„Pompeius – Retter aus der Krise oder falscher Ruhm?“

Der Aufstieg des Pompeius (78-63 v.Chr.) Die Krisen der 70er Jahre und ihre Bewältigung


Seminararbeit, 2010

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gnaeus Pompeius Magnus – Feldherr des Senats
2.1. Herkunft und politisches Profil
2.2. Erster Triumph

3. Politische Ausgangssituation nach Sullas Tod
3.1. Lepidusaufstand und Sertoriuskrieg
3.2. Spartacusaufstand

4. Pompeius´ erstes Konsulat 70 v.Chr.

5. Der Seeräuberkrieg 67/66 V.Chr.

6. Die Neuordnung des Ostens

7. Pompeius – Retter aus der Krise oder falscher Ruhm?

8. Literatur

1. Einleitung

„In Pompeius verschränkt sich […] die Widersprüchlichkeit seiner Zeit, in der noch Republik genannt wurde, was bereits Monarchie war.“1

Die römische Republik befand sich in den 80er Jahren v.Chr. in einem disharmonischen und ungeordneten Zustand. Die Höhen und Tiefen der sullanischen Regierung, die unter anderem geprägt waren von Kriegen gegen Mithridates, Bürgerkriegen, Terror in Rom und dem Beginn der Proskriptionen, gefolgt von Wahlbestechung, Intrigen und Anarchie, die das öffentliche Leben und die Politik in Rom bis in 50 v.Chr. bestimmte, verlangte geradezu nach eine Persönlichkeit, wie Gnaeus Pompeius Magnus. Er wurde zu einer der prägenden Persönlichkeiten dieser Zeit, in der Regieren nach republikanischen Maßstäben und der Ideologie Sullas aussichtslos schien.

In der Fachliteratur war und ist Gnaeus Pompeius Magnus mit all seinen Taten und Absichten eine stark umstrittene Figur in der Antiken Geschichte. Der Sohn des ebenfalls aus der Geschichte Roms bekannten Gnaeus Pompeius Strabo, erlangte ungeachtet seiner Zugehörigkeit zum Ritterstand in Rom großen Ruhm und größte Anerkennung. Doch trotz seiner enormen Verbissenheit subtil seine Ziele zu erreichen, scheiterte er immer wieder an den innenpolitischen Strukturen Roms, in die er sich letztendlich nie ganz dazu zählen wollte und konnte. Häufig wird Pompeius als liebevoller und verantwortungsbewusster Ehemann beschrieben, der eher hilfsbedürftig, handlungsunfähig und leicht beeinflussbar in Erscheinung tritt. Im Gegensatz dazu würde er ohne zu Zögern seine eigentlichen Ziele und Wünsch nach hinten stellen, um die Anerkennung und Hochschätzung des römischen Volkes zu erlangen. Die Historikermeinungen stehen hinsichtlich der historischen Darstellung des Pompeius Magnus und seiner politischen und persönlichen Absichten kontrovers gegenüber. Theodor Mommsen sah in Pompeius „ein Beispiel falscher Größe, wie die Geschichte kein zweites kennt […]“ und als einen „gewissenlosen, selbstherrlichen und machtgierigen Egoist […] Beziehungen zu anderen Menschen dienen lediglich der Verwirklichung seines großen Ziels: der erste Bürger im Staat (princeps civitatis) zu sein.“2 Fast deckungsgleich in der Analyse des Pompeius beschreibt und sieht ihn der fachkundige Biograph Matthias Gelzer.

Karl Christ beschreibt ihn im Vergleich dazu als „[…] einer der bedeutendsten Organisatoren Roms, als einen glänzenden Admiral und durchaus bewährten Feldherren.“3 Christ spricht ihm aber im gleichen Atemzug die Fähigkeit des Staatsmannes ab, der als Führer und Lenker des römischen Reiches fungieren könnte. Eduard Meyer kritisiert vor allem Mommsens skizziertes Bild des römischen Feldherren, stimmt allerdings in Bezug auf die negativen Fassetten in Pompeius Charakter mit ihm überein. Auch wenn sich die Historiker in ihrer Charakteristika des Pompeius unterscheiden sehen sie doch grundsätzlich alle die Grenzen seiner Persönlichkeit. Ernst Baltrusch hält Meyer zugute, dass durch ihn die konkrete Beziehung zwischen Pompeius und dem späteren augustinschen Principat verdeutlicht wurde und ihm somit eine wesentliche Rolle in der Geschichte der späten römischen Republik zuzuordnen ist.4 Da sich die etlichen Darstellungen nicht ganz vereinen lassen, kann man sie doch auf einen Punkt bringen: Gnaeus Pompeius Magnus war grundsätzlich geprägt von dem tiefen und innigen Streben, immer der wichtigste und unabkömmlichste Bürger in Rom zu sein. Um deshalb ein möglichst gut fundiertes und aussagekräftiges Bild des Menschen, Feldherren und Politikers zu bekommen, muss man die Vorraussetzungen für seine Laufbahn, die Umstände während seines Konsulats und die Mechanismen Roms in die Betrachtung einbeziehen. Dies klärt eventuell im gewissen Maße die eingangs zitierte Widersprüchlichkeit der Zeit und des Pompeius von Jochen Bleicken. Das Augenmerk liegt dabei insbesondere auf Pompeius politischer Laufbahn unter dem Aspekt der Verwirklichung seiner persönlichen Ziele. Die Frage nach seinen eigenen Zielen und deren Verwirklichung im Rahmen seiner politischen und militärischen Handlungen führt in der Schlussbemerkung zu der Kernfrage, ob Pompeius ein Retter aus der Krise war oder doch eher ein strategischer Feldherr, der unablässig seine Ziele verfolgte und daher im nachhinein betrachtet lediglich falschen Ruhm erntete.

2. Gnaeus Pompeius Magnus – Feldherr des Senats

2.1. Herkunft und politisches Profil

Gnaeus Pompeius wurde am Jahre 106 v.Chr. in eine Familie von relativ spät aufgestiegenen plebejischen Geschlechts geboren, die keine allzu lange Ahnenreihe vorweisen konnte und somit nicht zur Nobilität zählte. Unter den direkten Vorfahren des Gnaeus wurde erst der Großvater Sextus Pompeius bekannt, der 118 v.Chr. als Statthalter in Makedonien amtierte und dort in Auseinander mit den Kelten den Tod fand.5 Erst mit dem Vater Gnaeus Pompeius Strabo, erhebt sich die Familie aus der Masse der großen Ritterschicht. Auch er hatte sich wie Sextus zuerst in Prozessen engagiert und war wie sein Vater Statthalter von Makedonien geworden. Und brachte es 89 v.Chr. sogar zum Konsulat. Die Heimat des jungen Pompeius – dem Picenum im Osten Italiens – stellt für seinen Vater Strabo und ihn das spätere militärische Klientel bereit. Gnaeus wuchs in den turbulenten Zeiten der Republikskrise auf und so kam er nicht um eine Ausbildung bei seinem Vater herum. Strabo führte damals als Konsul Krieg gegen die aufständischen Bundesgenossen und somit war „der Krieg seine Schule“6 und wurde zu seinem späteren Beruf. In Rom und den angrenzenden Gebieten waren die Jahre 87-84 v.Chr. geprägt vom Fehlen einer funktionierenden Ordnung. Die Popularen genossen große Macht und alle erwarteten sehnsüchtig die Rückkehr Sullas aus dem Osten, wo er u.a. mit der Reorganisation Griechenlands und Asia beschäftigt war. Die Haltung des damals 19-jährigen Pompeius war eher abwartend und auch eine politische Programmatik gehörte noch nicht zu seinen Zielen.7 Er zog sich vielmehr wieder in die Heimat Picenum zurück und pflegte dort angelegentlich die Beziehungen, die sein Vater als Grundherr und größten Patron der Landschaft bereits mit den umliegenden Bewohnern festigte. In dieser Zeit findet man den jungen Pompeius überwiegend in der Nähe einflussreicher Popularen, wie Gnaeus Papirius Carbo, aber 83 v.Chr. wechselte er auf die aussichtsreichere optimatische Seite über. Pompeius hatte bereits ein sehr menschenstarkes Klientel hinter sich stehen und wagte ohne amtliche Befugnis die ehemaligen Soldaten seines Vaters und seine alten Kameraden dazu aufzurufen gemeinsam mit ihm in den Freiheitskampf zu treten. Die Anhänger leisteten begeistert Folge und binnen weniger Wochen hatte er eine regelrechte Legion zusammengestellt. Mit diesem eigens aufgestellten Heer und ohne jegliche Legitimation aus Rom wollte er Sulla gute Dienste leisten.

Diese kühne Tat und der daraus resultierende Erfolg sollte seinem ganzen künftigen Leben die Richtung weisen und ab dieser Minute war er sowohl bei Sulla als auch beim römischen Volk bekannt für Mut, Entschlossenheit und Organisationstalent. Sulla begrüßte die Nachricht des jungen Pompeius und dessen eigenmächtigen Taten und führte ihn den Senatoren in Rom als beschämendes Beispiel vor Augen, dass es einem so jungen und militärisch unerfahrenen Mann gelungen ist, dem feindlichen Heer massenhaft Mannschaften zu entziehen. Christ beschreibt Sullas Sicht mit einer enormen Freude, die „umso größer ist, da solch eine Haltung vom Sohne Strabos am wenigsten zu erwarten war.“8 An das Vorgehen von Pompeius und die gewisse jugendliche Kühnheit, mit der er sein Weg antrat, erinnert sich auch noch Cicero Jahre später:

„[…]Was widerspricht so dem Herkommen, als einem blutjungen Menschen, dem es noch weit bis zum Senatorenalter fehlte, Kommando und Heer zu geben und ihm Sizilien und Afrika und den Krieg dort anzuvertrauen? Pompeius weilte in diesen Provinzen und bewies strengste Rechtlichkeit, größte Würde, höchste Tapferkeit; er beendete den großen Krieg in Afrika und führte sein Heer als Sieger zurück […]“

(Cicero, Oratio de imperio Cn. Pompei 61)9

Pompeius trat Sulla von Anfang an als eine selbstständige Macht gegenüber und hielt seitdem zeitlebens den Anspruch auf Anerkennung dieser Sonderstellung fest.

2.2. Erster Triumph

Pompeius hat sich mit seiner eigenmächtigen Heeresaufstellungen und den folgenden Siegen für Sulla und die Republik unentbehrlich gemacht. Es galt, wie es Gelzer in seiner Pompeius-Biografie tituliert, als „revolutionärer Vorgang“, dass Pompeius sich als „Amtsloser“ (privatus) eigenmächtig die Befehlsgewalt über ein römisches Heer aneignete. Diese Situation ließ sich einzig und alleine mit der „Notlage des Staates“10 rechtfertigen. Er bestach aber nicht nur durch sein mächtiges Heer und seine kriegerischen Erfolge, sondern war auch schon früh für seine Milde bekannt, mit der er als Schutzherr der Provinziale in den Reichsterritorien präsentierte. Bereits 81 v.Chr. erhielt er den Beinamen „der Große“ (magnus) in Anlehnung an Alexander den Großen. Unerhört war aber im Grunde nur sein junges Alter von 23 Jahren.

[...]


1 J. Bleicken, 2004, S.225

2 K. Christ, 2004, S.187-209

3 K. Christ, 2004, S.193

4 E. Baltrusch, 2004, S.186

5 K. Christ, 2004, S.187 ff.

6 E. Baltrusch, 2004, S.18 f

7 Ebd.

8 K. Christ, 2004, S.36 ff.

9 vgl. E. Baltrusch, 2004, S.19

10 M. Gelzer, 1984, S.37 ff.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
„Pompeius – Retter aus der Krise oder falscher Ruhm?“
Untertitel
Der Aufstieg des Pompeius (78-63 v.Chr.) Die Krisen der 70er Jahre und ihre Bewältigung
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V158496
ISBN (eBook)
9783640715879
ISBN (Buch)
9783640716210
Dateigröße
647 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pompeius, Krise, Aufstieg des Pompeius, 70er Jahre v.Chr., Gnaeus Pompeius Magnus, Seeräuberkriege, Neuordnung des Ostens
Arbeit zitieren
Alexandra Filber (Autor), 2010, „Pompeius – Retter aus der Krise oder falscher Ruhm?“ , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158496

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