Berufliche Identität im Jugendalter


Hausarbeit, 2007

61 Seiten, Note: 1,3

MA Sebastian Müller (Autor)


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 Jugend als eine spezifische Phase menschlicher Entwicklung
1.1 Jugend: der Versuch einer Begriffsbestimmung
1.2 Definition nach der Wissenschaft
1.3 Körperliche Entwicklung im Jugendalter
1.3.1 Pubertät und Veränderungen im Körperbau
1.3.2 Geschlechtsreifung
1.4 Kognitive Entwicklung
1.4.1 Nach Piaget
1.4.2 Nach Keating
1.5 Theoretische Konzepte für Entwicklung nach Havighurst und Erikson
1.5.1 Psychosoziale Stadien nach E. H. Erikson
1.5.2 Identität nach Erikson
1.5.3 Entwicklungsaufgaben im Jugendalter nach R. Havighurst
1.5.4 Die Aktualität der Entwicklungsaufgaben von Havighurst
1.6 Zusammenfassende Reflektion

2 Berufliche Identität im Jugendalter
2.1 Vorbetrachtungen
2.1.1 Ziele
2.1.2 Die hierarchische Organisation von Zielen
2.1.3 Werte und Lebensziele
2.1.4 Gesellschaftliche Werte
2.1.5 Berufliche Identität
2.2 Entwicklung beruflicher Ziele
2.2.1 Die Schule als Entwicklungsumwelt
2.2.2 Zukunftsorientierung
2.2.3 Der Berufswunsch als Entwicklungsaufgabe
2.3 Von der Schule in den Beruf
2.3.1 Berufliche Orientierung als wichtige Aufgabe
3.3.2 Individuelle Bewältigung der Übergangsphase
2.3.3 Arbeitslosigkeit (misslungene Ausbildungsplatzsuche) als negatives Lebensziel
2.4 Zusammenfassende Reflektion

3 Fallbeispiele 33
3.1 Vorbetrachtungen
3.2 Beschreibung der Fälle
3.2.1 Beschreibung Fall A (Sebastian)
3.2.2 Beschreibung Fall B (Martin)
3.3 Interpretation unter Beachtung von Erikson- ein Versuch
3.3.1 Interpretation Fall A (Sebastian)
3.3.2 Interpretation Fall B (Martin)
3.4 Zusammenfassung der Fallbeispiele

Zusammenfassung/Resümee

Anhang

Bildquellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

Unsere Arbeit trägt den Namen „ Berufliche Identität im Jugendalter“. Im Interesse der Arbeit liegt es dem Leser dieses komplexe Thema näher zu bringen. Wir möchten uns im ersten Kapitel der Jugendphase widmen. Es soll untersucht werden wodurch sich diese Phase der menschlichen Entwicklung kennzeichnet und was sie ausmacht. Dabei sollen unterschiedliche wissenschaftliche Ansichten gedeutet werden. Dies ist die Grundlage, um zu klären was berufliche Identität ist. Das zweite Kapitel soll dem entsprechend das für uns relevante Kapitel werden. Hier möchten wir die berufliche Identität in ihrer Unüberschaubarkeit genau betrachten.

Jede Phase der Entwicklung hat bestimmte Anforderungen an ein Individuum. Der Übergang vom Jugendlichen zu einem Erwachsenen kennzeichnet die primärste Veränderung in unserer Gesellschaft. Der Mensch stellt sich neuen Aufgaben, seine Rechte werden erweitert, aber auch seine Pflichten werden verstärkt. So wirkt sich der Beruf auf das Leben jedes Menschen direkt und aktiv aus. Keine Entwicklungsaufgabe beansprucht uns so, wie der Umbruch in das Erwerbsleben. Es wird näher auf Ziele, Werte und Lebensziele eingegangen. Danach wird die Schulzeit als Grundlage für die Ausbildung von beruflichen Zielen betrachtet.Es wird geklärt, wie diese Zielverfolgung abläuft und wie wichtig die Zielausbildung in der Schulzeit ist.Um diese Fragen zu klären, möchten wir dann im dritten Abschnitt unter Verwendung von 2 Fallbeispielen die berufliche Orientierung von Jugendlichen beschreiben und deuten.Damit wollen wir herausfinden wie Jugendliche einen Zukunftswunsch in Bezug auf den Beruf ausprägen und mit welchen Problemen sie sich eventuell dabei konfrontiert sehen.

Inhalt der Arbeit ist damit die Beschreibung der beruflichen Orientierung in der Jugendphase mit alle ihren Einflüssen und Problemen als Teil der menschlichen Entwicklung.

Am Ende der Arbeit wird ein Resümee gezogen und eine Zusammenfassung über die Arbeit gebracht.

1.Jugend als eine spezifische Phase menschlicher Entwicklung

1.1 Jugend der Versuch einer Begriffsbestimmung

Wenn man von Jugendlichen spricht, kann jeder etwas damit anfangen. Man stellt sich beispielsweise Zwölfjährige oder auch Sechzehnjährige vor. Man assoziiert damit die erste Liebe, Disco, Alkoholkonsum, Berufsausbildung, hippe Frisuren, auffällige Kleidung und Kinder, die nicht mehr Kinder sind, beziehungsweise Erwachsene, die noch nicht erwachsen sind. Nun stellt sich die Frage, ab wann ein Jugendlicher noch jugendlich ist und ab wann er nicht mehr der Jugendphase angehört? Befindet sich ein Zwölfjähriger schon im Jugendalter oder ist ein Einundzwanzigjähriger noch jugendlich?

Das Jugendalter wird von Entwicklungspsychologen und Sozialwissenschaftlern oft als Übergangsphase oder auch als Entwicklungsabschnitt der Konflikte und Krisen bezeichnet (vgl. August Flammer et al., 2002, S. 24). Jugend, oder auch Adoleszenz, ist eine Phase im Lebenslauf, die vor allem durch Veränderung gekennzeichnet ist, zum einen im Übergang vom Kind über den Jugendlichen zum Erwachsenen. Der Jugendliche verändert sich sowohl biologisch als auch in seiner Persönlichkeit. In der Übergangsphase des Jugendalters ergeben sich neue Handlungsanforderungen und Handlungsmöglichkeiten und damit gleichzeitig auch neue Gefahren, die eine scheiternde Entwicklung herbeiführen können.

1.2 Definition nach der Wissenschaft

In der Wissenschaft stehen keine konkreten Altersbeschränkungen für die Adoleszenz fest. Nur wenige Autoren legen sich auf Alterszahlen fest. In der Entwicklungspsychologie wird die Adoleszenz weniger durch das Lebensalter bestimmt, sondern sie bezieht sich mehr auf die tatsächliche Lebenssituation und individuelle Kompetenzen (vgl. August Flammer, 2002, S. 20). Dabei werden die verschiedenen Lebenssituationen durch die Schulstrukturen bestimmt. Diese variieren innerhalb und außerhalb der Länder. Mit dem Übertritt in die Sekundarschule in die Berufsschule oder in das Gymnasium erfolgt eine Veränderung der Lebenssituation, der Selbstdefinition und der Fremddefinition.

Die Untergrenze der Adoleszenz bei Mädchen ist der Zeitpunkt der ersten Monatsblutung (Menarche). Bei Jungen ist diese Untergrenze schwieriger festzustellen, da der erste Samenerguss (Spermarche) schlecht belegbar ist. Auch am Stimmbruch kann der Zeitpunkt nicht bestimmt werden, da dieser meist nicht ausreichend abrupt einsetzt. Deshalb betrachtet man in der psychologischen Forschung die sekundären Geschlechtsmerkmale, z.B. Körperformen oder Schamhaarentwicklung. Den Abschluss der Adoleszenz kann man nicht an biologischen Faktoren festmachen. Hierbei achtet man eher auf soziale Kriterien wie zum Beispiel Abschluss der Erstberufsausbildung oder soziale und materielle Unabhängigkeit von den Eltern.

Immer häufiger werden älteren Jugendlichen erwachsene Tätigkeiten zugeschrieben (sexuelles, politisches, konsumatorisches Verhalten). Daraus entstand die Stufe der Postadoleszenz. Auf dieser Stufe sind die Menschen psychologisch, sozial und politisch erwachsen, aber ökonomisch von den Eltern abhängig (vgl. August Flammer, 2002, S. 21). Häufig wird ein und derselbe Jugendliche (junge Mensch) in gewissen Lebenssituationen als Jugendlicher und in anderen Situationen als Erwachsener gesehen. Daraus resultieren zwei Möglichkeiten. Der Jugendliche kann sozial- emotional von den Eltern unabhängig sein, jedoch ökonomisch, also was die finanzielle Unterstützung betrifft, abhängig sein. Aber auch der umgekehrte Fall ist möglich. Das heißt der junge Mensch hat ökonomische Unabhängigkeit durch Berufstätigkeit erlangt, ist dennoch abhängig von der elterlichen Nähe.

Abschließend lässt sich sagen dass das Jugendalter bis zum Erreichen des Erwachsenenstatus in vielen Fällen ein ganzes Jahrzehnt, oder mehr dauert. Eine konkrete zeitliche Festlegung ist nur schwer möglich.

1.3 Körperliche Entwicklung im Jugendalter

1.3.1 Pubertät und Veränderungen im Körperbau

Der Begriff Pubertät kommt von dem lateinischen Wort „pubers“ und bedeutet „erwachsen“. Sie beinhaltet alle körperlichen Veränderungen von Jungen und Mädchen im Übergang vom Kind zum Jugendlichen. Die bedeutsamsten Veränderungen während Pubertät sind: Veränderungen der Statur, Wachstumsschub mit Zunahme von Größe und Gewicht, Veränderungen im Herz-Kreislauf- sowie Atmungssystem, Entwicklung der primären Geschlechtsorgane (Hoden, Ovarien) und die Entwicklung der sekundären Geschlechtsorgane (Brust, Schambehaarung, Gesichts- und Körperbehaarung) (vgl. Grob, Jaschinski, 2003, S. 33 - 34). Die Pubertät ist vor allem gekennzeichnet durch einen starken Wachstumsschub, also eine Zunahme der Wachstumsgeschwindigkeit. Die Wachstumshormone beschleunigen das Längenwachstum und die Gewichtszunahme. Die Gewichtszunahme beruht auf dasWachstum der Muskeln und auf der Zunahme des Körperfettanteils. Das Muskelwachstum dauert bei den Jungen länger an, bei den Mädchen ist es umgekehrt. Somit haben die Jungen am Ende des Jugendalters etwa dreimal soviel Muskelmasse, bei den Mädchen ist diese Verteilung ausgeglichen, sie haben fast genauso viel Muskelmasse wie Fett. Vor diesem Wachstumsschub sind Jungen und Mädchen etwa gleich groß. Bei den Mädchen tritt dieser durchschnittlich zwei Jahre früher ein, als bei Jungen (Anhang 1). Das Wachstum bei den Mädchen ist jedoch nicht so stark wie bei den Jungen, daher sind die Mädchen am Ende der Pubertät durchschnittlich 12 cm kleiner (Anhang 1). Der Beginn des verstärkten Wachstums stellt sich bei Mädchen mit 12 Jahren ein und bei Jungen mit 14 Jahren(vgl. Peter Rossmann, 1996, S. 135).

Die körperliche Reifung entsteht aus den veränderten Prozessen des hormonellen und zentralen Nervensystems. Bei beiden Geschlechtern werden in dieser Zeit unterschiedliche Mengen von Androgenen und Östrogenen ausgeschüttet, ebenso steigt der Anteil von Testosteron bei Jungen um das 18-fache und bei Mädchen der Anteil des Estradiol um das 8-fache.Die meisten hormonellen Veränderungen stellen sich aber nicht erst mit dem Beginn der Pubertät ein, sondern können schon viel früher eintreten. Es ist belegt, dass sich diese Veränderung schon im 7. Lebensjahr einstellen kann. (vgl. Grob, Jaschinski, 2003, S.34)

Die Veränderungen der Körperproportionen in der Pubertät erfolgt nach allgemeinen Gesetzmäßigkeiten. Als erstes beginnt das Wachstum von Händen und Füßen, von Armen und Beinen, dann von Hüften und Schultern und zuletzt wird der Rumpf vom Wachstumsschub erfasst. Fast ausgeschlossen vom Wachstum ist der Kopf, da Schädel- und Gehirnwachstum schon im Kindesalter fast abgeschlossen sind.

1.3.2 Geschlechtsreifung

Wie schon erwähnt, setzt die Pubertät mit körperlichen Veränderungen ein. Damit verbunden ist auch die Geschlechtsreifung. Bei Jungen verläuft diese relativ einheitlich, bei den Mädchen treten jedoch größere individuelle Unterschiede auf. Bei Jungen beginnt die Geschlechtsreifung mit dem Wachstum von Hoden, Hodensack und ersten Schamhaaren, danach stellt sich das Peniswachstum ein und damit verbunden ist auch der erste Samenerguss. Als letztes beginnen die Achselhaare zu wachsen und die Haut rauer zu werden.

Bei den Mädchen wachsen zu erst die Brüste und Schamhaare, dann verändern sich die Genitalien (Vergrößerung von Vagina, Schamlippen und Klitoris). Die Menarche (erste Blutung) tritt erst später ein.

Hauptverantwortlich für die Geschlechtsreifung ist die Veränderung des Hormonhaushaltes. Es werden vor allem Androgene, Östrogene und bei Mädchen Gestagene ausgeschüttet. Diese bewirken in Wechselwirkung mit dem Hypophysenhormonen und anderen Hormonen die Geschlechtsreifung. (vgl. Grob, Jaschinski, 2003, S. 34-36)

Das Jugendalter ist aber nicht nur durch die körperlichen Veränderungen gekennzeichnet. Zu äußeren, sichtbaren, Veränderungen kommen auch noch die inneren, nicht sichtbaren hinzu. Kommen wir also zu der Entwicklung des Denkens.

1.4 Kognitive Entwicklung

1.4.1 Nach Piaget

Jean Piaget beschrieb als einer der Ersten die kognitive Entwicklung im Kindes- und Jugendalter. Kognitiv beschreibt alle Prozesse des Denkens.Piaget unterscheidet vier Entwicklungsstufen:

1. sensu-motorisches Denken (Säuglings- und Kleinkindalter),
2. präoperationales Denken (Vorschulalter),
3. konkret-operationales Denken (Grundschulalter),
4. formal-operationales Denken (ab dem 10 Lebensjahr).

(vgl. Grob, Jaschinski, 2003, S. 88)

Die Adoleszenz steht somit auch für das Erreichen einer höheren Stufe des Denkens. Das Jugendalter steht nach Piaget auf der Stufe des formal-operationalen Denkens. Doch bevor das Kind dieses Stadium erreicht, durchläuft es die sensumotorische Periode (vgl. Peter Rossmann, 1996, S. 143). In dieser hat das Kind ein gewisses praktisches Verhältnis an Erfahrungen entwickelt. Dennoch kann es in dieser Phase nicht als Denker bezeichnet werden. Erst im Stadium der konkreten Operationen hat das Kind Fähigkeiten entwickelt, die für das Denken notwendig, aber noch stark von der konkreten Erfahrung abhängig sind. Daher auch die Bezeichnung „konkrete“ Operationen. Erst mit dem Stadium der formalen Operationen, hat das Kind die Fähigkeiten zum völlig abstrakten Denken erreicht. Dabei kann es sowohl induktiv (vom Einzelfall zum allgemeinen Fall (Gesetzmäßigkeit)) als auch deduktiv (vom allgemeinen Fall zum Einzelfall) schlussfolgern, das inhaltliche Zutreffen der Sätze und Aussagen wird dabei weniger relevant, denn das Kind konzentriert sich vielmehr auf ihr Formen und ihren Wahrheitsgehalt. Weiterhin lernt es die Dinge kritisch zu betrachten, es kommt zu der Erkenntnis, dass das tatsächliche Vorhandene nur eine eingeschränkte Teilmenge des möglichen Denkbaren ist (vgl. Peter Rossmann, 1996, S. 143)

1.4.2 Nach Keating

Keating schreibt den Jugendlichen weitere kognitive Fähigkeiten zu:

1. Nachdenken über den Denkprozess (Metakognition),
2. Mehrdimensionales Denken,
3. Erkennen von Relativität.

1. Ältere Jugendliche nutzen in einem viel stärkeren Maße die Metakognition als jüngere. Zwar denken auch jüngere Kinder nach, aber wenn sie sich in einer Frage getäuscht haben, ändern sie einfach ihre Überzeugung. Im Gegensatz dazu sind ältere Jugendliche zusätzlich in der Lage über ihren Denkprozess nachzudenken. Sie überlegen sich wie und warum sie zu der falschen Annahme gekommen sind.
2. Des Weiteren denken Jugendliche nicht mehr nur ein- sondern auch mehr- dimensional. Sie beziehen daher mehrere Aspekte gleichzeitig in ihre Überlegungen mit ein und wägen diese gegeneinander ab.
3. Jugendliche sind fähig die Relativität von bestimmten Situationen, Regeln und Gesetzten zu erkennen, indem sie mehrere Dimensionen gleichzeitig betrachten. Dies ermöglicht es ihnen bestimmte Unterschiede zu erkennen und diese zu relativieren.

1.5 Theoretische Entwicklungskonzepte nach Erikson und Havighurst

Es gibt eine Vielzahl von Modellen menschlicher Entwicklung. Wir wollen uns auf die Modelle von Erikson und Havighurst beziehen, da diese einen hohen Bekanntheitsgrad haben und sich sehr gut für die weitere Arbeit eignen.

1.5.1 Psychosoziale Stadien nach E. H. Erikson

Das Modell von Erikson eignet sich sehr gut, um die menschliche Entwicklung besser nachvollziehen zu können. Jedes Individuum muss dabei psychosoziale Stadien durchlaufen. Nach Erikson muss der Mensch acht Entwicklungsstadien absolvieren. Jedes dieser Stadien enthält einen bestimmten Konflikt, dieser muss in dem jeweiligen Stadium hinreichend bewältigt werden, so dass die nächste Stufe mit ihrem Konflikt erfolgreich überstanden wird. Im ersten Stadium muss der Säugling Vertrauen zu seiner Bezugsperson aufbauen, er sollte ein grundlegendes Gefühl von Sicherheit empfinden, Wärme und Nähe durch die Nahrungsaufnahme lassen solch ein Vertrauen entstehen. Bekommt das Kind diese Wärme und Nähe nicht, dann kann dies zu einem tiefliegenden Gefühl von Misstrauen führen.

In der zweiten Stufe soll das Kind ein rechtes Gefühl von Autonomie entwickeln. In dieser Stufe lernt das Kind laufen und entwickelt langsam eine Sprache, es erkundet stärker seine Umwelt und trifft dabei auf Objekte und Menschen. Hier ist es wichtig, dass das Kind ein Selbstwertgefühl entwickelt, jedoch kann durch ständiges Einschränken und ständige Kritik dieses Selbstwertgefühl negativ beeinflusst werden und zu Selbstzweifel führen.

Im Vorschulalter entwickelt das Kind Vertrauen in seine Umgebung und in sich selbst, es kann sowohl geistige als auch körperliche Aktivität veranlassen. Je nachdem wie die Eltern auf diese initiierten Aktivitäten reagieren, entwickelt sich das Gefühl von Freiheit und Selbstvertrauen oder das Gefühl von Schuldbewusstsein.

Nachdem das Kind dieses Stadium erfolgreich bewältigt hat, ist es bereit eigene Kompetenzen zu entwickeln. Die Grundschuljahre sind dafür bestens geeignet. Durch Fächer wie Sport, Werken und Zeichnen etc. kann das Kind geistige und motorische Fertigkeiten entwickeln. Soziale Kompetenzen entwickelt es durch die Interaktion mit Gleichaltrigen. Das Kind spürt ein Kompetenzgefühl, wenn es durch Anstrengung und Bemühung erfolgreich ist. Durch ständige Misserfolge kann das Kind Minderwertigkeitsgefühle bekommen, es fühlt sich ausgegrenzt und unfähig und kann somit nicht den Anforderungen der nächsten Stufe gerecht werden.

Eine weitere wichtige Phase stellt die Adoleszenz dar, hier entdeckt der junge Mensch seine wahre und eigene Identität. Findet er sie nicht, da er durch das unterschiedliche Publikum auch unterschiedliche Rollen übernimmt und somit verwirrt ist, hat das schwere Konsequenzen für das nächste Stadium, denn er baut kein stabiles Selbstbild auf.

Im frühen Erwachsenenalter steht dann der Konflikt zwischen Intimität und Isolation an. Hierbei ist es wichtig, dass der Mensch sich gegenüber anderen (nahestehenden) Personen öffnet, tiefe emotionale und sexuelle Bindungen eingehen kann. Dazu ist es nötig ein Teil seiner Privatsphäre aufzugeben und auch eine stabile Identität in der vorherigen Phase gefunden zu haben. Hat der Mensch diese stabile Identität nicht oder ist er nicht in der Lage sich zu öffnen, dann führt das zu Isolation.

Das mittlere Erwachsenenalter ist durch Generativität und Stagnation gekennzeichnet. In dieser Phase ist man weniger auf sich selbst bedacht, sondern beschäftigt sich mehr mit der Familie, Arbeit und der zukünftigen Generation. Wurden die früheren Phasen nicht erfolgreich bewältigt, bewegt man sich immer noch auf dem Gebiet der Selbstfindung und stellt zurückliegende Entscheidungen in Frage.

Das letzte Stadium, das hohe Erwachsenenalter, hat zum Ziel, dass der alte Mensch ohne Bedauern zurückblickt. Wurden in den vorangehenden Stadien Krisen nicht bewältigt, so stellt sich beim alten Mensch ein Gefühl von Verzweiflung ein.

Das Modell von Erikson eignet sich sehr gut, wenn man die Fortschritte eines Menschen im Laufe seines Lebens verfolgen möchte. Da die Entwicklung der Identität im Jugendalter eine wichtige Aufgabe darstellt, möchten wir uns im Folgenden näher mit dem Stadium der Adoleszenz und die Findung der Identität befassen. (vgl. Zimbardo, 2004, S. 470-472)

1.5.2 Identität nach Erikson

In der fünfen Entwicklungsetappe, welche das Jugendendalter ist, tritt die Krise Identität vs. Rollendiffusion auf. Schon in den vorherigen Etappen treten Vorformen der Identität auf, jedoch verlaufen diese unbewusst ab (vgl. Grob, Jaschinski, 2003, S. 43). Selbst nach der Pubertät bleibt die Wichtigkeit der Identität bestehen.

In der fünften Phase ist das Zusammenwirken von positiver und negativer Identität wichtig, der Jugendliche fragt sich: Wer bin ich und was will ich nicht sein? Alle Identifizierungen auf die man sich vorher verlassen konnte, werden nun in Frage gestellt. Der sich entwickelnde und wachsende Jugendliche sucht seine Rolle in der Gesellschaft und versucht diese zu festigen (vgl. Bubolz, 2000, S. 30). Die Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ erlangt der junge Mensch durch eine realistische Einschätzung seiner eigenen Persönlichkeit. Zur Bestimmung des Selbst werden vergangene und gegenwärtige Erfahrungen und Zukunftserwartungen in Betracht gezogen, sie vermitteln die Erfahrung von Kontinuität des eigenen Selbst (vgl. Grob, Jaschinski, 2003, S. 43). Der Jugendliche setzt sich mit Themen wie Beruf, Politik, Religion etc. auseinander. Sie entwickeln in bestimmten Bereichen eine persönliche Haltung und identifizieren sich damit. So ist auch eine Integration in die Gesellschaft gewährleistet. Die jungen Menschen finden einen Platz in der Gesellschaft und Gefühle wie Treue, Loyalität, Wohlbefinden und Selbstachtung kommen auf. Verläuft diese Integration nicht erfolgreich kommt es laut Erikson zur Identitätsdiffusion. Der Jugendliche schafft es nicht seine bisherige Geschichte mit der Zukunftserwartung zu vereinen. Ist der Ausgang der Krise positiv, so besitzt der Jugendliche am Ende dieser Phase eine realistische Selbstkenntnis, überwindet er diese Krise nicht, stagniert er in einem Zustand von Verwirrung (vgl. Grob, Jaschinski, 2003, S. 44).

Die Identitätskrise im Jugendalter ist nach Erikson eine ernst zu nehmende Phase, denn nur hier hat der Mensch die Chance seine Wesenseinheit zu stabilisieren. Im weiteren Entwicklungsverlauf kommt es vor, dass der Mensch auf Grund von Veränderungen seine Identität anpassen muss, es kommen neue Rollen auf die Person zu, z. B. die Rolle als Elternteil, Ehepartner, Arbeitnehmer und vieles mehr.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Identität durch die gesamte Entwicklung zieht und auch nach der Adoleszenz noch nicht endgültig feststeht. Wenn sich der Mensch im eigenen Körper wohlfühlt, wenn er weiß, wo er steht und weiß wo er hin will und sich darüber im Klaren ist, dass er dafür Akzeptanz und Anerkennung bekommt, dann hat er das optimale Gefühl von Identität erlangt. „Identität impliziert ein Gefühl der Einigkeit mit sich selbst und der Kontinuität über die Zeit“ (Flammer 2002, S. 160).

1.5.3 Entwicklungsaufgaben im Jugendalter nach R. Havighurst

Wie schon erwähnt verändert sich der Mensch im Laufe des Lebens, damit ist nicht nur das Aussehen gemeint, er ändert auch seine Ansichten, Interessen und Lebensgewohnheiten. Sicherlich hängt das damit zusammen, dass sich stetig die Lebensumstände verändern und somit auch die Entwicklungsaufgaben. Nach der Schulzeit beginnt das Berufsleben, meistens folgt darauf die Gründung einer Familie. Während des Lebens muss sich der Mensch immer neuen Herausforderungen stellen und diese meistern, das Leben erfordert ständig eine Anpassung von uns Menschen. Wie schon erwähnt, ist die Adoleszenz eine entscheidende Phase in unserem Leben, sie ist durch starke Veränderungen gekennzeichnet und sie weist bestimmte Entwicklungsaufgaben auf.

Ende der vierziger Jahre entwickelte Robert James Havighurst an der Universität Chicago das Konzept der Entwicklungsaufgaben. Havighurst war dort Professor für Erziehung und Mitarbeiter des Komitees für Kinderentwicklung (vgl. Grob, Jaschinski, 2003, S. 22).

Havighurst definiert eine Entwicklungsaufgabe folgendermaßen: sie ist „eine Aufgaben, die in oder zumindest ungefähr zu einem bestimmten Lebensabschnitt des Individuums entsteht, deren erfolgreiche Bewältigung zu dessen Glück und Erfolg bei der Lösung nachfolgender Aufgaben beträgt, während ein Misslingen zu Unglücklich sein des Individuums, zu Missbilligung seitens der Gesellschaft und zu Schwierigkeiten mit späteren Aufgaben führt“

( Havighurst (1952): Entwicklungsaufgaben: Was die Gesellschaft von Jugendlichen verlangt, In: Grob, Jaschinski: Erwachsen werden, Entwicklungspsychologie des Jugendalters, S. 23).

In seinem Konzept erarbeitete Havighurst die konkreten Entwicklungsaufgaben vom Säuglingsalter bis zum späten Erwachsenenalter. Wir betrachten nur das Jugendalter, da die restlichen Stadien nicht relevant für unsere Arbeit sind.

Für einen Jugendlichen von 12 bis 18 hat Havighurst folgende Aufgaben genannt:

1) Erwerb neuer und reiferer Beziehungen zu Altersgenossen beiderlei Geschlechts,
2) Erwerb der männlichen bzw. weiblichen Rolle,
3) Akzeptieren der eigenen körperlichen Erscheinung und effektive Nutzung des Körpers,
4) Gewinnung emotionaler Unabhängigkeit von Eltern und anderen Erwachsenen,
5) Vorbereitung auf die berufliche Karriere,
6) Erwerb ökonomischer Unabhängigkeit,
7) Vorbereiten auf Heirat und Familie,
8) Gewinnung sozial verantwortungsbewussten Verhaltens,
9) Entwicklung intellektueller Fertigkeiten und ziviler Kompetenz,
10) Aufbau eines Wertesystems und ethischen Bewusstseins zur Orientierung für das Handeln (vgl. Flammer 2002, S. 57).

Havighursts Theorie zu den Entwicklungsaufgaben war, dass sich das erfolgreiche Lösen der Aufgaben positiv auf das Bewältigen der nächsten Aufgaben auswirkt. Es ist also ähnlich wie bei Erikson, wird eine Krise nicht erfolgreich überstanden, so wirkt sich das negativ für die weitere Entwicklung und deren Aufgaben (Krise) aus, sie können nicht (so gut) bewältigt werden. Entwicklungsaufgaben sind unerlässliche Herausforderungen oder auch „Stolpersteine“, welche den Jugendlichen auf dem Weg zum Erwachsenwerden gelegt werden und diese gilt es nun schadlos zu überwinden. Wenn man darüber stolpert, gibt es zwei Ausgangsmöglichkeiten, entweder man fällt hin oder man hält das Gleichgewicht und schafft es ohne Sturz darüber zukommen.

1.5.4 Die Aktualität der Entwicklungsaufgaben von Havighurst

Nun könnte man sich die Frage stellen: „Sind diese Aufgaben heute noch aktuell?“, denn schließlich entstand dieser Katalog in den vierziger Jahren. Sicherlich ist die Jugend der damaligen Zeit nicht mit der heutigen zu vergleichen, aber trotzdem gibt es in Bezug auf die Entwicklungsaufgaben immer noch vieles was für die „moderne“ Jugend gültig ist. Nichtsdestotrotz rückt in der heutigen Zeit die Heirat und die Familie in den Hintergrund und spielt bei den meisten Jugendlichen zu diesem Zeitpunkt noch keine Rolle. Im Laufe der Zeit sind auch neue Entwicklungsaufgaben dazu gekommen, zum Beispiel die Aufnahme und der Aufbau intimer Beziehungen, die Entwicklung der Identität, Aufbau einer Zukunftsperspektive, Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, Selbstständigkeit, Selbstsicherheit und Selbstkontrolle. Auch Umweltschutz und Friedenssicherung sind für viele Jugendliche ein Thema, die neuen Aufgaben sind spezieller aber auch weiter geworden. Zum einen sind diese Aufgaben jetzt mehr auf die Persönlichkeit gerichtet und zum anderen beziehen sie sich stärker auf die gesamte Menschheit (Friedenssicherung, Politik, Wirtschaft) (vgl. Flammer 2002, S. 57).

Eine Studie fand heraus, dass es zwischen Jungen und Mädchen bezüglich der Wichtigkeit der Entwicklungsaufgaben Unterschiede gibt. Für Mädchen sind die Aneignung von Werten, der Umgang mit dem eigenen Körper und die elterliche Unabhängigkeit wichtig. Die Jungen empfanden Aufgaben im Bezug auf die Geschlechterrolle und das Eingehen intimer Beziehungen wichtiger (vgl. Flammer 2002, S. 57). Im Jahr 1987 wurde eine weitere Studie mit 14- bis 16-jährigen Jugendlichen durchgeführt. Man fragte die Jugendlichen welche Aufgabe die höchste, mittlere und geringste Wichtigkeit für sie hat, zusätzlich wurden die Eltern der Jugendlichen befragt. Dabei stellte sich raus, dass die Eltern die Intimität bei ihren Kindern als noch nicht relevant einstuften, aber diese für die Kinder schon eine wichtige Rolle spielte. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Eltern noch eine andere Einstellung zu Jugendliche und ihrer sexuellen Entwicklung hatten, die Eltern der befragten Jugendlichen erlebten ihre Jugend in einer anderen Zeit und übertrugen die damals geltenden Normen auf ihre Kinder und deren Entwicklung. Die höchste Wichtigkeit für die Kinder hatte der Beruf, die eigene Person und der Kontakt zu den Gleichaltrigen. Die Eltern sahen das ähnlich (Anhang 2). (vgl. Flammer 2002, S. 58)

1.6 Zusammenfassende Reflexion

Im ersten Kapitel unserer Arbeit haben wir versucht der Begriffsbestimmung Jugend näher zu kommen.

Die Jugendphase wird immer als Phase tiefgreifender Veränderungen und Krisen beschrieben. Das Kind entwickelt sich in dieser Zeit zu einem Erwachsenen. Wo diese Entwicklung zeitlich einsetzt und aufhört, kann dabei ganz unterschiedlich sein.

Wissenschaftliche Bestimmungsversuche definieren Jugend anhand von bestimmten Merkmalen: biologische, kognitive und organisationelle.

Biologische Merkmale sind so zum Beispiel die genetisch festgelegten Entwicklungsabläufe (Menarche, Spermarche, Stimmbruch, Brustwachstum, Körperwachstum…). Kognitive Merkmale sind Prozesse des Denkens, die wir in unserer Arbeit nach Piaget und Keating bestimmt haben. Der junge Mensch durchläuft dabei eine Entwicklung vom einfachen (sensu-motorisches Denken) zum komplexen (formal-operationales Denken) Denken. Und die organisationellen Merkmale sind beispielsweise der Wechsel der Schule und der Übergang von der Schule in den Berufsalltag.

Im weiteren Verlauf der Vorbetrachtung haben wir versucht anhand von zwei Entwicklungsmodellen (Erikson & Havighurst) deutlich zu machen, wie die Entwicklung eines Menschen abläuft und was man unter Identität versteht.

Nach Erikson durchläuft der Mensch 8 Stadien (vom Kind zum Erwachsenen), jede dieser Phase enthält eine Krise (Konflikt), die es zu überwinden gilt, um die nächste Phase gut bewältigen zu können. In der Adoleszenz ist die Krise Identität vs. Rollendiffusion. Der Jugendliche muss sich in dieser Zeit selbst finden und ein stabiles Selbstbild aufbauen.

Havighurst erstellte ein Verzeichnis von Entwicklungsaufgaben, die ein Mensch im Laufe seines Lebens bewältigen muss. Dabei sind wir näher auf die Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz eingegangen und haben gezeigt, dass einige Aufgaben nicht ganz der Zeit entsprechen und dass es Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen, bezüglich der Relevanz der Entwicklungsaufgaben gibt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 61 Seiten

Details

Titel
Berufliche Identität im Jugendalter
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
61
Katalognummer
V158916
ISBN (eBook)
9783640725953
ISBN (Buch)
9783640726233
Dateigröße
31628 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berufliche, Identität, Jugendalter
Arbeit zitieren
MA Sebastian Müller (Autor), 2007, Berufliche Identität im Jugendalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158916

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Berufliche Identität im Jugendalter



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden