In der vorliegenden Arbeit wird die Lösung des Prinzipal-Agenten-Konfliktes zwischen der
Unternehmensleitung (Agent) und den Kapitalgebern (Prinzipal) durch eine geeignete
Kapitalsstruktur oder die Implementierung von Corporate Governance Maßnahmen
vorgestellt. Dies mündet in der Fragestellung, ob Corporate Governance
verschuldungsmindernd wirkt oder ob das Gegenteil der Fall ist. Theoretische Grundlage
hierfür bildeten die Substitution Hypothesis beziehungsweise die Outcome Hypothesis. Frühere Studien von Berger et al. und Garvey und Hanka legen einen positiven
Zusammenhang im Sinne der Outcome Hypothesis nahe, dass heißt eine reduzierte Corporate
Governance Wirkung bedeutet einen reduzierten Verschuldungsgrad. Spätere Studien,
zum Beispiel von John und Litov, kommen hingegen zu dem gegenteiligen Ergebnis eines
negativen Zusammenhanges. Die dazu verwendeten Corporate Governance Indizes wecken
zwar Bedenken, ob das Verhältnis von Präzision zu Handhabbarkeit in gerechtfertigtem
Ausmaß steht, dennoch stellen sie berechtigte Zweifel an einem eindeutigen Vorliegen eines
Outcome Verhältnisses dar. Somit ist Bedarf an weiterer Forschung zur Offenlegung des
tatsächlichen Zusammenhanges.
Inhaltsverzeichnis
1. Aufbau und Fragestellung
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Definition wichtiger Begriffe
2.1.1. Kapitalstruktur und Leverage
2.1.2. Corporate Governance
2.1.3. Managerial Entrenchment
2.2. Prinzipal-Agenten-Theorie
2.3. Überblick über weitere Kapitalstrukturtheorien
2.4. Corporate Governance Mechanismen
2.5. Corporate Governance und Kapitalstruktur
2.5.1. Substitution Hypothesis
2.5.2. Outcome Hypothesis
3. Empirische Ergebnisse der Literatur
3.1. Verwendete Daten, Maße und Methoden
3.1.1. Leverage Maße
3.1.2. Corporate Governance Maße
3.1.3. Kernfaktoren als Kontrollvariablen
3.1.4. Methoden
3.2. Problem der Endogenität
3.3. Ergebnisse der Literatur
3.3.1. Corporate Governance Indizes im Zusammenhang mit Leverage
3.3.2. Unabhängigkeit der Unternehmensleitung
3.3.3. Antitakeover Gesetze
3.3.4. Board Struktur
3.3.5. Aktionärsrechte und Regulierung
4. Kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Corporate Governance und der Kapitalstruktur von Unternehmen, um zu klären, ob Corporate Governance den Verschuldungsgrad senkt oder erhöht. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob Corporate Governance Regeln und Kapitalstrukturentscheidungen als alternative oder komplementäre Mechanismen zur Minderung von Interessenkonflikten zwischen Unternehmensleitung und Kapitalgebern fungieren.
- Theoretische Fundierung durch die Prinzipal-Agenten-Theorie.
- Analyse der Substitutions- und Outcome-Hypothese.
- Empirische Untersuchung der Auswirkungen von Corporate Governance Mechanismen (z. B. Board Struktur, Aktionärsrechte).
- Methodische Diskussion zu Messbarkeit von Kapitalstruktur und Governance-Indizes.
- Kritische Reflexion der Ergebnisse vor dem Hintergrund von Paneldaten-Analysen.
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Corporate Governance
Andrei Shleifer und Robert W. Vishny definieren Corporate Governance als „[dealing] with the ways in which suppliers of finance to corporations assure themselves of getting a return on their investment.“ Die Definition zeigt bereits, dass es verschiedene „Wege“ bzw. Mechanismen gibt, die sich unter Corporate Governance subsumieren lassen. Dies zieht die Frage der Durchführbarkeit, der Effizienz und der Interdependenz dieser Mechanismen, sowohl untereinander als auch zu anderen Bereichen des betrieblichen Leistungsprozesses, nach sich.
Die Anbieter von Finanzmitteln lassen sich grob einteilen in Eigen- und Fremdkapitalgeber. In der Literatur überwiegt die Shareholder Value Perspektive, welche die Corporate Governance Bemühungen hauptsächlich zum Schutz der Eigenkapitalgeber versteht. Jean Tirole wählt einen breiteren Ansatz, indem er als Zielsetzung für die Corporate Governance die Internalisierung der Interessen aller Stakeholder definiert. Dieser Ansatz wird jedoch nur der Vollständigkeit halber genannt. Im Rahmen dieser Arbeit wird die engere Definition der Shareholder Value Perspektive verwendet, da die vorgestellte Literatur ausschließlich diese gebraucht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Aufbau und Fragestellung: Das Kapitel leitet in das Thema ein, erläutert die Relevanz der Interessenkonflikte zwischen Akteuren und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach dem Einfluss von Corporate Governance auf die Kapitalstruktur.
2. Theoretische Grundlagen: Hier werden zentrale Begriffe definiert und theoretische Konzepte wie die Prinzipal-Agenten-Theorie sowie Kapitalstrukturtheorien und Governance-Mechanismen zur Reduzierung von Agency Kosten vorgestellt.
3. Empirische Ergebnisse der Literatur: Dieses Kapitel gibt einen detaillierten Überblick über die methodischen Vorgehensweisen und die zentralen Ergebnisse der einschlägigen empirischen Studien zum Zusammenhang von Governance und Kapitalstruktur.
4. Kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen: Hier werden die methodischen Ansätze und Restriktionen der untersuchten Studien kritisch hinterfragt, insbesondere im Hinblick auf Datenstrukturen und die Aussagekraft von Corporate Governance Indizes.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die theoretischen und empirischen Erkenntnisse zusammen und zeigt Potenziale für zukünftige Forschung auf, beispielsweise durch die Einbeziehung der Laufzeitenstruktur von Verschuldung.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, Kapitalstruktur, Leverage, Prinzipal-Agenten-Theorie, Agency Kosten, Managerial Entrenchment, Substitutionshypothese, Outcome Hypothese, Shareholder Value, Unternehmensfinanzierung, Board of Directors, Antitakeover Gesetze, Paneldaten, Endogenität, empirische Forschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die wechselseitige Beziehung zwischen der Unternehmensführung (Corporate Governance) und der gewählten Kapitalstruktur, insbesondere im Hinblick auf die Minderung von Interessenkonflikten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Prinzipal-Agenten-Theorie, Methoden zur Messung von Verschuldung (Leverage) und Governance-Qualität sowie die empirische Validierung von Hypothesen zur Unternehmensfinanzierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, empirisch zu klären, ob eine starke Corporate Governance zu einer höheren oder niedrigeren Verschuldung führt und welche theoretischen Erklärungsmodelle hierfür existieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit ist eine Literaturarbeit, die verschiedene empirische Paneldaten-Studien analysiert, methodische Ansätze wie OLS- und 2SLS-Regressionen vergleicht und kritisch diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (Punkt 2) und danach (Punkt 3) eine umfangreiche Literaturübersicht über die Zusammenhänge von Corporate Governance Indizes, Board-Strukturen und Antitakeover-Gesetzen mit dem Leverage präsentiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist maßgeblich geprägt durch Begriffe wie Corporate Governance, Kapitalstruktur, Leverage, Agency Kosten und Entrenchment.
Was besagt die Substitutionshypothese?
Sie besagt, dass Firmen ineffektive Corporate Governance Mechanismen durch eine Erhöhung der Verschuldung ausgleichen, um das Management durch den Druck der Zins- und Tilgungszahlungen zu disziplinieren.
Was unterscheidet die Outcome-Hypothese von der Substitutionshypothese?
Während die Substitutionshypothese von einem Ausgleichseffekt ausgeht, postuliert die Outcome-Hypothese, dass die Kapitalstruktur direktes Ergebnis der Governance-Qualität ist – so führen schwache Governance-Systeme zu weniger Verschuldung, da das Management den Druck der Fremdkapitalgeber scheut.
Warum ist das Problem der Endogenität so wichtig?
Das Problem der Endogenität besteht darin, dass Governance und Kapitalstruktur sich gegenseitig beeinflussen können oder durch dritte, nicht beobachtbare Faktoren bestimmt werden, was einfache statistische Schätzungen verzerren würde.
- Citation du texte
- Rene Klauke (Auteur), 2010, Kapitalstruktur und Corporate Governance, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/158982