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Wein und Recht. Ein Zugang zu Mittelalter und früher Neuzeit

Title: Wein und Recht. Ein Zugang zu Mittelalter und früher Neuzeit

Seminar Paper , 2021 , 21 Pages , Grade: Sehr gut

Autor:in: Dietmar Schneidergruber (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Der Wein ist in der Bibel ein göttliches Getränk, das Blut Jesu sozusagen. Das Recht stellt im Mittelalter altes und daher auch objektives Recht dar. Es ist ein Gewohnheitsrecht mit eigenen Ritualen, das Jahrhunderte unbeschadet überstanden hat. Recht braucht nicht gesetzt werden, es muss nur gefunden werden. Als Anbeginn des Rechts wird Gott angesehen, weswegen es heilig ist und mit der Wahrheit verbunden ist. Damit ist die Untrennbarkeit von Recht und Moral oder Recht und Sitte verknüpft. Der Herrscher oder der Richter als Vertreter ist somit nur Gott und seinem Gewissen verantwortlich. In der Vorstellung der Menschen im Mittelalter sitzt Justitia auf dem Thron, über sich nur Gott und Glauben und unter sich Fürst und Volk. Der Wein dabei dient wie in der Kirche dem Bund mit Gott und ist daher eine Verstärkung dieses Bundes.
Wie in der Gesellschaft spielt auch in der Kirche die Gemeinschaft eine große Rolle. So trank der Pfarrer den Messwein schließlich stellvertretend für alle. Dieser Messwein ist ein besonderer Wein, der eigenen Herstellungserfordernissen unterliegt, von der theologischen Bedeutung daneben ganz zu schweigen. Auch das ist ein Rechtsbezug.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Wein und Recht – ein Zugang zu Mittelalter und früher Neuzeit

Kritische Darstellung des Trinkens in der Literatur

Der Wiener Meerfahrt - Gertrudenminne

Der Prozess im Himmel Johannisminne und Bernhardswein

Wein als Teil eines Rituals

Mündlichkeit – Schriftlichkeit – symbolische Interaktion

Wein bei Rechtsakten

Das Krönungsmahl

Wein im Studentenleben

Wein im Handwerkerleben

Lehrling

Geselle

Meister

Wein als Zahlungsmittel

Wein als Lohnbestandteil

Wein als Geldersatz

Wein bei rechtlichen Dingen

Wein als Bußzahlung

Johannissegen bei Rechtsdingen

Zeugenwein

Wein bei Geschäftsabschluss

Conclusio

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen ökonomischen, sozialen und rituellen Funktionen des Weins im Mittelalter und der frühen Neuzeit, mit einem besonderen Fokus auf dessen Bedeutung im Rechtswesen, im Handwerk sowie als Zahlungsmittel.

  • Die symbolische und rechtliche Bedeutung von Wein bei Zeremonien und Verträgen.
  • Wein als integrativer Bestandteil des Arbeitslebens und als Lohnform im Spätmittelalter.
  • Die Rolle von Wein bei Gerichtsprozessen, Bußzahlungen und der Friedensstiftung.
  • Literarische Reflexionen über Weinkonsum und gesellschaftliche Normen.
  • Wein als "Zweitwährung" in einer Zeit knapper Münzbestände.

Auszug aus dem Buch

Der Wiener Meerfahrt - Gertrudenminne

Zunächst ist da das für Wien bedeutende Werk „Der Wiener Meerfahrt“. Eine Wiener Gesellschaft feiert mit viel Wein, sodass sie durch ihr Schwanken in den Glauben kommt, auf einer Pilgerfahrt ins Heilige Land zu sein. Da finden sie unter dem Tisch einen Zechkumpan, der nicht mehr ansprechbar ist. Sie meinen einen toten Pilger gefunden zu haben und beschließen ihn über Bord ins Meer - also auf die Straße – zu werfen, wo er schwer verletzt liegen bleibt, bis ihn Wiener Bürger in der frühen Morgenstunde finden. Es dauert Tage bis die Gesellschaft ausgenüchtert ist, aber dann setzt die Vernunft ein. Man einigt sich auf eine Zahlung von 200 Pfund als Entschädigung an den Verletzten. Nach altem Recht ist das möglich, denn um die Entstehungszeit 1260/70 wird das alte Recht noch angewandt. Das Recht wird zwischen den Familien ausgehandelt, denn einen Ankläger des Staates gibt es noch nicht. Der Autor beschreibt ausführlich die Unvernunft des Saufens und lobt die Kultur des Weintrinkens: „Swer den win niht kan gesparn Vnd will in trinken vber reht, Da wirt der man des wines kneht Vnd niht des wines herre,“7

Kulturgeschichtlich ist die Nennung eines Versöhnungstrinkens – der St. Gertruden Minne – im Text wichtig. Das Trinken des Gertrudenweins gilt als Frieden stiftendes Ritual und wird als Abschiedstrunk genossen.8 Die Gertrudenminne steht im Werk dem sinnlosen Besäufnis der Wiener Bürger gegenüber. Das Werk mahnt zu sinnvollem Genusstrinken.

Zusammenfassung der Kapitel

Wein und Recht – ein Zugang zu Mittelalter und früher Neuzeit: Einführung in die spirituelle und rechtliche Bedeutung des Weins als Bindeglied zwischen Gott, Recht und menschlicher Gemeinschaft.

Kritische Darstellung des Trinkens in der Literatur: Analyse der zeitgenössischen literarischen Kritik am ausufernden Weinkonsum anhand von Beispielen wie "Der Wiener Meerfahrt" und "Der Prozess im Himmel".

Wein als Teil eines Rituals: Erläuterung der Bedeutung von Wein bei öffentlichen Rechtsakten, Grenzbegehungen und offiziellen Krönungsfeierlichkeiten.

Wein im Studentenleben: Untersuchung der Rolle von Wein und Bier als integratives Element innerhalb der rechtlich eigenständigen Hochschulgemeinschaften.

Wein im Handwerkerleben: Beschreibung der Rolle von Wein bei der Ausbildung vom Lehrling über den Gesellen bis zum Meister sowie bei Zunftfeiern.

Wein als Zahlungsmittel: Darlegung der Nutzung von Wein als Lohnbestandteil und Sachwert in Zeiten mangelnden Münzgeldes.

Wein bei rechtlichen Dingen: Darstellung der Verwendung von Wein bei gerichtlichen Prozessen, als Bußzahlung ("Bußen") und als Abschiedstrunk.

Wein bei Geschäftsabschluss: Analyse der Tradition des Weintrinkens zur Besiegelung von Verträgen und als Bestandteil der professionellen Kommunikation.

Conclusio: Zusammenfassende Betrachtung der omnipotenten Rolle des Weins im spätmittelalterlichen Alltag, im Wirtschafts- und Rechtsleben sowie als gesundheitliches und rituelles Mittel.

Schlüsselwörter

Wein, Mittelalter, Rechtsgeschichte, Zunftwesen, Lohnzahlung, Rechtsrituale, Handel, Alltagskultur, Johanniswein, Gertrudenminne, Rechtsprechung, Sachbezahlung, Weinkonsum, Soziale Gemeinschaft, Münzmangel.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die vielfältige Bedeutung des Weins im Mittelalter und der frühen Neuzeit, wobei sie insbesondere die Verknüpfung zwischen täglichem Weinkonsum, rechtlichen Strukturen und rituellen Handlungen beleuchtet.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die Rolle des Weins im Handwerkerleben, seine Funktion als Zahlungsmittel, seine Bedeutung in gerichtlichen Prozessen und die literarische Auseinandersetzung mit dem Weinkonsum jener Zeit.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Arbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Wein über den reinen Genuss hinaus eine wichtige soziale und rechtliche Funktion als "Zweitwährung" und Gemeinschaftsbildner in einer Zeit erfüllte, in der Wasser oft gefährlich und Münzgeld knapp war.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung genutzt?

Die Arbeit nutzt eine kulturgeschichtliche Analyse, wobei der Autor primäre literarische Quellen des Mittelalters sowie historische Rechtswörterbücher und Zunfturkunden heranzieht, um die Rechts- und Sozialgeschichte des Weins zu rekonstruieren.

Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil deckt ein breites Spektrum ab, von rituellen Trinkgewohnheiten bei Krönungen und Gerichtsverhandlungen über die Rolle des Weins in der Ausbildung von Lehrlingen bis hin zum ökonomischen Wert von Wein als Teil der Entlohnung.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Kern der Arbeit zusammenfassen?

Die wichtigsten Schlagworte sind Wein, Rechtsgeschichte, Mittelalter, ökonomische Funktion, soziale Rituale und Zunftwesen.

Wie unterscheidet sich die Auffassung von Bußgeld im Mittelalter von heutigen Geldstrafen?

Im Mittelalter wurden Bußen häufig in Naturalien beglichen, zum Beispiel durch die Bereitstellung von Wein, der im Anschluss in ritueller Gemeinschaft verbraucht wurde, um die soziale Harmonie wiederherzustellen.

Welche symbolische Rolle nimmt der "Johanniswein" ein?

Der Johanniswein fungierte als heiliger Abschiedstrunk in verschiedenen Lebenslagen, von gerichtlichen Urteilen bis hin zu Sterbesakramenten, und diente dazu, den Menschen in rechtlichen und lebenswichtigen Situationen zu begleiten.

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Details

Title
Wein und Recht. Ein Zugang zu Mittelalter und früher Neuzeit
College
University of Salzburg
Course
Wein - Geschichte und Kultur
Grade
Sehr gut
Author
Dietmar Schneidergruber (Author)
Publication Year
2021
Pages
21
Catalog Number
V1587227
ISBN (eBook)
9783389130650
ISBN (Book)
9783389130667
Language
German
Tags
Wein Recht Mittelalter frühe Neuzeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dietmar Schneidergruber (Author), 2021, Wein und Recht. Ein Zugang zu Mittelalter und früher Neuzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1587227
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