Die Rolle der Ethik in der modernen Medizin

Vom Töten und Sterben lassen bis zur Schuld und Verantwortung der Mediziner und der Angehörigen


Seminararbeit, 2010
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Fallbeispiel „passive Euthanasie“
2.1 Kurze Erläuterung des Falls
2.2 Die medizinische Ethik
2.3 Töten und Sterben lassen

3. Fazit

4. Literatur- und Quellenverzeichnis

l.Einleitung

„Schuldlosigkeit kann es in den Lebensbeziehungen der Menschen nicht geben, weil Verantwortung übernommen werden muß. Wenn Schuldlosigkeit zum obersten Kriterium ärztlichen Handelns würde, stünde nicht der anvertraute Mensch [...] im Mittelpunkt aller Erwägungen, sondern das ,Ich des Artzes‘.“[1]

Die These wurde von dem evangelischen Theologen Hans Grewel[2] aufgestellt. Er deutet damit an, welche Konsequenzen erfolgen können, wenn die Ärzte in ihren medizinischen Handlungen verantwortungslos und schuldfrei wären. Wenn die Ärzte demzufolge von jeglicher Schuld und Verantwortung befreit wären, würde ihr eigenes Wohlbefinden im Zentrum ihres Handelns stehen und nicht das, der zu behandelnden Patienten. Sie könnten die Behandlungen ihrer Patienten nach ihrem eigenen Anliegen richten, was bedeuten würde, dass sie sich solche Behandlungsmöglichkeiten aussuchen könnten, die für sie selbst zeit- und kraftsparender, auch wenn sie nicht förderlich für die Genesung ihrer Patienten wären.

Aus Grewels Zitat folgend entstehen die Fragen, welche (in-)signifikante Rolle Schuld und Verantwortung in der modernen Medizin tatsächlich spielen oder spielen müssten und welche Bedeutung die Ethik hat, vor allem beim Töten und Sterben lassen von Patienten und beim Tun und Unterlassen bei Behandlungen. Um die Fragen prägnant beantworten zu können, werden die genannten Aspekte anhand eines Fallbeispiels aus der Medizin bearbeitet. Dieses Fallbeispiel wurde von dem Dozenten Prof. Dr. med Eike Uhlich in einer medizinischen Vorlesung in Hofheim vorgeführt und von ihm selbst erlebt, wie der folgende Satz über das zu bearbeitende Beispiel in dieser Hausarbeit, über die passive Euthanasie, verdeutlicht: „Wie allein man als der verantwortliche Arzt sein kann, soll Ihnen unser letztes Beispiel zeigen, das mich selbst damals sehr bewegt und belastet hat.“[3] Nachdem zunächst das Fallbeispiel des Dozenten vorgestellt wird, folgt anschließend die Herausarbeitung. Hierbei wird das Augenmerk auf die Frage gelegt, ob Grewels Zitat, dass Ärzte nicht schuldfrei sind und sein dürfen, stimmt und aus welchen Gründen diese Position bestärkt wird. Ist es in der modernen Medizin überhaupt möglich, als Arzt Schuld auf sich zu laden, oder ist die Freiheit des Handelns der Ärzte so eingeschränkt, dass sie einer strengen Vorgabe in ihren Handlungen unterliegen?

2. Das Fallbeispiel „Passive Euthanasie“

2.1 Kurze Erläuterung des Falls

Das Fallbeispiel der „passiven Euthanasie“ befasst sich mit der Behandlung einer 70 Jahre alten Frau, die ihre Beine aufgrund einer diabetischen Gefäßerkrankung verloren hat. An ihrem Krankenbett sitzt ihr Ehemann, der so oft es ihm möglich ist, bei seiner Ehefrau sein möchte. „Ein späterer Schlaganfall führte zur Lähmung des einen Armes und zum Verlust der Sprache.“[4] Sie ist ebenfalls blind, da sie aufgrund ihres Diabetes ihr Augenlicht verlor. Die Patientin erlitt außerdem einen lebensbedrohlichen Nierenschaden, dessen steigende Nierenwerte im Blut dafür sorgen, dass die Patientin nicht mehr in der Lage ist, etwas von ihrer Außenwelt wahrnehmen zu können. Zusammenfassend ist zu sagen, dass es sich in diesem Fallbeispiel um eine alte, blinde und taube Frau handelt, die ihre Beine verloren hat und ihre Arme nicht mehr bewegen kann. Um die Frau weiter am Leben zu erhalten, ist es dem Arzt möglich, der Patientin eine künstliche Niere einzusetzen. Der Ehemann der Patientin, der die Pflege seiner Frau zum Mittelpunkt seines Lebens gemacht hat, bittet den Arzt, die künstliche Niere einzusetzen, damit er seine Frau nicht verliert. Der Arzt entscheidet sich jedoch gegen den Wunsch des Ehemannes und für das Nichtbehandeln der Patientin, um ihr Leben und damit auch ihren Zustand zu beenden. In den Augen des Arztes ist die Art und Weise, wie sie leben muss (regungslos, sprachlos, blind) nicht nur menschenunwürdig, sondern auch sinnlos, da sie selbst keinerlei Kontrolle mehr über ihren Körper besitzt und sich dieser Zustand nicht verbessert, sondern nur weiter verschlimmern wird.[5]

Anhand dieses realen Falls wird deutlich, dass, egal welche Art der Behandlung der Arzt bevorzugt, der Aspekt des moralisch richtigen Handelns im Vordergrund zu stehen scheint. Jedoch stellt sich die Frage, ob die Moral für das Behandeln des Patienten in der modernen Medizin und für den Mediziner eine Rolle spielt, oder, ob der zu behandelnde Arzt einfach den ihm vorgegebenen Richtlinien folgt. Hat der Arzt im genannten Fallbeispiel gesetzlich richtig behandelt, oder hat er sich über diese Richtlinien hinweggesetzt und weshalb wird der Wille der Patientin bzw. des Ehemannes vom Arzt nicht berücksichtigt?

2.2 Die medizinische Ethik

Die Grundfrage der philosophischen Ethik ist: „Wie soll ich handeln? Sie fragt nicht nach dem, was ist, sondern nach dem, was sein soll."[6] Das Ziel der philosophischen Ethik ist es, herauszustellen, was moralisch richtig (geboten) oder falsch (verboten) ist und wodurch eine Handlung moralisch richtig oder falsch wird.[7] Die medizinische Ethik hingegen beinhaltet nur das Reflektieren der moralischen Fragen und Konflikte im medizinischen Bereich. Aufgrund der modernen Behandlungsmöglichkeiten der Lebensverlängerung[8] ist es in der modernen Medizin notwendig, den Nutzen und die möglichen Risiken einer Behandlung behutsam abzuwägen.

Es gibt jedoch noch weitere Aspekte, die sich in der modernen Medizin verändert haben. Auf einen gesellschaftlichen Konsens kann „in vielen moralischen Streitfragen im biomedizinischen Bereich nicht mehr zurückgegriffen werden."[9] Ebenfalls hat sich das Verhältnis zwischen Arzt und Patient verändert, da die ärztliche Entscheidungsautorität in Frage gestellt wird und der Patient im Entscheidungsprozess der bevorstehenden Behandlung eine ebenso wichtige Rolle spielt, wie der Arzt selbst. Während der Pflege der Patienten entscheiden demzufolge Patient und Arzt gemeinsam, welche Schritte für die Heilung notwendig sind.

Für den Fall, dass bei einer Behandlung dem Arzt jedoch keine Einwilligungen der Patienten vorliegen und diese nicht in der Lage sind ihre Wünsche zu äußern[10], gibt es für die medizinische Versorgung der jeweiligen Person dreierlei Möglichkeiten. Wenn der Patient einen erklärten Willen abgegeben hat, bekommt eine dritte Person, beispielsweise ein Ehemann oder die Eltern, die Vollmacht über die Behandlung des Patienten. Wenn es diesen erklärten Willen jedoch nicht gibt, muss der behandelnde Arzt nach dem mutmaßlichen Willen des Patienten handeln. Wenn der Arzt hingegen nicht den Willen des Patienten einschätzen kann, gibt es die dritte Möglichkeit, dass der Arzt nach allgemeinen Wertvorstellungen handelt und objektiv gesehen entscheidet, aus welcher Behandlung das größtmögliche Wohl für den Patienten resultiert.[11]

[...]


[1] Grewel (1993:170).

[2] Vgl. http://www.perlentaucher.de/autoren/12915/Hans Grewel.html (10.02.2010).

[3] Uhlich (2005:18).

[4] Uhlich (2005: 18).

[5] Vgl. Uhlich (2005: 18f).

[6] Wiesing (2004: 21).

[7] Vgl. Ebd.

[8] Beispiele dafür sind Transplantationen, oder künstliche Befruchtungen.

[9] Wiesing (2004: 29).

[10] Patienten, die ihren Willen nicht äußern können, sind beispielsweise komatös oder geistig nicht in der Lage.

[11] Vgl. Wiesing (2004:96ff).

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Ethik in der modernen Medizin
Untertitel
Vom Töten und Sterben lassen bis zur Schuld und Verantwortung der Mediziner und der Angehörigen
Hochschule
Universität Erfurt
Veranstaltung
Töten und Sterben lassen
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V158598
ISBN (eBook)
9783640710003
ISBN (Buch)
9783640710218
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik, Medizin, Moralphilosophie, Schuld, Verantwortung, Töten, Sterben lassen, medizinische Ehtik, passive Euthanasie
Arbeit zitieren
Susanne Hahn (Autor), 2010, Die Rolle der Ethik in der modernen Medizin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158598

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