Preußens Schicksal: Der Frieden von Tilsit


Seminararbeit, 2008
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
a. Fragestellung
b. Vorgehensweise
c. Quellenlage und Sekundärliteratur

2. Der Frieden von Tilsit
a. Vorgeschichte
b. Napoleons Ziele
c. Die russisch-französischen Verträge
d. Die preußischen Verhandlungen mit Napoleon
e. Der preußisch-französische Vertrag
f. Die Folgen des Vertrages für Preußen

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis
a. Quellen
b. Sekundärliteratur

1. Einleitung

a. Fragestellung

Der Vierte Koalitionskrieg, von Preußen unter Friedrich Wilhelm III. 1806 nur sehr zögerlich begonnen, endete mit dem schmachvollen Frieden von Tilsit. Dieser wurde noch bis in die Geschichtsschreibung des frühen 20. Jahrhunderts als der Tiefpunkt preußischer Geschichte angesehen und verleitete die Historiker jener Zeit zu Emphasen wie: „Nie wieder soll vergessen werden, dass nur der Starke im politischen Treiben der Welt auf Gerechtigkeit und Achtung zu zählen vermag. Wo blieben in diesem Augenblicke die Freunde Preußens?“[1]

Und auch die Zeitgenossen des Friedensschlusses, nicht zuletzt Friedrich Wilhelm III. selbst, zeigten sich mit den Ergebnissen der Verhandlungen von Tilsit äußerst unzufrieden.

Warum war dies der Fall? Worin lag die Bedeutung des Friedens von Tilsit für Preußen? Diesen Fragen wird sich diese Hausarbeit im Folgenden annehmen.

b. Vorgehensweise

Um die Bedeutung des Friedensschlusses zu analysieren, ist es notwendig, die Entstehungsgeschichte des Vertrages zu beleuchten. Danach wird untersucht, welche Ziele Napoleon im Vierten Koalitionskrieg und in den Tilsiter Verhandlungen verfolgt hat. Die Arbeit wird sich ebenfalls kurz mit den Ergebnissen der russisch-französischen Verhandlungen auseinander­setzen, um den Vertrag mit Preußen besser in den Kontext einordnen zu können.

Die preußischen Verhandlungen mit Napoleon werden ebenfalls kurz thematisiert. Danach beschäftigt sich die Arbeit mit den Bestimmungen des Friedens von Tilsit für Preußen im Detail und seinen Folgen spezieller und allgemeiner Art.

c. Quellenlage und Sekundärliteratur

Die Quellenlage für die Friedensverhandlungen von Tilsit ist günstig. Es sind uns sowohl die offiziellen Verträge zwischen Russland und Frankreich sowie zwischen Preußen und Frankreich erhalten als auch die geheimen Zusatzartikel und der ebenfalls geheime Allianzvertrag zwischen Russland und Frankreich. Ergänzt wird dies durch die erhaltenen und schon Anfang des 20. Jahrhunderts publizierten Briefwechsel zwischen Friedrich Wilhelm und seiner Frau Luise und der Korrespondenz von Napoleon.

Da die Verhandlungen von Tilsit zu großen Teilen von den Herrschern selbst durchgeführt wurden, gibt es jedoch keine Mitschriften des Verhandlungsverlaufs. Was diesen betrifft, gehen die Meinungen der Historiker demzufolge am weitesten auseinander[2].

Erstaunlicherweise gibt es zum Frieden von Tilsit keine Monographie. Die für diese Arbeit verwendete Sekundärliteratur besteht demzufolge aus Aufsätzen und einzelnen Kapiteln von Monographien über die beteiligten Herrscher oder über die Geschichte Preußens. Die größten Dienste leistet dabei die Monographie von Thomas Stamm-Kuhlmann über Friedrich Wilhelm III., den „Melancholiker auf dem Thron“[3].

2. Der Friede von Tilsit

a. Vorgeschichte

Der dritten Koalition gegen Frankreich, die sich 1805 gebildet hatte, mochte sich Friedrich Wilhelm III. nicht recht anschließen. Ein Grund könnte neben dem ihm eigenen Zögern[4] auch Napoleons verlockendes Angebot sein, dass sich Preußen Hannover einverleiben dürfe. Tatsächlich warb Napoleon massiv um Preußen, um es als Bündnispartner zu gewinnen. Napoleon schrieb an Friedrich am 23.8.1805: „Die Erwerbung von Hannover ist Ew. Majestät, vom geographischen Standpunkt betrachtet, notwendig.“[5]

Freilich weiß man nicht, wie ernst es Napoleon damit war, Hannover an Preußen zu geben. Elisabeth Fehrenbach unterstellt ihm, dass er es nicht ernst gemeint habe; es sei ihm nur darum gegangen, Preußen mit England zu verfeinden. Dies bewiesen die Verhandlungen mit Großbritannien, dem Napoleon die Rückgabe Hannovers versprach.[6]

Friedrich Wilhelm ging auf das Werben Napoleons jedoch nicht ein. Er versuchte neutral zu bleiben.

Nachdem allerdings französische Truppen unter Bernadotte im Krieg gegen Österreich ohne Anfrage durch preußisches Territorium marschiert waren und damit die Neutralität Preußens verletzt hatten, gärte in Berlin die antifranzösische Stimmung. Friedrich Wilhelm schien sich jetzt für den Krieg entschieden zu haben; Preußens Armee wurde mobilisiert.[7]

Da kam die Nachricht von der Niederlage der Koalition bei Austerlitz. Friedrich Wilhelm schwenkte um und ließ am 15.12.1805 den Vertrag von Schönbrunn aushandeln, der Preußen Hannover versprach[8] ; jedoch waren auch einige Gebietsabtretungen vorgesehen. Friedrich Wilhelm verweigerte die Ratifikation des Vertrages und verlangte Nachbesserungen. Trotzdem machte sich allgemeine Zuversicht breit; die Armee wurde, nicht zuletzt aus finanziellen Gründen, wieder demobilisiert[9].

Napoleon jedoch akzeptierte Friedrich Wilhelms Einwände nicht. Der noch ungünstigere Vertrag von Paris musste unterzeichnet werden; Preußen musste Hannover sofort in Besitz nehmen und seine Häfen dem englischen Handel verschließen, was natürlich zum Krieg mit England führte. Preußen war nun ins französische Bündnissystem eingebunden; trotzdem wollte es sich Friedrich Wilhelm nicht mit dem russischen Zaren verderben. Seine Politik schwankte nun zwischen Ost und West.[10] Jedoch wollte er sich „am liebsten mit nichts und niemandem einlassen, auch nicht mit Alexander.“

Der preußische König misstraute Napoleon und hielt sich deswegen Russland offen. Napoleon hingegen misstraute Friedrich, weil er (richtig) mutmaßte, dass die Allianz nur unter dem Eindruck von Austerlitz zustande gekommen war. Dies mündete in einem Konflikt, den eigentlich niemand wollte. Dieser Konflikt war trotzdem die logische Folge aus dem beidseitigen Unwillen, die Gleichberechtigung des jeweils anderen zu akzeptieren.[11]

[...]


[1] Goltz, C. von der, Kriegsgeschichte Deutschlands im 19. Jahrhundert, Teil 1. Im Zeitalter Napoleons, Berlin 1910, S. 184.

[2] Es ist beispielsweise strittig, was bei der ersten Zusammenkunft von Napoleon und Alexander I. besprochen wurde und weiterhin, ob Napoleon die Zerschlagung Preußens beabsichtigt hatte oder nicht. Dazu Kapitel 2.b.

[3] Stamm-Kuhlmann, Th., König in Preußens großer Zeit: Friedrich Wilhelm III, der Melancholiker auf dem Thron, Berlin 1992.

[4] Stamm-Kuhlmann unterstellt ihm gar einen „Hang zur Unbeweglichkeit“: Stamm-Kuhlmann, Friedrich Wilhelm, 194.

[5] Landsberg, H. (Hg.), Napoleon-Briefe, Berlin 51909, S. 237.

[6] Fehrenbach, E., Vom Ancien Regime zum Wiener Kongress (=OGG 12), München 31993, S. 49.

[7] Stamm-Kuhlmann, Friedrich Wilhelm, 200.

[8] Über das Frankreich zu jenem Zeitpunkt keinerlei Kontrolle besaß!

[9] Stamm-Kuhlmann, Friedrich Wilhelm, 204.

[10] ebd., 206. Das folgende Zitat: 213.

[11] mit Stamm-Kuhlmann, Friedrich Wilhelm, 216f.; Mieck betont ebenfalls, Napoleon habe den Krieg nicht gewollt: Mieck, I., Die Rettung Preußens? Napoleon und Alexander I. in Tilsit 1807; in: Mieck, I., Guillen, P. (Hgg.), Deutschland - Frankreich - Rußland: Begegnungen und Konfrontationen = La France et l'Allemagne face à la Russie, München 2000, S. 15-35, hier: S. 19; letzteres auch Fehrenbach, Ancien Regime, 49.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Preußens Schicksal: Der Frieden von Tilsit
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V159075
ISBN (eBook)
9783640721030
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Napoleon, Frieden von Tilsit, Friedrich Wilhelm III, Preußen
Arbeit zitieren
Bastian Kruse (Autor), 2008, Preußens Schicksal: Der Frieden von Tilsit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159075

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