Emissionshandels, die wichtigsten Zertifikatstypen und die möglichen Handelsplätze dargestellt werden. Im Kapitel 4 wird der Spot- und Terminmarkt am Beispiel der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig dargestellt. Ferner werden Preisentwicklung und die relevanten Einflussfaktoren behandelt. Der letzte Abschnitt betrachtet die Einsatz- möglichkeiten der Emissionszertifikate im Anlagegeschäft aus Sicht der Anlagenbetreiber und aus Sicht von Investoren, die gesetzlich nicht zur Emissionsreduzierung verpflichtet sind.

2 Rahmenbedingungen des Emissionshandels in der EU und in Deutschland

2.1 Das Kyoto-Protokoll als völkerrechtlicher Vertrag

Im Jahr 1997 wurde im japanischen Kyoto eine der bedeutendsten historischen Vereinbarungen zum internationalen Klimaschutz getroffen. Ziel des Kyoto-Protokolls ist es, die Industrie- und Entwicklungsländer mit konkreten und individuellen Minderungen von sechs Treibhausgasen um durchschnittlich mindestens 5% im Zeitraum 2008 bis 2012 bezogen auf 1990 zu verpflichten.1 Das bekannteste der sechs Treibhausgase ist das Kohlendioxid CO2. Vereinbart wurde, dass dieses Regelwerk allerdings erst dann wirksam wird, wenn 55 der ca. 200 Vertragsstaaten der UNFCCC das Protokoll ratifizieren (erstes Quorum) und die ratifizierten Staaten mindestens 55% der CO2-Emissionen der sog. Annex-I- Staaten im Jahre 1990 auf sich vereinen (zweites Quorum).2Erst mit der Ratifizierung von Russland mit einem Emissionsanteil von 17,4% trat das KP am 16.02.2005 formell in Kraft und ist somit völkerrechtlich verbindlich.3Im Rahmen der Zielsetzung des KP hat die Europäische Union sich insgesamt zu einer Reduktion um 8% gegenüber 1990 verpflichtet.

Innerhalb der EU wurde ein Lastenverteilungsplan, das sog. burden-sharing-agreement vereinbart. Hiermit soll gewährleistet werden, dass Mitgliedstaaten mit weniger stark industriell geprägten Volkswirtschaften durch den Emissionshandel in ihrer weiteren Entwicklung nicht überproportional behindert werden.4 Deutschland hat sich dabei ein Emissionsminderungsziel von -21% in Relation zu 1990 gesetzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kyoto-Verpflichtungen und EU-Lastenteilungsvereinbarung

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Zenke/ Fuhr (2006), S. 9-10 und UNFCCC (Hrsg.), S.30-31

2.2 Die Mechanismen des Kyoto-Protokolls zur Reduzierung von Treibhausgasen

Das KP sieht vor, dass die Vertragsstaaten ihre Emissionsreduktionen zum Teil auch im Ausland erbringen dürfen. Sie können auf drei Marktmechanismen zurückgreifen, um ihre Klimaschutzziele wirksam zu erreichen. Zu diesen sog. flexiblen Mechanismen gehören:

- der internationale Emissionshandel (International Emission Trading - IET, Art. 17 KP) sowie die projektbezogenen Mechanismen
- Joint Implementation (JI, Art. 6 KP) und
- Clean Development Mechanism (CDM, Art. 12 KP).5

Für den weltweiten Klimaschutz ist es unerheblich, wo Emissionen abgebaut werden.

Entscheidend ist, dass die CO2-Emissionen insgesamt abgebaut werden - wo dies im Einzelnen geschieht, ist dabei nicht so wichtig.6Emissionsminderung kann dort stattfinden, wo es am kostengünstigsten ist. Damit wird gewährleistet, dass mit einem gleichen Mitteleinsatz global mehr Klimaschutz realisiert werden kann. Diese Instrumente bieten einerseits unternehmerische Potentiale und Chancen, andererseits Risiken für die beteiligten Akteure. Beispiele für emissionsmindernde Klimaschutzprojektaktivitäten sind der Bau von Windparks, die Verbesserung der Effizienz eines Fernwärmenetzes oder die Installation eines Biomassekraftwerks.7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: flexible Mechanismen des Kyoto-Protokolls

Quelle: in Anlehnung an Umweltministerium Baden-Württemberg (Hrsg.) (2005), S.16

2.2.1 International Emission Trading (IET)

Das emissionsbezogene Instrument International Emission Trading ist im Artikel 17 des KP festgelegt. Aufgrund der Vereinbarung eindeutiger Emissionsminderungen im KP wurde nun jedem der beteiligten Industriestaaten implizit ein individuelles Verschmutzungsbudget (Assigned Amount) zugeteilt. Die Grundidee eines Emissionsrechtehandels besteht darin, den Staaten die Möglichkeit zu geben, den Anteil ihres Verschmutzungskontingents, den sie aufgrund anderer vorgenommenen Reduktionsmaßnahmen nicht ausschöpfen, an andere Industriestaaten zu veräußern.8Grundsätzlich gilt, dass der Staat für jede emittierte Tonne CO2 ein international anerkanntes Emissionszertifikat vorlegen muss. Es wird jeweils nach festgelegten Zeiträumen abgerechnet. Die Vertragsparteien, die ihr Emissionsziel verfehlen, müssen die überschüssigen Emissionen von ihren Emissionserlaubnissen für den zweiten Verpflichtungsraum (2013-2017) mit einer „Wiedergutmachungsrate“ in Höhe von 1,3 abziehen.9Diese Verschmutzungsrechte werden seit 2008 international meistbietend veräußert

- Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. IET dient ausschließlich der Pflichterfüllung der Vertragsparteien des Kyoto-Protokolls.

Um die klimapolitische Ziele zu erreichen, ist jeder Staat berechtigt, ein nationales Emissionshandelssystem für einheimische Unternehmen zu etablieren. Ein Beispiel hierfür ist der Emissionshandel in der EU, der im Kapitel 3 noch detailliert vorgestellt wird.

2.2.2 Joint Implementation (JI) und Clean Development Mechanism (CDM)

Die projektbezogenen Instrumente Joint Implementation und Clean Development Mechanism ermöglichen den Industrie- oder Transformationsstaaten, in einem anderen Kyoto-Staat, sog. Gastgeberland, Klimaschutzprojekte durchzuführen. Das Ziel dieser gezielten Investitionen ist es, das Emissionsbudget aufzubessern. Die so vermiedenen Emissionen werden dem jeweiligen Investorstaat gutgeschrieben.10

Annex-B-Staaten, die kein nationales Emissionshandelssystem aufbauen wollen, können mit anderen Annex-B-Staaten im Rahmen von Joint Implementation kooperieren.11Da JI ausschließlich zwischen den Annex-B-Ländern gilt, bleibt die absolute Menge an Emissionsrechten innerhalb des Annex B konstant. Der Clean Development Mechanism (CDM) funktioniert ähnlich wie JI. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass ein Annex-B-Staat als Investor in einem Schwellen- oder Entwicklungsland als Gaststaat das sog. CDM- Projekt finanziert. Potentielle Gastgeberländer sind neben Entwicklungsländern Afrika, Asien und Mittel-/Südamerika auch wachstumsstarke Volkswirtschaften wie China, Indien oder Brasilien.12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: flexible Mechanismen des Kyoto-Protokolls

Quelle: eigene Darstellung

3 Der Emissionshandel

3.1 Das Prinzip des EU-Emissionshandels (EU-ETS)

Aufgrund der Verpflichtungen zur Emissionsreduktion im Rahmen des KP verpflichteten sich die Mitgliedstaaten der Europäischen Union auf die Einführung eines EU-weiten Emissionshandelssystems. Die Grundlage zur Einführung des Emissionshandels hat die EU mit der Richtlinie 2003/87/EG13geschaffen. Diese Richtlinie verpflichtete die Mitgliedstaaten dazu, ab dem 01.01.2005 ein Handelssystem für Treibhausgase einzuführen. Somit entstand der erste grenzüberschreitende und weltweit größte EU-Emissionshandel (European Union Emission Trading Scheme, EU-ETS). Der Ansatz des Internationalen Emissionsrechtehandels wurde von der EU mit dem EU-Emissionshandelssystem auf Unternehmensebene übertragen.14Während IET den im Kyoto-Protokoll vereinbarten bilateralen Handel zwischen Annex-B-Staaten darstellt, agieren als Teilnehmer beim EU-ETS einheimische Unternehmen. Der EU-Emissionshandel ist in drei Phasen unterteilt. Die erste Handelsperiode, welche als Pilotphase anzusehen war, umfasste den Zeitraum 2005 bis 2007. Die zweite Handelsperiode von 2008 bis 2012, die dem ersten Verpflichtungszeitraum des Kyoto-Protokolls entspricht, dient vor allem der Stabilisierung, Feinjustierung und Weiterentwicklung. Ab dieser Periode sind vier nicht EU Mitglieder (Norwegen, Island, Liechtenstein und Schweiz) dem EU-ETS beigetreten. Die dritte Phase mit dem Ziel einer Verknüpfung zu einem globalen CO2-Markt deckt den Zeitraum ab dem Jahr 2013 ab.

Das ökonomische Prinzip, welches dem Handel mit Emissionsberechtigungen zugrunde liegt, wird „Cap-&-Trade“ genannt.15Eine übergeordnete Institution beschränkt durch rechtlich bindende Höchstgrenzen Emissionen, die in die Luft abgegeben werden dürfen. Diese Obergrenze wird als „Cap“ bezeichnet. Die Anlagenbetreiber erhalten jährlich Berechtigungen, die auf der Basis eines durch jeden Mitgliedstaat zu erstellenden Zuteilungsplanes zugeteilt wurden. Dieser sog. Nationale Allokationsplan (NAP) bildet das Kernstück des EU-Emissionshandels. In ihrem jeweiligen NAP legen die Mitgliedstaaten der EU fest, wie viele Emissionsberechtigungen sie nach welchen Regeln den emissionshandelspflichtigen Unternehmen zuteilen wollen.16Der NAP besteht aus zwei wichtigen Elementen. Während der Makroplan das nationale Emissionsbudget (das sog. Cap) festlegt, regelt der Mikroplan die konkrete Zuteilung der Emissionsberechtigungen auf die einzelnen betroffenen Anlagen. Jedes Emissionszertifikat verbrieft das Recht innerhalb eines bestimmten Zeitraums eine Tonne CO2-Äquivalent in die Atmosphäre zu emittieren. Gibt eine Anlage in der laufenden Handelperiode mehr CO2 ab, als kostenlos zugeteilt wurde, so muss der Betreiber für die zusätzliche Menge Emissionszertifikate zukaufen. Dies kann etwa von einem Unternehmen, das seine Anlage modernisiert und so den CO2-Ausstoß reduziert hat, erfolgen. Dadurch entsteht der eigentliche Emissionshandel „Trade“.

Gemäß Art. 16 Abs. 3 und 4 Richtlinie 2003/87/EG müssen Anlagenbetreiber bis zum 30. April jeden Jahres eine ausreichende Anzahl von Zertifikaten zur Abdeckung ihrer Emissionen im Vorjahr abgeben. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine vorhandene Unterdeckung von Emissionsberechtigungen auszugleichen. Einerseits wird es nach dem sog. „Linking Directive“ Anlagebetreibern ermöglicht, Gutschriften aus den internationalen projektbezogenen Mechanismen des KP auf ihre Pflicht zur jährlichen Abgabe einer ausreichenden Menge von Zertifikaten anzurechnen.17Andererseits können durch „Banking“ und „Borrowing“ Emissionsberechtigungen zeitlich verschoben werden. Banking ist die Möglichkeit, nicht benötigte Berechtigungen in das Folgejahr zu übertragen. Diese nicht benötigten Zertifikate werden bei der DEHSt auf einem Konto angespart. Borrowing bezeichnet die vorgezogene Nutzung von Zertifikaten. Unternehmen können Berechtigungen, die am 28. Februar für das laufende Jahr ausgegeben werden, dazu verwenden, die Abgabepflichten des vorangegangenen Jahres zu erfüllen.18 Sowohl Banking als auch Borrowing war zwischen der ersten und zweiten Phase (2007/2008) nicht möglich, da zum 30.04.2008 alle verbliebenen Zertifikate auf den Konten der Betreiber verfallen sind. Kann der Betreiber nicht die erforderliche Menge an Zertifikaten zum 30. April eines jeden Jahres vorlegen, muss er eine Strafe von 100 EUR pro fehlenden CO2-Äquivalent zahlen. Im Folgejahr müssen die fehlenden Zertifikate nachgereicht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Prinzip des Emissionshandels

Quelle: übernommen aus Fichtner GmbH & Co. KG (Hrsg.) (2005)

3.2 Zertifikatstypen (AAU, ERU, CER, EUA)

Nach § 15 Satz 1 TEHG gelten Emissionszertifikate im EU-Emissionshandel nicht als Wertpapiere. Deshalb besteht bei einer inländischen Transaktion eine Umsatzsteuerpflicht. Das KP und die ergänzenden Vereinbarungen bestimmen eine Reihe verschiedener Emissionszertifikate. Diese lassen sich hinsichtlich ihrer Herkunft und ihrer Verwendbarkeit abgrenzen.

Grundsätzlich werden die Emissionszertifikate hinsichtlich ihrer Herkunft zwischen Emissionsrechten und Emissionsgutschriften unterschieden. Emissionsrechte werden im Rahmen des KP bzw. der nationalen Allokationsplänen zugeteilt. Diese Rechte können auch durch Auktionen oder Zukauf erworben bzw. überschüssige Emissionen verkauft werden.

Investoren können Emissionsgutschriften aus erfolgreich durchgeführten Klimaschutz- projekten im Ausland auf das eigene Reduktionsziel anrechnen lassen oder weiterveräußern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Abgrenzung Emissionsrechte - Emissionsgutschriften

Quelle: übernommen aus Deutsche Bank AG (Hrsg.) (2007b), S. 19

Ferner können die Zertifikate nach ihrer Verwendbarkeit auf der Ebene des bilateralen Handels gemäß KP (IET) und der Ebene des EU-Emissionshandels (EU-ETS) differenziert werden. Abbildung Nr. 5 zeigt eine Reihe von Zertifikatstypen auf, von denen die bedeutendsten Zertifikate in dieser Arbeit dargestellt werden. Die gesamte Ausgabenmenge von Zertifikaten heißt „Initial Assigned Amount“ (IAA).19

Die zugeteilten Emissionszertifikate (Assigned Amount Units, AAU; Art. 3 KP) sind Emissionsrechte, die jedem Vertragsstaat des KP basierend auf ihren Emissionen im Jahr 1990 und ihren Reduktionsziel zustehen. Für Deutschland entspricht dies 972 Mio. t CO2- Aqu. pro Jahr.20Der Handel mit nicht verbrauchten AAU ist seit 01.01.2008 möglich und beschränkt sich in der Regel auf die staatliche Ebene. Staaten können mit AAU ihre Verpflichtungen nach Artikel 3 Abs. 1 des KP erfüllen.21 Nichtbenötigte AAUs können unbeschränkt in die folgenden Verpflichtungsperioden überführt werden.

[...]


1 Vgl. UNFCCC (Hrsg.), Art. 3 Abs. 1 KP.

2 Vgl. Zenke/ Vollmer (2009), S. 5-6.

3 Vgl. Elspas/ Sommer/Kons (2006), S. 721.

4Vgl. Zenke/ Fuhr (2006), S. 9.

5Vgl. Zenke/ Vollmer (2009), S. 9.

6Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg.)(2008), S. 4-5.

7Vgl. Sterk/Arens (2008), S. 38.

8Vgl. Zimmer (2004), S. 48.

9Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg.) (2001), S. 3.

10Vgl. Zenke/ Vollmer (2009), S. 10.

11Vgl. Langrock/Bunse (2003); S. 131.

12Vgl. Zenke/ Vollmer (2009), S. 11.

13Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg.) (2003).

14Vgl. Wagner (2007), S. 8.

15Vgl. Lucht, M. (2004), S. 10.

16Vgl. Zenke/ Telschow (2009), S. 17.

17Vgl. Mehling, M. (2004), S. 81-82.

18Vgl. CO2ncept plus e.V. (2005), S. 18.

19Vgl. Lueg (2010), S. 215.

20Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg.) (2006), S. 19.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Emissionszertifikate als Anlagealternative
Hochschule
Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe Bonn
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
36
Katalognummer
V158439
ISBN (eBook)
9783640744220
ISBN (Buch)
9783640744442
Dateigröße
5147 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Emissionszertifikate, CO2, Kyoto- Protokolls, Emissionshandel, Treibhausgasen
Arbeit zitieren
Alexander Wittgruber (Autor), 2010, Emissionszertifikate als Anlagealternative, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158439

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