"Der Untertan" von Heinrich Mann als Satire auf das Wilhelminische Bürgertum


Seminararbeit, 1998

15 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Konzept der Arbeit

2.1 Zur Definition des Begriffes „Satire“
2.2 Zusammenfassung

3 Der Roman
3.1 Entstehungsgeschichte
3.2 Rezeptionsgeschichte
3.3 Resümee

4.1 Inhaltliche und strukturelle Konzeption
4.2 Satirische Mittel

5 Schlußresümee

1. Konzept der Arbeit

Zu Beginn meiner Arbeit beschäftige ich mich mit der Definition des Begriffes „Satire“ . Ich versuche, die wichtigsten Merkmale herauszuarbeiten und so zu einer eigenen, zusammenfassenden Definition zu gelangen, von der ausgehend ich dann den Roman Heinrich Manns systematisch unter dem Gesichtspunkt seines satirischen Charakters untersuchen werde. Dabei werde ich versuchen, die satirischen Merkmale des Textes darzustellen und diese im Bezug zum Inhalt des Romans zu sehen. So hoffe ich, den Roman im Hinblick auf seinen Inhalt, seine Bedeutung und seine Form einigermaßen umfassend darstellen zu können. Unter „umfassend“ verstehe ich in diesem Zusammenhang, die wichtigsten und wesentlichen Aspekte des Textes möglichst anschaulich darzustellen. Erschöpfend kann diese Darstellung im beschränkten Rahmen einer solchen Arbeit selbstverständlich nicht sein.

2.1 Zur Definition des Begriffes „Satire“

Ganz allgemein läßt sich über das Wesen der Satire sagen, daß sie Gesellschaftskritik übt. Sie kritisiert bestehende soziale Zustände, menschliche Gewohnheiten und Verhal- tensweisen mit dem Ziel, dem Leser diese Mißstände bewußt zu machen und möglicher- weise eine Veränderung, eine Verbesserung zu bewirken.

Die allgemeinste Definition, die ich gefunden habe, bezeichnet Satire als (häufig literarischen) Spott über bestimmte Erscheinungen der Wirklichkeit, der allerdings nicht offen und direkt, sondern auf indirekte Art und Weise zu Tage tritt. Die Satire spottet demnach, indem sie das Objekt ihrer Kritik auf ästhetisch-künstlerische Weise nachahmt.[1]

Die genannten „Erscheinungen der Wirklichkeit“ können spezifiziert werden als Mißstände in der Gesellschaft, als Unsitten, Anschauungen, Ereignisse, Personen, auch als künstlerische, z.B. literarische Werke, in welchem Fall dann von Literatursatire zu sprechen ist. Allgemeiner formuliert geht es um den Spott und die Kritik, um die Entlarvung alles Kleinlichen, Schlechten, Ungesunden im menschlichen Leben und in der Gesellschaft, sowie um „dessen Preisgabe an Verachtung, Entrüstung und Lächerlich- keit“.[2] Dabei hat die Satire oft durchaus aggressiven Charakter, wie es von mehreren Autoren betont wird.

So heißt es bei Wilpert :

Neben Tendenz und Engagement ist die Satire jedoch auch oft Ausdruck einer auf Vernichtung des Objektes zielenden literarischen Aggression, die den Entwurf eines positiven Gegenbildes ablehnt.[3]

Zu der gleichen Thematik schreibt Röcke :

Gemeinsam ist diesen unterschiedlichen Darstellungsmustern satirischen Schreibens eine aggressive Kritik gegenüber gesellschaftlichen oder moralischen Mißständen, aber auch gegenüber Institutionen oder Einzelpersonen, die verspottet und verhöhnt, verzerrt und überzeichnet werden sollen, um auf diese Weise um so eindringlicher vor ihnen warnen zu können.[4]

Zu der oben kurz erwähnten Zielsetzung der Satire, nämlich eine Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse zu bewirken, schreibt Röckert :

Ziel satirischen Schreibens ist die Verbesserung der politischen, sozialen, kirchlichen oder moralischen Verhältnisse (causa correctionis), wobei als Maßstab der Kritik ein verbindliches Normensystem fungiert, an welchem die wirklichen Verhältnisse und Verhaltensweisen gemes- sen und – in der Regel – für schlecht befunden werden.[5]

Hier ist ein weiterer wichtiger Begriff gefallen, der bisher noch nicht erwähnt wurde, der Begriff der „Norm“. Die Satire orientiert sich in ihrer Kritik, in ihrem Angriff, meist an gesellschaftlichen Normen. Brummack nennt dies die „Normbindung des Angriffs“[6]. Hierunter ist zu verstehen, daß die Satire nicht zu dem Zweck verfaßt wird, einen privaten, persönlichen Anspruch durchzusetzen, sondern daß es ihr stets um etwas Komplexeres, Allgemeineres geht, um eine Idee, eine Norm, die der Autor für besser als die zum Zeitpunkt seines Schreibens vorherrschende hält. Brummack nennt einen weite- ren wichtigen Aspekt, der weiter oben schon kurz erwähnt wurde; die Indirektheit des Angriffs. Und zwar greift die Satire meist deswegen auf indirekte Art und Weise an, „weil das Objekt durch Macht, Gesetz oder Sitte vor einem direkten Angriff geschützt ist“[7].

Die Satire steht in enger Beziehung zum Realismus. Wenn dies vielleicht auf den ersten Blick erstaunlich klingen mag, so wird es doch deutlich, wenn man bedenkt, daß der Gegenstand der Satire die Wirklichkeit des menschlichen Lebens ist. Mit ihr beschäftigt sie sich, an ihr reibt sie sich und mit ihr setzt sie sich auseinander. Sie existiert überhaupt nur, um die Realität in ihrer mangelhaften Erscheinung zu kritisieren. An den Schluß dieser Ausführungen möchte ich deswegen ein Zitat Schillers stellen, welches das Verhältnis der Satire zur Realität beschreibt :

In der Satire wird die Wirklichkeit als Mangel dem Ideal als der höchsten Realität gegenübergestellt. Es ist übrigens gar nicht nötig, daß das letztere ausgesprochen werde, wenn der Dichter es nur im Gemüt zu erwecken weiß; dies muß er aber schlechterdings, oder er wird gar nicht poetisch wirken. Die Wirklichkeit ist also hier ein notwendiges Objekt der Abneigung...[8]

2.2 Zusammenfassung

Zusammenfassend lassen sich folgende Merkmale der Satire als wesentlich herausarbei- ten.

Satire betreibt Gesellschaftskritik. Sie erkennt gewisse Mißstände in der Geselllschaft und zeigt diese auf, indem sie sie nachzeichnet, meist auf eine spöttische, verachtende, der Lächerlichkeit preisgebende Weise, häufig durch Überzeichnung der im Zielpunkt ihrer Kritik stehenden Eigenschaften, Verhaltensweisen, Gewohnheiten, kurz, der menschlichen Gegebenheiten, die nach Ansicht des Autors zu einem Mißstand in der Gesellschaft geführt haben oder führen werden, was es zu ändern bzw. zu verhindern gilt. Sie entlarvt Schlechtigkeiten von Personen und Zeitumständen, die den Menschen der Zeit vielleicht schon gar nicht mehr auffallen, weil sie sich daran gewöhnt haben oder denken, es sei immer so gewesen und müsse immer so sein. Die Satire macht die Menschen aufmerksam und kritisch.

[...]


[1] Vgl. Metzler Literatur Lexikon. Begriffe und Definitionen. S.408.

[2] Vgl. Gero von Wilpert - Sachwörterbuch der Literatur. S.809.

[3] Vgl. Ebenda.

[4] Vgl. Walther Killy. Literatur-Lexikon. Begriffe, Realien, Methoden. S.329.

[5] Vgl. Ebenda.

[6] Vgl. Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. S.602, Spalte 1.

[7] Vgl. Ebenda.

[8] Vgl. Schiller „Über naive und sentimentalische Dichtung“ (1795).

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
"Der Untertan" von Heinrich Mann als Satire auf das Wilhelminische Bürgertum
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Einführungsseminar in die Neuere Deutsche Sprache und Literatur
Note
gut
Autor
Jahr
1998
Seiten
15
Katalognummer
V15907
ISBN (eBook)
9783638208956
ISBN (Buch)
9783638758154
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Untertan, Heinrich, Mann, Satire, Wilhelminische, Bürgertum, Einführungsseminar, Neuere, Deutsche, Sprache, Literatur
Arbeit zitieren
Florian Görner (Autor), 1998, "Der Untertan" von Heinrich Mann als Satire auf das Wilhelminische Bürgertum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15907

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