Der Transport von Gütern nimmt nicht nur in Deutschland einen wichtigen Bestandteil von Austauschprozessen ein und dient als Grundlage des wirtschaftlichen Handelns. Jedoch befinden sich vor allem Speditionsunternehmen heutzutage aufgrund ständig steigender Treibstoffkosten und der Erhöhung von Straßenbenutzungsgebühren in einer schwierigen Lage. Umso wichtiger erscheint daher eine möglichst effiziente Kostenkontrolle von Seiten der Transportunternehmen um am Markt bestehen zu können. Da sich dies aber nicht gerade als unproblematisch erweist, wird in den folgenden Darstellungen deutlich werden.
Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Besonderheiten der Kosten- und Leistungsrechnung in Güterverkehrsbetrieben zu verdeutlichen.
Dabei werden im ersten Schritt die der Arbeit zugrundeliegenden Begriffe zu klären sein sowie die besondere Charakteristik des Güterverkehrs. Im Mittelpunkt stehen dabei die besonderen Merkmale der Leistungserbringung und die Probleme bei der Kostenverursachung sowie der Bezugsgrößenwahl. Diese Punkte werden sich nachfolgend in der gesamten Arbeit wiederspiegeln.
Anschließend werde ich beispielhaft auf verschiedene Kostenrechnungsansätze im Güterverkehr eingehen. Es sollen dabei die Vor- und Nachteile der jeweiligen Systeme beleuchtet werden.
Die Darstellung wird zum besseren Verständnis anhand von praxisnahen Beispielen geschehen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. GÜTERTRANSPORT UND DESSEN BESONDERHEITEN BEI DER LEISTUNGSERSTELLUNG
2.1. DEFINITION DER BEGRIFFE GÜTERTRANSPORT UND -VERKEHR
2.2. BESONDERHEITEN DER LEISTUNGSERBRINGUNG
3. BESONDERHEITEN DER KOSTENVERURSACHUNG
4. BESONDERHEITEN DER BEZUGSGRÖßENWAHL
5. TRADITIONELLE FAHRZEUGKOSTENRECHNUNG AUF GRUNDLAGE EINER VOLLKOSTENRECHNUNG
5.1. ERMITTLUNG DER BASISDATEN
5.2. BASISKALKULATION FÜR EIN FAHRZEUG MIT EIN-FAHRER-BESATZUNG
5.3. INTERNE GESAMTKOSTEN EINES TRANSPORTS
5.4. KRITIK AN DER FKR
6. ANSATZ EINER ENTSCHEIDUNGSORIENTIERTEN EINZELKOSTEN UND DECKUNGSBEITRAGSRECHNUNG
6.1. PRINZIP DER ENTSCHEIDUNGSRELEVANTEN WIRKUNGEN NACH RIEBEL
6.2. BEURTEILUNG VON TRANSPORTAUFTRÄGEN
6.2.1. KURZFRISTIG QUANTIFIZIERBARE WIRKUNGEN
6.2.2. NICHT DIREKT ERFASSBARE LÄNGERFRISTIGE WIRKUNGEN
6.3. KRITIK AN DER EINZELKOSTEN- UND DECKUNGSBEITRAGRECHNUNG
7. ANSATZ EINER PROZESSKOSTENRECHNUNG
8. RESUME
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit besteht darin, die spezifischen Herausforderungen der Kosten- und Leistungsrechnung in Güterverkehrsbetrieben zu analysieren und geeignete Ansätze zur Bewältigung dieser Probleme aufzuzeigen. Dabei liegt der Fokus darauf, wie trotz komplexer Leistungsstrukturen und verschiedener Verbunderscheinungen eine verursachungsgerechte Kostenermittlung realisiert werden kann.
- Charakteristika des Gütertransports und der Leistungserbringung.
- Herausforderungen der Kostenverursachung und Bezugsgrößenwahl.
- Traditionelle Fahrzeugkostenrechnung auf Basis der Vollkostenrechnung.
- Entscheidungsorientierte Einzelkosten- und Deckungsbeitragsrechnung nach Riebel.
- Ansätze einer prozessorientierten Kostenrechnung im Transportwesen.
Auszug aus dem Buch
6.2.1. Kurzfristig quantifizierbare Wirkungen
Bei der Untersuchung der kurzfristigen Wirkungen geht Riebel von dem vereinbarten Frachterlös aus. Ist zwischen den Frachtführer und dem Unternehmen noch ein Spediteur geschaltet, so ergibt sich der sogenannte Netto-Frachterlös aus dem Brutto-Frachterlös minus der bei Riebel bezeichneten ‚Werbe- und Abfertigungsvergütung’ des Spediteurs.
Weiterhin werden von der Bruttofracht zusätzliche Gebühren und Umlagen abgezogen. Dazu zählen z.B. die Frachtenprüfgebühr sowie die Umlage an das Bundesamt für Güterfernverkehr. Bezeichnet werden diese auch – ähnlich der Veranlagung nach Fonger – als erlösabhängige Kosten. Diese Kosten sind nach dem Relevanzprinzip den jeweiligen Aufträgen direkt als relative Einzelkosten zurechenbar, da sie allein durch die Entscheidung zur Auftragsannahme ausgelöst werden. Weiterhin werden sie als auftragsspezifische Kosten bezeichnet, da sie von der Art der Ausführung und dem Fahrzeugeinsatz unabhängig entstehen. Daher kann hier als Bezugsgröße die Anzahl der Aufträge angenommen werden.
Nach Abzug dieser ergibt sich dann als Kalkulationsgrundlage der ‚reduzierte Frachterlös’.
Von diesem können nun als nächstes die fahrzeugeinsatzspezifischen Kosten abgezogen werden. Dazu zählen in erster Linie die Kosten des Treibstoffverbrauchs. Um nun bei der Vorkalkulation der Kostenverursachung annähernd gerecht zu werden, unterscheidet Riebel zwischen kilometerabhängigen und ladungs- und kilometerabhängigen Treibstoffkosten. Die ladungsabhängigen Kosten werden anhand von statistischen Werten unter der Grundlage von Erfahrungswerten hergeleitet und über Verbrauchsfunktionen unter Annahme von mittlerer Verhältnissen berechnet. Während sich der Kalkulationssatz ohne zusätzliche Ladung aus den Kilometerangaben multipliziert mit den jeweiligen Treibstoffkosten ergibt, wird bei den ladungsabhängigen Kosten das Ladungsgewicht einbezogen. Der jeweilige Kalkulationssatz ist wiederum unterschiedlich im Bezug auf das eingesetzte Fahrzeug.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung erläutert die Bedeutung des Gütertransports sowie die Notwendigkeit einer effizienten Kostenkontrolle angesichts steigender Kostenfaktoren im Transportsektor.
2. GÜTERTRANSPORT UND DESSEN BESONDERHEITEN BEI DER LEISTUNGSERSTELLUNG: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Begriffe und beleuchtet die spezifischen Charakteristika von Verkehrsleistungen, insbesondere deren immateriellen Dienstleistungscharakter.
3. BESONDERHEITEN DER KOSTENVERURSACHUNG: Es wird analysiert, warum die Zurechnung von Kosten in Transportbetrieben problematisch ist, insbesondere aufgrund der Abgrenzung von Leistungserbringung und allgemeinem Fahrzeugeinsatz.
4. BESONDERHEITEN DER BEZUGSGRÖßENWAHL: Das Kapitel thematisiert die Schwierigkeit, geeignete Bezugsgrößen zu finden, die dem Prinzip der Kostenverursachung bei stark schwankenden Kapazitäten gerecht werden.
5. TRADITIONELLE FAHRZEUGKOSTENRECHNUNG AUF GRUNDLAGE EINER VOLLKOSTENRECHNUNG: Hier wird die FKR als klassisches Instrument zur Ermittlung von Kosten pro Kilometer oder Tag inklusive eines praktischen Kalkulationsbeispiels vorgestellt.
6. ANSATZ EINER ENTSCHEIDUNGSORIENTIERTEN EINZELKOSTEN UND DECKUNGSBEITRAGSRECHNUNG: Dieses Kapitel diskutiert den entscheidungsorientierten Ansatz nach Riebel zur Beurteilung von Aufträgen und kritisiert die Kurzfristigkeit herkömmlicher Deckungsbeitragsrechnungen.
7. ANSATZ EINER PROZESSKOSTENRECHNUNG: Es wird untersucht, inwiefern die Prozesskostenrechnung zur Transparenz im Logistikbereich beitragen kann und welche Indikatoren sich zur Leistungsmessung in Teilprozessen eignen.
8. RESUME: Das Resume fasst die Erkenntnisse zusammen und empfiehlt eine Kombination verschiedener Kostenrechnungssysteme für eine ganzheitliche strategische und operative Planung.
Schlüsselwörter
Güterverkehr, Kostenrechnung, Leistungsrechnung, Fahrzeugkostenrechnung, Deckungsbeitragsrechnung, Prozesskostenrechnung, Kostenverursachungsprinzip, Transportaufträge, Bezugsgrößenwahl, Spedition, Dienstleistungsbetriebe, Fahrzeugeinsatz, Treibstoffkosten, Fixkosten, Entscheidungsorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Besonderheiten der Kosten- und Leistungsrechnung innerhalb von Güterverkehrsbetrieben und bewertet verschiedene Methoden zur Kalkulation von Transportaufträgen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Verkehrsleistungen, die Problematik der Kostenzurechnung und Bezugsgrößenwahl sowie die Anwendung und Kritik von drei spezifischen Kostenrechnungssystemen (FKR, Einzelkostenrechnung nach Riebel und Prozesskostenrechnung).
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Herausforderungen bei der verursachungsgerechten Kostenrechnung in Transportunternehmen zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie unterschiedliche Kostenrechnungsmodelle zur Unterstützung unternehmerischer Entscheidungen beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der kritischen Prüfung und Gegenüberstellung bestehender Kostenrechnungskonzepte, untermauert durch praxisnahe Kalkulationsbeispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die traditionelle Fahrzeugkostenrechnung (FKR), die entscheidungsorientierte Einzelkosten- und Deckungsbeitragsrechnung nach Riebel sowie Ansätze einer prozessorientierten Kostenrechnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Güterverkehr, Kosten- und Leistungsrechnung, Fahrzeugkostenrechnung, Deckungsbeitragsrechnung, Prozesskostenrechnung sowie das Kostenverursachungsprinzip.
Warum ist die Wahl der Bezugsgröße im Transportwesen so schwierig?
Die Wahl ist schwierig, da die Kosten in Transportbetrieben von zahlreichen, nicht proportional zueinander verlaufenden Einflussfaktoren wie Fahrzeugzustand, Topografie, Witterung und Fahrweise abhängen, was eine einfache lineare Zurechnung erschwert.
Was kritisiert die Autorin am Modell der Fahrzeugkostenrechnung (FKR)?
Kritisiert wird unter anderem die willkürliche 50/50-Aufteilung bei Abschreibungen, die Vernachlässigung fixer Kostenbestandteile bei Reparaturen sowie die problematische Gemeinkosten-Schlüsselung, die eine präzise Preisbestimmung behindert.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2003, Besonderheiten der Kosten- und Leistungsrechnung in Güterverkehrsbetrieben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15849