Das Spurenelement Zink

Stellenwert der Zinksubstitution in der Prophylaxe und Therapie von Erkrankungen


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2010
15 Seiten

Leseprobe

Zinkmangel: Ursachen – Symptome – Therapie

Grenzwertiger Zinkmangel und suboptimale Zinkversorgung sind nicht nur aus Entwicklungsländern bekannt, sondern stellen auch in industrialisierten Ländern ein Problem dar. Risikogruppen, die von einer optimierten Zinkversorgung besonders profitieren würden, sind unter anderem Diabetiker, Allergiker, Neurodermitiker, Psoriasiskranke, Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen, Rekonvaleszente, Sportler, stillende und schwangere Frauen, Senioren sowie Kinder in Wachstumsphasen. Für diese Gruppen kann sich eine ungenügende Zinkversorgung unmittelbar auf den Gesundheitszustand auswirken. Ernährungsmediziner empfehlen daher für Risikogruppen die Supplementation mit Zinkpräparaten. Die hier verfügbaren Arzneistoffe unterscheiden sich teilweise erheblich in ihrer Bioverfügbarkeit. Insbesondere Zink-Histidin und andere organische Zinkverbindungen zeichnet sich durch eine besonders effektive Beeinflussung physiologischer Resorptions-, Verteilungs- und Eliminationsprozesse aus. Mit diesem Komplex lassen sich die ausgeprägt antioxidativen, antiallergischen und entzündungshemmenden Effekte des Mineralstoffs und der essentiellen Aminosäure sinnvoll nutzen.

Führende Ernährungsexperten und Fachgesellschaften warnen immer vor einer Mangelversorgung mit essentiellen Nährstoffen, ausgelöst durch plötzliche Änderung der Ernährungsgewohnheiten (7). Aufgrund der aktuellen Krisen in der Landwirtschaft (BSE, Maul- und Klauen-Seuche, Massentierhaltung, Antibiotika und andere Arzneimittel als Masthilfen) ist in der Bevölkerung ein rückläufiger Fleischkonsum zu beobachten, der sich auch auf die Versorgung mit essentiellen Nährstoffen auswirken kann. Von diesen Entwicklungen vor allem betroffen ist das Spurenelement Zink.

Der Zinkstatus bei Menschen wird in erster Linie von drei Faktoren beeinflusst (45):

- Ausmaß der Zinkzufuhr
- gesteigerte Zinkverluste oder höherer Zinkbedarf bei bestimmten Erkrankungen
- gesteigerte Zufuhr von Inhibitoren der Zinkaufnahme mit der Nahrung.

Vom reinen Mineralstoff-Gehalt eines Nahrungsmittels kann man keine Rückschlüsse auf dessen Nutzbarkeit als Zinkquelle ziehen. Zahlreiche Lebensmittel enthalten Zink, so neben Fleisch auch Fisch, Obst, Gemüse und Getreide. Die Zusammensetzung der Nahrung beeinflusst jedoch die Resorption des Mineralstoffs aus dem Dünndarm, und somit dessen Bioverfügbarkeit. So wird Experimenten zufolge aus Fleisch 68% der darin enthaltenen Zinkmenge resorbiert, aus Weizen hingegen lediglich 18%.

Generell ist Zink aus pflanzlichen Nahrungsquellen schlecht verfügbar. Verantwortlich für diesen Effekt sind insbesondere Phytate vom Typ des Inositol-penta- bzw. –hexaphosphates. Diese bilden mit Zink im Darm schwerlösliche, und daher nicht resorbierbare Zink-Phytat- Komplexe. Vegetarier nehmen mit der Nahrung pro Tag ca. 2,5 Gramm Phytinsäure auf. Sie sollten daher auf die Notwendigkeit einer Zinksupplementation hingewiesen werden.

Die Zufuhr von Zink kann auch dann ungenügend sein, wenn Analysen der pflanzlichen Kost ausreichende Zinkgehalte andeuten (45). Wenn aufgrund der schlechten Bioverfügbarkeit nur Bruchteile des Zinkgehaltes zur Resorption kommen, kann sich auch bei Ernährung mit scheinbar zinkreichen Lebensmitteln auf Dauer ein Zinkmangel ausprägen (69). Neben den Phytaten behindern auch Oxalat oder Tannine (15) sowie Schwermetalle wie Cadmium (45) die Zinkaufnahme. Allerdings dürfte die Beeinflussung durch Cadmium in der Praxis keine relevante Rolle spielen.

Tabelle 1: Zinkgehalt pro 100 Gramm Lebensmittel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gegenseitige Resorptionshemmungen bei Mineralstoffen

In Publikationen wird auf die wechselseitige Resorptionshemmung zwischen Kupfer und Zink sowie Eisen und Zink regelmäßig hingewiesen (23). Die Relevanz dieser Wechselwirkungen ist aber eher zweifelhaft (69). So beobachteten Sullivan et al. (73) im Rahmen Ihrer Bioverfügbarkeitsstudie mit Zinksulfat keinerlei Beeinflussung des Kupfer-, Calcium- und Magnesiumspiegels trotz Verabreichung der relativ hohen Dosis von 50 mg Zinkäquivalenten in einer Einmaldosis.

Auch die bei gleichzeitiger Gabe von Eisen und Zink beobachtete Hemmung der Zinkresorption tritt möglicherweise nur unter den artifiziellen Bedingungen des Probandenversuchs auf. Solomons & Jacob (70) stellten fest, dass hochdosiertes anorganisches Eisen die Zinkaufnahme hemmte, gemessen an der Veränderung des Plasma- Zinkspiegels innerhalb von vier Stunden nach oraler Einnahme von Zink. Die Untersucher verabfolgten an erwachsene, nüchterne Probanden jeweils 25 mg Zink in Form von Zinksulfat und Eisen in einer Dosis von 25, 50 oder 75 mg. Bereits bei 25 mg Eisen war die Zinkaufnahme signifikant niedriger als bei den Kontrollpersonen. Unter physiologischeren Bedingungen scheint dieser Effekt jedoch weniger stark ausgeprägt zu sein (63), und bei Zugabe von Histidin zur Testdosis sogar dann aufgehoben, wenn das Dosisverhältnis zwischen Eisen und Zink mit 25:1 in unphysiologischen Bereichen lag. Dieses Ergebnis wurde mittlerweile in verschiedenen tierexperimentellen und klinischen Untersuchungen mit Radioisotopen bestätigt (z.B. (18;24)). Eisen und Zink können in pharmazeutischen Zubereitungen bedenkenlos gemeinsam eingesetzt werden (45). Auch die Langzeiteinnahme von Eisen- und/oder Zinksupplementen hat keinen negativen Einfluss auf den Versorgungsstatus beider Mineralstoffe (45;63). Dennoch empfiehlt es sich, die Einnahme von Kupfer- oder Eisen-Supplementen zeitlich von der von Zinksupplementen zu trennen.

Funktionen von Zink im Organismus

Zink ist an zahlreichen Stoffwechselvorgängen unmittelbar beteiligt (64): Die optimale Funktion vieler Enzyme wie z.B. Hydrolasen, Isomerasen, Lyasen und Oxidoreduktasen ist nur bei einem ausreichenden Zinkstatus gewährleistet. Bis heute sind über 300 verschiedene Enzymsysteme bekannt, für deren Funktionsfähigkeit Zink zumindest zum Teil mit verantwortlich ist. Der Mineralstoff nimmt dabei direkt an der Umsetzung der Substrate teil, oder er stabilisiert als Strukturkomponente die Quartärstruktur der Enzyme. Zink ist auch Bestandteil der Enzyme, die für die Ablesung der genetischen Informationen und deren Umsetzung in Proteine verantwortlich sind. Diese Vielzahl von Funktionen ist – neben den Schwierigkeiten bei der analytischen Bestimmung des Zinkstatus – eine Erklärung dafür, weshalb Zinkmangelzustände selten spezifische Symptome zur Folge haben und daher so schwer zu erkennen oder zuzuordnen sind.

Ursachen für Zinkmangel

Neben dem bereits erwähnten Zinkmangel aufgrund einer überwiegend oder rein pflanzlichen Ernährung können auch andere Faktoren zu einer verminderten Aufnahme oder erhöhten Ausscheidung von Zink führen, und so Zinkmangelsymptome verursachen.

Tabelle 3: Mögliche Ursachen für Zinkmangel (nach (64)).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Typische Zinkmangelsymptome an Haut, Haar und Nägeln

Ein hoher Prozentsatz der Zinkvorräte im Organismus befindet sich in der Haut und ihren Anhangsgebilden. Dies erklärt, warum Zinkmangel so häufig in Zusammenhang mit dermatologischen Veränderungen gebracht wird. Der Mineralstoff ist als Stukturkomponente am Aufbau verhornter Gewebe beteiligt. Eine Reihe von Symptomen, scheinbar kosmetischen Problemen und Befindlichkeitsstörungen, die neben den körperlichen Beschwerden häufig auch zu erheblichen psychischen Belastungen und einem hohen Leidensdruck führen, gehen zumeist mit einem mehr oder minder ausgeprägten Zinkmangel einher. Beispiele sind:

- brüchige Haare und Nägel
- hartnäckige Akne
- Haarausfall bis hin zur Alopezie
- Verschlechterung der Symptomatik bei Psoriasis oder Neurodermitis
- lokal auftretende, schuppige Hautentzündungen vor allem an Mundwinkeln, Nasenfalte oder hinter dem Ohr
- Entzündungen der Schleimhäute in Mund und Rachen
- verlangsamte Wundheilung und Neigung zu Hautpilzinfektionen

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Details

Titel
Das Spurenelement Zink
Untertitel
Stellenwert der Zinksubstitution in der Prophylaxe und Therapie von Erkrankungen
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V158522
ISBN (eBook)
9783640709465
ISBN (Buch)
9783640827466
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zink, Zinkhistidin, Spurenelemente, Spurenelement, Sven-David Müller, Diätassistent, Diätberatung, Ernährungsberatung, Zinkmangel, Ernährung, Ernährungsmedizin, Ernährungstherapie, Mikronährstoff
Arbeit zitieren
M.Sc. Sven-David Müller (Autor), 2010, Das Spurenelement Zink, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158522

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