Mit der Berliner Kindheit um neunzehnhundert verfasst Benjamin einen Text, der nach allgemeinem Konsens als seine Autobiographie gilt. Das zentrale Thema, mit dem ich mich in dieser Arbeit beschäftige, ist der Unterschied zur „klassischen Biographie“, den Benjamins Werk deutlich aufweist. Ich möchte den Unterschied nicht nur beschreiben, sondern mein Ziel ist, zu zeigen, dass Benjamins Erinnerungstheorie Form und Inhalt der „Berliner Kindheit“ in hohem Maße bestimmt bzw. beeinflusst hat.
Zunächst möchte ich dabei untersuchen, welche typischen formalen und inhaltlichen Charakteristika wir einem Text in der Regel zugrundelegen, wenn wir ihn eine „Autobiographie“ nennen. Hierzu gehören zweifellos der narrative Charakter des Textes, sowie die darin beschriebene Entwicklung des Ich-Erzählers. Dabei wird offensichtlich, dass Benjamins Text diese beiden Punkte nicht erfüllt – zumindest nicht in augenfälliger Weise. Daher werden in einem gesonderten Punkt die formalen Charakteristika von Benjamins Werk analysiert und die Unterschiede zur „typischen“ Autobiographie herausgearbeitet.
In einem weiteren Punkt werde ich die Thesen, die Benjamins Erinnerungstheorie bestimmen, skizzieren und letztendlich ihren Einfluss auf den Text und die Gestaltung der Berliner Kindheit um neunzehnhundert aufzeigen. Benjamin entwickelt seine Erinnerungstheorie nicht in einem einzelnen Werk, sondern versetzt seine Texte, wie z. B. die Berliner Chronik, mit Stücken seiner Theorie, so dass ein einheitliches Bild nicht leicht gewonnen werden kann. Darüber hinaus trägt die Berliner Kindheit nicht allein autobiographische Züge, sondern verknüpft die individuelle Erinnerung („Kindheit“) mit der kollektiven Geschichte des „Berlin um neunzehnhundert“.
Inhaltsverzeichnis
- EINLEITUNG
- DIE STRUKTUR DES TEXTES
- FORMALE UND INHALTLICHE KRITERIEN EINER AUTOBIOGRAPHIE
- FORMALE UND INHALTLICHE ANALYSE VON BENJAMINS BERLINER KINDHEIT UM NEUNZEHNHUNDERT
- BENJAMINS ERINNERUNGSTHEORIE
- SAMMLUNG
- METAPHORISIERUNG VON GEDÄCHTNIS UND ERINNERUNG
- KRITISCHE BEURTEILUNG UND SCHLUSSBEMERKUNGEN
- PRIMÄRLITERATUR
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit Walter Benjamins "Berliner Kindheit um neunzehnhundert" und analysiert, wie Benjamins Erinnerungstheorie die Form und den Inhalt des Textes prägt. Dabei werden zunächst die typischen Merkmale einer Autobiographie herausgearbeitet und mit denen von Benjamins Werk verglichen. Anschließend werden die zentralen Thesen seiner Erinnerungstheorie skizziert und deren Einfluss auf die "Berliner Kindheit" untersucht. Die Arbeit konzentriert sich auf die Erinnerungstheorie und geht nur in der kritischen Beurteilung auf weitere Einflüsse wie sozialistische Ideen, Avantgarde und Medienkritik ein.
- Unterschiede zwischen Benjamins "Berliner Kindheit" und der "klassischen Autobiographie"
- Analyse der formalen und inhaltlichen Struktur von "Berliner Kindheit"
- Skizzierung der zentralen Elemente von Benjamins Erinnerungstheorie
- Der Einfluss der Erinnerungstheorie auf die Gestaltung der "Berliner Kindheit"
- Kritik und Schlussfolgerungen
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung stellt das Thema der Arbeit vor, nämlich den Unterschied zwischen Benjamins "Berliner Kindheit" und einer klassischen Autobiographie. Es wird angedeutet, dass Benjamins Erinnerungstheorie eine zentrale Rolle bei der Gestaltung des Textes spielt.
- Die Struktur des Textes: Dieses Kapitel definiert die typischen Merkmale einer Autobiographie, insbesondere die chronologische Ordnung und die narrative Darstellung einer individuellen Entwicklung. Es wird festgehalten, dass Benjamins "Berliner Kindheit" diese Merkmale nicht erfüllt.
- Formale und inhaltliche Kriterien einer Autobiographie: Dieses Kapitel vertieft die Analyse der typischen formalen und inhaltlichen Kriterien einer Autobiographie. Es werden Begriffe wie "Sammeln", "Kontingenz der Geschichte", "sinnstiftende Funktion" und "Selbstporträt" erläutert.
- Formale und inhaltliche Analyse von Benjamins Berliner Kindheit um neunzehnhundert: Dieses Kapitel analysiert Benjamins "Berliner Kindheit" im Detail. Es wird auf die Besonderheit der Miniaturen, den episodischen Charakter und die chronologisch unbestimmte Reihenfolge eingegangen. Die Arbeit beschreibt die Vorarbeit der "Berliner Chronik" und Benjamins Suche nach einer sprachlichen Abbildung des Erinnerungsprozesses.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit wichtigen Schlüsselbegriffen wie Autobiographie, Erinnerungstheorie, Sammeln, Metaphorisierung, Miniaturen, episodische Struktur, Berliner Chronik, Erinnerungsprozess und sprachliche Abbildung.
Häufig gestellte Fragen
Warum gilt Benjamins Werk nicht als klassische Autobiographie?
Im Gegensatz zur klassischen Autobiographie verzichtet Benjamin auf eine chronologische Erzählweise und eine durchgehende Ich-Entwicklung; er nutzt stattdessen lose Miniaturen.
Was ist der Kern von Benjamins Erinnerungstheorie?
Erinnerung ist für Benjamin kein linearer Prozess, sondern ein "Sammeln" von Fragmenten und Bildern, die durch Metaphorisierung und sprachliche Abbildung neu belebt werden.
Was versteht man unter den "Miniaturen" in seinem Werk?
Es sind kurze, in sich abgeschlossene Texteinheiten, die spezifische Kindheitserinnerungen oder Berliner Schauplätze atmosphärisch und philosophisch verdichten.
Wie verknüpft Benjamin individuelle und kollektive Geschichte?
Die "Berliner Kindheit" spiegelt nicht nur sein eigenes Erleben wider, sondern auch die Geschichte der Stadt Berlin um 1900 und den gesellschaftlichen Wandel dieser Zeit.
Welche Rolle spielt die "Berliner Chronik" für dieses Werk?
Die "Berliner Chronik" diente als Vorarbeit, in der Benjamin erstmals versuchte, seine Erinnerungen fragmentarisch festzuhalten, bevor er sie in der "Berliner Kindheit" literarisch ausformte.
- Quote paper
- Alexandra Stoßnach (Author), 2010, Analyse Walter Benjamins "Berliner Kindheit um neunzehnhundert", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158734