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Die psychoanalytische Deutung literarischer Werke unter besonderer Berücksichtigung von E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann"

Title: Die psychoanalytische Deutung literarischer Werke unter besonderer Berücksichtigung von E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann"

Term Paper , 2003 , 17 Pages , Grade: 2

Autor:in: Christof Niemann (Author)

Sociology - General and Theoretical Directions
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Die am häufigsten und vor allem die am gegensätzlichsten interpretierte Erzählung E.T.A. Hoffmanns ist der Sandmann. Durch die vielschichtige und mehrdimensionale Struktur des Werkes ist es bis heute nicht einfach den Überblick zu behalten und wirklich zu verstehen, worum es eigentlich geht. Daran haben auch die aus unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen angebotenen Erklärungsansätze nicht wirklich etwas ändern können. Mindestens genauso unterschiedlich wie ihre Vorgehensweisen bei der Interpretation sind nämlich auch ihre (mitunter ideologischen) Sichtweisen, die dem Werk einen Stempel aufzudrücken versuchen. Der Sandmann lebt von der Irritation und er produziert Irritation.
Es kann nicht Aufgabe dieser Hausarbeit sein, alle Ansichten erschöpfend zu diskutieren. Einen besonderen Beitrag zum Sandmann lieferte jedoch Sigmund Freud im Jahre 1919 in einer Arbeit über „Das Unheimliche“. Diese wird mir als Grundlage dieser Hausarbeit dienen, in der die zentrale Fragestellung wie folgt lauten soll: Wie funktioniert psychoanalytische Literaturwissenschaft und wie wirkt sich dieses Modell auf die Deutung des Sandmann aus?
Um diese Frage zu beantworten, werde ich wie folgt vorgehen: Nach einer eingehenden Betrachtung der psychoanalytischen Theorie zur Deutung literarischer Werke, werde ich eine schwerpunktmäßige Inhaltsangabe des Sandmannes vornehmen. Damit wäre dann das „theoretische Rüstzeug“ sowie das „Forschungsobjekt“ gegeben. Dann werde ich genauer auf Freuds Interpretation des Sandmanns eingehen um schließlich zu einer Alternative von Gisela Köhler zu kommen. In ihrer Dissertation über das Werk E.T.A. Hoffmanns bringt sie einige interessante Diskussionsbeiträge. Schließlich werde ich noch einmal auf die psychoanalytische Literaturwissenschaft zurückkommen, um Kritik sowie Möglichkeiten dieses Modells aufzuzeigen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die psychoanalytische Deutung literarischer Werke

3.1 Typische Träume

3.2 Der Ödipuskomplex

3.3 Der Held

3.4 Anwendung des psychoanalytischen Interpretationsmodells

3. E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann

4. Freuds Deutung des „Sandmann“

5. Eine alternative Deutung des Sandmann

6. Abschließende Betrachtung

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendung psychoanalytischer Modelle auf die Literaturwissenschaft am Beispiel von E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“. Das primäre Ziel ist es, die Wirkungsweise psychoanalytischer Deutungsansätze zu hinterfragen und im Vergleich zwischen Sigmund Freuds klassischer Interpretation und alternativen Forschungsansätzen aufzuzeigen, wie diese Methoden zur Erschließung komplexer literarischer Texte beitragen können.

  • Grundlagen der psychoanalytischen Literaturtheorie
  • Analyse des Augenmotivs und der Kastrationsangst
  • Vergleich von Freuds Deutung mit dem Ansatz von Gisela Köhler
  • Die Rolle des Unheimlichen und des Kindheitstraumas bei E.T.A. Hoffmann
  • Kritik an der psychoanalytischen Methodik in der Literaturwissenschaft

Auszug aus dem Buch

4. Freuds Deutung des „Sandmann“

Die folgenden Ausführungen basieren, soweit nicht anders gekennzeichnet, auf Sigmund Freuds Arbeit „Das Unheimliche“, die 1919 erschien. In ihr wird nicht nur eine Deutungsvariante des vielschichtigen „Sandmann“ angeboten, sondern auch eine lesenswerte Abhandlung zum psychischen Phänomen des Unheimlichen. Letzteres werden wir bei der Deutung des „Sandmann“ noch antreffen.

Nachdem sich Freud zu Beginn der Arbeit auf eine Definition des Unheimlichen von Schell geeinigt hat, lässt er E. Jentsch zu Wort kommen, der den „sichersten Kunstgriff“ bereithält, mit dem sich eine leicht unheimliche Wirkung durch Erzählung hervorrufen lässt. Der Kunstgriff besteht darin, „dass man den Leser im Ungewissen darüber lässt, ob er in einer bestimmten Figur eine Person oder etwa einen Automaten vor sich habe, und zwar so, dass diese Unsicherheit nicht direkt in den Brennpunkt seiner Aufmerksamkeit tritt“. Diese Bedingung sieht Freud bei Hoffmann in der Puppe Olimpia gegeben, auch wenn dieses Motiv „keineswegs das einzige ist, welches für die unvergleichlich unheimliche Wirkung der Erzählung verantwortlich gemacht werden muss.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die vielschichtige Struktur von E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ und definiert die zentrale Forschungsfrage nach der Funktionalität psychoanalytischer Literaturwissenschaft.

2. Die psychoanalytische Deutung literarischer Werke: Das Kapitel führt in die theoretischen Grundlagen ein, wobei der Zusammenhang zwischen schöpferischem Akt, Unbewusstem und der Biographik des Künstlers beleuchtet wird.

3.1 Typische Träume: Hier wird Freuds Methode der Traumdeutung sowie deren Übertragung auf kreative Prozesse und deren allgemeine Gültigkeit diskutiert.

3.2 Der Ödipuskomplex: Dieses Kapitel definiert den Ödipuskomplex als zentrales Phänomen der menschlichen Psyche und dessen Bedeutung für die Wirkung literarischer Stoffe.

3.3 Der Held: Hier wird Freuds Konzept des „Helden“ in der populären Literatur sowie dessen narzisstische Komponente als „Held aller Tagträume“ analysiert.

3.4 Anwendung des psychoanalytischen Interpretationsmodells: Dieses Kapitel stellt Peter von Matts vereinfachte Vorgehensweise bei der psychoanalytischen Analyse literarischer Konflikte vor.

3. E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann: Es erfolgt eine detaillierte Inhaltsangabe der Erzählung, beginnend mit der traumatischen Kindheitserinnerung Nathanaels bis hin zu seinem tragischen Tod.

4. Freuds Deutung des „Sandmann“: Dieses Kapitel konzentriert sich auf die psychoanalytische Deutung des Augenmotivs als Symbol für die Kastrationsangst.

5. Eine alternative Deutung des Sandmann: Hier wird der Ansatz von Gisela Köhler präsentiert, die Freuds Interpretation als Überinterpretation kritisiert und die Realangst des Kindes stärker gewichtet.

6. Abschließende Betrachtung: Diese Zusammenfassung reflektiert den Einfluss Freuds auf die Literaturwissenschaft und würdigt die Plausibilität psychoanalytischer Deutungswerkzeuge trotz ihrer methodischen Kritikpunkte.

Schlüsselwörter

Psychoanalyse, Literaturwissenschaft, E.T.A. Hoffmann, Der Sandmann, Sigmund Freud, Ödipuskomplex, Augenmotiv, Kastrationsangst, Gisela Köhler, Narzissmus, Unheimliches, Kindheitstrauma, literarische Deutung, Motivforschung, Nathanael.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht die psychoanalytische Herangehensweise bei der Interpretation von literarischen Werken, exemplarisch angewendet auf E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der psychoanalytischen Theoriebildung nach Freud, der Bedeutung des Augenmotivs, der Rolle von Kindheitstraumata sowie der kritischen Auseinandersetzung mit der literaturwissenschaftlichen Anwendbarkeit dieser Modelle.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es zu analysieren, wie die psychoanalytische Literaturwissenschaft funktioniert und welchen Einfluss dieser Deutungsansatz auf das Verständnis von Hoffmanns komplexem Werk hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die Sigmund Freuds psychoanalytische Theorien (wie die Traumdeutung und den Ödipuskomplex) als primäres Deutungsmodell nutzt und diese mit kritischen Gegenpositionen, insbesondere der von Gisela Köhler, kontrastiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Psychoanalyse, eine Inhaltswiedergabe des Sandmanns und eine detaillierte Gegenüberstellung der Freudschen Interpretation mit alternativen Ansätzen, ergänzt durch eine methodische Kritik.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Psychoanalyse, Ödipuskomplex, Augenmotiv, Unheimliches, Kastrationsangst und Narzissmus.

Wie unterscheidet sich Köhlers Ansatz von Freuds Interpretation?

Gisela Köhler lehnt Freuds Fokus auf den Kastrationskomplex als „Überinterpretation“ ab und argumentiert stattdessen stärker mit der im Werk verankerten „Realangst“ des Kindes Nathanael gegenüber seiner Umwelt.

Welche Bedeutung kommt dem „Augenmotiv“ in der Erzählung zu?

Das Augenmotiv fungiert als zentrales Symbol: Für Freud repräsentiert die Angst vor dem Verlust der Augen die Kastrationsangst, während es für Köhler primär als Ausdruck kindlicher Traumatisierung und der Unfähigkeit, die Welt korrekt wahrzunehmen, verstanden wird.

Welches Fazit zieht der Autor zur psychoanalytischen Literaturwissenschaft?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass psychoanalytische Ansätze trotz berechtigter methodischer Kritikpunkte wie vager Begrifflichkeiten als nützliche „Werkzeuge“ für eine psychologische Auseinandersetzung mit komplexen literarischen Texten dienen können.

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Details

Title
Die psychoanalytische Deutung literarischer Werke unter besonderer Berücksichtigung von E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann"
College
University of Heidelberg  (Institut für Soziologie)
Course
Freud und Kritische Theorie
Grade
2
Author
Christof Niemann (Author)
Publication Year
2003
Pages
17
Catalog Number
V15845
ISBN (eBook)
9783638208543
ISBN (Book)
9783638758383
Language
German
Tags
Deutung Werke Berücksichtigung Hoffmanns Sandmann Freud Kritische Theorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christof Niemann (Author), 2003, Die psychoanalytische Deutung literarischer Werke unter besonderer Berücksichtigung von E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15845
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