Demenz und das Pflegephänomen Verwirrung


Seminararbeit, 2003
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Demenz
2.1 Definition
2.2 Eine mögliche Ursache der Demenz: die Alzheimer Krankheit

3 Verwirrung
3.1 Die Entstehung von Verwirrung: Spezifische Verluste höherer Hirnleistungen
3.2 Dimensionen von Verwirrtheit
3.2.1 Zeitliche Verwirrtheit
3.2.2 Räumliche Verwirrtheit
3.2.3 Personelle Verwirrtheit
3.2.4 Situative Verwirrtheit
3.2.5 Zusätzliche Reaktionen

4 Verstehen, was es bedeutet, an einer Demenz zu erkranken
4.1 Gestörte Einprägung und Gedächtnisabbau
4.2 Verlust erworbener Fähigkeiten und Fertigkeiten
4.3 Verlust der Sprache
4.4 Erinnerung und Identität

5 Fazit

6 Literatur

1 Einleitung

Etwa eine Million Menschen leiden derzeit in Deutschland an einer Demenz, Tendenz steigend, weil immer mehr Menschen ein hohes Alter erreichen. Ca. zwei Drittel aller Betroffenen werden – oft rund um die Uhr – von ihren Angehörigen betreut und gepflegt, teilweise allein, häufig mit Unterstützung eines Pflegedienstes. Das andere Drittel der Kranken wird zu Hause über ambulante Dienste, in Einrichtungen des betreuten Wohnens oder in stationären Pflegeeinrichtungen versorgt. Laut HARTMANN (2000, 73) wird jedoch die Pflege alter Menschen in unserer Gesellschaft immer noch „als nicht anspruchsvoll und nicht komplex erachtet“. Unausgebildete Pflegende und PflegehelferInnen hätten den längsten und häufigsten Kontakt zu den verwirrten alten Menschen. Es gebe außerdem keine präzise Pflegediagnose Verwirrung und in der Literatur mangelnde Übereinstimmung bezüglich Definitionen und Instrumenten, um Verwirrung zu identifizieren und messbar zu machen (HARTMANN 2000, 73). Somit fehlt auch oft die Möglichkeit, angemessen und begründet zu handeln, die Pflegenden handeln aus dem Bauch heraus.

Die Ausprägungen von Demenz und der damit einhergehenden Verwirrung sind vielfältig. Laut HARTMANN (2000, 73) ist Verwirrung eine Ursache für vielfältige Selbstpflegedefizite. Die Symptome sind sehr unterschiedlich und bekommen je nach Persönlichkeit eine individuelle Prägung. Der psychosoziale Aspekt ist gerade deshalb in der Pflege von alten verwirrten Menschen sehr wichtig. Es müssen individuell Kommunikationsmöglichkeiten und -formen gefunden werden. Die Kranken brauchen Verständnis und Wertschätzung, damit die Unterstützungsangebote in den Aktivitäten des täglichen Lebens, nicht nur auf den Körper, sondern auch auf den sozialen und geistigen Bereich bezogen, Wirkung zeigen können.

Um Demenzkranke angemessen zu betreuen, muss man zunächst verstehen, was Demenz

überhaupt ist und in welchen Stadien und Formen sie auftritt. Wie entsteht dabei ´Verwirrung`, was versteht man darunter und in welchen verschiedenen Facetten tritt sie auf? Wie wird diese Verwirrung von den Kranken und von ihrer Umwelt erlebt? Dieses Referat versucht im Folgenden, Antworten auf diese Fragen zu geben.

2 Demenz

2.1 Definition

Demenz ist ein Muster von Symptomen. Dazu gehören Gedächtnisstörungen und Denkschwierigkeiten bei klarem Bewusstsein, dadurch bedingte Minderung der Leistungsfähigkeit im Alltag in Verbindung mit Veränderungen der Stimmungskontrolle und der sozialen Verhaltensweisen. Orientierungs- und Wortfindungsstörungen sind ein weiteres Symptom. Eine der häufigsten Ursachen ist die Alzheimer Krankheit, Demenz kommt aber auch bei vielen anderen Erkrankungen vor (vgl. KURZ 2002, 8).

Eine weitere Definition findet sich bei BECKER (1999, 19;24):

Demenz bedeutet „das Scheitern in der Bewältigung des gewohnten Alltags aufgrund von Einbußen und Verlusten höherer Hirnfunktionen, insbesondere des Denkens, der Intelligenz und des Gedächtnis“. Das Krankheitsbild besteht aus den geistigen Einbußen und den Reaktionen auf diese geistigen Einbußen.

2.2 Eine mögliche Ursache der Demenz: die Alzheimer Krankheit

Hierbei handelt es sich um einen sehr langsam fortschreitenden Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten, der vor allem die für das Gedächtnis und die Denkfähigkeit wichtigen Abschnitte des Gehirns betrifft. Verantwortlich gemacht werden hierfür vor allem zwei fehlerhafte Stoffwechselvorgänge: zum einen die Ablagerung von nervenzellschädigendem Amyloid, zum anderen die Bildung von Faserknäueln. Im Gehirn fehlt vor allem ein für das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit wichtiger Überträgerstoff, das Acetylcholin (KURZ 2002, 1).

Der größte Risikofaktor ist das Alter, wobei die Krankheit durchaus auch schon vor dem 50. Lebensjahr auftreten kann. Von den 60jährigen leidet z.B. jeder Hundertste, von den 80jährigen jeder Dritte daran. Durchblutungsstörungen des Gehirns sind keine unmittelbare Ursache für Alzheimer, können aber ebenfalls für eine Demenz verantwortlich sein (KURZ 2002, 1-2).

Die Alzheimer Krankheit wird in drei verschiedene Stadien eingeteilt. Während die Betroffenen im frühen Stadium trotz Gedächtnis-, Orientierungs-, Denk- und Wortfindungsstörungen noch weitgehend selbständig sind, ist die Bewältigung des Alltags im mittleren Stadium zunehmend eingeschränkt. Im frühen Stadium sind sich die Betroffenen sehr bewusst über das Nachlassen ihrer Leistungsfähigkeit und sie versuchen, Fehler zu verschleiern und Ausreden für ungewöhnliche Vorfälle zu erfinden.

Später, im mittleren Stadium, geht das Krankheitsgefühl allmählich verloren, Erinnerungen verblassen. Hinzu kommen schwerwiegende Veränderungen des Verhaltens: hochgradige Unruhe, fortwährend dieselben Fragen, Gereiztheit, Aggressivität und wahnhafte Überzeugungen (bestohlen, betrogen werden) können für Angehörige und Pflegende zu echten Problemen werden. Sinnestäuschungen sind dagegen selten (Sehen oder Hören von nichtvorhandenen Dingen).

Das fortgeschrittene Stadium ist gekennzeichnet von hochgradigem geistigem Abbau, die Sprache geht fast völlig verloren und die Betroffenen sind bei allen Verrichtungen des täglichen Lebens auf Hilfe angewiesen. Die Alzheimer-Krankheit selbst führt nicht zum Tod, die häufigste Todesursache ist die Lungenentzündung (KURZ 2002, 7-10).

3 Verwirrung

3.1 Die Entstehung von Verwirrung: Spezifische Verluste höherer Hirnleistungen

Um zu verstehen, wie Menschen höhere Hirnfunktionen nutzen und was höhere Hirnfunktionen eigentlich sind, kann es hilfreich sein, die Gesamtheit der Denkvorgänge des Menschen näher zu betrachten. Dann können auch mögliche geistige Defizite Demenzkranker leichter identifiziert werden (BECKER 1999, 25ff):

Am Anfang steht die Wahrnehmung, die aus Sinnesreizen, einem Aufmerksamkeitsfilter und der Konzentrationsfähigkeit besteht. Die Funktionsfähigkeit der Sinnesorgane ist also essentiell, hinzu kommt die Aufmerksamkeit als aktive Leistung unseres Gehirns. Letztere ist bei Dementen häufig gestört. Wenn wir normalerweise aus vielen Reizen die wesentlichen herausfiltern, ist diese Selektionsfähigkeit bei Dementen nicht mehr vorhanden, es kommt zur Reizüberflutung, die sich wiederum negativ auf die Unterscheidungsfähigkeit auswirkt. Es kommt zu Unruhe- und Angstzuständen, Blumen auf Teppichen erscheinen als echt und werden „gepflückt“. Die Konzentrationsfähigkeit beeinflusst die Zeitspanne der Aufmerksamkeit. Demente können oft nicht beliebig lange aufmerksam bleiben, Pläne und Handlungen verlieren sich im Nichts.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Demenz und das Pflegephänomen Verwirrung
Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin  (Pflege/Pflegemanagement)
Veranstaltung
Seminar: Pflegephänomene/Pflegediagnosen, 5. Semester
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
17
Katalognummer
V15918
ISBN (eBook)
9783638209069
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demenz, Pflegephänomen, Verwirrung, Seminar, Pflegephänomene/Pflegediagnosen, Semester
Arbeit zitieren
Ute Hauser (Autor), 2003, Demenz und das Pflegephänomen Verwirrung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15918

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