Legal Due Diligence - Ursprung und Definition, Inhalte und Zielsetzung, Ablauf


Seminararbeit, 2008

26 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichni

1. Einleitung

2. Ursprung, Definition und Ziele der allgemeine Due Diligence
2.1. Motive zur Durchführung einer Due Diligence-Prüfung
2.2. Arten der Due Diligence

3. Gegenstand, Inhalt und Zielsetzung der Legal Due Diligence
3.1. Erlaubnis zur Aufdeckung von Unternehmensinformationen
3.2. Rechtliche Pflicht zur Abgabe von Unternehmensinformationen

4. Organisatorischer Ablauf einer Legal Due Diligence
4.1. Analyse der internen Rechtsstruktur der Zielgesellschaft
4.2. Analyse der externen Rechtsstruktur der Zielgesellschaft

5. Fazit

Quellenverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Verbreitungsgrade der Teilreviews 3

Abb. 2: Beispiele für Garantien aus einer Due Diligence Vereinbarung 7

Abb. 3: Wesentliche Inhalte eines “Letter of Intent“ 8

Abb. 4: Organisatorischer Ablauf einer Legal Due Diligence 10

Abb. 5: Organisatorischer Ablauf einer Due Diligence nach Scott 10

Abb. 6: Checkliste einer rechtlichen DD 12

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Beobachtungen zufolge führte das Globalisierungsstreben in den letzten 20 Jahren zu einer tendenziell beträchtlichen Zunahme der Unternehmenskäufe und -Zusammenschlüsse. Seit Beginn 2008 hat sich die Anzahl der erfolgreich durchgeführten Fusionen und Übernahmen in Deutschland angesichts der ne- gativen Wirtschaftslage jedoch drastisch reduziert. Vor allem die aktuell von den USA ausgehende Finanzkrise belastet branchenübergreifend sämtliche Unter- nehmen. In Deutschland brach das angekündigte Transaktionsvolumen in der ersten Jahreshälfte 2008 um fast 45 Prozent ein.1 Jede zweite Fusion geht laut Finanzexperten schief.2 Der häufigste Grund dafür ist die unzureichende Trans- parenz über die tatsächliche wirtschaftliche Lage des Zielunternehmens und infolge dazu, die falsche Auswahl des Übernahme- oder Fusionskandidaten. Immer häufiger stellt sich damit die Frage nach den Risiken von Unternehmens- transaktionen. Besonders komplexe Mergers & Acqusitions-Transaktionen (M&A) erfordern deshalb eine ausführliche Informationsbasis, sowie interdiszip- linäres Wissen der Beteiligten. An dieser Stelle knüpft die umfassende Unter- nehmensanalyse der Due Diligence (DD) an.

Die vorliegende Arbeit widmet sich im ersten Abschnitt der allgemeinen DD. Zuallererst wird kurz auf den Ursprung, die Ziele und mögliche Motive einer DD eingegangen. Der Vollständigkeit halber werden in Kürze die Teilbereiche der DD-Prüfung charakterisiert.

Anschließend kommt es zu einer schwerpunktmäßigen Betrachtung der Legal Due Diligence (LDD) und der damit verbundenen Problematik einer Unternehmensbewertung aus rechtlicher Sicht. Im ersten Beitrag wird die LDD als Teilbereich der DD-Prüfung mit ihren Zielen und Inhalten dargestellt. Ferner gilt das Augenmerk dem organisatorischen Ablauf einer LDD und dem juristischen Rahmen des zu analysierenden Unternehmens.

2. Ursprung, Definition und Ziele der allgemeinen Due Diligence

Der Begriff Due Diligence hat seinen Ursprung in der Transaktionspraxis des US-amerikanischen Kapitalmarkt- und Anlageschutzrechts und ist mit der Mer- gers & Acquisitions-Welle3 in den letzten zwei Jahrzehnten nach Deutschland gelangt.4 Die DD stellt im Kaufrecht eine freiwillige aber bewusste, systemati- sche und professionelle Analyse und Bewertung eines Vertragsobjektes in juris- tischer, steuerlicher, betriebswirtschaftlicher und technischer Hinsicht dar. Im Fokus steht dabei immer eine beabsichtigte geschäftliche Transaktion, die aus betriebswirtschaftlicher Sicht in erster Linie mit einem Unternehmenskauf asso- ziiert wird. Sinngemäß lässt sie sich als „erforderliche, angemessene, gebüh- rende Sorgfalt“ übersetzen.5 Die Bereitstellung einer integrierten Datenbasis aus einer DD-Prüfung soll zur Informationsversorgung der Entscheidungsträger im Planungs- und Entscheidungsprozess beitragen und somit Informations- asymmetrien zwischen den Vertragsparteien verringern. Entsprechend sollen die Transaktionsbedingungen, der Wert der zu erwerbenden Gesellschaft sowie mögliche Chancen und Risiken aus der Geschäftstätigkeit noch während der laufenden Kaufverhandlungen aufgedeckt werden.6

2.1. Motive zur Durchführung einer Due Diligence-Prüfung

Die Motive zur Durchführung einer DD ergeben sich aus unterschiedlichen Perspektiven. Zum einen stellt sich die Frage durch welche Vertragspartei eine DD-Prüfung veranlasst wird. Neben der typischerweise vom Kaufinteressenten durchgeführten DD (Purchaser Due Diligence) zur Aufdeckung des mit dem Erwerb verbundenen Haftungsrisikos und zur Kaufpreisermittlung, ist eine de- rartige Prüfung auch durch den Verkäufer (Vendor Due Diligence) denkbar.7 Diese ermöglicht dem Verkäufer eine bessere Einschätzung seiner Verhandlungsposition mit dem potenziellen Käufer und dient beiderseits zur Dokumentation der kaufmännisch gebotenen Sorgfalt im Rahmen der Unternehmenstransaktion.8 Zum anderen kann die DD entweder aufgrund gesetzlicher Bestimmungen (z.B. bei einer Fusion oder Umwandlung, etc.) oder auf freiwilliger Basis (Kauf/Verkauf eines gesamten Unternehmens oder Unternehmensteilen, Börsengang, etc.) durchgeführt werden.9

2.2. Arten der Due Diligence

So heterogen wie das Feld möglicher Anlässe, sind auch die Arten der zweck- entsprechenden Prüfungsgebiete und deren Abgrenzung, die gemeinsam unter dem Begriff DD-Review subsumiert werden.10 Abhängig von der Ausrichtung und dem Informationsbedarf können die Prioritäten unterschiedlich gesetzt bzw. lediglich einzelne Teilreviwes ("Limited Scope Due Diligence"11 ) nach separa- ten Unternehmensbereichen oder Querschnittsfunktionen durchgeführt werden. In der Praxis wird u.a. zwischen einer finanziellen, steuerlichen oder einer rech- tlichen DD differenziert, wobei diese im Rahmen einer DD-Prüfung, die höchste Priorität aufweisen. Dies ist aus einer empirischen Untersuchung im Jahre 2002 hervorgegangen.12 (vgl. Anh., Abb.2, Seite 21) Financial Due Diligence - Die Financial DD untersucht ausschließlich die finan- ziellen Teilbereiche des Zielunternehmens, insb. die Bilanzanalyse (Vermögen, Ertrag, Cash Flow), die kurz-, mittel- und langfristigen Liquiditäts- und Finanzie- rungsverhältnisse, die Kapitalstruktur des Unternehmens sowie die Analyse der Bestands- und Erfolgsplanung.13

Tax Due Diligence - Das Ziel der DD aus steuerlicher Sicht besteht zum einen darin, steuerliche Risiken aufzudecken (bspw. Steuernachzahlungen für vergangene Wirtschaftsjahre) und zum anderen die steuerlichen Voraussetzungen für die Abwicklung der geplanten Transaktion zu ermitteln.14

Market Due Diligence - Im Rahmen der Market DD wird das Unternehmen unter rein geschäftlichen Gesichtspunkten geprüft. Der Fokus richtet sich hierbei auf eine Marktbezogene Analyse des Produkt- bzw. Dienstleistungsportfolios, die Effizienz des Vertriebs und des Marketings, der generellen Marktanforderungen und Kundenbedürfnisse sowie schließlich die Aktivitäten der relevanten Wettbewerber des Zielunternehmens.15

Sonstige Due Diligence-Teilreviews16 - Je nach Prüfungsziel, Branche und dem individuellen Informationsbedarf der jeweiligen Auftraggeber haben sich in der Praxis weitere Spezialformen der DD-Reviews entwickelt, bspw.:

- Technical Due Diligence (Analyse der techn. Anlagen und Gebäude)
- Environmental Due Diligence (Analyse der Umweltverträglichkeit)
- Cultural Due Diligence (Analyse der Normen, Sitten und Bräuche)
- Human Resources Due Diligence (Analyse des Humankapitals)

Legal Due Diligence - Im Kontext zur allgemeinen DD konzentriert sich die Ausarbeitung im Punkt 3 ff. mit dem Schwerpunkt auf die rechtliche DD, d.h. auf die Unternehmensanalyse in juristischer Hinsicht.

3. Gegenstand, Inhalt und Zielsetzug der Legal Due Diligence

Vor dem Hintergrund der juristischen Fragestellung enthält die DD aus rechtli- cher Sicht einen entscheidenden Stellenwert im Rahmen einer Unternehmen- sakqusition. Sie erfüllt die Funktionen Informationsbeschaffung, Risikoermitt- lung, Gewährleistung und die Beweissicherung und dient der Abrundung der wirtschaftlichen Grundlagen im Rahmen der finanziellen, steuerlichen und ge- schäftlichen Prüfung im gesamten DD-Prozess. Eine eigenständige Bewer- tungsaufgabe kommt ihr demnach jedoch nicht zu, denn neben einer juristisch einwandfreien Rechtsgrundlage muss beim Zielunternehmen auch immer eine wir]tschaftlich rentable Tätigkeit nachzuweisen sein. Die Erkenntnisse aus der LDD müssen also immer im kritischen Zusammenhang und unter Abwägung der wesentlichen DD-Teilreviews Financial, Tax und Market DD betrachtet wer- den.17

Im Mittelpunkt der LDD-Analyse soll der rechtliche Rahmenbereich des Zielun- ternehmens erfasst und mögliche Folgen für den Investor ermittelt werden. Der Prüfungsumfang umfasst dabei bspw. konkrete Vertragsverhältnisse, die Ge- sellschafts- und Konzernstruktur, Eigentumsrechte sowie arbeitsrechtliche, ge- werberechtliche, steuerrechtliche und wettbewerbsrechtliche Faktoren.18 Vor- nehmlich soll bei der Ausarbeitung des Themenbereichs aus der Sicht des po- tenziellen Käufers ausgegangen werden. Für diesen stellt sich hierbei primär die Frage nach dem Bestand der unternehmerischen Tätigkeit unter Erwägung der rechtlichen Verhältnisse. Zur Aufdeckung dieses Problembereichs bedient sich die LDD zweier Instrumente:

1. Informationsbeschaffung19

Hierbei stehen die eigentliche Kaufentscheidung und die Bewertung rechtlich relevanter Tatbestände im Fokus der Analyse. Alle Aspekte über die einwandfreie Begründung und Ausübung der internen und ex- ternen Rechtsstrukturen, die für eine ordnungsgemäße Abwicklung von Transaktionen und die Vertragsgestaltung notwendig sind, werden hier untersucht. Verdeckte rechtskräftige Bestands- und Haftungsrisiken der Zielgesellschaft sollen offenbart und daraus resultierende mögliche Folgen für den Käufer ermittelt werden.

2. Gewährleistungs- und Haftungsregelung20

Im weiteren Sinne umfasst die LDD alle rechtlichen Fragen, die für die Strukturierung der Transaktion und die rechtliche Machbarkeit von der, für die Zeit nach der Akquisition, geplanten Maßnahmen, von Bedeutung sind. Hier muss geregelt werden, wer im Falle, der aus nicht untersuch- ten bzw. nicht erkennbaren Umständen oder unerwarteten Ereignissen, die Folgen tragen muss. Der Hauptvertrag umfasst Vereinbarungen über mögliche Garantien21 (vgl. Anh., Abb.3, Seite 22), Schadensersatzans- prüche, Verjährungsfristen, Rücktrittsrechte, Kaufpreisminderungen,etc.

Die Zielsetzung einer LDD liegt folglich, wie oben aufgeführt, in der Ermittlung von Informationen für die Aufstellung des vertraglichen Gewährleistungskata- logs zur juristischen Absicherung über die Geschäftstätigkeit der Zielgesell- schaft. Der Verzicht einer rechtlichen Analyse kann ein nicht identifiziertes Risi- ko für den Käufer bedeuten und im Extremfall die unternehmerische Existenz ernsthaft gefährden.22

3.1. Erlaubnis zur Aufdeckung von Unternehmensinformationen

Ausgehend von dem Grundsatz, dass eine DD-Prüfung beiden Parteien eines Unternehmenskaufs dient, muss im Vorfeld die Frage gestellt werden, ob eine derart detaillierte Prüfung des Zielunternehmens von Seiten des Erwerbers überhaupt durchgeführt werden darf. Die für eine LDD erforderlichen Informa- tionen sind grundsätzlich als insiderrechtlich relevant einzustufen und für Dritte nicht öffentlich verfügbar.23 Der Käufer wird darauf drängen so viele unterneh-mensrelevante Daten wie möglich zu erhalten um sein Investitionsrisiko gering zu halten.

[...]


1 Zierz, L., 13.11.2008, Erhebung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG, www.marktundmittelstand.de

2 DPA, 13.11.2008, Studie des Finanzinformationsdienstleisters Thomson Financial London, www.handelsblatt.com

3 Bei den Transaktionen, in deren Umfeld eine Due Diligence steht, handelt es sich

meist um den Erwerb von Unternehmen, Unternehmensteilen, Beteiligungen oder um Verschmelzungen (Fusionen).

4 Vgl. Scott, C. (Hrsg.): DD in der Praxis - Risiken minimieren bei Unternehmenstransaktionen, Wiesbaden, 2002, Seite 6

5 Vgl. Heidinger, F.J., Albeseder, W.: DD - Ein Handbuch für die Praxis, Wien, 2001, Seite 11

6 Vgl. Berens/Brauner/Strauch: DD bei Unternehmesakqusitionen, 4. Aufl., Stuttgart, 2005, Seite 12 , Zitat n. Binder/Lanz, 1993, Seite 15

7 Vgl. Nüsser/Nacken: Kauf und Verkauf mittelständischer Unternehmen, Köln, 2005, Seite 101

8 Vgl. Angersbach, C.J.: DD beim Unternehmenskauf, München i. Br.,

Ludwig-Maximilian-Universität München i.B., Juristische Fakultät, Dissertation 2001, Seite 67

9 Vgl. Scott, C. (Hrsg.): a.a.O., Seite 16

10 Berens/Brauner/Strauch: a.a.O., Seite 14, Zitat n. Crilly, 1993, Seite 2-03; CLE (Hrsg.), 1995, Seite 1-4; Lawrence, 1995, Seite 3-27 und 4-2; Binder/Lanz,1993, Seite 20

11 Erfolgt ein DD-Report im Gegensatz dazu unter Einbezug aller Bereiche, so wird dieser als "Full Scope Due Diligence" bezeichnet.

12 Vgl. Berens/Brauner/Strauch: ebenda

13 Vgl. Koch, T.: DD und Beteiligungserwerb aus Sicht des Insiderrechts, Bonn i. Br., Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn i.B., Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät, Dissertation 2006, Seite 83

14 Vgl. Koch, T.: ebenda

15 Vgl. Heidinger, F.J., Albeseder, W.: a.a.O., Seite 64

16 Vgl. Berens/Brauner/Strauch: a.a.O., Vorwort zur DD, Seite VI

17 Vgl. Berens/Brauner/Strauch: a.a.O., Seite 459-460

18 Vgl. Koch, T.: a.a.O., Seite 84

19 Vgl. Vogel, D.H.: M&A - Ideal und Wirklichkeit, 1.Aufl., Wiesbaden, 2002, Seite 170

20 Vgl. Vogel, D.H.: a.a.O., Seite 170; Vgl. Jansen, S.A.: M&A - Unternehmensakquisi tionen und -kooperationen, 4. Aufl., Wiesbaden, 2001, Seite 187

21 Vgl. Berens, Brauner, Strauch: a.a.O., Seite 108

22 Vgl. Berens, Brauner, Strauch : a.a.O., Vorwort zur LDD, Seite IX-X

23 Vgl. Koch, T.: a.a.O., Seite 106-107

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Legal Due Diligence - Ursprung und Definition, Inhalte und Zielsetzung, Ablauf
Hochschule
Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin
Veranstaltung
SPF Controlling (Finanz- und Investitionscontrolling)
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
26
Katalognummer
V159109
ISBN (eBook)
9783640725960
ISBN (Buch)
9783640726240
Dateigröße
1305 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Legal, Diligence, Legal Due Diligance, Finanzcontrolling, Mergers & Acqusitions, Controlling, Fusion, Unternehmensfusion, Joint Ventures, Unternehmenszusammenschluss, rechtliche Due Diligence
Arbeit zitieren
Isabella Beyer (Autor), 2008, Legal Due Diligence - Ursprung und Definition, Inhalte und Zielsetzung, Ablauf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/159109

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