Das Verhältnis von Sprache und Musik in afrikanischen Ländern mit Tonsprache


Hausarbeit, 1999
14 Seiten, Note: gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Allgemeine Bemerkungen zur afrikanischen Musik

3 Zum Begriff der Tonsprache
3.1 Zum Verhältnis von Tonsprache und Musik

4 Silbenerweckung durch Melodiestrukturen

5 Sprache und Rhythmus

6 Resümee

1 Einleitung

Zu Beginn werde ich allgemein etwas zum Wesen der afrikanischen Musik schreiben, um zumindest ansatzweise aufzuzeigen, wie diese sich von der uns vertrauten europäischen Musik unterscheidet. Dies erscheint mir sinnvoll, um zumindest eine leise Vorstellung von der Andersartigkeit der afrikanischen Musik zu vermitteln, bevor ich dann zu dem eigentlichen Thema komme.

Von grundlegender Bedeutung ist hier der Begriff der Tonsprache, den ich

anschließend näher erläutern möchte, um dann konkret auf die Beziehungen dieser Tonsprachen und der Musik zu sprechen zu kommen.

2 Allgemeine Bemerkungen zur afrikanischen Musik

Zwischen der uns vertrauten abendländischen Musik und der afrikanischen Musik bestehen grundlegende qualitative Unterschiede. Mir persönlich scheint, der wesentlichste Unterschied besteht darin, daß es in der abendländischen Musik in großem Maße um die Erfüllung bestimmter Standards geht, die als Ideal gelten. Innerhalb der Erfüllung dieser Ideale gibt es dann künstlerische Freiheiten, die jedoch , an afrikanischen Maßstä- ben gemessen, relativ beschränkt bzw. standardisiert erscheinen.

In der afrikanischen Musik herrscht in dieser Hinsicht größere Freiheit. Dem Musiker sind hier wesentlich weniger Schranken in Hinsicht auf seine Aus- drucksmöglichkeiten auferlegt. Ich denke, es geht den afrikanischen Musi- kern weniger um die glanzvolle Erfüllung bestimmter Idealvorstellungen, wie z.B. das technisch einwandfreie Beherrschen eines Instruments oder auch das Interpretieren eines Stückes unter Berücksichtigung überlieferter, festgelegter Standards, z.B. in Hinsicht auf Tempo, Dynamik usw. , sondern vielmehr um das Erreichen einer möglichst intensiven, persönlichen, emotionalen Äußerung, in dieser Hinsicht vielleicht vergleichbar mit der abendländischen Rockmusik, die ihre Wurzeln ja auch in Afrika hat.

Es gibt kein einheitliches afrikanisches Tonsystem. Viele unterschiedliche Tonsysteme sind in den unterschiedlichen Musikarten zu finden. Das einzelne Tonsystem ist nicht statisch, so wie es uns vertraut ist, sondern verfügt über eine gewisse Flexibilität. So kann z.B. ein Musiker sein Instru- ment an verschiedenen Tagen unterschiedlich stimmen und dennoch sagen, es handele sich um dieselbe Stimmung. Eurozentristisch geprägte Menschen werden hierüber vermutlich lächeln und sagen, dieser Musiker verstehe es halt nicht besser oder wisse vielleicht gar nicht, was eine Stimmung ist. Ich denke, hier zeigt sich der oben erwähnte Unterschied in der Auffassung von Musik sehr deutlich. Für den afrikanischen Musiker ist es durchaus dieselbe Stimmung. Sicherlich weiß er, daß er nicht exakt die Tonhöhen des anderen Tages reproduziert hat, aber darauf kommt es ihm auch gar nicht an. Ein bestimmtes Musikstück muß eben nicht unbedingt jedes Mal nahezu identisch klingen. Es kommt mehr auf den Charakter des Stückes an, auf die Melodien, die Rhythmen, die Dynamik, die das Stück ausmachen und dieses auch bei kleinen Veränderungen, z.B. eben bezüglich der Stimmung, dennoch dasselbe Stück sein lassen.

Ein afrikanisches Tonsystem kann fünf, sechs, sieben oder mehr Töne enthalten. Diese stimmen teilweise mit der abendländischen Tonleiter überein, teilweise liegen sie auch zwischen den uns bekannten Intervallen.

In der Vokalmusik findet man im Gegensatz zu den temperierten instrumen- talen Tonsystemen meist reine Skalen aus Naturtönen. Bei Instrumental- grundlage passen sich die Sänger automatisch dem temperierten Tonsystem an.

Ein weiteres Merkmal afrikanischer Musik ist die andersartige Tongebung und -gestaltung. Im Gegensatz zu dem bei uns vorherrschenden Ideal des reinen, vibratolosen Tons, legen afrikanische Musiker Wert auf einen charakteristischen Ton.

Dazu schreibt Kubik :

Während in der abendländischen Musik eine Art der Tongebung zum Standard wird, bestehen in der afrikanischen Musik viele Abstufungen, die als Ausdrucks- mittel eingesetzt werden. Die Stimm e eines Sängers wirkt oft belegt und verhang- en, manchmal aber auch seltsam klar und leuchtend. Die Intonation, die Tonschat- tierungen und die Gleittöne afrikanischer Sänger lassen sich in Noten kaum aus- drücken[1]

Auch hier also wieder größere Flexibilität.

Auch die Harmonik gibt es in den unterschiedlichsten Ausprägungen. Ein grundlegender Unterschied zur europäischen Harmonik besteht darin, daß afrikanische Musik so gut wie nie Leittonharmonik verwendet. Dies erklärt sich daraus, daß die meisten Tonsysteme gar keine Sept enthalten. Somit gibt es auch keine Modulationen im abendländischen Sinn.

Ein Beispiel für eine harmonische Regel ist das Gegennotenprinzip. Dieses besagt, daß bestimmte Noten in der oberen Stimme immer bestimmte Noten in der unteren Stimme fordern. Dieses Prinzip findet sich z.B. in der Musik in Südwesttansania.

Ein weiteres Merkmal ist das Zusammenspiel von Sprache und Melodie, sowie Sprache und Rhythmus, worauf ich noch ausführlicher zu sprechen kommen werde.

3 Zum Begriff der Tonsprache

Die afrikanischen Sprachen südlich der Sahara gehören, ebenso wie das Chinesische und auch einige indianische Sprachen Nordamerikas, zur Gruppe der Tonsprachen.

Eine Tonsprache zeichnet sich dadurch aus, daß sie die relative Tonhöhe einzelner Laute als bedeutungsveränderndes Mittel einsetzt. Auch im Deutschen kann die Tonhöhe eine bedeutungstragende Rolle spielen. Ein und derselbe Satz kann zwei verschiedene Bedeutungen haben, je nach dem, ob der Sprecher am Ende des Satzes mit der Stimme steigt oder fällt : Ich bin gekommen.

Bei fallender Satzmelodie ist es eine Feststellung, bei steigender Satzmelo- die ist es eine Frage.

Wesentlich komplexere Möglichkeiten der Bedeutungsveränderung mittels der Tonhöhe bietet eine Tonsprache. Es handelt sich dabei selbstverständ- lich in jedem Fall um die relative Tonhöhe, also um die Relation der Höhe eines Tones, eines Lautes zu seiner Umgebung, und nicht etwa zu einer lexikalisch festgelegten, absoluten Tonhöhe. Dies ergibt sich ja schon aus der Tatsache, daß unterschiedliche Sprecher unterschiedlich hohe Stimmen haben.

[...]


[1] In : Gerhard Kubik, „Musikgestaltung in Afrika“, S. 29.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Das Verhältnis von Sprache und Musik in afrikanischen Ländern mit Tonsprache
Hochschule
Universität zu Köln  (Musikwissenschaftliches Institut)
Veranstaltung
Proseminar: Musik in Zentral- und Südafrika, Wintersemester 1996/97
Note
gut
Autor
Jahr
1999
Seiten
14
Katalognummer
V15900
ISBN (eBook)
9783638208901
ISBN (Buch)
9783638757102
Dateigröße
869 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einführung, Verhältnis, Sprache, Musik, Ländern, Tonsprache, Proseminar, Zentral-, Südafrika, Wintersemester
Arbeit zitieren
Florian Görner (Autor), 1999, Das Verhältnis von Sprache und Musik in afrikanischen Ländern mit Tonsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15900

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