Personenbezeichnungen im Neutrum beinhalten einen ihnen inhärenten Genus-Sexus-Konflikt, weshalb sie einen spannenden Untersuchungsgegenstand darstellen. In der hier durchgeführten Studie wurde untersucht, wie häufig und in welchen Fällen ebendiese Personenbezeichnungen mit dem weiblichen Sexus in Verbindung gebracht werden. Die Ergebnisse zeigen, dass bei lexikalisierten Personenbezeichnungen im Neutrum aus den Bereichen der Sexualisierung, der Objektifizierung und der Diminutive vermehrt auf feminine Targets zurückgegriffen wird. Die Differenzierung der Ergebnisse nach dem Geschlecht der Teilnehmer:innen liefert dabei keine signifikanten Unterschiede.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlegendes
2.1. Genus und Sexus bei neutralen Personenbezeichnungen
2.2. Die Entstehung und Entwicklung von neutralen Personenbezeichnungen im Deutschen
3. Zu untersuchende Hypothesen
4. Vorgehen und Datenbasis
5. Ergebnisse
5.1. Vorgehen bei der Auswertung
5.2. Die allgemeine Tendenz von Personenbezeichnungen im Neutrum
5.3. Aufschlüsslung nach Prozesskategorie
5.4. Aufschlüsselung nach Konventionalisierungsgrad
5.5. Geschlechtsspezifische Analysen
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, mit welchem biologischen Geschlecht (Sexus) neutrale Personenbezeichnungen im Deutschen von Personen zwischen 20 und 30 Jahren assoziiert werden und welche linguistischen oder konventionalisierten Faktoren diese Zuschreibung beeinflussen.
- Analyse der Genus-Sexus-Problematik bei neutralen Personenbezeichnungen.
- Untersuchung der Rolle von Prozesskategorien wie Sexualisierung und Diminutive.
- Vergleich der Konventionalisierungsgrade bezüglich ihrer referentiellen Wirkung.
- Geschlechtsspezifische Auswertung der Zuordnungstendenzen bei den Probanden.
Auszug aus dem Buch
2.1. Genus und Sexus bei neutralen Personenbezeichnungen
Zur Ermittlung der Forschungsfrage erscheint es zunächst sinnvoll die Muster, nach denen Genus bei Personenbezeichnungen im Deutschen gebildet wird, sowie den Stellenwert, den das Sexus dabei einnimmt, genauer zu erörtern.
Das Genus des Deutschen lässt sich in den Ausprägungen Maskulinum, Femininum und Neutrum darstellen. Für die Genuszuweisung, insbesondere von Personenbezeichnungen, gibt es im Deutschen jedoch nur wenige etablierte Regeln. Als anerkannt gelten dabei zum einen die formalen Prinzipien, wie das morphologische und morphonologische Prinzip, zum anderen die semantischen Prinzipien, wie das Bedeutungs- oder Gattungsprinzip sowie die Regel des natürlichen Geschlechts (vgl. Fischer 2005:89ff; Nübling 2017:175). Das morphologische Prinzip, bei Fischer (2005:97) auch „Suffixprinzip“ genannt, beruht auf dem Kopf-Rechts-Prinzip und scheint auch für Personenbezeichnungen im Neutrum eine Rolle zu spielen. Demnach erhalten Begriffe, darunter auch Appellative, ihr Genus auf Basis des rechten Morphems. Wörter, die auf -ling enden, erhalten beispielsweise ein maskulines, Wörter auf – ung ein feminines Genus. Wörter, die auf -chen oder -lein enden, gelten als Neutra (vgl. Nübling 2017:175; Fischer 2005:97f). Im Bereich der semantischen Prinzipien sieht Nübling (2017:175) das Prinzip des natürlichen Geschlechts als ausschlaggebend für Personenbezeichnungen, da sich dieses Prinzip am biologischen Geschlecht orientiert. Demnach erhalten weibliche Personenbezeichnungen feminines, männliche Personenbezeichnungen maskulines Genus. Allerdings stößt dieses Modell, wie bei hybriden Nomina ersichtlich wird, auch an seine Grenzen (vgl. Fischer 2005:93f). Ebendiese Grenzen, die das Genus-Sexus-Prinzip sprengen, sind im Folgenden von Interesse.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik des Genus-Sexus-Konflikts bei neutralen Personenbezeichnungen und Darlegung des Studienziels.
2. Grundlegendes: Theoretische Erläuterung der Genuszuweisung im Deutschen und historischer Abriss der Entwicklung neutraler Personenbezeichnungen.
3. Zu untersuchende Hypothesen: Vorstellung der aufgestellten Thesen bezüglich der Referenz neutraler Bezeichnungen auf Frauen, insbesondere durch Diminutive und Objektivierung.
4. Vorgehen und Datenbasis: Erläuterung der methodischen Vorgehensweise der Online-Studie und der Auswahl der untersuchten Personenbezeichnungen.
5. Ergebnisse: Auswertung der Umfragedaten inklusive geschlechtsspezifischer Analysen und Differenzierungen nach Prozesskategorien.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und Reflexion der offenen Forschungsfragen für zukünftige Studien.
Schlüsselwörter
Genus, Sexus, neutrale Personenbezeichnungen, Linguistik, Genuszuweisung, Diminutive, Objektivierung, Sexualisierung, Sprachgeschichte, Konventionalisierungsgrad, Referenz, geschlechtsspezifische Analysen, deutsche Sprache, Wortbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, welches biologische Geschlecht (Sexus) Personen zwischen 20 und 30 Jahren mit neutralen Personenbezeichnungen im Deutschen verbinden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Genuszuweisung, die Rolle von Konventionalisierungen in der Sprache sowie die soziolinguistische Untersuchung, wie bestimmte Begriffe hinsichtlich ihrer Referenz wahrgenommen werden.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist es, zu bestätigen oder zu hinterfragen, ob neutrale Personenbezeichnungen in der modernen Sprachverwendung primär auf Frauen referieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine empirische Online-Studie durchgeführt, bei der Probanden neutralen Personenbezeichnungen bestimmte männliche oder weibliche Vornamen zuordnen mussten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ergebnisse der Umfrage, unterteilt nach Prozesskategorien (wie Diminutive oder Sexualisierungen) und Konventionalisierungsgraden, ergänzt um geschlechtsspezifische Vergleiche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Genus, Sexus, neutrale Personenbezeichnungen, Objektivierung, Diminutive und Konventionalisierungsgrad.
Führte die Studie zu einer eindeutigen Bestätigung der Hypothesen?
Die Grundhypothese, dass neutrale Personenbezeichnungen verstärkt auf Frauen referieren, wurde bestätigt, wobei besonders lexikalisierte Begriffe aus Bereichen wie der Sexualisierung hohe feminine Tendenzen zeigen.
Gab es signifikante Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Umfrageteilnehmern?
Nein, die geschlechtsspezifischen Analysen zeigten, dass es nahezu keine signifikanten Unterschiede in den Zuordnungstendenzen zwischen weiblichen und männlichen Teilnehmern gab.
- Arbeit zitieren
- Anna Gäng (Autor:in), 2025, Personenbezeichnungen im Neutrum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1587282