Kapitalstruktur und Corporate Governance


Diplomarbeit, 2010

45 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Aufbau und Fragestellung

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Definition wichtiger Begriffe
2.1.1. Kapitalstruktur und Leverage
2.1.2. Corporate Governance
2.1.3. Managerial Entrenchment
2.2. Prinzipal-Agenten-Theorie
2.3. Überblick über weitere Kapitalstrukturtheorien
2.4. Corporate Governance Mechanismen
2.5. Corporate Governance und Kapitalstruktur
2.5.1. Substitution Hypothesis
2.5.2. Outcome Hypothesis

3. Empirische Ergebnisse der Literatur
3.1. Verwendete Daten, Maße und Methoden
3.1.1. Leverage Maße
3.1.2. Corporate Governance Maße
3.1.3. Kernfaktoren als Kontrollvariablen
3.1.4. Methoden
3.2. Problem der Endogenität
3.3. Ergebnisse der Literatur
3.3.1. Corporate Governance Indizes im Zusammenhang mit Leverage
3.3.2. Unabhängigkeit der Unternehmensleitung
3.3.3. Antitakeover Gesetze
3.3.4. Board Struktur
3.3.5. Aktionärsrechte und Regulierung

4. Kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen

5. Zusammenfassung und Ausblick

6. Bibliographie

7. Erklärung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Paul Gompers, Joy Ishii und Andrew Metrick (2003, S. 107) -

1. Aufbau und Fragestellung

Mag dieser Vergleich zweier auf den ersten Blick ziemlich unterschiedlicher Institutionen zunächst befremden, ist er gleichwohl zutreffend, handelt es sich doch bei beiden um das Zusammenwirken verschiedener Akteure mit unterschiedlichen Interessen. Die Delegation von Entscheidungsrechten auf eine Minderheit ist maßgeblich für das Funktionieren eines solchen Systems, beinhaltet jedoch gleichzeitig die Gefahr des Missbrauchs. Sowohl zur Prävention als auch zur Sanktion dieses Missbrauchs bedarf es Regeln und Institutionen; im Kontext des privatwirtschaftlichen Unternehmens sind dies die Corporate Governance[1] Regeln, die die unterschiedlichsten Formen annehmen können.

Die Unternehmensleitung ist jedoch nicht nur den Interessen der Aktionäre, das heißt der Eigenkapitalgeber, sondern auch den Ansprüchen der Fremdkapitalgeber gegenüber verpflichtet. Die wissenschaftliche Diskussion hat aufgezeigt, dass die Kombination beider Kapitalarten beziehungsweise die Kapitalstruktur geeignet ist, die mit der Entscheidungskompetenz verbundene Missbrauchsgefahr durch die Unternehmensleitung zu mindern.

Es stellt sich folgende Frage: Wenn Corporate Governance Regeln und Kapitalstrukturentscheidungen beide zur Minderung von Interessenkonflikten dienen, welche Implikationen hat dann der Umfang der Corporate Governance auf die Kapitalstruktur des Unternehmens? Explizierter formuliert lautet die Frage, ob Corporate Governance den Verschuldungsgrad des Unternehmens senkt oder erhöht. Zur Klärung dieser Frage werden die Ergebnisse empirischer Studien vorgestellt.

Die Arbeit ist wie folgt gegliedert: Das zweite Kapitel befasst sich mit der Definition aller relevanten Begriffe und der Vorstellung wichtiger theoretischer Konzepte. Gegenstand des dritten Kapitels sind die empirischen Studien, wobei zunächst ein Überblick über die Vorgehensweise dieser Studien gegeben werden soll, um anschließend die Ergebnisse zu präsentieren. Das vierte Kapitel dient der kritischen Beurteilung der zuvor dargestellten Untersuchungskonzeptionen. Das letzte Kapitel fasst die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zusammen und bietet einen kurzen Ausblick.

2. Theoretische Grundlagen

In diesem Abschnitt werden einführend wichtige Begriffe erläutert sowie grundlegende Konzepte skizziert, um sich den Themen Kapitalstruktur und Corporate Governance zu nähern. Die Prinzipal-Agenten-Theorie bildet eine zentrale Grundlage für das Verständnis der Verbindung von Corporate Governance und Kapitalstruktur. Um eine einseitige Darstellung zu vermeiden, wird ein Überblick über weitere Kapitalstrukturtheorien gegeben. Danach wird die Vielfältigkeit von Corporate Governance dargestellt, um schließlich die Verbindung beider Themen zu beleuchten.

Ein Großteil der verfügbaren Literatur besteht aus U.S. amerikanischen Forschungen, welche sich auf amerikanische Unternehmen beziehen. Die vorliegende Arbeit wird jene Untersuchungsergebnisse präsentieren, da diese einen großen Einfluss auf die wissenschaftliche Diskussion haben und eine gewisse Vergleichbarkeit zwischen den Studien besteht. Dies soll jedoch keine Spezialisierung auf die amerikanischen Gegebenheiten bedeuten, sondern eine Basis bilden, zu der länderspezifische Besonderheiten in Kontrast gesetzt werden können. Es gilt zu beachten, dass spezifische englische Termini nur dann verwendet werden, wenn auf amerikanische Besonderheiten hinzuweisen ist. Beispielsweise wird auf der einen Seite von dem Fremdkapital anstelle von Debt gesprochen, auf der anderen Seite jedoch von dem Board of Directors, zu dem es kein deutsches Pendant gibt.

2.1. Definition wichtiger Begriffe

2.1.1. Kapitalstruktur und Leverage

Der Begriff „Kapitalstruktur“ bezeichnet die relativen Mengen an Fremd- und Eigenkapital, sowie mögliche Zwischenformen und andere Verbindlichkeiten.[2] Beinhaltet die Kapitalstruktur des Unternehmens Fremdkapital, so ist es levered ; ein rein durch Eigenkapital finanziertes Unternehmen ist unleverd.[3] Eine Untersuchung des Leverage[4] bezieht sich auf die gewählte Kapitalstruktur, weshalb im Folgenden die beiden Begriffe synonym verwendet werden.

In der Literatur wird Leverage unterschiedlich definiert und gemessen. Grundsätzlich kann zwischen folgenden zwei Definitionen unterschieden werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Alternative Bezeichnungen in der Literatur sind unter anderem debt-to-equity ratio (= Leverage 1)[5] oder debt-to-capital ratio (= Leverage 2).[6] Studien, die Corporate Governance im Zusammenhang mit der Kapitalstruktur betrachten, verwenden vornehmlich Leverage 2, deshalb wird der Begriff Leverage im Folgenden ohne Subindex im Sinne der zweiten Definition verwendet.

Die Kapitalstruktur wird durch eine Reihe von Faktoren beeinflusst, die sich der vollständigen Kontrolle der Unternehmensleitung[7] entziehen, wie zum Beispiel das operative Geschäft oder Transaktionen wie die Wandlung von Wandelanleihen.[8] Gegenstand der wissenschaftlichen Untersuchungen ist dasjenige Leverage, das in Interaktion mit der Corporate Governance steht und Steuerungswirkung für das Management entfaltet. Das beobachtete Leverage wird demnach vielmehr als eine Art Schätzwert für das interessierende Leverage verstanden.

Eine ausführlichere Darstellung der Messung des Leverage ist Gegenstand des Kapitels 3.1.1.

2.1.2. Corporate Governance

Andrei Shleifer und Robert W. Vishny definieren Corporate Governance als „[ dealing ] with the ways in which suppliers of finance to corporations assure themselves of getting a return on their investment.[9] Die Definition zeigt bereits, dass es verschiedene „Wege“ bzw. Mechanismen gibt, die sich unter Corporate Governance subsumieren lassen. Dies zieht die Frage der Durchführbarkeit, der Effizienz und der Interdependenz dieser Mechanismen, sowohl untereinander als auch zu anderen Bereichen des betrieblichen Leistungsprozesses, nach sich.[10]

Die Anbieter von Finanzmitteln lassen sich grob einteilen in Eigen- und Fremdkapitalgeber. In der Literatur überwiegt die Shareholder Value Perspektive, welche die Corporate Governance Bemühungen hauptsächlich zum Schutz der Eigenkapitalgeber versteht.[11] Jean Tirole wählt einen breiteren Ansatz, indem er als Zielsetzung für die Corporate Governance die Internalisierung der Interessen aller Stakeholder definiert.[12] Dieser Ansatz wird jedoch nur der Vollständigkeit halber genannt. Im Rahmen dieser Arbeit wird die engere Definition der Shareholder Value Perspektive verwendet, da die vorgestellte Literatur ausschließlich diese gebraucht.

2.1.3. Managerial Entrenchment

Eine wirklich überzeugende Übersetzung des Begriffes liegt nicht vor, weshalb in dieser Arbeit weiterhin der englische Ausdruck benutzt wird. Weisbach definiert Entrenchment als eine Situation, die eintritt, wenn ein Manager soviel Macht erlangt, dass er das Unternehmen weniger für die Verfolgung der Eigentümerinteressen verwendet und stattdessen eigene Interessen verfolgt.[13] Damit beschreibt Entrenchment jene Situation, die mithilfe von Corporate Governance verhindert werden soll.[14] Die Verfolgung eigener Interessen kann sich dabei mannigfaltig äußern. Dies reicht von dem Konsum von Nebenleistungen (teure Büroausstattung, Firmenjet),[15] über mangelnden Arbeitseinsatz bis hin zu einer Investitionspolitik, die nicht im Interesse der Eigentümer ist (Verfolgung von „Lieblingsprojekten“, Überinvestition aufgrund von Empire-building[16] Bestrebungen oder Unterinvestition aufgrund von Risikoaversion).[17] Da dieses Verhalten Ressourcen nicht im Interesse der Eigenkapitalgeber verwendet und somit auch Gewinnmöglichkeiten entgehen lässt, wird in der Literatur auch von Expropriation[18] durch das Management gesprochen.

Es ist jedoch festzuhalten, dass allein die Tatsache, dass Manager das Unternehmen in eigenem Interesse gebrauchen können, nicht zwangsläufig eine Schädigung der Eigentümer bedeuten muss. Dies gilt insbesondere, wenn eine Interessenharmonie zwischen Management und Eigentümer vorliegt. Alternativ argumentiert Jeffrey Zwiebel in einem spieltheoretischen Modell, dass Empire-building Bestrebungen gerade von den Managern verfolgt würden, deren besonderen Fähigkeiten sie vor einem Jobverlust schützen.[19] Entrenchment würde in diesem Fall hingenommen als Preis für ein überaus qualifiziertes Management. Die vorliegende Arbeit behandelt Entrenchment in dem Zusammenhang, in dem Corporate Governance die Willkür der Unternehmensleitung eingrenzen kann. Der Einfluss des Entrenchment auf das Verhalten des Managements wird nicht näher beleuchtet.[20]

2.2. Prinzipal-Agenten-Theorie

Die vorliegende Arbeit behandelt die Interdependenz von Corporate Governance und der Kapitalstruktur unter besonderer Berücksichtigung der positivistischen Prinzipal-Agenten-Theorie, im Folgenden Agency Theory genannt. Michael C. Jensen und William H. Meckling definieren das Vorliegen eines Prinzipal-Agenten Sachverhaltes wie folgt: „We define an agency relationship as a contract under which one or more persons (the principal(s)) engage another person (the agent) to perform some service on their behalf which involves delegating some decision making authority to the agent.[21] Die Autoren verstehen ein Unternehmen als eine Bündelung von verschiedenen Verträgen zwischen verschiedenen Parteien. Die besondere Eigenschaft der Firma[22] besteht in der Möglichkeit, Entscheidungsrechte und Ansprüche auf Vermögenswerte und Einkünfte verschieden zu verteilen,[23] welches als Trennung von Eigentum und Kontrolle bezeichnet wird.[24] Wenn die Beteiligten als Nutzenmaximierer unterschiedliche Interessen verfolgen, verursacht diese Trennung Kosten, im Folgenden Agency Kosten genannt. Jensen und Meckling definieren und kategorisieren diese Kosten als Summe aus Überwachungskosten (Monitoring Costs) des Prinzipals, Bindungskosten[25] (Bonding Costs) des Agenten und Residualkosten (Residual Loss). Letztere stellen die Differenz aus dem maximal möglichen Nutzen und dem tatsächlichem Nutzen des Prinzipals dar, wobei der tatsächliche Nutzen durch die Entscheidung des Agenten bedingt wird.[26] Diese Residualkosten werden von Oliver E. Williamson als die entscheidenden interpretiert. Er argumentiert, dass die ersten beiden Kostenarten nur auf sich genommen werden, sofern sie die Residualkosten verringern. Die Delegation an den Agenten verursacht die Residualkosten, welche zum Beispiel durch Überwachung gemindert werden können, sofern die Überwachungskosten die Residualkostenersparnis nicht übersteigen.[27]

Der Argumentation von Jensen und Meckling folgend, besteht zwischen einem Manager mit Eigenkapitalbeteiligung (von den Autoren Owner-Manager genannt) und „außenstehenden“[28] Fremd- und Eigenkapitalgebern eine solche Prinzipal-Agenten Verbindung, wobei letztere als Prinzipale anzusehen sind. Unter der Annahme, dass der Owner-Manager sowohl pekuniäre wie nicht-pekuniäre Vorteile – welche in einem Austauschverhältnis zueinander stehen - aus dem Management der Firma ziehen kann,[29] legen die Autoren dar, dass sowohl der Verkauf von Eigenkapitalanteilen wie auch die Fremdkapitalaufnahme jeweils mit Agency Kosten verbunden sind.[30] Sie stellen dar, dass es trotz dieser Kosten für einen Owner-Manager sinnvoll ist, externes Kapital aufzunehmen, selbst wenn er persönlich ausreichend Vermögen zur Finanzierung besitzt, da ihm durch die externe Finanzierung die Möglichkeit zur Diversifikation gegeben wird.[31]

In dem Artikel von Jensen und Meckling wird die Interaktion des Owner-Managers, der anderen Eigenkapitalgeber und der Fremdkapitalgeber diskutiert.[32] Relevant sind im Rahmen dieser Arbeit die Ergebnisse, dass es neben dem Agency Konflikt zwischen Owner-Manager und Eigenkapitalgeber auch noch einen derartigen Konflikt zwischen Eigenkapitalgeber und Fremdkapitalgeber geben kann[33] und dass durch Mischung der beiden Kapitalarten die Möglichkeit zur Agency Kostenreduktion besteht. Dies geschieht, indem ein optimaler Tradeoff dieser Kosten gefunden wird.[34]

Die vorgestellten Überlegungen zur Agency Theory weisen strukturelle Übereinstimmungen mit der oben genannten Definition von Corporate Governance (im Sinne von Shleifer und Vishny) auf, gilt es doch in beiden Fällen die Expropriation der Eigenkapitalgeber zu verhindern. Dies geschieht entweder über einen der Corporate Governance Mechanismen (siehe Punkt 2.4.) oder durch die Vermeidung von Agency Kosten. Diese entstehen dadurch, dass der Konsum nicht-pekuniärer Nebenleistungen durch den Agenten, dass heißt durch die Unternehmensleitung, antizipiert wird. Der Prinzipal, zum Beispiel der Aktionär, berücksichtigt dies mit einem Preisabschlag für den Eigenkapitalanteil. Der Preisabschlag stellt damit Agency Kosten dar.[35] Die Vermeidung von Agency Kosten durch eine optimale Kapitalstruktur bedeutet eine Vermeidung von Expropriation, wie es auch das Ziel der Corporate Governance Mechanismen ist. Shleifer und Vishny schließen dementsprechend, dass ihr Corporate Governance Verständnis im Sinne der Agency Theory besteht.[36] Yves Hilpisch weist hingegen einschränkend darauf hin, dass in dem von Jensen und Meckling beschriebenen Szenario Corporate Governance theoretisch nicht notwendig ist.[37] Inwiefern Kapitalstrukturentscheidungen und Corporate Governance Mechanismen interagieren oder sich gegenseitig beeinflussen wird Gegenstand des dritten Kapitels sein.

2.3. Überblick über weitere Kapitalstrukturtheorien

An dieser Stelle werden als Hinweis die Grundgedanken der in der Literatur verbreiteten Tradeoff-, Pecking-Order - und Market-Timing-theory vorgestellt. In der Tradeoff Theory wird diejenige Kapitalstruktur als optimal angesehen, bei der Kosten und Nutzen des Fremdkapitals in einem optimalen Verhältnis stehen. Kosten und Nutzen des Fremdkapitals können dabei in verschiedener Hinsicht interpretiert werden, beispielsweise als Tax-Bankruptcy Tradeoff, bei der steuerliche Vorteile der Fremdfinanzierung möglichen Insolvenzkosten gegenüber gestellt werden.[38]

Die Pecking-Order-Theory hingegen beinhaltet keine derartige Zielkapitalstruktur, sondern beschreibt eine den Kosten nach geordnete Rangfolge von einbehaltenen Gewinnen, Fremdkapital und Eigenkapital, in deren Reihenfolge Finanzierungsmittel abgerufen werden sollten.[39]

Der Market-Timing-Theory liegt die Idee zugrunde, dass das Management fortwährend sowohl den Fremd- als auch den Eigenkapitalmarkt beobachtet und Kapital in einem günstigen Marktumfeld aufnimmt, selbst wenn zu diesem Zeitpunkt kein konkreter Finanzierungsbedarf besteht. Die beobachtete Kapitalstruktur ist das Ergebnis vergangener Versuche, optimale Zeitpunkte für Finanzierungsentscheidungen abzupassen. Eine optimale Kapitalstruktur ist nicht Teil dieser Theorie.[40]

Die oben genannten Theorien unterscheiden sich in der jeweiligen Argumentation und somit in den vorausgesagten Kapitalstrukturen. In der Literatur findet sich für jede der genannten Theorien eine große Anzahl an Befürwortern.[41] Es ist jedoch fraglich, ob die dargestellten Theorien die Implikationen der Agency Theory für die Kapitalstruktur ausschließen. Es wird jedoch deutlich, dass trotz intensiver theoretischer Diskussion und umfangreichen empirischen Untersuchungen die entscheidenden Faktoren für die Kapitalstrukturwahl schwer zu erfassen bleiben.[42] Dies gilt somit auch für den Einfluss der Corporate Governance auf die Kapitalstruktur.

2.4. Corporate Governance Mechanismen

Corporate Governance Mechanismen sind diejenigen Mechanismen, die dazu dienen, die mit der Trennung von Eigentum und Kontrolle verbunden Kosten zu reduzieren.[43] Da diese Definition einzig auf den Zweck, aber nicht auf das Wesen einer solchen Maßnahme abstellt, ergibt sich eine Vielzahl heterogener Mechanismen. Exemplarisch für die Versuche, diese zu kategorisieren, sei die folgende Einteilung genannt, welche Jensen in seinem Artikel aus dem Jahr 1993 vorschlägt. Er unterscheidet rechtliche, politische oder regulatorische Maßnahmen, interne Kontrollen und externe Überwachung durch den Markt sowie Wettbewerb auf den Absatzmärkten.[44] Letzteres wird dadurch begründet, dass der Wettbewerb diejenigen Firmen verdrängt, welche nicht ihre (Agency) Kosten minimieren. Shleifer und Vishny weisen jedoch darauf hin, dass dies vor allem langfristig funktioniert, kurzfristig erweitern spezifische und versunkene Investitionen den Spielraum für Expropriation.[45]

[...]


[1] Da keine adäquate Übersetzung des Begriffs vorliegt, wird in dieser Arbeit der englische Begriff beibehalten.

[2] Vgl. Jensen/ Meckling (1976, S. 305) Beispiele sind Optionen, Handelskredite und Wandelanleihen. Zur Vereinfachung werden diese jedoch häufig in der wissenschaftlichen Betrachtung nicht weiter berücksichtigt, sofern dies vertretbar ist; vgl. Jensen/ Meckling (1976, S. 314)

[3] Vgl. Fama/ Miller (1972, S. 162)

[4] Leverage bedeutet auf Deutsch „Hebel“, da das Fremdkapital eine Hebelwirkung auf die Eigenkapitalrendite besitzt; vgl. Hilpisch (2005, S. 35 f.)

[5] Vgl. Bowman (1980, S. 242)

[6] Vgl. Berger et al. (1997, S. 1415)

[7] Der besseren Lesbarkeit halber wird Unternehmensleitung und Management im Folgenden synonym verwendet.

[8] Vgl. Berger et al. (1997, S. 1424) und Garvey/ Hanka (1999, S. 534)

[9] Vgl. Shleifer/ Vishny (1997, S. 737)

[10] Vgl. Moyer et al. (1992, S.45 f.) und Shleifer/ Vishny (1997, S. 756 und S. 760)

[11] Vgl. Tirole (2001, S. 2)

[12] Vgl. Tirole (2001, S. 4)

[13] Vgl. Weisbach (1988, S. 435)

[14] Vgl. Berger et al. (1997, S. 1411)

[15] Vgl. Jensen/ Meckling (1976, S. 314)

[16] Der Begriff bezeichnet ein übermäßiges Wachstum des Unternehmens durch Annahme solcher Projekte, die keinen positiven Gegenwartswert haben. Dies schadet dem Sharholder Value und dient lediglich dem Prestige der Unternehmensleitung; vgl. Westphalen (2002, S. 2)

[17] Projekte mit positivem Gegenwartswert sind aus Shareholder Value Perspektive durchzuführen. Wenn diese Projekte im Verlustfall jedoch den Arbeitsplatz der Unternehmensleitung gefährden oder negativ auf deren Reputation wirken, wird diese solche Projekte nicht unbedingt durchführen; vgl. Denis (2001, S. 194)

[18] Eine Übersetzung mit „Enteignung“ ist dabei jedoch zu stark mit dem juristischen Sachverhalt assoziiert, weshalb der englische Begriff beibehalten wird.

[19] Vgl. Zwiebel (1991, S. 1212)

[20] Siehe hierzu auch die Darstellung von unterschiedlichen Implikationen der Free Cash Flow Theory und Managerial Models auf die Verschuldung, dargestellt in Novaes (2003, S.1).

[21] Vgl. Jensen/ Meckling (1976, S. 308)

[22] Der besseren Lesbarkeit halber sollen in dieser Arbeit „Firma“ und „Unternehmen“ synonym verwendet werden ohne Berücksichtigung des juristischen Unterschiedes.

[23] Vgl. Jensen/ Meckling (1976, S. 311)

[24] Vgl. Shleifer/ Vishny (1997, S. 740)

[25] Diese Kosten entstehen dem Agenten dadurch, dass er für den Prinzipal schädliche Handlungen unterlässt oder diesen für solche kompensiert; vgl. Jensen/ Meckling (1976, S. 308)

[26] Vgl. Jensen/ Meckling (1976, S. 308) Der Residual Loss weist damit in seiner Konzeption eine strukturelle Nähe zu dem Begriff der Opportunitätskosten auf, bei denen ebenfalls entgangener Nutzen als Kosten interpretiert werden.

[27] Vgl. Williamson, (1988, S. 572)

[28] Betrachtet man das Unternehmen als Bündelung von Verträgen, ist eine Unterscheidung zwischen „innerhalb“ und „außerhalb“ nicht sinnvoll. Die Autoren selbst verwenden jedoch diese Terminologie um solche Kapitalgeber zu bezeichnen, die nicht an der Unternehmensleitung beteiligt sind.

[29] Vgl. Jensen/ Meckling (1976, S. 312)

[30] Vgl. Jensen/ Meckling (1976, S. 343)

[31] Vgl. Jensen/ Meckling (1976, S. 349 f.)

[32] Jensen und Meckling richten ihren Fokus auf die Eigentümerstruktur des Unternehmens, welche eine bestimmte Kapitalstruktur impliziert. Schwerpunkt dieser Arbeit ist hingegen die Kapitalstruktur an sich; vgl. Jensen/ Meckling (1976, S. 343)

[33] Im Folgenden sollen unter den Agency Kosten diejenigen verstanden werden, die durch den Manager – Eigentümer Konflikt entstehen, sofern nicht explizit auf einen anderen Prinzipal-Agenten-Konflikt verwiesen wird.

[34] Vgl. Jensen/ Meckling (1976, S. 344 ff.)

[35] Vgl. Jensen/ Meckling (1976, S. 313)

[36] Vgl. Shleifer/ Vishny (1997, S. 738)

[37] Vgl. Hilpisch (2005, S. 164)

[38] Vgl. Frank/ Goyal (2007, S. 7)

[39] Vgl. Myers (1984, S. 581)

[40] Vgl. Baker/ Wurgler (2002, S. 27f.)

[41] Vgl. Frank/ Goyal (2007, S. 1)

[42] Vgl. Frank/ Goyal (2007, S. 1)

[43] Vgl. Denis (2001, S. 195)

[44] Vgl. Jensen (1993, S. 850)

[45] Vgl. Shleifer/ Vishny (1997, S. 738)

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Kapitalstruktur und Corporate Governance
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (BWL 1)
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
45
Katalognummer
V158982
ISBN (eBook)
9783640719402
ISBN (Buch)
9783640719815
Dateigröße
621 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kapitalstruktur, Corporate Governance, Corporate Governance Index
Arbeit zitieren
Rene Klauke (Autor), 2010, Kapitalstruktur und Corporate Governance, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158982

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