Zu Beginn werde ich allgemein etwas zum Wesen der afrikanischen Musik schreiben, um zumindest ansatzweise aufzuzeigen, wie diese sich von der uns vertrauten europäischen Musik unterscheidet. Dies erscheint mir sinnvoll, um zumindest eine leise Vorstellung von der Andersartigkeit der afrikanischen Musik zu vermitteln, bevor ich dann zu dem eigentlichen Thema komme. Von grundlegender Bedeutung ist hier der Begriff der Tonsprache, den ich anschließend näher erläutern möchte, um dann konkret auf die Beziehungen dieser Tonsprachen und der Musik zu sprechen zu kommen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Allgemeine Bemerkungen zur afrikanischen Musik
3 Zum Begriff der Tonsprache
3.1 Zum Verhältnis von Tonsprache und Musik
4 Silbenerweckung durch Melodiestrukturen
5 Sprache und Rhythmus
6 Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen afrikanischen Tonsprachen und der ihnen innewohnenden sowie sie beeinflussenden Musik, um die grundlegenden qualitativen Unterschiede zur abendländischen Musikkultur aufzuzeigen.
- Unterschiede zwischen afrikanischer und abendländischer Musikkultur
- Definition und Funktion von Tonsprachen
- Wechselwirkungen von Sprachmelodie und musikalischer Gestaltung
- Das Phänomen der Sprechtrommeln
- Der Einfluss der Sprache auf den musikalischen Rhythmus
Auszug aus dem Buch
3.1 Zum Verhältnis von Tonsprache und Musik
Durch die beschriebenen Eigenarten der Tonsprache ergeben sich bestimmte Zusammenhänge zwischen Sprache und Musik, wie wir sie von der abendländischen Musik her nicht kennen.
Bei der Komposition eines Liedes mit Tonsprache kann der Komponist nicht wie beispielsweise bei der Komposition eines deutschen Liedes den Text auf eine beliebige Melodie legen. Täte er dies, wäre der gesungene Text nicht mehr verständlich. Vielmehr muß er die dem Text innewohnende Melodie zumindest im Groben beibehalten. Konkret bedeutet dies, daß durch den gewählten Text die Melodie in ihren Bewegungsrichtungen schon festgelegt ist, jedoch nicht in den einzelnen Intervallen.
Ich möchte dazu ein Beispiel Kubiks anführen. Am Beispiel eines Märchenliedes der Yoruba wird deutlich, daß dem Komponisten hier die Richtung vorgegeben war, in der sich die Melodie seines Liedes zu bewegen hatte, er jedoch in der konkreten Ausarbeitung dennoch über einige Freiheiten verfügte. Beide folgenden Melodieversionen sind für den Text möglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Wesen der afrikanischen Musik ein und setzt den Fokus auf die Bedeutung der Tonsprache für das Verständnis der musikalischen Zusammenhänge.
2 Allgemeine Bemerkungen zur afrikanischen Musik: Das Kapitel erläutert die qualitativen Unterschiede zur abendländischen Musik, insbesondere die Freiheit der Gestaltung und den Verzicht auf starre Standards zugunsten des persönlichen Ausdrucks.
3 Zum Begriff der Tonsprache: Hier wird der linguistische Hintergrund erläutert, wobei die Bedeutung der relativen Tonhöhe für den Wortsinn in afrikanischen Sprachen im Zentrum steht.
3.1 Zum Verhältnis von Tonsprache und Musik: Dieses Kapitel zeigt auf, wie der textliche Inhalt die Melodieführung festlegt, ohne dabei die künstlerische Freiheit vollständig einzuschränken.
4 Silbenerweckung durch Melodiestrukturen: Der Autor untersucht das Phänomen, bei dem Melodien spontan zu verbalen, teils sinnlos erscheinenden Silbenbildungen führen können.
5 Sprache und Rhythmus: Dieses Kapitel analysiert, wie die Konsonantenstruktur afrikanischer Sprachen den musikalischen Rhythmus durch spezifische Akzentuierungen und Pausenbildungen beeinflusst.
6 Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Wechselwirkungen zwischen den linguistischen Merkmalen der Tonsprachen und den daraus resultierenden musikalischen Gestaltungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Afrikanische Musik, Tonsprache, Melodiestrukturen, Rhythmus, Sprechtrommeln, Yoruba, Musikethnologie, Gerhard Kubik, Vokalkomposition, Tonhöhe, Musikkultur, Sprachmelodie, Off-beat Phrasing.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der besonderen Verbindung zwischen afrikanischen Tonsprachen und der traditionellen afrikanischen Musik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Einflüsse von Tonsprachen auf Melodie, Rhythmus, Harmonik sowie die Bedeutung der Sprache für vokale und instrumentale Ausdrucksformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Andersartigkeit afrikanischer Musik gegenüber der europäischen Musik durch die spezifischen Eigenschaften der afrikanischen Tonsprachen zu erklären.
Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?
Der Autor stützt seine Darstellung maßgeblich auf die musikwissenschaftliche Forschung von Gerhard Kubik und vergleicht diese mit abendländischen Konzepten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Tonsprachen sowie in spezifische Analysen zu Melodieverläufen, Silbenbildungen und rhythmischen Einflüssen auf die Musik.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Tonsprache, relative Tonhöhe, Sprechtrommeln, Silbenerweckung und rhythmische Akzentuierung.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Stimmung zwischen den Kulturen?
Im Gegensatz zum europäischen Ideal einer fixen, statischen Stimmung weist die afrikanische Musik eine Flexibilität auf, bei der der Charakter des Stücks Vorrang vor einer exakten Reproduktion der Tonhöhen hat.
Was genau versteht man unter „Sprechtrommeln“?
Sprechtrommeln ist eine Technik, bei der Trommler durch Veränderung der Spannung der Membran (z.B. bei der Kanangó-Trommel) sprachliche Botschaften durch Musik imitieren und übermitteln.
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- Florian Görner (Author), 1999, Das Verhältnis von Sprache und Musik in afrikanischen Ländern mit Tonsprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15900