Die Darstellung des Baumgartens im „Erec“ soll in der vorliegenden Arbeit anhand expliziter Textausschnitte der Joie de la court untersucht werden. Um an die gegenwärtige Forschung anzuknüpfen, beschäftigt sich diese Arbeit mit folgender zentraler Fragestellung: „Inwiefern wird der Baumgarten mythisch etabliert?“. Publikationen von Bruno Quast und Udo Friedrich sind in Bezug auf mythische Einwirkungen in Artusromanen neue Forschungspublikationen, die den Artusromanen mythische Charakteristiken auf divergente Art und Weise zuweisen. Eine der Haupttendenzen in der Forschung bezüglich des Mythos in der Artusliteratur ist die Untersuchung der verschiedenen Varianten und Interpretationen des Mythos, da der Begriff nicht einheitlich definierbar sei. Für diese Hausarbeit besonders hervorzuheben ist die Publikation: „Daz ander paradîse. Mythos und Norm in den Artusromanen Hartmanns von Aue“ von Bruno Quast, die 2012 erschien. Quast definiert die Begriffe Mythos und Sonderraum. Er bezieht sich dabei auf die Artusromane „Erec“ und „Iwein“ Hartmanns von Aue und untersucht die Bedeutung von Mythen in diesen Artusromanen. Der Germanist zeigt auf, wie diese mit den Normen der mittelalterlichen Gesellschaft verknüpft sind. Er bietet so einen ausführlichen Überblick über den Mythos in Artusromanen und macht deutlich, wie konträr definiert dieser Begriff in der Forschung ist.
Die vorliegende Arbeit umfasst zwei Oberkapitel. Diese sind in Unterkapitel gegliedert. Der erste Teil widmet sich der Definition von Mythos der mittelalterlichen Literatur und der Theologie. Darauf aufbauend wird die höfische Ordnung definiert. Dieser Punkt wird angeschnitten, da Hartmann von Aue in seinen Artusromanen die Auseinandersetzung des Höfischen und des Mythischen schafft. Dann beginnt die Analyse des Sonderraums, dem Baumgarten. Der Baumgarten wird hinsichtlich seiner mythischen Charakteristiken analysiert. Untersucht wird, inwiefern der Baumgarten eine Kontrafraktur zum biblischen Paradies darstellt. Der Baumgarten wird danach, hingehend seiner irrealen Elemente analysiert. Auf diese Weise soll verdeutlicht und hinterfragt werden, inwiefern der Sonderraum mythisch etabliert wird. Im Fokus steht der Primärtext im literatur- und kulturhistorischen Kontext. Ein Fazit und ein Ausblick zur Beantwortung der Forschungsfrage beschließen die Arbeit.
Inhaltsverzeichnis des Werkes
1. Einleitung
2. Mythos Definitionsansätze
2.1 Mythos in der mittelalterlichen Literatur
2.2 Mythos in der Theologie
3. Der Baumgarten als mythischer Sonderraum
3.1. Der Baumgarten als Kontrafraktur zum biblischen Paradies
3.2. Irreale Elemente des Baumgartens
4. Fazit – inwiefern wird der Baumgarten mythisch etabliert?
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die mythische Dimension des Baumgartens im mittelhochdeutschen Artusroman „Erec“ von Hartmann von Aue, mit der zentralen Forschungsfrage, wie dieser Raum innerhalb des literatur- und kulturhistorischen Kontextes als mythischer Sonderraum etabliert wird.
- Analyse des Mythos-Begriffs in Literaturwissenschaft und Theologie.
- Untersuchung des Baumgartens als Kontrafraktur zum biblischen Paradies.
- Erforschung irrealer Elemente innerhalb des Baumgartens.
- Betrachtung der Joie de la court als zentrales mythisches Episodenelement.
- Einordnung des Sonderraums im Kontext höfischer Normen und Erzählstrukturen.
Auszug aus dem Buch
3.2. Irreale Elemente des Baumgartens
Irreale Darstellungen sind ein häufiges Merkmal der mittelalterlichen Literatur. Diese Charakteristiken können verschiedene Formen annehmen. Irreale Elemente in der Literatur beziehen sich auf fiktive oder imaginäre Elemente, die nicht der Realität entsprechen. Bruno Quast sagt in Bezug auf den Baumgarten, dass er mythische Jahreszeiten habe, es sei sowohl Winter als auch Herbst. Das ist eine irreale Begebenheit des Sonderraums, denn in der realen Welt gibt es keinen Ort, der mehrere Jahreszeiten zur selben Zeit hat.
Der Baumgarten hat eine besondere Wirkung auf die Menschen, die Zutritt zu ihm erlangen. „Wer mit hertzenlaide ware bevangen, / käm er darin gegangen, / Er múeste Ir da vergessen.“ (Vers 9716-9719).
Die Darstellung der Schönheit des Sonderraums wirkt paradiesisch. Der Baumgarten sei ein so schöner Ort, an dem Kummer und Leid keinen Platz hätten. Die Sorgen der Menschen verschwinden beim Betreten des Sonderraums. Die Beschreibung erinnert an eine irreale Traumwelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema des Artusromans „Erec“ ein und definiert die methodische Herangehensweise sowie die zentrale Forschungsfrage zur mythischen Etablierung des Baumgartens.
2. Mythos Definitionsansätze: Dieses Kapitel erörtert theoretische Ansätze zum Mythos-Begriff, wobei sowohl literaturwissenschaftliche als auch theologische Perspektiven herangezogen werden.
2.1 Mythos in der mittelalterlichen Literatur: Hier wird der Mythos als strukturgebendes Element der Literatur untersucht, das sich durch Irrealität und soziokulturelle Bindungen auszeichnet.
2.2 Mythos in der Theologie: Dieses Kapitel betrachtet die christliche Dimension des Mythos und seine symbolische Bedeutung zur Erklärung menschlicher Existenz innerhalb religiöser Narrative.
3. Der Baumgarten als mythischer Sonderraum: Das Kapitel analysiert den speziellen Ort des Baumgartens im Kontext der „Joie de la court“ als mythisch aufgeladenen Schauplatz.
3.1. Der Baumgarten als Kontrafraktur zum biblischen Paradies: Hier wird der Baumgarten als Gegenentwurf zum biblischen Garten Eden beleuchtet, wobei biblische Referenzen und moralische Implikationen untersucht werden.
3.2. Irreale Elemente des Baumgartens: Dieses Kapitel identifiziert die nicht-realen, märchenhaften Eigenschaften des Gartens, wie etwa die Gleichzeitigkeit der Jahreszeiten oder seine psychologische Wirkung auf die Figuren.
4. Fazit – inwiefern wird der Baumgarten mythisch etabliert?: Das Fazit fasst die Analyseergebnisse zusammen und beantwortet die Forschungsfrage, wobei die Rolle des Baumgartens als symbolischer Ort der Transformation hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Erec, Hartmann von Aue, Mythos, Artusroman, Baumgarten, Joie de la court, Sonderraum, Paradies, Kontrafraktur, mittelalterliche Literatur, Mabonagrin, Transformation, Symbolik, Literaturgeschichte, höfische Ordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse mythischer Elemente im Artusroman „Erec“ von Hartmann von Aue, wobei der Fokus gezielt auf dem Baumgarten als zentralem Schauplatz liegt.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Zu den Kernbereichen gehören die Mythosforschung in der Mediävistik, theologische Bezüge der Paradiesvorstellung und die literarische Konstruktion von Sonderräumen im Mittelalter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, zu klären, durch welche literarischen Mittel und biblischen Referenzen der Baumgarten als mythischer Sonderraum im „Erec“ etabliert wird.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Untersuchung nutzt primär eine textnahe Analyse ausgewählter Passagen der „Joie de la court“ und vergleicht diese mit fachwissenschaftlichen Interpretationen von Autoren wie Bruno Quast.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Schwerpunkt auf der Definition des Mythosbegriffs sowie der tiefgehenden Untersuchung des Baumgartens hinsichtlich seiner Rolle als Anti-Paradies und der Analyse seiner irrealen Merkmale.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Erec, Mythos, Baumgarten, Sonderraum, Kontrafraktur und höfische Ordnung.
Inwieweit spielt die Figur des Mabonagrin für die Argumentation eine Rolle?
Mabonagrin und seine Rolle im Baumgarten werden als verkörperte „Schattenseite“ und als Spiegelbild des Bösen herangezogen, um die mythische Aufgeladenheit des Ortes zu unterstreichen.
Wie unterscheidet sich der analysierte Baumgarten vom klassischen Paradies?
Der Baumgarten wird als „Kontrafraktur“ gewertet; er greift paradiesische Motive auf, wandelt sie jedoch durch das Wirken des Bösen (Mabonagrin) und die Verstrickung in weltliche höfische Probleme ab.
- Arbeit zitieren
- Michelle Sakorezki (Autor:in), 2023, Die Darstellung des Baumgartens im "Erec" Hartmanns von Aue im literatur- und kulturhistorischen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1589570