Wie charakterisieren sich die Unterschiede zwischen den historischen Schwankungen des Gletscherstandes und dem aktuellen Gletscherrückgang, der durch den Klimawandel hervorgerufen wird?
Welche Auswirkungen hat der aktuelle Gletscherrückgang auf ausgewählte Bereiche im Untersuchungsgebiet?
Der Grosse Aletschgletscher ist als längster Talgletscher der Alpen wie die anderen alpinen Gletscher von den Folgen des Klimawandels betroffen. Im Holozän war der Grosse Aletschgletscher regelmässigen Schwankungen bezüglich des Gletscherstandes ausgesetzt, die durch Klimaveränderungen hervorgerufen wurden. Seit Beginn der Industrialisierung und vor allem seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts steigen die jährlichen Durchschnittstemperaturen rapide an. Gletscher reagieren träge auf Klimaveränderungen. So begann sich der Grosse Alteschgletscher zeitlich versetzt auch von Jahr zu Jahr weiter zurückzuziehen.
Die zukünftige Entwicklung des Grossen Aletschgletschers ist abhängig von Klimaszenarien. Das günstigste Klimaszenario geht von einer regionalen Erwärmung von maximal 2 °C aus, das ungünstigste von 4 bis 8 °C. Es wird prognostiziert, dass sich der Grosse Aletschgletscher unter jedem Klimaszenario bis ins Jahr 2050 auf eine Höhe etwas unterhalb des Märjelensees zurückziehen wird. Kann die regionale Erwärmung auf 2 °C begrenzt werden, wird der Konkordiaplatz im Jahr 2100 noch vereist sein, kommt es jedoch zu einer Erwärmung von bis 4 bis 8 °C, ist davon auszugehen, dass der Grosse Aletschgletscher in seiner Gesamtheit bis auf ein paar permanente Firnfelder im Jahr 2100 verschwunden sein wird. Der Klimawandel hat zudem massive Auswirkungen auf unterschiedliche Bereiche der Aletschregion. Es kommt vermehrt zu Naturgefahren wie z.B. Steinschlag, Felsstürzen, Hochwasser, Lawinen oder Murgängen.
Traditionelle und bewährte Formen der Landwirtschaft und Landnutzung werden durch den Klimawandel bedroht und auch die Wasserversorgung im Oberwallis, die größtenteils vom Schmelzwasser der Gletscher abhängig ist, wird auf lange Sicht hin Problemen ausgesetzt sein. Auch der Tourismus in der Region muss auf vielfältige Weise an die Folgen des Klimawandels angepasst werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Abstract
2. Forschungsinteresse
3. Forschungsfragen
4. Geomorphologische Grundlagen des Untersuchungsgebietes
5. Der historische Verlauf des Gletscherstandes des Aletschgletschers
6. Der Aletschgletscher angesichts des Klimawandels
6.1 Auswertung klimatologischer Daten
6.2 Zukunftsszenarien
7. Gegenüberstellung der historischen Dimension und der heutigen Situation
8. Auswirkungen des Klimawandels und des Gletscherrückgangs auf die Region
8.1 Naturgefahren
8.2 Auswirkungen auf den (Ski-) Tourismus auf der Belalp, Bettmeralp und Riederalp
8.3 Auswirkung auf die Landnutzung
8.4 Auswirkung auf die Wasserversorgung im Oberwallis
9. Adaption und Mitigation an den Klimawandel in der Region
10. Diskussion und Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, anhand klimatologischer Datenauswertungen die historische und aktuelle Entwicklung des Grossen Aletschgletschers zu analysieren und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Aletschregion sowie zukünftige Szenarien zu untersuchen.
- Analyse der historischen Schwankungen des Gletscherstandes im Vergleich zum heutigen Rückgang.
- Klimatologische Auswertung der Temperatur- und Niederschlagsentwicklung in der Region.
- Untersuchung der direkten und indirekten Auswirkungen des Gletscherrückgangs auf Naturgefahren, Tourismus, Landnutzung und Wasserversorgung.
- Diskussion von Adaptions- und Mitigationsstrategien zur Bewältigung des Klimawandels im Untersuchungsgebiet.
Auszug aus dem Buch
6. Der Aletschgletscher angesichts des Klimawandels
Der Gletscherstand der Alpengletscher ist abhängig von der Klimaentwicklung im Untersuchungsgebiet. Die wichtigsten Einflussgrößen dabei sind die Temperatur- und Niederschlagsänderungen. Aus den historischen Daten lässt sich annehmen, dass der Grosse Aletschgletscher eher träge auf Klimaveränderungen reagiert. Im Folgenden sollen klimatologische Daten im Untersuchungsgebiet aus der Vergangenheit ausgewertet werden und anschließend Zukunftsszenarien abhängig von verschiedenen Treibhausgasemissionsszenarien erarbeitet werden.
6.1 Auswertung klimatologischer Daten
Weltweit ist zu beobachten, dass es zu globalen und regionalen Klimaveränderungen kommt, die mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit in erster Linie durch die menschgemachten Treibhausgasemissionen verursacht werden. In der Schweiz ist zu beobachten, dass die mittlere jährliche Lufttemperatur um ca. 1,6 °C seit Beginn des 20. Jahrhunderts angestiegen ist. Die Erwärmung in der Schweiz ist ca. 1,6-mal größer als die durchschnittliche Erwärmung auf der Nordhalbkugel. Direkte Folgen der Erwärmung sind die Gletscher- und Schneeschmelze sowie das Auftauen des Permafrostes im Hochgebirge. (Dr. Mischa Croci-Maspoli, Klimaszenarien Schweiz – eine regionale Übersicht, 2014)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Abstract: Bietet einen Überblick über die Gletscherreaktionen auf den Klimawandel, prognostizierte Zukunftsszenarien bis 2100 und die Auswirkungen auf Naturgefahren, Landwirtschaft und Tourismus.
2. Forschungsinteresse: Beschreibt den Klimawandel als globale Herausforderung und erläutert die spezifische Betroffenheit der Walliser Alpen sowie das Ziel der Arbeit.
3. Forschungsfragen: Definiert die zentrale Untersuchung der Unterschiede zwischen historischen Schwankungen und aktuellem Gletscherrückgang sowie die Auswirkungen auf regionale Bereiche.
4. Geomorphologische Grundlagen des Untersuchungsgebietes: Beschreibt die Entstehung und Beschaffenheit des Grossen Aletschgletschers als Teil eines komplexen Gletschersystems.
5. Der historische Verlauf des Gletscherstandes des Aletschgletschers: Analysiert Methoden der Gletscherrekonstruktion und die historische Entwicklung vom Holozän bis zur "Kleinen Eiszeit".
6. Der Aletschgletscher angesichts des Klimawandels: Befasst sich mit der klimatologischen Datenauswertung und modellbasierten Zukunftsszenarien für den Gletscher.
7. Gegenüberstellung der historischen Dimension und der heutigen Situation: Vergleicht die beispiellose Intensität des heutigen Gletscherrückgangs mit natürlichen Prozessen der Vergangenheit.
8. Auswirkungen des Klimawandels und des Gletscherrückgangs auf die Region: Untersucht exemplarisch die Folgen für Naturgefahren, Tourismus, Landnutzung und Wasserversorgung.
9. Adaption und Mitigation an den Klimawandel in der Region: Diskutiert Anpassungsmaßnahmen an Naturgefahren und die Notwendigkeit, das Tourismuskonzept an einen klimawandelunabhängigen Betrieb anzupassen.
10. Diskussion und Fazit: Fasst zusammen, dass der aktuelle Gletscherrückgang anthropogen geprägt ist und betont, dass die Region den Wandel trotz Herausforderungen durch innovative Planung aktiv gestalten muss.
Schlüsselwörter
Grosser Aletschgletscher, Klimawandel, Gletscherrückgang, Walliser Alpen, Naturgefahren, Alpwirtschaft, Tourismus, Wasserspeicherung, Klimaszenarien, Holozän, Anpassung, Mitigation, Moosfluh, Suonen, Temperaturanstieg
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des Klimawandels auf den Grossen Aletschgletscher und die daraus resultierenden Konsequenzen für die physisch-geographischen und humangeographischen Bereiche der Aletschregion.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten gehören die Gletscherdynamik, die klimatologische Analyse der Region, Naturgefahren wie Hangrutschungen sowie die sozioökonomischen Auswirkungen auf Tourismus und Landwirtschaft.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie sich der aktuelle, klimawandelbedingte Gletscherrückgang von historischen Schwankungen unterscheidet und welche direkten Auswirkungen dieser auf die Region im Wallis hat.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Analyse, die klimatologische Daten, den Vergleich historischer Aufzeichnungen und Bildquellen sowie eine Auswertung aktueller Forschungsergebnisse zu Klimaszenarien und geomorphologischen Prozessen kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Rekonstruktion des Gletscherstandes, eine Analyse der Klimadaten, die Erstellung von Zukunftsszenarien sowie die Untersuchung spezifischer regionaler Auswirkungen in den Bereichen Tourismus, Wasserwirtschaft und Naturgefahren.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Aletschgletscher, Klimawandel, Gletscherrückgang, Walliser Alpen, Naturgefahren, Alpwirtschaft und Klimaszenarien definieren.
Warum ist der Aletschgletscher ein "ideales Untersuchungsobjekt"?
Aufgrund seiner Größe und der Trägheit seiner Reaktion auf Klimaveränderungen dient er als wichtiger Indikator, um langfristige klimatische Entwicklungen besser erforschen und einordnen zu können.
Welche Rolle spielt die Moosfluh im Kontext der Naturgefahren?
Die Moosfluh wird als Beispiel für eine massive Hangrutschung angeführt, deren Beschleunigung direkt mit dem Gletscherrückgang korreliert, was den Schutz der Bevölkerung und Infrastruktur vor neue Herausforderungen stellt.
Warum ist das "Top of Europe"-Marketing laut Autor teilweise irreführend?
Der Autor merkt kritisch an, dass die touristische Bezeichnung für das Jungfraujoch geografisch irreführend ist, da es in den Alpen höher gelegene und ebenfalls erschlossene Aussichtspunkte gibt.
Welches Fazit zieht der Autor für die Zukunft der Aletschregion?
Der Autor sieht trotz der negativen Auswirkungen durch den Klimawandel auch Chancen für die Region, sofern durch innovative Planung und Investitionen eine nachhaltige Anpassung an die veränderten Gegebenheiten erfolgt.
- Citar trabajo
- Andreas Stadler (Autor), 2020, Aktuelle Landschaftsveränderungen am Aletschgletscher angesichts des Klimawandels, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1591927