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Tradwives in Polen. Zwischen nationaler Tradition und digitaler Reproduktion von Geschlechterrollen

Titel: Tradwives in Polen. Zwischen nationaler Tradition und digitaler Reproduktion von Geschlechterrollen

Hausarbeit , 2025 , 47 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Xandra Fritz (Autor:in)

Kulturwissenschaften - Osteuropa
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit widmet sich zunächst der Betrachtung konkurrierender Erwartungshaltungen, mit denen sich Frauen im Polen der Nachkriegs- und Nachwendezeit konfrontiert sahen. Im Anschluss folgt die Analyse der sich auf der Social-Media-Plattform TikTok manifestierenden polnischen Tradwife-Bewegung anhand der diskurshistorischen Methode. Deutlich wird hierbei die Zentrierung des Phänomens in der Person der Influencerin Wiktoria Wilkosz (@victelsy) und deren Instrumentalisierung traditioneller rechtskonservativ ausgerichteter Weiblichkeitsnarrative zu politischen Zwecken.

In ihrem im Jahr 2021 erschienen Essay zur steigenden Prävalenz frauenfeindlicher Tendenzen innerhalb der polnischen Gesellschaft verweist Anna Grudzińska auf die Signifikanz tradierter Geschlechterrollen, welche in der Anti-Gender-Politik der rechtsnationalen Partei Prawo i Sprawiedliwość (PiS) zwar verstärkt Ausdruck fanden, gleichzeitig jedoch historisch tief verwurzelt sind.

Wie die Autorin darlegt, wurden die gesellschaftliche Stellung und reproduktiven Rechte der Frau seit jeher als Spielball soziopolitischer Mächte instrumentalisiert, indem sie sowohl der kommunistischen Obrigkeit der Vorwendejahre als auch der katholischen Kirche zur Konsolidierung und Legitimierung der eigenen Führungsansprüche dienten. In diesem Sinne muss die Zurückdrängung der Frau in den privaten Bereich zugunsten eines patriarchalischkonservativen Weltbildes nicht als Rückschritt, sondern vielmehr als Zeichen von Kontinuität gedeutet werden, in der die Perpetuierung antifeministischer Diskurse als Garant nationaler Stabilität betrachtet wird.

Diese Gemengelage bietet den idealen Nährboden für die Umsetzung repressiver Geschlechtermodelle, welche in dem vermeintlich neuartigen Trend der Tradwife-Bewegung Ausdruck findet, deren Vertreterinnen sich bewusst unter dem Deckmantel von „choice feminism“ von feministischen Idealen abgrenzen und die Entscheidung für ein der Kindererziehung und Haushaltsführung gewidmetes Leben als Ausdruck weiblicher Autonomie und Wahlfreiheit betrachten.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

  • 1. Aus Alt mach Neu: Reproduktion traditioneller Frauenbilder in der #Tradwife-Bewegung
  • 2. Die Frau in der polnischen Nachkriegs- und Nachwende-Gesellschaft.
    • 2.1. Die berufstätige Matka Polka in der Volksrepublik Polen.
    • 2.2. Das Frauenbild nach 1989.
    • 2.3. Die widersprüchliche Konzipierung der polnischen Frau.
  • 3. Analyse der polnischen Tradwife-Bewegung.
    • 3.1. Methodik.
    • 3.2. Analysematerial: Polnische Tradwives auf TikTok.
    • 3.3. Analyse: TikTok-Präsenz Wiktoria Wilkosz @victelsy
      • 3.3.1. Überblick zu @victelsy.
      • 3.3.2. Betrachtung der referierten Diskurse.
      • 3.3.3. Analyse des Kommentar-Threads zum „Kura domowa“-Post.
      • 3.3.4. Kontrastierung des Kommentar-Threads versus @victelsy.
      • 3.3.5. Betrachtung der diskursiven Umrahmung.
  • 4. Fazit und Ausblick.
  • Medienverzeichnis.
  • Literaturverzeichnis.
  • Anhang.

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die polnische Tradwife-Bewegung auf TikTok zu analysieren, wobei der Fokus auf der Influencerin Wiktoria Wilkosz (@victelsy) liegt. Es wird untersucht, wie traditionelle, rechtskonservative Weiblichkeitsnarrative zu politischen Zwecken instrumentalisiert werden und inwiefern diese Bewegung als Neuinterpretation historisch gewachsener Frauen- und Mutterrollen in Polen gelesen werden kann, sowie welche Gegendiskurse sich dazu in sozialen Medien entwickeln.

  • Reproduktion traditioneller Frauenbilder und Geschlechterrollen in der #Tradwife-Bewegung.
  • Historische Entwicklung des Frauenbildes in der polnischen Nachkriegs- und Nachwende-Gesellschaft (Matka Polka).
  • Diskursanalyse der polnischen Tradwife-Bewegung auf TikTok, insbesondere die Rolle von Influencerinnen.
  • Instrumentalisierung rechtskonservativer Weiblichkeitsnarrative und deren politische Implikationen.
  • Einfluss von "choice feminism" und neoliberalen Kontexten auf moderne Geschlechterrollen.
  • Die Rolle von Religion und politischer Agenda in der Selbstdarstellung der Tradwives.

Auszug aus dem Buch

3.1. Methodik

Die vorliegende Arbeit bedient sich der Methode der diskurshistorischen Analyse (Discourse- Historical Approach / DHA), um die Reproduktion traditioneller Geschlechterrollen sowie die damit verbundenen Gegendiskurse im Kontext der polnischen Tradwife-Bewegung zu untersuchen. Bei der DHA handelt es sich um einen interdisziplinären, kritisch- diskursanalytischen Ansatz, der sprachliche Phänomene in ihren sozialen, politischen und historischen Kontexten einbettet (vgl. Reisigl/Wodak 2009), um hierdurch ideologische Strategien innerhalb von Diskursen sichtbar zu machen und in Bezug zu historischen Tradierungen, kollektiven Identitätskonzepten sowie hegemonialen Machtverhältnissen zu analysieren.

Zentrales methodisches Prinzip der DHA ist die Triangulation in Form der systematischen Zusammenführung unterschiedlicher Quellen, Methoden und theoretischer Perspektiven. In dieser Arbeit werden historisch gewachsene Weiblichkeitsnarrative mit aktuellen digitalen Diskursen verknüpft und hierbei auf die Frage fokussiert, inwiefern die Tradwife-Bewegung in Polen als Neuauflage beziehungsweise Reinterpretation traditioneller Weiblichkeits- und Mutterrollen gelesen werden kann, und welche Gegendiskurse sich dieser Konstruktion in sozialen Medien entgegenstellen.

Die Analyse erfolgt entlang zentraler diskursiver Strategien nach Reisigl/Wodak (2009): Nomination: Wie werden Akteurinnen benannt (z. B. „Tradwife“, „matka polka")? Prädikation: Welche Eigenschaften werden diesen Akteurinnen zugeschrieben (z. B. aufopferungsvoll, rein, weiblich, patriotisch)? Argumentation: Welche Topoi werden zur Legitimierung verwendet (z. B. Topos der Natürlichkeit, der göttlichen Ordnung, des Zerfalls der Familie)? Perspektivierung: Aus welchen Sprecherpositionen heraus wird argumentiert (z. B. religiös-konservativ, pseudowissenschaftlich, nationalistisch)? Intensivierung/Mitigation: Inwieweit werden Aussagen emotionalisiert, verstärkt oder abgeschwächt?

Um die Tradwife-Diskurse systematisch zu erfassen, wurden im Vorfeld drei diskursive Idealtypen gebildet, die auf der historischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Konstruktionen von Weiblichkeit innerhalb der polnischen Gesellschaft beruhen (vgl. Kapitel Die widersprüchliche Konzipierung der polnischen Frau): Diskurs A: Matka Polka; Diskurs B: Kobieta pracująca; Diskurs C: Traditionelle Hausfrau im neoliberalen Kontext.

Diese Analysekategorien ermöglichen eine diskurstheoretisch fundierte Zuordnung der Tradwife-Inszenierungen zu historisch gewachsenen Stereotypen. Darüber hinaus dienen sie als Maßstab zur Identifikation von kontinuitätsbrechenden Gegennarrativen, die auf digitalen Plattformen sichtbar werden. Die qualitative Auswertung erfolgt mittels Exploration der hierbei referierten Topoi, wobei diesbezügliche Aussagen und bildliche Darstellungen auf ihre diskursive Strategie, ideologische Einbettung und Affinität zu den drei idealtypischen Diskursen hin geprüft werden. Die Ergebnisse der Analyse werden im folgenden Kapitel systematisch dargestellt und im Hinblick auf die Frage diskutiert, ob und inwiefern die Tradwife-Bewegung als digitale Reproduktion konservativer Weiblichkeitsideale zu verstehen ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Aus Alt mach Neu: Reproduktion traditioneller Frauenbilder in der #Tradwife-Bewegung: Dieses Kapitel führt in die historischen Wurzeln traditioneller Geschlechterrollen in Polen ein und beleuchtet die Entstehung der Tradwife-Bewegung als Ausdruck eines "choice feminism".

2. Die Frau in der polnischen Nachkriegs- und Nachwende-Gesellschaft: Dieser Abschnitt untersucht die Entwicklung des Frauenbildes in Polen nach dem Zweiten Weltkrieg und der postkommunistischen Transformation, wobei er sich auf die "Matka Polka" und die berufstätige Frau konzentriert.

2.1. Die berufstätige Matka Polka in der Volksrepublik Polen: Beschreibt das idealisierte Bild und die Realität berufstätiger Mütter im kommunistischen Polen, einschließlich staatlicher Politiken und gesellschaftlicher Erwartungen.

2.2. Das Frauenbild nach 1989: Diskutiert die Auswirkungen neoliberaler Reformen, wirtschaftlicher Veränderungen und des Aufstiegs konservativer Politik auf die Frauenrollen und die Stärkung traditioneller Werte nach 1989.

2.3. Die widersprüchliche Konzipierung der polnischen Frau: Fasst die widersprüchlichen Rollenbilder für polnische Frauen zusammen, darunter die Matka Polka, die berufstätige Frau und die traditionelle Hausfrau im neoliberalen Kontext.

3. Analyse der polnischen Tradwife-Bewegung: Dieser Hauptteil beschreibt die Methodik und Analyse der Tradwife-Bewegung in Polen, insbesondere auf TikTok.

3.1. Methodik: Erläutert die Anwendung des diskurshistorischen Ansatzes (DHA) zur Untersuchung der Reproduktion traditioneller Geschlechterrollen und Gegendiskurse innerhalb der Tradwife-Bewegung.

3.2. Analysematerial: Polnische Tradwives auf TikTok: Identifiziert die Haupt-TikTok-Accounts polnischer Tradwives, insbesondere Wiktoria Wilkosz (@victelsy) und Karolina Baszak (@karolinabaszak).

3.3. Analyse: TikTok-Präsenz Wiktoria Wilkosz @victelsy: Analysiert den Inhalt und die Selbstdarstellung der Influencerin Wiktoria Wilkosz, wobei der Fokus auf ihren Narrativen, Themen und der visuellen Kommunikation liegt.

4. Fazit und Ausblick: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und beleuchtet, wie Wiktoria Wilkosz' TikTok-Präsenz grundlegende Probleme von Geschlechterrollen und dem sozioökonomischen Status von Frauen in der polnischen Gesellschaft aufzeigt.

Schlüsselwörter

Tradwives, Polen, Geschlechterrollen, Onlinekultur, TikTok, Weiblichkeitsnarrative, Diskursanalyse, Matka Polka, Neoliberalismus, Konservatismus, Feminismus, Social Media, Influencer, Patriarchat.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Repräsentation traditioneller Frauenbilder und Geschlechterrollen in der polnischen Tradwife-Bewegung, insbesondere auf der Social-Media-Plattform TikTok.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind die Reproduktion traditioneller Frauenbilder, die historische Entwicklung von Geschlechterrollen in Polen, die digitale Manifestation der Tradwife-Bewegung auf TikTok und die diskursive Instrumentalisierung von Weiblichkeitsnarrativen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, inwiefern die Tradwife-Bewegung in Polen als Reinterpretation traditioneller Frauen- und Mutterrollen verstanden werden kann und welche Gegendiskurse sich in sozialen Medien dazu entwickeln.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit bedient sich der diskurshistorischen Analyse (Discourse-Historical Approach / DHA), um sprachliche Phänomene in ihren sozialen, politischen und historischen Kontexten zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die polnische Tradwife-Bewegung auf TikTok, mit einem besonderen Fokus auf die Influencerin Wiktoria Wilkosz (@victelsy), deren Selbstdarstellung und die Interaktion in Kommentar-Threads.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind: Tradwives, Polen, Geschlechterrollen, Onlinekultur, TikTok, Weiblichkeitsnarrative, Diskursanalyse, Matka Polka, Neoliberalismus, Konservatismus, Feminismus, Social Media, Influencer.

Wie grenzt sich die untersuchte Influencerin Wiktoria Wilkosz vom klassischen Tradwife-Narrativ ab?

Wiktoria Wilkosz bevorzugt die Bezeichnung „pani domu“ (Frau des Hauses) und betont, dass ihre Entscheidung für ein Leben als Hausfrau eine bewusste Wahlfreiheit darstellt, die sich gegen die Doppelbelastung von Haus- und Erwerbsarbeit richtet.

Welche Rolle spielt die katholische Kirche im Kontext des Frauenbildes der „Matka Polka“?

Die katholische Kirche, insbesondere der Kult um die Schwarze Madonna von Tschenstochau, trägt maßgeblich zur Stilisierung der „Matka Polka“ als Sinnbild asexueller Weiblichkeit, bedingungsloser Mutterliebe, Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft bei.

Wie werden ökonomische Abhängigkeiten im Tradwife-Modell thematisiert und gerechtfertigt?

Wilkosz trivialisiert die Thematik der ökonomischen Abhängigkeit durch die Darstellung einer rigorosen Haushaltsführung und die Reduktion der Wahlfreiheit auf die Partnerwahl zwischen einem ausbeuterischen Arbeitgeber und einem "guten Ehemann" als Erlöserfigur.

Welche gesellschaftlichen Strömungen trugen zur Entstehung der Tradwife-Bewegung in Polen bei?

Die Tradwife-Bewegung in Polen speist sich aus dem Nährboden repressiver Geschlechtermodelle, die in der Anti-Gender-Politik der rechtsnationalen PiS-Partei verstärkt Ausdruck fanden und historisch tief in der polnischen Gesellschaft verwurzelt sind.

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Tradwives in Polen. Zwischen nationaler Tradition und digitaler Reproduktion von Geschlechterrollen
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Veranstaltung
Manosphere: (Neurechte) Männlichkeiten in der Onlinekultur
Note
1,3
Autor
Xandra Fritz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2025
Seiten
47
Katalognummer
V1589615
ISBN (PDF)
9783389138939
ISBN (Buch)
9783389138946
Sprache
Deutsch
Schlagworte
manosphere tradwife Geschlechterrollen frauenfeindlich polnisch Polen Tradition Patriarchat rechtsnational PiS antifeministisch Antifeminismus repressiv TikTok Online Influencerin rechtskonservativ politisch Instrumentalisierung Männlichkeit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Xandra Fritz (Autor:in), 2025, Tradwives in Polen. Zwischen nationaler Tradition und digitaler Reproduktion von Geschlechterrollen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1589615
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Leseprobe aus  47  Seiten
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