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Polizeibataillone im 2. Weltkrieg. Befehlsnotstand oder Mordlust?

Ein systematischer Vergleich der Polizeibataillone 101 und 61

Title: Polizeibataillone im 2. Weltkrieg. Befehlsnotstand oder Mordlust?

Term Paper , 2019 , 18 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Anonym (Author)

History of Europe - Ages of World Wars
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Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Rolle deutscher Polizeibataillone im Nationalsozialismus, insbesondere mit dem Reserve-Polizeibataillon 101 und dem Polizeibataillon 61. Im Mittelpunkt steht ein systematischer Vergleich dieser beiden Einheiten hinsichtlich ihrer sozialen Zusammensetzung, ihres Verhaltens im Kriegseinsatz sowie der juristischen und öffentlichen Aufarbeitung ihrer Verbrechen nach 1945.

Zunächst erfolgt eine historische Einordnung beider Bataillone. Dabei wird deutlich, dass das Polizeibataillon 101 vorwiegend aus älteren, meist nicht vorgebildeten Reservisten bestand, die aus proletarischen oder kleinbürgerlichen Verhältnissen stammten. Demgegenüber setzte sich das Bataillon 61 größtenteils aus jüngeren, militärisch erfahrenen Polizisten aus dem Ruhrgebiet zusammen, von denen viele der NS-Ideologie nahe standen.

Der Vergleich zeigt, dass sich die Einheiten nicht nur in ihrer sozialen Struktur, sondern auch in ihrem Vorgehen im Osten Europas stark unterschieden. Während Mitglieder des Bataillons 101 bei Aktionen wie in Józefów oder Lomazy unter dem Vorwand des Befehlsnotstands massenhaft Juden erschossen oder deportierten, weist das Verhalten des Bataillons 61 Merkmale exzessiver Gewaltbereitschaft und sadistischen Handelns auf, insbesondere bei der Bewachung des Warschauer Ghettos.

Ein weiteres Kapitel widmet sich der juristischen Aufarbeitung nach dem Zweiten Weltkrieg. Während gegen das Bataillon 101 umfangreiche Ermittlungen geführt und einige Hauptverantwortliche – teils in Polen – verurteilt wurden, blieben die Angehörigen des Bataillons 61 weitgehend straflos. Die Arbeit beleuchtet die Rolle der Justiz, Versäumnisse bei den Ermittlungen und die Wiedereingliederung belasteter Polizisten in den Polizeidienst der Bundesrepublik.

Abschließend wird deutlich, dass beide Einheiten auf unterschiedliche Weise an den nationalsozialistischen Verbrechen beteiligt waren – sei es durch Gehorsam gegenüber Befehlen oder durch ideologisch motiviertes, brutales Eigenhandeln. Die Hausarbeit stellt die individuelle Verantwortung der Täter in den Mittelpunkt und betont die Bedeutung einer konsequenten historischen und juristischen Aufarbeitung.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historische Einordnung

2.1 Das Reserve-Polizeibataillon 101

2.2 Das Polizeibataillon 61

2.3 Die Polizei im Nationalsozialismus

3 Systematischer Vergleich

3.1 Die soziale Zusammensetzung der Bataillone

3.2 Die Einsätze im Osten

3.3 Die juristische und öffentliche Aufarbeitung

4 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht systematisch die Rollen des Reserve-Polizeibataillons 101 und des Polizeibataillons 61 während des Nationalsozialismus. Ziel ist es, die Unterschiede in der sozialen Zusammensetzung, dem tatsächlichen Verhalten bei Massenexekutionen im Osten sowie die anschließende juristische Aufarbeitung der begangenen Verbrechen durch die bundesdeutsche Justiz gegenüberzustellen.

  • Vergleich der sozialen Milieus und militärischen Vorerfahrungen der Bataillonsmitglieder.
  • Analyse der nationalsozialistischen ideologischen Prägung innerhalb der Einheiten.
  • Untersuchung des Verhaltens bei Einsätzen und Massenexekutionen gegen die jüdische und polnische Bevölkerung.
  • Bewertung der juristischen Aufarbeitung und der Praxis des "Befehlsnotstandes" in Nachkriegsprozessen.
  • Diskussion der Wiedereingliederung belasteter Polizisten in den Dienst der Bundesrepublik.

Auszug aus dem Buch

3.2 Die Einsätze im Osten

Die Bataillone unterschieden sich neben bzw. wahrscheinlich aufgrund ihrer sozialen Zusammensetzung deutlich in ihrem Verhalten im Kriegseinsatz und dem Umgang mit der jüdischen und polnischen Bevölkerung.

Während Browning immer wieder die Weigerung einzelner Soldaten anspricht die geforderten Maßnahmen durchzuführen35, charakterisiert Klemp die Männer als „Mord-Bataillon“ mit abscheulichen Ideen, die exzessiv und aus Spaß auf die jüdische Bevölkerung losgingen. 36 Dafür könnte zunächst einmal die nationalsozialistische Überzeugung des jeweiligen Bataillons eine Rolle spielen. So beschreibt Browning, dass sich der Leutnant Heinz Buchmann des Bataillons 101 weigerte, an dem Massaker in Józefów teilzunehmen, mit der Begründung, er würde keine wehrlosen Frauen und Kinder erschießen. 37 Noch viel aussagekräftiger ist jedoch das Verhalten Trapps. Er scheint ebenfalls nicht völlig von der nationalsozialistischen Ideologie überzeugt gewesen zu sein. Dafür spricht unter anderem, dass er zumindest den Älteren freistellte, an der Aktion mitzuwirken.38 Viel deutlicher wird Trapps Ablehnung gegen diese Aktion jedoch in seinem Verhalten, während die Männer des Bataillons die Juden im Dorf zusammentrieben. Laut Aussagen anderer Bataillonsangehöriger hielt sich Trapp von den Exekutionsplätzen nicht nur fern, sondern saß weinend im Schulhaus und erklärte „... wenn sich die Judensache einmal auf Erden rächt, dann gnade uns Deutschen“39. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass Trapp keinen Versuch unternahm, die Aktion zu verhindern oder Menschen vor der Erschießung zu retten, auch wenn er womöglich mit der Art und Weise des Herangehens nicht einverstanden war und somit die nationalsozialistischen Ideale nicht komplett vertrat. Browning macht darüber hinaus deutlich, dass während den Exekutionen viele Bataillonsmitglieder nicht mehr weitermachen wollten, sich mit anderen Tätigkeiten beschäftigten, um nicht Teil der Exekutionskommandos sein zu müssen oder sich schlicht vor ihren Befehlshabern versteckten.40 Interessant ist dieser Aspekt vor allem hinsichtlich darauf, dass kaum ein anderes Bataillon so viele Opfer zu verzeichnen hatte, wie das Polizeibataillon 101.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage und die beiden untersuchten Polizeibataillone 61 und 101 vor und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie die genutzte Literatur.

2 Historische Einordnung: Dieses Kapitel liefert den historischen Hintergrund zu den beiden Bataillonen, deren Zusammensetzung und der allgemeinen Rolle der Polizei im Nationalsozialismus.

3 Systematischer Vergleich: Hier erfolgt die detaillierte Gegenüberstellung der sozialen Hintergründe, der konkreten Einsatzverläufe und der juristischen Aufarbeitung der begangenen Verbrechen.

4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet kritisch das Versagen der Justiz bei der strafrechtlichen Verfolgung der Täter.

Schlüsselwörter

Polizeibataillon 101, Polizeibataillon 61, Nationalsozialismus, Befehlsnotstand, Massenexekutionen, Ordnungspolizei, Nachkriegsjustiz, Holocaust, Wilhelm Trapp, Julius Wohlauf, Einsatzgruppen, Warschauer Ghetto, Vergangenheitsbewältigung, Täterschaft, NS-Verbrechen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit den Verbrechen zweier deutscher Polizeibataillone im besetzten Polen während des Zweiten Weltkriegs und deren juristischer Aufarbeitung nach dem Krieg.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Felder sind die soziale Struktur der Bataillone, die ideologische Beeinflussung der Beamten, die Durchführung von Massenmorden sowie das Justizversagen bei der Bestrafung der Täter.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist der systematische Vergleich zweier Bataillone, um Unterschiede in der Motivation, im Verhalten und bei der späteren juristischen Bewertung ihrer Verbrechen aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine systematische, vergleichende Analyse auf Grundlage bestehender historischer Forschungsarbeiten und zeitgenössischer Dokumente.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die soziale Analyse der Mitglieder, die detaillierte Darstellung ihrer Einsätze und die Analyse der strafrechtlichen Prozesse in der Nachkriegszeit.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie NS-Polizeibataillone, Befehlsnotstand, strafrechtliche Aufarbeitung und Holocaust-Täterschaft charakterisieren.

Wie unterschieden sich die Bataillone in ihrem Verhalten?

Das Bataillon 101 agierte oft auf Befehl und mit einer gewissen Zurückhaltung einzelner, während das Bataillon 61 durch ein hohes Maß an Sadismus und Spaß am Töten gekennzeichnet war.

Warum spielt der Begriff "Befehlsnotstand" eine zentrale Rolle?

Der Befehlsnotstand war die Standard-Verteidigungslinie der Täter in den Nachkriegsprozessen, um der strafrechtlichen Verantwortung für ihre Verbrechen zu entgehen.

Was ist das Ergebnis bezüglich der juristischen Aufarbeitung?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die bundesdeutsche Justiz weitgehend versagt hat, da die meisten Angehörigen straffrei blieben oder sehr milde Urteile erhielten.

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Details

Title
Polizeibataillone im 2. Weltkrieg. Befehlsnotstand oder Mordlust?
Subtitle
Ein systematischer Vergleich der Polizeibataillone 101 und 61
Grade
1,7
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2019
Pages
18
Catalog Number
V1589741
ISBN (eBook)
9783389133712
ISBN (Book)
9783389133729
Language
German
Tags
2. Weltkrieg Polizei Polizeibataillon Holocaust Deutschland Polen Krieg
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GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2019, Polizeibataillone im 2. Weltkrieg. Befehlsnotstand oder Mordlust?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1589741
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