Erziehung und ihre Bedeutung in Utopia: Ein Vergleich von "Voyage en Icarie" und "Brave New World"


Hausarbeit, 2008
21 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführung in das Thema: Die Werke

3. Erziehung
3.1 Erziehung als Grundlage
3.2 Die Erziehungsziele
3.3 Methoden
3.3.1 in Voyage en Icarie
3.3.2 in Brave New World
3.4 Lerninhalte und ihre Auswirkungen auf die utopische Gesellschaft
3.4.1 In Voyage en Icarie
3.4.2 in Brave New World

4. Autorenrealität
4.1 Cabet und die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts
4.2 Huxley und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts

5. Kritik und Lösungsansätze der Autoren
5.1 Cabet
5.2 Huxley
5.3 vergleichend

6. Zusammenfassung

7. Literatur

1. Einleitung

Die folgende Arbeit untersucht die beiden utopischen Werke Voyage en Icarie (1848) und Brave New World (1932) vergleichend bezüglich des Aspekts der Erziehung und ihrer Bedeutung in Utopia[1].

Bereits bei meinem eigenen Aufsatz über die ideale Welt[2] zur ersten Sitzung schrieb ich über aktuelle gesellschaftliche Probleme, den Umgang der Menschen miteinander, ihrer Lebenseinstellung etc., welche zumindest ansatzweise durch eine entsprechende Erziehung, die die Vermittlung von moralischen Grundwerten beinhaltet, gelöst oder verbessert werden könnten. Da mir im Laufe des Seminars erneut auffiel, dass die Erziehung der Gesellschaft eines utopischen[3] Staates eine wichtige Rolle spielt, beschloss ich sie zum Thema meiner Hausarbeit zu machen. Bei der Werksuche stieß ich schnell auf Aldous Huxley mit Brave New World als einen sehr bekannten dystopischen[4] Roman des zwanzigsten Jahrhunderts. Zur Gegenüberstellung suchte ich ein französisches Werk, in dem sich der Autor ebenfalls mit der Thematik Erziehung auseinandersetzt. So stieß ich auf Étienne Cabet und seine Utopie Voyage en Icarie und stellte schnell fest, dass es trotz der relativ großen Differenz der Erscheinungsjahre viele Parallelen und Unterschiede bezüglich der Erziehung gibt. Um zu begründen, dass diese als Reaktion auf die jeweilige politische und soziale Lage der Autorenrealität zu verstehen ist, werde ich jene Realitäten der beiden Autoren erläutern.

Ich möchte behaupten, dass für einen Großteil aller Dys- und Utopien gilt:

Erziehung ist die Basis einer idealen Gesellschaft.

Um dieses belegen zu können beschreibe ich die Methoden, Lern- und Lehrinhalte und deren Auswirkungen auf die utopische Gesellschaft.

Diese Arbeit wird aufzeigen, inwiefern und welche Kritik Cabet und Huxley üben, welche unterschiedlichen Zukunfts- oder ideale Szenarien sie bedingt durch die Erziehung projiziert haben und welche Lösungsansätze -und warum ausgerechnet diese- sie selbst anbieten.

2. Einführung in das Thema: Die Werke

Eine gängige Definition utopischer Literatur ist Folgende:

Utopische Werke greifen stofflich teilweise auf Platons Entwurf eines Idealstaates im Dialog Politeia zurück, richten sich häufig satirisch gegen bestehende Staatsformen und sind nach dem Muster der begriffsbildenden Schilderung der Insel Utopia durch T. More (De optimo reipublicae statu deque nova insula Utopia, 1516) oft in der Form einer Reisebeschreibung gestaltet.[5]

So haben wir es bei dem in einen Reisebericht gekleideten Staatsroman mit kommunistischen Grundsätzen Voyage en Icarie von Etienne Cabet per definitionem mit einem ganz typisch utopischen Werk zu tun.

Besonders seit Mitte des 19. Jahrhunderts glaubte man unter dem Eindruck naturwissenschaftlichen und sozialen Fortschritts zunächst überwiegend an die Möglichkeit einer Bewältigung gesellschaftlicher Probleme durch Technisierung und einer zunehmenden Perfektionierung neuer sozialer Organisations-, Wirtschafts-, und Lebensformen, so auch Cabet.

Sein Werk setzt sich aus zwei Teilen zusammen: der Beschreibung des Idealstaats auf der einen und der Rahmenhandlung auf der anderen Seite.

Obwohl die Rahmenhandlung nicht weiter von großer Bedeutung ist, sei sie hier kurz zusammengefasst.

Lord William Carisdall stößt auf ein Buch über das unbekannte Land Ikarien, ist begeistert und reist ein Jahr später von London nach dorthin. Als erklärender Gesprächspartner dient Dinaros, Professor für Geschichte. Zwei Jahre später kehrt der Protagonist zurück, übergibt sein Tagebuch dem Druck und verstirbt kurz darauf.

Durch die Einbettung der Rahmenhandlung in das Werk und die geschickte Gattungswahl, kann Cabet zum einen die staatliche Zensur bestehen und zum anderen seinen Lesern bildlich und konkret seine ideale Gesellschaft darstellen.

Huxley hingegen bedient sich bei Brave New World der „traditionell bevorzugten Gattung“, dem utopischen, oder genauer gesagt dem dystopischen Roman. Er dient als Musterbeispiel für die Antiutopie, deren Tendenz sich seit dem ersten Weltkrieg abzeichnet und bis heute anhält, u. a. als Warnung vor den Gefahren massengesellschaftlicher Entindividualisierung.

Der Roman spielt im Jahre 632 nach der Einführung des Fließbandes durch Henry Ford, was dem Jahre 2540 n. C. entspricht.

Die Gesellschaft der Brave New World steht auf der Grundlage der Eugenik- der Wissenschaft von der Optimierung der Erbanlagen-, der Methode der Konditionierung von Reflexen von Iwan Pawlow und vor allem des Prinzips der industriellen Massenproduktion.

Die Menschheit lebt in einem einzigen Weltstaat, in dem alles perfekt organisiert ist, mit Ausnahme einiger Reservationen, in denen die eingeborenen Indianerstämme noch so leben wie in Fords Zeiten. Zehn Aufsichtsräte bilden das kollektive Führungsgremuim. Die Bevölkerung lebt in einem stabilen Fünf-Klassensystem. Jedes Individuum wird im embryonalen Zustand entsprechend seiner Vorherbestimmung genormt und so an seine spätere Klasse und Arbeit gewöhnt.

Durch einen Besuch eines Reservats durch zwei Vertreter der Alpha- Klasse prallen zwei konträre Welten aufeinander: die neue Welt, in der alles im Gleichgewicht zu sein scheint und die primitive, alte Welt. Der Roman nimmt ein tragisches Ende, als ein ‚Wilder’, ein Bürger des Reservats, die Brave New World betritt, sich aufgrund seiner unterschiedlichen Denkweise gegen die scheinbar so glückliche Welt entscheidet und sich das Leben nimmt.

3. Erziehung

3.1 Erziehung als Grundlage

Um deutlich herauszustellen was genau die Grundlage eines idealen Staates bildet, ist es nötig die Begriffe „Erziehung“ und „Bildung“ von einander zu trennen. Erziehung im weiteren Sinne ist „der Inbegriff für alle pädagogischen Maßnahmen und Prozesse (Lern- Entwicklungs- Eingliederungshilfen), durch die das Kind im Rahmen der Sozialisation zur Erwachsenheit (…) gelangt.“[6]

Während nun Erziehung im engeren Sinne die innere Formgebung des Charakters durch Einwirkung, Übung und Gewöhnung ist, erfordert Bildung über theoretische Einsicht geleitetes Lernen.[7]

Ohne Erziehung ist ein utopischer Staat unvorstellbar, denn sie bildet die Grundlage einer funktionierenden utopischen Gesellschaft.

Cabet bestätigt:

« […] l’éducation nous paraît la base et le fondement de tout notre système social et politique, et c’est sur elle que le Peuple et ses représentants ont peut-être apporté le plus d’attention. »[8]

Sie vermittelt die Werte und Verhaltensweisen, die das Funktionieren der Gesellschaft gewährleisten oder wie Cabet erklärt: „um […] das allgemeine und persönliche Glück zu sichern, nimmt die Gesellschaft die Erziehung zur Grundlage[…].“[9]

Im Laufe dieser Arbeit wird deutlich zu erkennen sein, dass in beiden Werken erst durch Erziehung der Aufbau einer glücklichen, harmonischen und funktionierenden Gesellschaft möglich ist.

3.2 Die Erziehungsziele

Cabet sieht die Gemeinschaft als eine „brüderliche, gleichheitliche, einheitliche Verbindung“[10] und hält den Menschen für gesellschaftlich veranlagt. Er strebt die

Einheit in der Erziehung an um gleiche Bedingungen für alle zu schaffen, was wiederum die Gleichheit aller Bürger und Frieden untereinander mit sich zieht.

Während Cabet Stabilität und Frieden durch Gleichheit erzielt, erschafft Huxley Stabilität durch Ungleichheit indem die Gesellschaft auf einem Kastensystem beruht, in dem lediglich die Gesamtheit der Menschen einer Kaste gleichberechtigt und einheitlich ist.

[...]


[1] « Utopia » als Name für den beispielhaften utopischen Staat, wie bei Morus T. oder Guter, J.: Pädagogik in Utopia: Erziehung und Arbeitswelt in sozialpolitischen Utopien der Neuzeit. Darmstadt 1968.

[2] Aufsatz : « Le monde idéal imaginé par un/e étudiante du XXème siècle » zum spätestens 11.04.2008

[3] Zu griechisch ou ‚nicht’ und tópos ‚Ort’, also eigentlich ‚(das) Nirgendwo’, nach dem 1516 erschienenen Roman ‚Utopia’ von T. More bekanntes Genre. Aus: Der große Brockhaus, Mannheim¹⁹1994, Artikel: Utopie.

[4] Dystopie: Antonym zu Utopie, Antiutopie, negative Utopie , Gegenutopie, schwarze Utopie.

[5] Der große Brockhaus. Mannheim ²°1999, Artikel: utopische Literatur.

[6] Der große Brockhaus, Wiesbaden 1978, Artikel: Erziehung.

[7] Cabet, E.: Die neue Sittenverbesserung durch die ikarische Gemeinschaft. Übersetzt von K. G. Allhufen, Kiel 1850, S. 21.

[8] Cabet, E.: Voyage en Icarie. Paris 1848, S. 74.

[9] Cabet (1850), S. 21.

[10] Cabet (1850), S. 12.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Erziehung und ihre Bedeutung in Utopia: Ein Vergleich von "Voyage en Icarie" und "Brave New World"
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Sprachwissenschaftliches Proseminar
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V159072
ISBN (eBook)
9783640722617
ISBN (Buch)
9783640723010
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Mit französischer Zusammenfassung
Schlagworte
Erziehung, Bedeutung, Utopia, Vergleich, Voyage, Icarie, Brave, World
Arbeit zitieren
Sarah Peters (Autor), 2008, Erziehung und ihre Bedeutung in Utopia: Ein Vergleich von "Voyage en Icarie" und "Brave New World", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159072

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